Unser heutiges Indienbild ist geprägt vom Bollywood-Film. Welch große Rolle das Kino in Indien allerdings spielt, ist kaum zu ermessen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Wirkung von Filmen und Schauspielern in Indien.
Inhaltsverzeichnis
1. Politik und Kino
2. Das Phänomen „Kino in Indien“
3. Das Kino in der indischen Geschichte
4. Filmstars in der Politik
5. Tamil Nadu
6. Der Star als Gott?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen der Filmindustrie und dem politischen Geschehen in Indien. Dabei wird analysiert, wie Filmstars durch ihre enorme gesellschaftliche Präsenz und die starke Identifikation der Bevölkerung mit ihren Rollen politischen Einfluss gewinnen und als Akteure in das politische System aufsteigen konnten.
- Die gesellschaftliche Bedeutung des Kinos in Indien
- Die Rolle des indischen Films in der historischen Entwicklung
- Der Einfluss von Filmstars auf die politische Willensbildung
- Fallstudie: Der Bundesstaat Tamil Nadu als Zentrum filmisch geprägter Politik
- Religiöse und mythologische Aspekte der Star-Verehrung
Auszug aus dem Buch
2. Das Phänomen „Kino in Indien“
Ein Besuch in einem indischen Kino ist völlig anders, als man es aus einem westlichen gewohnt ist. Ins Kino gehen ist vor allem ein gesellschaftliches Ereignis, niemand geht allein in die Vorstellung. Meistens besucht man eine Filmvorführung in Indien in Gruppen von vier bis zehn Leuten; oft sind es ganze Familien, von Babys bis zu den Großeltern. Auch unter Freunden und Arbeitskollegen ist das Kino ein beliebter Ort der gemeinsamen Freizeitgestaltung. Der Film selbst tritt dabei fast in den Hintergrund:
Rather than the attentive stillness of audiences in the USA, in cinema theatres in India there is a continuous buzz of conversation and sounds of children laughing or crying. […] The mobility of the Indian audience is yet another feature of the viewing culture that shapes the experience. During the film, audience members move around, visit the toilets or the concession stand, and take restless children outside. […] The resulting collective experience of watching movies in India, where interaction is central to the experience, is therefore very different from the emotional experience which contemporary Western audiences have of Hollywood films.
Die Beliebtheit des Kinos zieht sich durch alle Schichten. Menschen, die sich keine teuren Karten leisten können, z.B. Rikschafahrer, sitzen in den unnummerierten und nicht klimatisierten vordersten Reihen. Man nennt sie „frontbenchers“. Auf das Kino will in Indien eben niemand verzichten und „[e]in echter Bollywoodfan geht mindestens ein Dutzend Mal in ein und denselben Film.“ So ist es kein Wunder, dass das Publikum bei Filmen, die schon länger laufen, regelrecht mitfiebert und „mitspielt“:
Die Fans opfern ihren Stars Blumen und Räucherstäbchen, die während der Vorstellung am Fuße der Leinwand niedergelegt werden. Man amüsiert sich, isst, trinkt, lacht, weint, klatscht und kommentiert die Ereignisse auf der Leinwand. Das indische Publikum ist engagiert und begeisterungsfähig, spendet Beifall, wenn der Bösewicht Prügel bezieht, oder weint mit dem Helden, der an einer unglücklichen Liebe zu zerbrechen droht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Politik und Kino: Einführung in die besondere Rolle des Kinos als Massenmedium in Indien und die fundamentale Verknüpfung von Unterhaltung mit gesellschaftspolitischen Prozessen.
2. Das Phänomen „Kino in Indien“: Analyse der indischen Kinokultur als soziales Gemeinschaftserlebnis und der tiefen emotionalen Bindung zwischen Publikum und Leinwand.
3. Das Kino in der indischen Geschichte: Historischer Abriss über die Entwicklung des indischen Films von der Kolonialzeit bis zur staatlichen Förderung und dessen Beitrag zur Identitätsstiftung.
4. Filmstars in der Politik: Untersuchung der Mechanismen, durch die bekannte Filmstars in Indien politisches Kapital aus ihrer Popularität schlagen und zu politischen Akteuren werden.
5. Tamil Nadu: Fallstudie über den Bundesstaat Tamil Nadu, in dem die Verbindung zwischen Filmindustrie und Parteipolitik seit den 1960er Jahren eine besonders hohe Dichte und Wirkung erreichte.
6. Der Star als Gott?: Reflexion über die religiöse Überhöhung von Filmstars und die Bedeutung des Hinduismus für die grenzenlose Verehrung der Darsteller durch ihre Fans.
Schlüsselwörter
Indien, Kino, Bollywood, Kollywood, Politik, Filmstars, Tamil Nadu, DMK, Hindunationalismus, Massenmedien, Fanclubs, Identitätsstiftung, Sozialstruktur, Filmindustrie, Popkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die enge und einzigartige Verbindung zwischen dem indischen Kinosystem und dem politischen Alltag in Indien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Analyse umfasst die soziokulturelle Bedeutung des indischen Kinos, dessen historische Rolle bei der Identitätsfindung sowie den massiven Einfluss von Filmstars auf die Politik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird der Frage nachgegangen, wie der indische Film als Medium zur Massenkommunikation und Mythenschaffung genutzt wurde, um ein derart hohes politisches Machtpotenzial für Filmstars zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medien- und politikwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des indischen Kinos als soziales Phänomen, dessen historische Entwicklung und die detaillierte Betrachtung von Schauspielern in der Politik, insbesondere am Beispiel Tamil Nadus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Indien, Bollywood, Kollywood, Filmstars, Politische Partizipation, Fan-Kultur und die religiöse Überhöhung von Stars.
Warum spielt das Kino in Tamil Nadu eine so herausragende Rolle für die Politik?
In Tamil Nadu wurde das Kino früh als Propagandamittel für den tamilischen Nationalismus entdeckt. Die starke Identifikation der Bevölkerung mit filmischen Helden ermöglichte es Akteuren wie M.G. Ramachandran, über Fanclubs eine eigene politische Basis aufzubauen.
Wie unterscheidet sich die Verehrung von Filmstars im indischen Kontext von westlichen Maßstäben?
Die Verehrung in Indien weist oft religiöse Züge auf, wobei die Grenze zwischen Star, Heiligem und Gott verschwimmt, was sich in Ritualen wie Tempelbesuchen oder Opfergaben für die Stars zeigt.
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- Susanne Opel (Author), 2006, Das Zusammenspiel von Film und Politik in Indien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62289