Realität und Realitätsverlust in den Kurzgeschichten von Washington Irving und Nathaniel Hawthorne


Hausarbeit, 2004
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur der Texte
2.1. Rip Van Winkle. Teil 1 – das Reale
2.2. Young Goodman Brown. Teil 1 – das Reale
2.3. Rip Van Winkle. Teil 3 – das Irreale
2.4. Young Goodman Brown. Teil 2 – das Irreale
2.4.1. Das Böse als menschliches Erbe
2.4.2. Visionen und Realitätsverlust Young Goodman Browns
2.5. Rip Van Winkle. Teil 3 – das Reale
2.6. Young Goodman Brown. Teil 3 – das Reale

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Entstehung der Kurzgeschichte als Gattung verbindet man mit dem Namen Washington Irving. Obgleich der Begriff „short story“ erst 1885 von Brander Matthews als Gattungsbegriff eingeführt wurde, wird der Anfang der Kurzgeschichte auf Irving zurückgeführt. 1820 veröffentlicht Irving das „Sketch book“ – Sammelband von Essays, Sketches und Kurzgeschichten, der unter anderem die Geschichte „Rip Van Winkle“ beinhaltet. Irving hat seine Idee aus den deutschen Märchen entnommen und mit auf dem Amerkienaischen Volklore verbunden. Ein Taugenichts als Held des Geschehens, eine amerikanische Landschaft als Handlungshintergrund - diese Geschichte gilt als erste Kurzgeschichte Amerikas und zählt zu Meisterwerken Irvings.

Ein weiterer amerikanischer Autor Nathaniel Hawthorne setzte die Entwicklung des Genres der Kurzgeschichte fort. Als erstes, beschäftigt er sich theoretisch mit der Kunstform der Kurzgeschichte. Themen seiner Werke sind die menschliche Seele an sich und das Böse im Menschen, Schuld eines Einzelnen und Kollektivs, Spannung zwischen einem Einzelperson und Gesellschaft.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich von zwei Kurzgeschichten – „Rip Van Winkle“ von Washington Irving und „Young Goodman Brown“ von Nathaniel Hawthorne unter dem Aspekt des Realitäts und Realitätsverlustes. Die zu beantwortenden Fragen sind: Was empfindet der Protagonist als real und was als Unwirklichkeit oder Traum? Welche Wirkung hat es auf die Entwicklung des Heldens und wie verändert er sich dabei? Gibt es überhaupt eine Veränderung? Welche Rolle spielt dabei die Natur? Die Analyse der Struktur der beiden Geschichten bildet den Rahmen der Hausarbeit.

2. Struktur der Texte

Wenn man die Geschichten „Rip van Winkle“ und „Young Goodman Brown“ vergleicht, stellt man fest, dass sie ähnlich aufgebaut sind. Im Mittelpunkt jeder Story steht ein männlicher Protagonist und die Entwicklung seiner Einstellung gegenüber der Gesellschaft. Beide Geschichten bestehen aus drei Teilen. Der erste Teil stellt häusliche Verhältnisse dar, eine vertrauliche Umgebung, in welcher sich der Protagonist befindet. Jedoch lehnt er diese Umgebung ab und wünscht sich, dieser Realität zu entkommen. Das mittlere Teil steht für das Irreale, den Traum. Das Geschehen hat ein magisches, realitätsloses Charakter. Am Ende jeder Geschichte kehrt der Protagonist zurück und muss sich entweder mit den Veränderungen um sich herum oder in sich selbst auseinander setzten.

2.1. Rip van Winkle. Teil 1 – das Reale.

Die Beschreibung der Natur, insbesondere des Kaatskill Gebirge, die die Geschichte eröffnet, spielt eine wichtige Rolle. Sie ist einerseits ein Zufluchtsort für den Protagonisten, anderseits eine Art Zeugin des Geschehens. Schon am Anfang gibt es eine auffällige Betonung des Wortes „change“ – „Every change of season, every change of weather, indeed every hour of the day produces some change in the magical hues and shapes of these mountains“ – ein Hinweis auf mysteriöse Vorkommen später in der Geschichte.

Die Geschichte leitet über zu der Darstellung von dem Protagonisten selbst: Der Herkunft, der Charakter und die Familie von Rip Van Winkle werden beschrieben. Er war ein einfacher „good natured man“, ein gehorsame Mann, der unter dem Pantoffel seiner Frau steht. Die Kinder im Dorf mochten ihn, er war immer bereit jedem in seiner Nachbarschaft zu helfen. Jedem anderen, aber wenn es darauf ankam etwas für sich selbst im eigenen Hof zu tun, war die Bereitschaft nicht mehr da, seine Faulheit trat in Vordergrund.. Seinen Worten nach lohnte es sich erst gar nicht auf eigener Farm zu arbeiten, da es das schlimmste Bodenstück im ganzen Dorf war und „everything about it went wrong“[1]. Er war mit seinem Leben zufrieden. Das einzige was ihn getrübt hat war seine Frau, die ihn wegen seiner Faulheit und Sorglosigkeit beschuldigte und damit das Leben für ihn unerträglich machte. Alle seine Handlungen führten zur Unzufriedenheit.

Die Ehe von Rip Van Winkle und Frau Van Winkle kann symbolisch betrachtet werden. Sie repräsentiert die Union zwischen den Amerikanischen Kolonien (Rip Van Winkle) und Großbritannien (Frau Van Winkle). Frau Van Winkle hatte bestimmte Erwartungen und Forderungen, die sie dem Rip Van Winkle stellte. Genau so hatte die Großbritannien gewisse Erwartungen den Kolonien gegenüber. "Rip is a flanking action, a way seeing the War of Independence as a bad message of a ne'er-do-well and a shrew"[2] (unter “shrew” ist die Dame Van Winkle gemeint). Unter anderem wird Rip Van Winkle beschrieben als "...one of those happy mortals, of foolish, well-oiled dispositions, who...if left to himself, he would have whistled his life away in perfect contentment"[3] Es ist auch eine symbolische Betrachtung – die Kolonien sehnten sich nach einer freien und unabhängigen Existenz von Großbritannien, wie es auch Rip Van Winkle von seiner Frau wünschte. Die Absicht Irwings ist es dabei unter anderem nicht nur das reale Leben seines Helden darzustellen, sondern auch die geschichtliche Realität zu verdeutlichen.

Um dem realen Leben zu entkommen und dabei möglichst weit weg von seiner Frau zu sein, ging Rip Van Winkle oft in den Wald. Der Wald und Natur waren für ihn eine Art Zufluchtsort, ein Versteck, wo er für die Realität „unsichtbar“ war.

2.2 Young Goodman Brown. Teil 1 – das Reale.

Als Handlungsort seiner Geschichte wählt Hawthorne Salem Village – „the cantankerous hamlet in which the afflictions, the accusations, and the diabolical Sabbaths centered in 1692”[4]. Damit wird schon von Anfang an angedeutet, dass es im späteren Verlauf der Geschichte etwas Unheimliches und Unrealistisches passieren wird.

Im Gegensatz zu „Rip Van Winkle“ wo vor der eigentlichen Handlung ziemlich ausführlich, fast wie in einem Roman, die Landschaft, das Dorf und der Charakter des Protagonisten beschrieben werden, fängt die Geschichte „Young Goodman Brown“ direkt mit der unmittelbaren Handlung an, nämlich mit dem Abschied des Young Goodman Browns von seiner Frau Faith, mit der er erst seit drei Monaten verheiratet ist. Er verlässt sein Zuhause spät am Abend beim Sonnenuntergang wo alles sich schon zum Teil in der Macht der Dunkelheit befand. Ziel seiner Reise ist eine geheimnisvolle Verabredung im Wald. Ohne dieses Ziel zu wissen, versucht seine Frau ihn davon zu überzeugen, am frühen Morgen loszugehen – „there was trouble in her face, as if a dream[5] had warned her what work is to be done to-night“[6], aber Young Goodman Brown ist fest entschlossen: “My journey <…> must needs be done twixt now and sunrise“.[7]

[...]


[1] Nina Baym (Hrsg): The Norton Anthology of American Literature, Shorter Sixth Edition, New York/London, 2003, S. 451 (bei der Analyse der Geschichte zitiert als “Rip Van Winkle”)

[2] Barbarese J. T.: Landscapes of the American Psyche, in: Sewanee Review, 100 (1992), S. 601

[3] “Rip Van Winkle”: S. 451.

[4] David Levin: Shadows of Doubt: Specter Evidence in Hawthorne´s “Young Goodman Brown”, in: American Literature. A journal of Literary History, Criticism, and Bibliography, volume 34, March 1962-January 1963, S, 345-346.

[5] Kursiv des Verfassers der Hausarbeit.

[6] Nathaniel Hawthorne: Young Goodman Brown“, in: The Norton Anthology of American Literature, Shorter Sixth Edition, New York, 2003, S. 610 (bei der Analyse der Geschichte zitiert als “Young Goodman Brown”)

[7] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Realität und Realitätsverlust in den Kurzgeschichten von Washington Irving und Nathaniel Hawthorne
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Englisches Seminar)
Veranstaltung
Amerikanische Kurzgeschichten
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V62368
ISBN (eBook)
9783638556262
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Realität, Realitätsverlust, Kurzgeschichten, Washington, Irving, Nathaniel, Hawthorne, Amerikanische
Arbeit zitieren
Anna Morozova (Autor), 2004, Realität und Realitätsverlust in den Kurzgeschichten von Washington Irving und Nathaniel Hawthorne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62368

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