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Rache als Verpflichtung und als Problem in Wolframs Willehalm

Title: Rache als Verpflichtung und als Problem in Wolframs Willehalm

Term Paper (Advanced seminar) , 1995 , 23 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Lutz Eisele (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Im US-Bundesstaat Ohio wurden dieser Tage Prügelstrafe und öffentliche Ächtung für Übeltäter wieder eingeführt. So „verpaßte“ ein Ordnungshüter einem Bürger mit drei Hiebe mit demselben Holzscheit, mit dem dieser zuvor seinen Sohn mißhandelt hatte.
Ganz gleich, ob man hier einen Rückfall in längst überwunden geglaubte Denkmuster sieht oder das Prinzip der adäquaten Vergeltung für eine solide Basis des Strafrechts hält, deutlich wird in jedem Fall, daß die Frage nach Schuld und nach dem Ausgleich von Schuld sich zu jeder Zeit als virulent erweist.
Wird dies Problem ernst genommen, führt es schnell zu weiteren: Sind Menschen wirklich schuldfähig? Welche Ziele soll Strafe verfolgen? Betrifft die Strafe nur den Täter oder soll sie auch den Schaden am Opfer selbst begleichen? Gibt es vielleicht sogar ein übergeordnetes Prinzip der Gerechtigkeit, das durch Untaten verletzt wird und Strafe als Ausgleich braucht?
Diese vielleicht etwas weit ausgezogenen Fragestellungen führen zu einem tragenden Motiv in Wolframs von Eschenbach „Willehalm“, zum Motiv der Rache.
Vorliegende Arbeit will Rache als Verpflichtung und als Problem in den Blick nehmen. Der Ort dieses Motivs im Werk soll erläutert werden.
Dafür wird es nötig sein, diesen Einzelaspekt in einen weiteren Bezugsrahmen einzufügen. In einem ersten rechtsphilosophischen und rechtsgeschichtlichen Aufriß soll neben dem historischen Hintergrund auch eine begriffliche Arbeitsbasis für das dann Folgende geschaffen werden.
Als Motiv wird rache zunächst für sich und dann im Verbund mit anderen Motiven zu betrachten sein. Auf dieser Grundlage soll weiter versucht werden, auf eine andere Ebene des Erzählens einzugehen. Hier soll erarbeitet werden, wie sich die dargestellten Charaktere und der Erzähler selbst in das bisher gewonnene Bild einfügen.
Schließlich wird noch zu überlegen sein, welche Konsequenzen sich aus der Darstellung dieses einen Motivs für die Deutung des „Willehalm“ ergeben.
2Nachweise ohne nähere Angabe beziehen sich grundsätzlich auf den „Willehalm“.
Allgemein gilt bei Wolfram- und Bibelzitaten, daß die jeweils kleinere Zitiereinheit von der größeren durch Kleindruck abgehoben wird.

Excerpt


Inhaltsübersicht

I. Einleitung

II. Rechtsphilosophische und rechtsgeschichtliche Annäherung

III. Rache als Phänomen im „Willehalm“

1. Maßlosigkeit der Rache. Rache als Handlungsmovens

2. Der konkrete und der grundsätzliche Anlaß der Rache

3. Träger der Rache und ihre Opfer

4. Gattungsbezogene Bestimmung

IV. Rache als Problem

1. „rache“ im Kontext anderer tragender Motive

a. „rache“ und „minne“

b. „rache“ und Sippe, „rache“ und Religion

c. „rache“ und „triuwe“

d. Zusammenfassung der Ergebnisse des Abschnitts IV. 1

2. „rache“ als Problem der Protagonisten. Sicht des Erzählers

a. „rache“ und Schuld. Gyburg

b. Der Rächer am Ende der Handlung. Willehalm

c. Die im Prolog und den Erzählerkommentaren vorgeführte Position

d. Zusammenfassung der Ergebnisse des Abschnitts IV. 2

V. Zusammenfassung. Konsequenzen

1. Rache bleibt eine ambivalente Größe

2. Rezeptionsästhetische Interpretationsmöglichkeit. Das Werk als Fragment

VI. Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Motiv der Rache im „Willehalm“ von Wolfram von Eschenbach, wobei sie das Spannungsfeld zwischen Rache als verpflichtendem Handlungsmuster und der moralischen Problematik innerhalb des christlich-mittelalterlichen Kontextes analysiert.

  • Rechtsphilosophische und rechtsgeschichtliche Definitionen von Rache und Strafe.
  • Die Funktion der Rache als treibendes Handlungselement im „Willehalm“.
  • Die Verflechtung von Rache mit anderen Motiven wie Minne, Sippe, Religion und Triuwe.
  • Die Subjektivierung von Schuld und die Entwicklung der Protagonisten (Gyburg und Willehalm).
  • Die Bedeutung des Werkes als Fragment und die rezeptionsästhetische Perspektive.

Auszug aus dem Buch

3. Träger der Rache und ihre Opfer

Indem sich alle Kampfhandlungen im „Willehalm“ als Rachehandlungen verstehen lassen, wird der „übliche“ Rahmen mit Sicherheit überboten. Aus einer sippengebundenen Institution wird ein Krieg zwischen zwei Bündnissystemen, die in sich zumindest auch durch Herrschaftsverhältnisse strukturiert sind. Blutsverwandtschaft als entscheidender, gleichsam transzendenter Faktor tritt weiter zurück.

Der Bezug auf Verwandtschaft zu Gefallenen und auch das Bedürfnis, Verwandte des Täters zu treffen, ist aber trotzdem weiterhin deutlich vorhanden (vgl. nur 10823-27).

Daß der Staat als Instanz, die Strafe statt Rache übt, nicht in den Blick rückt, hat einen simplen Grund. Es handelt sich im „Willehalm“ schlicht um eine Auseinandersetzung zweier Parteien, die jeweils eine oder mehrere Nationen hinter sich vereinigen. Zugleich gibt es aber keine staatsähnliche Instanz, die beiden gleichermaßen übergeordnet ist.

Hier ist also von Krieg zu reden. Zugleich könnte aber fast alles, was über Strafe gesagt wurde, auch auf diesen Bereich übertragen werden. Denn auch Krieg kann durch Vermeidung schlimmerer Provokationen des Gegners oder durch die Verletzung irgendwelcher höherer Prinzipien begründet werden. Was im „Willehalm“ vorgeführt wird, ist demnach Krieg als Rache.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Rache und Strafe ein und skizziert das Ziel der Arbeit, das Rachemotiv im „Willehalm“ in seinem historischen und rechtsphilosophischen Kontext zu verorten.

II. Rechtsphilosophische und rechtsgeschichtliche Annäherung: Dieses Kapitel erarbeitet eine begriffliche Arbeitsbasis, indem es die Unterschiede zwischen Rache als affektgesteuerter Selbsthilfe und staatlicher Strafe herausarbeitet.

III. Rache als Phänomen im „Willehalm“: Der Hauptteil analysiert, wie die Rache als maßloses Handlungsmovens die Ereignisse im Epos vorantreibt und wie sie mit gattungsspezifischen Merkmalen des Werks korrespondiert.

IV. Rache als Problem: Dieser Abschnitt untersucht die Komplexität der Racheforderung im Zusammenspiel mit Motiven wie Minne, Sippe und Religion sowie die moralische Krise der Protagonisten.

V. Zusammenfassung. Konsequenzen: Das Fazit reflektiert die Ambivalenz der Rache im „Willehalm“ und diskutiert das Werk als fragmentarischen Text, der den Rezipienten zur eigenen Sinnstiftung herausfordert.

VI. Ausblick: Der Ausblick deutet auf die existenzielle Erfahrung der Ausweglosigkeit und die Hoffnung auf göttliche Gnade als zentrale Leerstelle des Werkes hin.

Schlüsselwörter

Willehalm, Wolfram von Eschenbach, Rache, Strafe, Minne, Sippe, Triuwe, Schuld, Rechtsphilosophie, Mittelalter, Epik, Rezeptionsästhetik, Gyburg, Religion, Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das zentrale Motiv der Rache im „Willehalm“ von Wolfram von Eschenbach und hinterfragt, wie diese als Verpflichtung und zugleich als ethisches Problem innerhalb des mittelalterlichen Epos dargestellt wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Rache und Gerechtigkeit, der Einfluss von Motiven wie Minne, Sippe und Religion auf das Handeln der Figuren sowie die rechtshistorische Unterscheidung zwischen Rache und Strafe.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wolfram das Rachemotiv in den historischen Kontext einbettet und welche Konsequenzen sich aus der Darstellung von Schuld und Vergeltung für die Deutung des Werkes ergeben.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtsphilosophische und rechtsgeschichtliche Annäherung sowie eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Phänomens Rache als Handlungsmotorik und die Problematisierung der Rache durch die Verknüpfung mit christlichen und höfischen Werten sowie die innere Sichtweise der Protagonisten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zu den Schlüsselbegriffen gehören neben dem Hauptmotiv der „Rache“ vor allem „Minne“, „Triuwe“, „Sippe“, „Schuld“ sowie die „Subjektivierung“ ethischer Konflikte.

Welche Rolle spielt Gyburg in der Argumentation der Arbeit?

Gyburg dient als zentrales Beispiel für eine moderne Schuldauffassung, da sie durch ihre zwiespältige Herkunft und ihre Konversion das Rachekonzept als objektiv gesetzten Tatbestand infrage stellt.

Wie deutet der Autor das Ende des „Willehalm“?

Das Ende wird als ein Zustand gedeutet, in dem das Handeln in Trauer übergeht und die Hoffnung auf göttliche Gnade als eine Leerstelle fungiert, die vom Leser aktiv gedeutet werden muss.

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Details

Title
Rache als Verpflichtung und als Problem in Wolframs Willehalm
College
University of Tubingen
Grade
1,5
Author
Lutz Eisele (Author)
Publication Year
1995
Pages
23
Catalog Number
V62378
ISBN (eBook)
9783638556330
ISBN (Book)
9783656795186
Language
German
Tags
Rache Verpflichtung Problem Wolframs Willehalm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lutz Eisele (Author), 1995, Rache als Verpflichtung und als Problem in Wolframs Willehalm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62378
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