Der französische Autor Henri Fayol ist, verglichen mit zeitgenössischen Autoren wie Max Weber oder Frederick Winslow Taylor, nicht sehr präsent in der gegenwärtigen verwaltungswissenschaftlichen Literatur. Dennoch hat er einen wesentlichen, wenn nicht grundlegenden Beitrag zur Entwicklung der Organisationstheorie geleistet, besonders in Bezug auf die Struktur von Großunternehmen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die wesentlichen Merkmale des WerkesAllgemeine und industrielle Verwaltungdargestellt und unter Betrachtung zeitgenössischer und aktueller Literatur diskutiert werden. Im Fokus steht dabei die durch die Einheit der Auftragserteilung und das komplementäre System der Stäbe dargestellte Verwaltungsstruktur, ein Thema, das noch heute in der Organisationsliteratur umstritten ist, wie im weiteren Verlauf der Arbeit deutlich wird. Dazu werden, nach einer kurzen Vorstellung des Autors und seiner Intention, die wesentlichen Grundzüge seiner Arbeit dargestellt, um im Anschluss die zentralen Charakteristika der Organisation (die Einheit der Leitung und das System der Stäbe) unter Einbeziehung weiterer Literatur zu diskutieren. Darauf folgt ein kurzer Exkurs, indem die Auswirkungen Fayols auf nachfolgende Autoren, konkret die Amerikaner Luther Gulick und Lyndall F. Urwick, beleuchtet werden. Abschließend sollen weitere Kritikpunkte am Werk kurz benannt werden und eine kurze Einschätzung über die Bedeutung des Werkes abgegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Henri Fayol
2. Fayols’ Allgemeine und industrielle Verwaltung
2.1 Zentrale Merkmale des Werkes
2.2 Die Einheit der Leitung und der Auftragserteilung sowie die Rangordnung
2.3 Die soziale Organisation und die Funktion des Stabs
3. Kritik und Einordnung der Allgemeinen und industriellen Verwaltung
3.1 Die Einheit der Leitung und das Stabliniensystem in der Kritik
3.2 Die Weiterentwicklung des Ansatzes von Fayol
3.3 Weitere Kritik und die Verdienste Fayols
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Verwaltungstheorie von Henri Fayol auseinander, wobei insbesondere die Struktur von Großunternehmen beleuchtet wird. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern Fayols Prinzipien der Einheiten von Leitung und Auftragserteilung sowie das System der Stäbe in zeitgenössischer und aktueller Fachliteratur kritisch betrachtet werden und welche Bedeutung seinem Werk heute noch zukommt.
- Darstellung der wesentlichen Merkmale von Fayols Werk "Allgemeine und industrielle Verwaltung".
- Analyse der administrativen Struktur, speziell der Einheit der Auftragserteilung und des Stabs.
- Diskussion von Kritikpunkten und Einordnung in den theoretischen Kontext der Organisationswissenschaft.
- Betrachtung der Weiterentwicklung des Ansatzes durch Autoren wie Gulick und Urwick.
- Kritische Einschätzung der Bedeutung Fayols für die moderne Verwaltungstheorie.
Auszug aus dem Buch
2.3 Die soziale Organisation und die Rolle des Stabs
Aufgabe der Leitung ist unter anderem die Organisation der Unternehmung. Unter der Organisation versteht Fayol eine Unternehmung „mit allem [zu] versehen, was zu ihrer Tätigkeit notwenig ist, nämlich Materialien, Betriebsausrüstung, Kapitalien und Personal“ (Fayol, 1929, S.43)
In seinen weiteren Ausführungen konzentriert er sich dabei ganz auf die Personalpolitik einer Unternehmung. Um die Strukturen und damit die notwendigen Planstellen einer Unternehmung überblicken zu können, betrachtet Fayol Organisationstafeln als ein unerlässliches Mittel. Mit ihrer Hilfe können direkt vakante Posten entdeckt werden und gleichzeitig die dafür erforderlichen Qualifikationen abgelesen werden, nach denen man sich bei der Personalauswahl richten muss. (Vgl. Fayol, 1929, S.61)
Die Personalauswahl stellt eine der schwierigsten Tätigkeiten seitens der Verwaltung dar, da sie maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg der Unternehmung hat. Dabei wird es deutlich schwieriger, die Qualität der Arbeit zu beurteilen, je höher eine Position in der Unternehmung ist. Die Qualität der Arbeit eines Arbeiters kann unmittelbar beurteilt werden, während die Arbeit eines Leiters erst nach einem relativ langen Zeitraum an Erfolgen oder Misserfolgen gemessen werden kann. (Vgl. Fayol, 1929, S.62)
Umgekehrt gehört es auch zu den Aufgaben der Verwaltung, mittels Kontrollen ungeeignete Arbeiter und Angestellte aus dem Betrieb zu entlassen, oder aber auf Positionen einzusetzen, für die sie besser geeignet sind. (Vgl. Fayol, 1929, S.76)
Idealtypisch besteht die Direktion einer Organisation bei Fayol aus nur einer Person, um die Einheit der Leitung zu gewährleisten. Da eine Person allein in größeren Organisationen kaum in der Lage sein kann alle anfallenden Aufgaben zu bewältigen, muss diese entlastet werden. Dies geschieht durch so genannte Stäbe, die der Direktion direkt zur Seite gestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz Henri Fayols als Organisationstheoretiker ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie den Fokus der Untersuchung auf die Verwaltungsstruktur.
1. Henri Fayol: Dieses Kapitel liefert eine biografische Einordnung von Henri Fayol und beschreibt den historischen Kontext sowie die Entstehung seines Hauptwerkes.
2. Fayols’ Allgemeine und industrielle Verwaltung: Dieses Kapitel erläutert Fayols Definition von Verwaltung, seine zentralen Verwaltungsprinzipien und die Bedeutung seiner administrativen Werkzeuge.
3. Kritik und Einordnung der Allgemeinen und industriellen Verwaltung: In diesem Kapitel werden Fayols Ansätze kritisch reflektiert, insbesondere das Prinzip der Einheit der Auftragserteilung, und seine historische sowie wissenschaftliche Bedeutung bewertet.
Schlüsselwörter
Henri Fayol, Verwaltungstheorie, Organisationstheorie, Einlinien-Prinzip, Stab-Linie-System, Unternehmensführung, Administrative Verwaltung, Industrielle Verwaltung, Managementlehre, Einheit der Auftragserteilung, Organisationstafeln, Wirtschaftspläne, Klassische Organisationstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Verwaltungstheorie von Henri Fayol und einer kritischen Auseinandersetzung mit seinen zentralen organisationstheoretischen Ansätzen im Kontext von Großunternehmen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prinzipien der Einheit der Leitung und Auftragserteilung, der Rolle von Stäben in der Organisationsstruktur sowie der allgemeinen Einordnung Fayols in die Verwaltungsgeschichte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Diskussion von Fayols Kernkonzepten unter Einbeziehung zeitgenössischer und aktueller Literatur, um dessen anhaltende Bedeutung sowie theoretische Schwachstellen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und kritischen Literaturanalyse, bei der Fayols theoretische Ausführungen mit anderen organisationswissenschaftlichen Ansätzen verglichen und hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die biografischen Hintergründe Fayols, die Grundzüge seines Werkes "Allgemeine und industrielle Verwaltung" und eine ausführliche kritische Einordnung seiner Organisationsprinzipien vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Verwaltungstheorie, Einlinien-Prinzip, Stab-Linie-Ansatz, Organisationstheorie und klassisches Management.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des "Stabs" bei Fayol?
Die Arbeit diskutiert die Rolle des Stabs als notwendiges Instrument zur Entlastung der Leitung, weist jedoch gleichzeitig auf die theoretische Problematik der Weisungsbefugnis hin, die bei Fayol widersprüchlich erscheint.
Welche Bedeutung wird Fayol im Fazit beigemessen?
Trotz erkannter Schwächen, wie etwa eines mechanistischen Menschenbildes, wird Fayol aufgrund seiner Pionierarbeit bei der Skizzierung eines modernen Verwaltungsansatzes als grundlegender Autor der Verwaltungslehre gewürdigt.
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- Ferdinand Kosak (Author), 2006, Eckpunkte der Verwaltungstheorie nach Fayol in kritischer Diskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62283