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Der Einfluß sozialökologischer Kontexteffekte auf jugendliche Gewaltdelinquenz

Am Beispiel der Pariser Banlieue

Title: Der Einfluß sozialökologischer Kontexteffekte auf jugendliche Gewaltdelinquenz

Diploma Thesis , 2006 , 106 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mirja Buschmann (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Summary Excerpt Details

Statt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gibt es für ‚banlieusards’, das Vorortvolk, Elend, Resignation und Isolation […] Frankreich hat eine ganze Generation verloren. Im tristen Zustand der Außenbezirke lebt eine entwurzelte Jugend, die sich ziellos herumtreibt. Die, die in den cités der banlieue existieren, haben den Zug verpasst, der vielleicht nie vorbei gekommen ist […] Ihr Protest ist vorgezeichnet. (François Maspero 1993)

Im Oktober und November 2005 kam es zu den bislang stärksten gewalttätigen Ausschreitungen in der Pariser banlieue. Auslöser für die Gewalt war der Unfalltod zweier Jugendlicher afrikanischer Herkunft, die am 27. Oktober 2005 bei der Flucht vor der Polizei2 versucht hatten, eine Transformatorstation zu überwinden und dabei von Stromschlägen tödlich getroffen wurden und verbrannten. Als Reaktion auf dieses Ereignis zündeten Jugendgangs in dem Pariser Vorort Clichy-sous-Bois, in dem die verstorbenen Jugendlichen beheimatet waren, mehrere Fahrzeuge an. Es kam zu einer Reihe zunächst unorganisierter Sachbeschädigungen und Brandstiftungen an Autos und zahlreichen öffentlichen Gebäuden, wie Kindergärten, Schulen und Stadtteilzentren, sowie christlichen und muslimischen Einrichtungen. Die Unruhen, die ausschließlich nachts stattfanden, griffen schnell auf andere Pariser Vororte und Anfang November schließlich auch auf andere französische Städte wie Lyon, Toulouse und Straßburg über. Im Verlauf der Ausschreitungen fanden dabei auch fortwährend gewalttätige Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Jugendlichen statt, in deren Folge 126 Polizisten verletzt wurden. Darüber hinaus wurde am 6. November 2005 auch ein Zivilist Opfer der Gewaltakte, als ein Passant im Pariser Vorort Stains den Verletzungen erlag, die Jugendliche ihm zugefügt hatten. Ausgeführt wurden diese Aktionen überwiegend von Gruppen männlicher3 Jugendlicher mit Migrationshintergrund, vor allem aus dem Mahgreb und dem subsaharischen Afrika, die in vielen Vororten der Pariser banlieue in der Mehrheit sind.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

1.1. Anlass zur Arbeit: die französischen Unruhen 2005

1.2. Ziel der Arbeit

1.3. Aufbau der Arbeit

2. Ursachen von Kriminalität und Delinquenz aus sozialökologischer Sicht

2.1. Klassische Theorien sozialer Desorganisation der Chicago School

2.1.1. Parks und Burgess „Concentric Zone Theory“

2.1.2. Shaws und McKays „Cultural Transmission Theory”

2.1.3. Legitimation und Bedeutung der klassischen Theorien sozialer Desorganisation

2.2 Moderne sozialökologische Ansätze

2.2.1. Wilsons und Kellings „Broken Windows Theory“ und die Nulltoleranzstrategie

2.2.2. Sampsons Ansatz kollektiver Wirksamkeit

2.3 Implikationen sozialökologischer Ansätze

3. Die Pariser banlieue

3.1. Die Entstehung und Entwicklung der Pariser banlieue

3.2. Die Sozialstruktur der Pariser banlieue

3.3 Segregation und Ausgrenzung

3.3. Die Jugendlichen der banlieue - les jeunes

4. Kriminalität und jugendlicher Gewaltdelinquenz in der banlieue

4.1. Definition von jugendlicher Gewaltdelinquenz

4.2. Generelle Entwicklung jugendlicher Gewaltdelinquenz in der banlieue

4.3. Viktimisierung und Kriminalitätsfurcht

4.4. Kriminalitätskontrolle und Sicherheitspolitik

4.5. Polizeigewalt und Rassismus

5. Anwendung sozialökologischer Ansätze auf jugendliche Gewaltdelinquenz in der Pariser banlieue

5.1 Wandel des urbanen Raums - vom Chicago der 1920er Jahre zum Paris des 21. Jahrhunderts

5.2 Leistungsfähigkeit sozialökologischer Ansätze bei der Umsetzung in der sozialen Praxis

5.3 Erweiterungen sozialökologischer Ansätze – Verbindungen mit anderen kriminalsoziologischen Theorien

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht theoretisch die jugendliche Gewaltdelinquenz unter Berücksichtigung sozialökologischer Einflussfaktoren im urbanen Raum der Pariser Banlieue. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit moderne sozialökologische Theorien zur Analyse moderner Gesellschaften geeignet sind, welche Stärken sie bieten und wie sie zur Kriminalprävention beitragen können.

  • Sozialökologische Theorien der Kriminalität
  • Struktur und Entwicklung der Pariser Banlieue
  • Erscheinungsformen und Entwicklung jugendlicher Gewaltdelinquenz
  • Kriminalitätskontrolle und Sicherheitspolitik
  • Methoden der Kriminalprävention

Auszug aus dem Buch

1.1 Anlass zur Arbeit: die französischen Unruhen 2005

Statt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gibt es für ‚banlieusards’, das Vorortvolk, Elend, Resignation und Isolation […] Frankreich hat eine ganze Generation verloren. Im tristen Zustand der Außenbezirke lebt eine entwurzelte Jugend, die sich ziellos herumtreibt. Die, die in den cités der banlieue existieren, haben den Zug verpasst, der vielleicht nie vorbei gekommen ist […] Ihr Protest ist vorgezeichnet. (François Maspero 1993)

Im Oktober und November 2005 kam es zu den bislang stärksten gewalttätigen Ausschreitungen in der Pariser banlieue. Auslöser für die Gewalt war der Unfalltod zweier Jugendlicher afrikanischer Herkunft, die am 27. Oktober 2005 bei der Flucht vor der Polizei versucht hatten, eine Transformatorstation zu überwinden und dabei von Stromschlägen tödlich getroffen wurden und verbrannten. Als Reaktion auf dieses Ereignis zündeten Jugendgangs in dem Pariser Vorort Clichy-sous-Bois, in dem die verstorbenen Jugendlichen beheimatet waren, mehrere Fahrzeuge an. Es kam zu einer Reihe zunächst unorganisierter Sachbeschädigungen und Brandstiftungen an Autos und zahlreichen öffentlichen Gebäuden, wie Kindergärten, Schulen und Stadtteilzentren, sowie christlichen und muslimischen Einrichtungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Darstellung der Unruhen von 2005 als Anlass der Arbeit, Formulierung der Zielsetzung sowie ein Überblick über den Aufbau der Untersuchung.

2. Ursachen von Kriminalität und Delinquenz aus sozialökologischer Sicht: Historische und theoretische Herleitung sozialökologischer Ansätze von der Chicago School bis zu modernen Theorien wie der „Broken Windows“-Theorie und der kollektiven Wirksamkeit.

3. Die Pariser banlieue: Analyse der historischen Entstehung, der Sozialstruktur und der verschiedenen Formen von Segregation und Ausgrenzung im Kontext der Banlieue.

4. Kriminalität und jugendlicher Gewaltdelinquenz in der banlieue: Definition von Gewaltdelinquenz, Beschreibung der Entwicklung, polizeiliche Maßnahmen sowie die Rolle von Polizeigewalt und Rassismus.

5. Anwendung sozialökologischer Ansätze auf jugendliche Gewaltdelinquenz in der Pariser banlieue: Kritische Überprüfung der Anwendbarkeit sozialökologischer Theorien auf moderne urbane Räume und Diskussion ihrer Wirksamkeit in der Praxis.

6. Fazit: Zusammenfassende Resümee der wichtigsten Erkenntnisse und Ausblick auf die Bedeutung sozialökologischer Forschung.

Schlüsselwörter

Sozialökologie, Kriminalität, Gewaltdelinquenz, Pariser Banlieue, soziale Desorganisation, Broken Windows Theorie, kollektive Wirksamkeit, Segregation, Ausgrenzung, Jugendkriminalität, Kriminalprävention, urbane Gewalt, Polizeigewalt, Integration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Ursachen jugendlicher Gewaltdelinquenz in der Pariser Banlieue anhand moderner sozialökologischer Theorien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die soziologische Theoriebildung zur Kriminalität, die spezifische Situation in den französischen Banlieues, die Entwicklung polizeilicher Strategien und Ansätze zur Kriminalprävention.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine theoretische Analyse jugendlicher Gewaltdelinquenz unter Einbeziehung des urbanen Raums sowie der Vergleich zweier moderner sozialökologischer Ansätze.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die soziologische Theorien auf den Fall der Pariser Banlieue anwendet und bestehende empirische Studien sowie Literatur auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Beschreibung des Untersuchungsraums (Banlieue), die Analyse von Delinquenzmustern und die Anwendung der Theorien auf diesen konkreten Kontext.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Sozialökologie, soziale Desorganisation, Broken Windows, Banlieue und Kriminalprävention.

Wie bewertet die Autorin die Wirksamkeit der „Broken-Windows“-Strategie?

Die Autorin weist darauf hin, dass die Strategie zwar populär ist, aber empirisch nur begrenzt überzeugt und zudem problematische Auswirkungen auf die Polizeipraxis haben kann, da sie primär Symptome bekämpft.

Welche Rolle spielt „kollektive Wirksamkeit“ nach Sampson in der Analyse?

Das Konzept der kollektiven Wirksamkeit gilt als vielversprechender, da es soziale Zusammenhaltsprozesse und informelle Kontrolle stärker in den Fokus rückt und präventive Ansätze jenseits rein repressiver Maßnahmen ermöglicht.

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Details

Title
Der Einfluß sozialökologischer Kontexteffekte auf jugendliche Gewaltdelinquenz
Subtitle
Am Beispiel der Pariser Banlieue
College
Bielefeld University  (Fakultät für Soziologie)
Grade
1,0
Author
Mirja Buschmann (Author)
Publication Year
2006
Pages
106
Catalog Number
V62293
ISBN (eBook)
9783638555593
ISBN (Book)
9783638715782
Language
German
Tags
Einfluß Kontexteffekte Gewaltdelinquenz Beispiel Pariser Banlieue
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirja Buschmann (Author), 2006, Der Einfluß sozialökologischer Kontexteffekte auf jugendliche Gewaltdelinquenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62293
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