13. Juli 1787 – Die Nordwestordonnanz


Hausarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung
1. Amerikanische Unabhängigkeit und Gründung einer Nation
2. Die Verfassungen von 1776 und ihre Wirkung
3. Von der Nordwestordonnanz zur Verfassung der Vereinigten Staaten
3.1 Articles of Confederation 1781
3.2 Die „Gleichberechtigung“ durch die Nordwest-Verordnung 1787
3.3 Der Bundeskonvent von Philadelphia 1787
4. Die Verfassung vom 17. September 1787 und ihre Wirkung

II. Fazit

III. Bibliographie

I. Einleitung

Die Entstehung der amerikanischen Nation war vom Unabhängigkeitskrieg gegen Englang bis hin zur Erarbeitung einer eigenen Verfassung voller Hindernisse und Gründungsproblemen. Bis heute basieren die bekanntesten Gründungsgeschichten der USA auf den Unabhängigkeitskrieg und der geschriebenen Verfassung von 1787. Doch gingen diesen historischen Ereignissen etliche Schriften, Dokumente und Ereignisse voraus, ohne die die Geschichte der USA sicherlich anders verlaufen wäre.

Dass die Nordwest-Verordnung von 1787 eine ähnlich grundlegende Bedeutung für die Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika hat, wird im Allgemeinen lange nicht so deutlich hervorgehoben, wie sie es eigentlich verdient hätte. Dass aber gerade diese Verordnung eine entscheidende Rolle für die Entstehung und Form der heutigen USA spielt, zeigt sich unter anderem auch daran, dass deren Beschlüsse bis heute ihre Spuren bewahrt haben. Doch was ist so besonders an der Nordwest-Verordnung vom 13. Mai 1787?

Eine Erinnerungstafel in Form des schriftlichen Befehls an der Außenseite der Federal Hall in Manhattan zeugt bis dato von der Wichtigkeit dieses historischen Ereignisses. Die Nordwest-Verordnung, auch Freiheits-Verordnung genannt, war der erste offizielle Befehl der Regierung, das Land in organisierte Territorien zu unterteilen. Nur mit Hilfe dieser Verordnung war es möglich, die Gebiete von Ost nach West geregelt zu erschließen und gleichzeitig an die Union anzugliedern. Hier wurde nicht nur symbolisch die geographische Grenze der Gebiete zur Sklaverei gezogen. Dieser Schritt sollte die Sklavenproblematik im späteren Verlauf der Geschichte verschärfen und immer wieder zum Anlass politischer Auseinandersetzungen werden.

Um die Nordwest-Verordnung zeitlich und politisch einzuordnen, wird in gekürzter Form die Vorgeschichte bis hin zum 13. Mai 1787 herangezogen. Um die Beeinflussung und Auswirkung dieser Nordwest-Verordnung auf das weitere Geschehen darzustellen, werden im Anschluss an dessen Erläuterung die wichtigsten Beschlüsse und Konferenzen, sowie die bis heute gültige Verfassung von 1787 näher betrachtet. Hieran wird deutlich werden, dass bereits elementare Grundrechte und Belange in der Nordwestordonnanz aufgeführt wurden, die später in der „Verfassung“ und den „Bill of Rights“ wiederzufinden sind. Aus diesem Zeitfenster lässt sich schließlich erkennen, dass die Nordwest-Verordnung bereits grundlegende Ansätze für die Problemlösung der Konföderationsartikel enthält.

1. Amerikanische Unabhängigkeit und Gründung einer Nation

Wenn man davon ausgeht, was wir heute über die militärische Geschichte der Amerikanischen Revolution wissen, lässt sich behaupten, dass es bei nachhaltigerem Vorgehen der britischen Befehlshaber gar nicht erst zur Revolution in den amerikanischen Kolonien gekommen wäre. Hätte das britische Militär in den frühesten Phasen des Krieges konsequenter gehandelt, wäre die Kontinentalarmee sicherlich sofort vernichtet und die Revolutionsbewegung im Keim unterdrückt worden.[1] Dennoch ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Entwicklung zu einer unabhängigen amerikanischen Nation selbst im Rahmen umfassender Einwirkungen des British Empire nicht hätte verhindern lassen können.

Die Abwendung von England durch eine Revolution hatte die Bewohner Amerikas zu einem eigenständigen Volk gemacht, in der eine neue soziale Ordnung herrschte. Das Prinzip der Gleichheit hatte sich gegen das Geburtsrecht durchgesetzt. Doch trotz dieses erfolgsversprechenden Schrittes mussten noch gezeigt werden, dass man auch in der Lage war, selbständig zu regieren. Mit der Revolution war eine Basis geschaffen, die politischen Ideale der Unabhängigkeitserklärung durch eine Verfassung zu realisieren und den Missständen mit Regelungen innerhalb der Einzelstaaten zu begegnen.

Im Rückblick gesehen waren die langfristigen Perspektiven für die Revolutionsgeneration der Kolonien außerordentlich hoffnungsvoll. Kurzfristige Aussichten wiesen hingegen eine schier unlösbare nationale Problematik auf. Denn die einzige, durch die Revolution sanktionierte, Institution war mit ihren Regierungskapazitäten einer solchen Aufgabe kaum gewachsen. Nur durch die Verfassung von 1787 konnten – auf juristischer und institutioneller Ebene – republikanische Prinzipien mit einem nationalen Maßstab in Einklang gebracht werden.[2] Es scheint hier ein Paradox mit den Ideen und Ereignissen von 1776 zu bestehen. Sahen sich die elitären Verfassungskonventler 1787 doch an die republikanischen Prinzipien von 1776 gebunden, so forderten sie nun eine Regierung mit „Zwangsmacht“[3], die in der Lage sein sollte, eine gefestigte Bundesregierung zu schaffen, um so die nationalen Gesetze auch repressiv einfordern zu können. Die antiföderalistischen Gegner versuchten daher mit eben diesem politischen Dilemma gegen die Verfassung vorzugehen. Sie wurden aber durch die engagierten Ratifizierungskonvente der Einzelstaatenpolitisch ausmanövriert und schließlich überstimmt.[4] So wurde die Verfassungsvereinbarung von 1787/88 ein weiteres Gründungsmoment neben den Ereignissen von 1776.[5]

2. Die Verfassungen von 1776 und ihre Wirkung

Obwohl Gleichheit heute für jeden Amerikaner ebenso selbstverständlich wie eine geschriebene Verfassung ist, so stellte dies ursprünglich noch ein politisches Novum dar. Denn die amerikanische Verfassung ist eine der ersten geschriebenen Verfassungen in der Geschichte der Verfassungen. Schon am 10. Mai 1776 hatte der Kongress einen Beschluss verfasst, in dem die Kolonien aufgefordert wurden, Regierungen einzusetzen, um Glück und Sicherheit ihrer Wähler gewährleisten zu können. Manche Staaten hatten bereits Regierungen gebildet. Lediglich ein Jahr nach der Unabhängigkeitserklärung waren nur noch drei Staaten ohne eigene Verfassung.

In der Gleichheitsproklamation gegen England sollte vor allem die „Gleichheit von Engländern und Amerikanern“ herausgestellt werden. Die Kolonisten wollten damit das Recht der Selbstbestimmung einfordern, das ihnen durch die imperiale Herrschaft versagt wurde.[6] Vor allem die Verfassung Virginias von 1776 weist daher sehr deutlich darauf hin, dass „alle Menschen von Natur aus in gleichem Maße frei und unabhängig sind.“[7] Hier sahen die Demokraten ihre Chance, Missstände zu beseitigen und Regierungen nach ihrem idealisierten Vorbild zu beeinflussen. Thomas Paine, der sich an Rousseau und Montesquieu anlehnt, schrieb in seinem Werk Common Sense aus dem Jahre 1776: „[…] Eigene Regierung ist unser natürliches Recht […]“[8] Es wundert es also kaum, dass in den meisten Verfassungen der demokratische Einfluss deutlich ist. Keine der Verfassungen wagte jedoch einen Bruch mit der Vergangenheit[9], wodurch koloniale Erfahrung, britische Praxis und französisch-politische Philosophie in der Gegenwart erhalten blieben. Mit den einzelstaatlichen Verfassungen wurde die Revolution und Loslösung von England zum Abschluss gebracht. Nun mussten sich die Verfassungsgeber einem neuen Problem stellen: Die Wahrung der erkämpften „unveräußerlichen Rechte“[10], die doch gerade ein Grund zur Trennung von England gewesen waren.[11] So wurden in die Verfassungsdokumente jeweils die Grundrechte als fester Bestandteil mit aufgenommen. Erneut war es die Verfassung Virginias, die vielen anderen Staaten als Vorbild diente. In ihr waren politische Grundsätze wie Volkssouveränität, begrenzte Regierungsdauer, frei Wahlen, humanes Strafrecht, Geschworenengerichte, Pressefreiheit, Gewissensfreiheit oder Mehrheitsrecht enthalten.[12] Diese Grundsätze wurden aber auch durch andere Staaten noch erweitert. Hier sind vor allem Rede- und Versammlungsfreiheit, das Petitionsrecht, das Recht, Waffen zu tragen, das Recht eines Verhafteten auf Prüfung der Rechtmäßigkeit seiner Verhaftung durch einen Richter[13], die Unverletzlichkeit des Hausfriedens und Gleichheit in der Anwendung der Gesetze zu nennen. Alle Staaten bekannten sich ebenfalls mit ihrer Verfassung zur Dreiteilung der Macht in Exekutive, Legislative und Justiz. Eine solches System der Gewaltenteilung (checks and balances) diente der gegenseitigen Regulierung, Kontrolle und Dezentralisierung der Institutionen der Macht.[14]

3. Von der Nordwestordonnanz zur Verfassung der Vereinigten Staaten

Nachdem sich die dreizehn Gründerkolonien mit der erkämpften Unabhängigkeit in einzelne Staaten gewandelt hatten, waren neue Gemeinwesen westlich der Küstenansiedlungen entstanden. Frühe Pioniere waren schon 1775 über die Appalachen nach Westen gezogen, um dort das weite und fruchtbare Land zu besiedeln. Durch die großen Entfernungen zu den politischen Zentren hatten sich diese verstreuten Kolonisten bereits eigene Koordination- und Verwaltungssysteme geschaffen. Da die Gebiete viel Platz boten und über großes ökonomisches Potential verfügten, waren bis 1790 tausende Siedler in das offene Land jenseits der Appalachen abgewandert. Trotz der neuen Unabhängigkeit von England sah sich die junge Regierung Amerikas mit ähnlichen Problemen des alten Empires konfrontiert: unklare Besitzansprüche auf Land, Probleme mit den Ureinwohnern und Schwierigkeiten mit der Besiedlung und Regierung von angrenzenden Gebieten.[15] Viele Kolonien hatten vor dem Krieg gegen England weit reichende Besitzansprüche auf das Land jenseits der Appalachen gestellt. Oftmals überschnitten sich die Forderungen und brachten nun offensichtliche Übervorteilung gegenüber anderen Kolonien mit sich. Um dieses Problem zu lösen schlug der Staat Maryland - als Wortführer der benachteiligten Gruppen - vor, das Land im Westen als „gemeinsamen Besitz“ anzuerkennen und ihn in „freie und unabhängige Selbstverwaltungsapparate“[16] aufzuteilen. Trotz des Widerstandes der meisten Staaten erklärte sich New York 1780 dazu bereit, die eigenen Gebiete an die Bundesversammlung abzugeben. Diesem Beispiel folgten bald weitere Kolonien, sodass der Kongress bald über alles Land nördlich des Ohio River verfügte.[17] Ein solcher gemeinsamer Großbesitz demonstrierte die nationale Einigkeit und Selbstständigkeit Amerikas der frühen Stunde. Dennoch herrschten weiterhin Unruhen in den Kolonien, da noch viele Probleme bis zur vollkommenen Einigkeit gelöst werden mussten.

[...]


[1] Vgl. hierzu Ira Gruber: The House Brothers and the American Revolution, Wiliamsburg 1972 und Kevin Phillips: The Cousins’ War: Religion, Politics, and the Triumph of Anglo-America, New York 1999, S. 291-299

[2] Vgl. Joseph J. Ellis: Sie schufen Amerika. Die Gründergeneration von John Adams bis George Washington. München 2002. S. 21

[3] Vgl. Joseph J. Ellis: Sie schufen Amerika. S. 20f

[4] Vgl. Joseph J. Ellis: Sie schufen Amerika. S. 21

[5] Vgl. Stephen E. Englehart (Hrsg.): Three Beginnings: Revolution, Rights, and the Liberal State. Comparative Perspectives on the English, American and French Revolutions. New York u.a. 1994. S. 34 f

[6] Vgl. David Brion Davis: Freiheit, Gleichheit, Befreiung. Die Vereinigten Staaten und die Idee der Revolution. Berlin 1993. S. 21

[7] Vgl. David Brion Davis: Freiheit, Gleichheit, Befreiung. S. 21

[8] Pain, Thomas: Common Sense. Stuttgart 1982. Hier zitiert nach Wolfgang Lautemann: Amerikanische und Französische Revolution. Geschichte in Quellen. Band 4. München 1981.

[9] Wohingegen dies gerade den Kern der Französischen Revolution ausmacht.

[10] Vgl. David Brion Davis: Freiheit, Gleichheit, Befreiung. S. 20

[11] Vgl. Joseph J. Ellis: Sie schufen Amerika. S. 22 f

[12] Vgl. Helmut Steinberger: 200 Jahre amerikanische Bundesverfassung. Berlin u.a. 1987. S. 10ff

[13] Wichtig ist hier die Habeas-Corpus-Akte von 1640 und 27. Mai 1679. Sie bildet das Gesetz zur besseren Sicherung der Freiheit der Untertanen und zum Schutze vor Einkerkerung in Übersee.

[14] Vgl. Helmut Steinberger: 200 Jahre amerikanische Bundesverfassung. S. 11

[15] Vgl. Hans R. Guggisberg: Geschichte der USA. 4. erw. Auflage. Stuttgart 2002. S. 17

[16] Vgl. Kevin Phillips: The Cousins’ War. 22f

[17] Vgl. Hans R. Guggisberg: Geschichte der USA. S. 23

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
13. Juli 1787 – Die Nordwestordonnanz
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die atlantischen Revolutionen - Amerika und Frankreich im Vergleich
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V62295
ISBN (eBook)
9783638555616
ISBN (Buch)
9783638879750
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dass die Nordwest-Verordnung von 1787 hat eine grundlegende Bedeutung für die Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika. Wie sehr aber gerade diese Verordnung eine entscheidende Rolle für die Entstehung und Form der heutigen USA spielt, zeigt sich unter anderem daran, dass deren Beschlüsse bis heute ihre Spuren bewahrt haben.
Schlagworte
Juli, Nordwestordonnanz, Revolutionen, Amerika, Frankreich, Vergleich
Arbeit zitieren
Master of Arts Alexander Monagas (Autor), 2006, 13. Juli 1787 – Die Nordwestordonnanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62295

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