In die Untersuchung werden Adverbien aufgenommen, die auf Adjektive zurückgeführt werden können. Neben den einfachen Ableitungen auf-ooder-(i)ewie zum Beispiel szybko 'schnell', wesoło 'fröhlich', niebezpiecznie 'gefährlich' und wściekle 'wütend' werden auch analytische Adverbien berücksichtigt, bei denen ein Element, das von einem Adjektiv abgeleitet ist, mit einer Präposition einhergeht, wie zum Beispiel na boso 'barfuß', po pijanemu 'betrunken', do sucha 'trocken', nicht jedoch solche Adverbien, die auf ein Substantiv zurückzuführen sind, wie beispielsweise na bosaka 'barfuß', na golasa 'nackt'. In Beispiel (4) weist blisko 'nah' zwar die Semantik und die morphologische Form des zugrunde liegenden Adverbs auf, regiert aber den Kasus des folgenden Ausdrucks und ist somit als Präposition zu klassifizieren. Eine Interpretation des Satzteils blisko wyścigów 'nah den Rennen' als sekundärem Prädikat ist zwar möglich. Da diese Untersuchung sich auf Adverbien beschränkt, werden jedoch auch Konstruktionen wie (4) ausgeschlossen, in denen eine Präposition auftritt, die von einem Adverb abgeleitet ist. Im nächsten Abschnitt wird zunächst der Untersuchungsgegenstand eingegrenzt, indem sekundäre Prädikate primären Prädikaten (2.1), prädikativen Komplementen und komplexen Prädikaten (2.2) sowie Adverbialen (2.3) gegenübergestellt werden. In diesem Zusammenhang werden außerdem nominalphraseninterne Adverbien (2.4) und Adverbialpartizipien (2.5) diskutiert. Die dann folgenden Abschnitte behandeln syntaktische Charakteristika von Konstruktionen, in denen partizipantenbezogene Adverbien als Depiktive, Resultative und Zirkumstantiale auftreten (Kapitel 3, 4 und 5). Abschnitt 6 befaßt sich mit der Syntax und Semantik von Adverbien, deren Partizipantenbezug als vage einzustufen ist. Semantische Charakteristika der besprochenen, eindeutig partizipantenbezogenen Adverbien und der primären Prädikate, mit denen sie einhergehen, werden in Kapitel 7 behandelt. Abschnitt 8 schließlich geht der Frage nach, in welchen Kontexten eine alternative Markierung für sekundäre Prädikate durch Adjektive oder analytische Adverbien anstelle von einfachen Adverbien möglich ist und Kapitel 9 faßt die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands
2.1 Primäre Prädikate
2.2 Prädikative Komplemente und komplexe Prädikate
2.3 Partizipantenbezogene Adverbien vs. Adverbiale
2.3.1 Adverbiale unterschiedlicher Ebenen
2.3.2 Tests zur Abgrenzung von Partizipanten- und Ereignisbezug
2.3.3 Partizipanten- und Ereignisbezug als semantisches Kontinuum
2.4 Nominalphraseninterne Adverbien
2.4.1 Attribute
2.4.2 Adverbien mit Attributsbezug
2.5 Adverbialpartizipien
3. Depiktive
3.1 Depiktive mit Subjekts- oder Objektsbezug
3.2 Depiktive mit Bezug auf einen semantischen Partizipanten
3.3 Syntaktische Charakteristika von Konstruktionen mit depiktiven Adverbien
4. Resultative
4.1 Resultative mit Subjekts- oder Objektsbezug
4.2 Resultative mit Bezug auf einen semantischen Partizipanten
4.3 Zur Unterscheidung von Depiktiven und Resultativen
4.4 Syntaktische Charakteristika von Konstruktionen mit resultativen Adverbien
5. Zirkumstantiale
6. Vage Partizipantenorientierung
6.1 Partizipantenbezug von Adverbien mit Argumentstatus
6.2 Vagheit bei Satelliten der Ebene 1
6.3 Partizipantenbezug von Satelliten der Ebenen 2 und 3
7. Semantische Charakteristika
7.1 Prototypische partizipantenorientierte Adverbien
7.2 Primäre Prädikate
7.3 Analytische Adverbien
8. Alternative Kodierungen
9. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Magisterarbeit untersucht die Verwendung von partizipantenbezogenen Adverbien im modernen Standardpolnisch. Das Ziel ist es, unter welchen Bedingungen adverbiale Markierungen für Inhalte verwendet werden, die auf der semantischen Ebene als partizipantenorientiert einzustufen sind, und welche semantischen Unterschiede zu alternativen Markierungen wie depiktiven Adjektivkonstruktionen bestehen.
- Abgrenzung von sekundären Prädikaten gegenüber primären Prädikaten und Adverbialen.
- Klassifizierung partizipantenbezogener Adverbien in Depiktive, Resultative und Zirkumstantiale.
- Analyse vager Partizipantenorientierung und deren syntaktischer Status.
- Untersuchung der semantischen Charakteristika und alternativer Kodierungsstrategien im Polnischen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Depiktive mit Bezug auf einen semantischen Partizipanten
Im Vergleich zu Subjekt- und Objektsbezug recht selten anzutreffen ist die Orientierung von Adverbien auf einen „semantischen Partizipanten“ (Schultze-Berndt & Himmelmann 2004:72ff). So ein Fall liegt vor, wenn der Controller zwar auf konzeptueller Ebene in den Stand der Dinge involviert ist, aber nicht explizit an der Satzoberfläche auftaucht.
Ein Beispiel für Bezug auf einen semantischen Partizipanten liegt mit (61) vor. Das Adverb niesmacznie 'unschmackhaft' prädiziert hier etwas über die Nahrung als das Instrument, mit dem der entsprechende Referent ernährt wurde. Ebenso ist auch bei olejno 'ölig, mit Öl' in (62) Bezug auf ein Instrument als semantischem Partizipanten gegeben, da das Adverb hier etwas über die Art der Farbe aussagt, mit der die Bilder gemalt werden.17
(61) Odżywiano go niesmacznie, lecz nie cierpiał głodu. (Szczypiorski)
'Man ernährte ihn unschmackhaft, doch litt er keinen Hunger.'
(62) Kocha przyrodę, maluje ją akwarelą i olejno, z natury raczej artysta i marzyciel. (Newerly)
'Er liebt die Natur, er malt sie mit Aquarell- und Ölfarbe [wörtlich: mit Aquarellen und ölig], von Natur aus eher ein Künstler und Träumer.'
Auch bei anonimowo 'anonym' in (63) ist von Bezug auf einen semantischen Partizipanten auszugehen, denn es sind weder der Rezipient noch das Geld, sondern die Spender, die in diesem Kontext anonym auftreten. Im Prädikatsrahmen eines Verbs wie otrzymać 'erhalten' sind jedoch nur Argumentstellen für den Rezipienten und das, was transferiert wird, vorgesehen, dementsprechend muß eine Quelle oder ein Donator nicht explizit an der Satzoberfläche ausgedrückt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der theoretischen Grundlagen und Zielsetzung der Untersuchung zu partizipantenbezogenen Adverbien im Polnischen.
2. Zur Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands: Einordnung sekundärer Prädikate durch Abgrenzung von primären Prädikaten, prädikativen Komplementen und Adverbialen.
3. Depiktive: Definition und Analyse von Depiktiven, die zeitlich mit dem primären Prädikat überlappen.
4. Resultative: Untersuchung von Resultativen, die eine Folge oder ein Ergebnis der primären Prädikation ausdrücken.
5. Zirkumstantiale: Beschreibung von sekundären Prädikaten, die nicht von der zeitlichen Gültigkeit des primären Prädikats abhängen, sondern diese limitieren.
6. Vage Partizipantenorientierung: Diskussion von Adverbien, deren Zuordnung zwischen partizipanten- und ereignisbezogen vage ist.
7. Semantische Charakteristika: Analyse der semantischen Tendenzen bei der Verwendung partizipantenbezogener Adverbien.
8. Alternative Kodierungen: Untersuchung der Möglichkeiten, sekundäre Prädikate alternativ durch kongruierende Adjektive oder analytische Adverbien zu markieren.
9. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und Ausblick auf künftige Forschung.
Schlüsselwörter
Sekundäre Prädikate, Depiktive, Resultative, Zirkumstantiale, Partizipantenbezug, Ereignisbezug, Polnische Grammatik, Adverbiale Modifikation, Stage-level Prädikate, Controller, Semantisches Kontinuum, Adverbialpartizipien, Syntax, Semantik, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit sekundären Prädikaten im Polnischen, die durch Adverbien realisiert werden, und deren Abgrenzung zu anderen adverbialen Funktionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorien der Depiktive, Resultative und Zirkumstantiale sowie die Frage der Partizipantenorientierung versus Ereignisorientierung von Adverbien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Bedingungen für adverbiale Markierungen partizipantenorientierter Inhalte im Polnischen zu identifizieren und den semantischen Kontrast zu alternativen Kodierungen wie Adjektivkonstruktionen zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert primär auf einer Korpusanalyse literarischer und publizistischer polnischer Texte, ergänzt durch linguistische Paraphrase- und Ersetzungstests.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die funktionale Unterscheidung von Depiktiven, Resultativen und Zirkumstanzialen, die Analyse vager Adverbien und die Untersuchung semantischer Charakteristika sowie alternativer Kodierungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sekundäre Prädikate, Depiktive, Resultative, Partizipantenbezug, Syntax und Semantik des Polnischen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Depiktiven und Resultativen?
Der Autor unterscheidet sie primär über die zeitliche Gültigkeit: Depiktive überlappen zeitlich mit der primären Prädikation, während Resultative ein nachfolgendes Ergebnis kodieren.
Welche Rolle spielt die Ellipse bei der Bestimmung des Controllers?
Die Ellipse ermöglicht es, dass ein Controller auf konzeptueller Ebene involviert ist, obwohl er an der Satzoberfläche nicht explizit als Argument erscheint, was bei der Identifikation von Bezugspunkten für Adverbien wichtig ist.
Warum sind Zirkumstantiale eine quantitativ kleine Gruppe im Korpus?
Der Autor stellt fest, dass Zirkumstantiale, die eine konditionale Semantik aufweisen, im untersuchten Korpus seltener vorkommen als eindeutig depiktive oder resultative Konstruktionen.
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- M.A. Martin Renz (Author), 2006, Partizipantenbezogene Adverbien im Polnischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62225