Die Globalisierung ist in aller Munde. Gerade in der Politik wird sie genutzt, um zu begründen, warum eine politische Entscheidung „alternativlos“ sei oder um die Angst vor ihr in Wählerstimmen umzumünzen.
Während die Globalisierung im asiatischen Raum als erfolgreichste Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte gilt, gewinnen immer mehr Europäer den Eindruck, dass der Staat und damit jeder Bürger zum Opfer einer erpresserischen Standortkonkurrenz werden.
Sind Staaten heute also nur noch Getriebene dieses gar nicht so neuen Phänomens namens Globalisierung? Oder haben die Staaten immer noch Handlungsspielraum bei der Steuerung wirtschaftlicher Vorgänge?
Dies sind die Kernfragen, die dieser Arbeit zu Grunde liegen. Die Antworten sind mehrdimensional und unbequem – aber eben gerade deshalb auch spannend.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Publikationsüberblick
1.2 Grundlagen dieser Arbeit
1.2.1 Hypothese
1.2.2 Aufbau der Arbeit
1.2.3 Definitionsversuche des Phänomens ‚Globalisierung’
2 Historie der Globalisierung
2.1 Der Protektionismus und der aktive Staat
2.2 Von Bretton Woods zum neuen Zeitalter globaler Finanzmärkte
2.3 Monetarismus statt Keynesianismus
2.4 Von der geografischen Unterwerfung zur intellektuellen Eroberung
3 Ökonomische Globalisierung
3.1 Globale Produktion, Welthandel und Investition
3.1.1 Weltweiter Handel und Wissens-Ökonomie
3.1.2 Der Indikator Investition
3.1.3 Die globalen Akteure
3.2 Globale Finanzmärkte
3.3 Globale Immobilität versus globale Mobilität
3.4 Ist die Globalisierung global?
4 Der Nationalstaat und die Globalisierung
4.1 Offensive versus defensive Staatsstrategien
4.1.1 Vier Staatsstrategien nach Beck
4.1.2 Die Staatsstrategien der Unverzichtbarkeit
4.1.2.1 Die Strategien der Großen Politik
4.1.3 Die Unersetzbarkeitsstrategien
4.1.4 Die Strategien der Vermeidung von Weltmarktmonopolen
4.1.5 Die Strategien zwischenstaatlicher Konkurrenzreduktion
4.1.5.1 Die sozialdemokratische Spezialisierungsstrategie
4.1.5.2 Die Billiglohn-Strategie
4.1.5.3 Die Steuerparadiesstrategien
4.1.6 Die Hegemoniestrategie
4.1.7 Die Transnationalisierungsstrategien
4.2 Wettbewerbsstaat = ‚race to the bottom’?
4.2.1 Das TINA-Prinzip
4.2.2 Interessensdivergenzen im Nationalstaat
4.2.3 Die Konvergenzthese
4.2.3.1 Die Konvergenzthese und regionale Kooperation
4.2.4 Gründe für die Standortverlagerung
4.3 Globalisierung als das Ende des Wohlfahrtsstaates? Gibt es einen Steuerwettlauf nach unten?
4.3.1 Das Grundmodell des Steuerwettbewerbs
4.3.2 Effizienz- versus Kompensationsthese
4.3.3 Steuerwettbewerb und Struktureffekt
4.3.4 Das ‚Übel’ Staatsquote
4.3.4.1 Kritiken an den Indikatoren Staats- und Steuerquote
4.4 Kasinokapitalismus versus Kapitalmarktpolizist
4.4.1 Die Regulierung des Bankensektors
4.4.2 Die Typologie des regulativen Wettbewerbs
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und in welchem Ausmaß die Handlungsautonomie des Nationalstaates durch den Globalisierungsprozess eingeschränkt wird. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob der Nationalstaat im Zuge der Globalisierung und des damit einhergehenden Drucks auf die Wirtschaftspolitik seine Fähigkeit verliert, als souveräner Akteur öffentliche Güter bereitzustellen.
- Wirkung der Globalisierung auf die staatliche Handlungsautonomie
- Strukturwandel von nationaler Produktion hin zur Wissensökonomie
- Konfliktfeld zwischen Standortwettbewerb und Sozialstaat
- Rolle von Finanzmärkten und internationalen Institutionen
- Analyse von Staatsstrategien als Antwort auf den Globalisierungsdruck
Auszug aus dem Buch
3.1 Globale Produktion, Welthandel und Investition
Entscheidend für die Feststellung einer globalen Ökonomie ist die expansive Zunahme globaler im Vergleich zu national begrenzten Wirtschaftsleistungen. Dies betrifft sowohl die Zunahme grenzüberschreitender Produktion, des transnationalen Handels mit Gütern und Dienstleistungen sowie Kapital. Varwick sieht in diesem Vorgang die Ablösung von Staatsräumen durch Wirtschaftsräume. Die Feststellung, dass die Regelungskompetenz der Staaten auf ihr Territorium begrenzt bleibt, aber der ökonomische Raum TNU nicht mehr mit ihm deckungsgleich ist, wird hier zum Kardinalindikator der Globalisierung. Generell nennt die Literatur Handel, Investitionen, Finanzmärkte und Akteure als Untersuchungsgegenstände.
Es lassen sich eine Vielzahl von Spezialisierungen verschiedenster Indikatoren wie z.B. die Zunahme von ‚global sourcing’ in Unternehmensstrategien oder eine Veränderung der Lohndivergenz finden. Sie lassen sich aber immer wieder unter die genannten Bereiche zusammenfassen, so dass diese im Folgenden untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Globalisierung, Darstellung der damit verbundenen Hoffnungen und Ängste sowie Erläuterung des Aufbaus und der Hypothesen dieser Arbeit.
2 Historie der Globalisierung: Historischer Abriss der internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen und der Entwicklung hin zu den heutigen globalen Märkten.
3 Ökonomische Globalisierung: Untersuchung der ökonomischen Dimensionen, insbesondere in den Bereichen Produktion, Welthandel, Investitionen und Finanzmärkte, sowie kritische Betrachtung ihrer tatsächlichen Globalität.
4 Der Nationalstaat und die Globalisierung: Analyse der Auswirkungen der Globalisierung auf die Souveränität des Nationalstaats sowie Vorstellung verschiedener staatlicher Strategien zur Reaktion auf diesen Prozess.
5. Resümee: Überprüfung der aufgestellten Hypothese und Zusammenführung der Ergebnisse zur Handlungsautonomie des Nationalstaates im globalen wirtschaftspolitischen Raum.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Nationalstaat, Handlungsautonomie, Wirtschaftspolitik, Standortwettbewerb, Finanzmärkte, Wohlfahrtsstaat, Transnationale Unternehmen, Regulierung, Steuerwettbewerb, Souveränität, öffentliche Güter, Wirtschaftsräume, Kapitalmarkt, Systemwettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Prozesses der Globalisierung auf die Souveränität und die Handlungsfähigkeit des Nationalstaates im Bereich der Wirtschaftspolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die ökonomische Globalisierung, die Rolle von Finanzmärkten, die Frage nach dem Ende des Wohlfahrtsstaates durch Standortwettbewerb sowie verschiedene offensive und defensive Staatsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin festzustellen, ob der Nationalstaat durch die Globalisierung tatsächlich seine Handlungsmöglichkeiten verliert oder ob er lediglich seine Instrumente an die veränderten Bedingungen anpassen muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte und empirische Befunde zu Globalisierung, staatlicher Souveränität und Wirtschaftspolitik zusammenführt und auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Analyse der Globalisierung und eine politologische Betrachtung der Auswirkungen auf den Nationalstaat, inklusive der Untersuchung von Staatsstrategien wie der Hegemoniestrategie oder der Transnationalisierungsstrategie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Standortwettbewerb, Steuerwettbewerb, Handlungsautonomie, TINA-Prinzip, Finanzmarktstabilität und Wettbewerbsstaat beschreiben den inhaltlichen Kern der Arbeit.
Gibt es einen Steuerwettlauf nach unten (race to the bottom)?
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass es keinen dramatischen „Steuerwettlauf nach unten“ gibt, auch wenn sich die Struktur der Steuereinnahmen verändert hat und ein erhöhter Anpassungsdruck auf die Nationalstaaten besteht.
Wie reagieren Staaten auf den Verlust ihrer Handlungshoheit?
Staaten reagieren durch unterschiedliche Strategien, von defensiven Abschottungstendenzen bis hin zu offensiven Strategien wie regionaler Kooperation (z.B. EU) oder der aktiven Einbindung privater Akteure in die Regulierung.
Warum ist das Finanzmarktsystem so problematisch für Staaten?
Da Finanzmärkte global agieren und teilweise dereguliert sind, können ihre Krisen nationale Volkswirtschaften destabilisieren, wobei die Nationalstaaten oft nur noch begrenzt regulatorisch eingreifen können.
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- Kai-Olaf Glißmann (Author), 2006, Globalisierung = Staat ohne Macht? Möglichkeiten und Grenzen des Nationalstaates im wirtschaftspolitischen Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62167