Anhand von F. Dubet's Aufsatz "Jugendgewalt und Stadt" werden in dieser Arbeit sozialstrukturelle Zusammenhänge für die Entstehung von Jugendgewalt näher erläutert und auf die Situation des Bezirks Neukölln in Berlin angewendet.
Im Frühjahr 2003 schrieb das Lehrerkollegium der Rütli Hauptschule in Berlin-Neukölln einen Brief an die Senatsverwaltung von Berlin. In diesem Hilferuf schildern die Lehrer ihre Probleme, die sie mit ihrer Schülerschaft erleben.
Sie beklagen dabei einen hohen Anteil von Schülern nicht deutscher Herkunft von 83,2 % und verweisen dabei vor allem auf Schüler mit arabischem und türkischem Migrationshintergrund, während gleichzeitig Mitarbeiter aus diesen Kulturkreise fehlen.
Schließlich beschreiben sie die Atmosphäre einiger Klassen dieser Schule als aggressiv, respektlos, menschenverachtend und ignorant, begründen dies mit Beispielen und schildern ihre erfolglosen pädagogischen Bemühungen, diesen Zustand zu verändern, z.B. indem Regeln nicht eingehalten werden, Eltern in der Kooperation mit Lehrern versagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Problematik der Rütli-Schule
2. Sozialstrukturelle Erklärungsansätze (vgl. F. Dubet, 2002)
3. Erklärungsansätze für die Problematik der Rütli-Schule
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit setzt sich mit den Ursachen für Jugendgewalt an der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln auseinander. Ziel ist es, die theoretischen Ansätze von François Dubet zur sozialen Desorganisation und zur Entstehung von Subkulturen durch gesellschaftliche Ausgrenzung auf den konkreten Fall der Rütli-Schule anzuwenden und daraus Schlussfolgerungen für die Bildungs- und Sozialpolitik abzuleiten.
- Analyse der sozialen Situation an der Rütli-Hauptschule
- Darstellung sozialstruktureller Erklärungsansätze nach François Dubet
- Vergleich der Lebenswelt von Jugendlichen in Neukölln mit theoretischen Stadtmodellen
- Diskussion über den Zusammenhang von Perspektivlosigkeit, Armut und Gewalt
- Reflexion über Rolle und Wirkung von Schule und pädagogischen Programmen
Auszug aus dem Buch
Sozialstrukturelle Erklärungsansätze (vgl. F. Dubet, 2002)
François Dubet beschreibt in seinem Kapitel „Jugendgewalt und Stadt“, dass Gewalt vielfältig, perspektivenabhängig, aber trotzdem stets moralisch verurteilt wird und immer ein Bruch einer sozialen Ordnung darstellt, worauf er unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Jugendgewalt zunächst vorstellt, wobei die folgenden dabei sehr interessant sind:
1. Gewalt steht im Zentrum der menschlichen Natur. Die Begierden, die der Mensch nicht selbst beschränken kann, sind daher von der Gesellschaft zu kontrollieren, um ihn zu sozialisieren, in eine Gesellschaft zu integrieren. Das Mittel der Sozialisation ist in diesem Zusammenhang die Erziehung des Menschen nach den moralischen Normen und Werten einer Gesellschaft. Gewalt entsteht daher, wenn Individuen Sozialisation nicht erfahren, wenn sie daher nicht gesellschaftlich integriert sind,. Dubet beruft sich dabei auf Shaw/Mc Kay (1940) und Graham/Gurr (1979). (vgl. Dubet, S. 1172 ff)
2. Schließlich führt Dubet eine gerechte Gewalt an, insofern sie eine „Antwort auf erlittene Gewalt“ darstellt, eine Antwort auf Unterdrückung, Verleugnung und Missachtung eines Konflikts der Stigmatisierten in einer Gesellschaft und bezieht sich dabei u.a. auf Moore (1978). (vgl. Dubet, S. 1175 ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Problematik der Rütli-Schule: Der Einstieg beschreibt den Hilferuf des Lehrerkollegiums der Rütli-Hauptschule aus dem Jahr 2003, in dem eine Zunahme von Gewalt, Respektlosigkeit und ein Scheitern der pädagogischen Bemühungen beklagt werden.
2. Sozialstrukturelle Erklärungsansätze (vgl. F. Dubet, 2002): Hier werden die theoretischen Grundlagen von François Dubet dargelegt, die Gewalt als Folge mangelnder Integration und Sozialisation sowie als Ausdruck der Verteidigung gegen Unterdrückung interpretieren.
3. Erklärungsansätze für die Problematik der Rütli-Schule: Dieser Abschnitt überträgt Dubets Theorien zur sozialen Desorganisation und zur Bildung von Subkulturen auf die spezifische Situation im Neuköllner Reuten-Kiez.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Gewalt an der Schule Ausdruck einer Wut gegen den gesellschaftlichen Ausschluss ist, und fordert verstärkte bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen zur Integration.
Schlüsselwörter
Jugendgewalt, Rütli-Schule, Sozialstrukturelle Erklärungsansätze, François Dubet, soziale Desorganisation, Integration, Sozialisation, Subkultur, Neukölln, Perspektivlosigkeit, Armut, Bildungsbenachteiligung, Schulpolitik, Ethikunterricht, Gewaltprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe der eskalierenden Gewalt an der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln auf Basis sozialwissenschaftlicher Erklärungsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Jugendgewalt, den Einfluss des sozialen Umfelds, den Stellenwert von Integration und die Rolle des Bildungssystems in benachteiligten Stadtteilen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die gewalttätigen Vorfälle an der Rütli-Schule theoretisch zu fundieren, um daraus Handlungsempfehlungen für die Integrations- und Schulpolitik zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie die Theorie von François Dubet zur „Jugendgewalt und Stadt“ auf die empirischen Gegebenheiten der Rütli-Schule anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen von Gewalt als Folge von sozialer Desorganisation, Armut und mangelnder Anerkennung und vergleicht dies mit der konkreten Situation in Neukölln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendgewalt, soziale Desorganisation, Integration, Perspektivlosigkeit und Subkultur.
Warum spielt die „soziale Desorganisation“ nach Dubet eine zentrale Rolle?
Sie beschreibt den Verlust informeller sozialer Netze und Kontrolle, was dazu führt, dass sich Jugendliche statt an gesellschaftlichen Normen an den „Regeln der Straße“ orientieren.
Wie unterscheidet sich die moderne Jugendgewalt nach Dubet von früheren Protestformen?
Dubet stellt fest, dass heutige Jugendgewalt oft planlos und ziellos ist, da es den Jugendlichen im Gegensatz zu Arbeitern des 19. Jahrhunderts an einem organisierten Klassenbewusstsein fehlt.
- Citar trabajo
- Udo Lihs (Autor), 2006, Der Fall "Rütli Schule". Sozialstrukturelle Erklärungsansätze für die Entstehung von Jugendgewalt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62325