1.1 Die Lerngruppe
Die Klasse BFG 1.2 besteht aus 23 Schülerinnen und vier Schülern im Alter von 16 bis 20 Jahren. Mit Ausnahme von vier Schülern haben alle Schüler den Hauptschulabschluss, eine Schülerin ist vom Gymnasium an diese Schule gewechselt. Alle möchten nun in einer zweijährigen teilqualifizierenden Schulform den Realschulabschluss erlangen.
Die Gründe für den Besuch der BFG sind, dass die Schüler entweder keinen Ausbildungsplatz erhalten haben oder ihnen ihre beruflichen Perspektiven weitgehend unklar sind. Die Schüler haben im allgemeinbildenden Schulwesen mit schlechten Noten abgeschlossen, was ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt einschränkt. Um diese zu verbessern streben sie den Realschulabschluss an, der von ihnen an der BF-Gesundheit als leichter zu erreichen angesehen wird.
Einige Schüler möchten später einen Beruf im Gesundheitswesen ergreifen, erkennen diese Schulform somit als Vorstufe der Ausbildung an. Jedoch die Hälfte der Schüler besucht die BFG nicht wegen des Gesundheitsaspekts. Dieses erklärt auch das Desinteresse und die fehlende Motivation im Fach Gesundheit.
Zum Teil lässt sich eine Verweigerungshaltung von den Schülern im Unterricht feststellen. Eventuell ist dieses Verhalten auf die Zusammenlegung der ursprünglich zwei BFG-Klassen zu Beginn dieses Schuljahres zurückzuführen. Die dadurch hohe Schülerzahl der Klasse sowie die Gruppenbildung innerhalb der Klasse fördern diesen Effekt. In der hier beschriebenen Klasse kann man zwei Drittel der Schüler als leistungsschwach charakterisieren, außerdem erwecken einige nicht den Eindruck, geforderte Leistungen erbringen zu wollen. Dieses schlägt sich auch nieder in Demotivation, Unterrichtsstörungen, Unterrichtsversäumnissen, mangelnder Beteiligung sowie renitentem Verhalten einigen Lehrern gegenüber.
Obwohl kein großes Leistungsgefälle herrscht, sind Unterschiede im Leistungsniveau der Schüler festzustellen. Dieses lässt sich durch Gruppenarbeit bei entsprechender Gruppenaufteilung gut ausgleichen. Die Schüler sind das Arbeiten in Gruppen gewöhnt. Es ist auffällig, dass eine Motivation der Teilnahme zur Gruppenarbeit erst dann gegeben ist, wenn das zur Verfügung gestellte Material den Erwartungen der Schüler entspricht.
Während die Erfüllung der Arbeitsaufträge für die Schüler kein großes Problem darstellt, haben sie bei der Präsentation erhebliche Schwierigkeiten, zum Beispiel aus Büchern gewonnene Inhalte mit eigenen Worten wiederzugeben.
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Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse
1.1 Die Lerngruppe
1.2 Die studentischen Lehrenden
1.3 Institutionelle und organisatorische Voraussetzungen des Unterrichts
2. Didaktische Analyse
2.1 Schlüsselprobleme in Bezug auf das Thema
2.2 Eingrenzung auf den Themenschwerpunkt der Stunde
2.3 Sachwissen
2.3.1 Sitzen
2.3.1.1 Tipps zum richtigen Sitzen
2.3.1.2 Dynamisches Sitzen
2.3.1.3 Ergonomisch gestaltete Stühle
2.3.1.4 Der Pezzi-Ball
2.3.2 Heben und Tragen
2.3.2.1 Heben von Lasten
2.3.2.2 Tipps zum Tragen von Lasten
2.4 Methodisches Wissen
2.5 Ethisch-moralisches Wissen
2.6 Selbstbezogenes Wissen
3. Didaktische Legitimation
3.1 Gegenwartsbedeutung
3.2 Zukunftsbedeutung
3.3 Exemplarische Bedeutung
4. Zielsetzung
4.1 Sachkompetenz
4.2 Methodenkompetenz
4.3 Sozialkompetenz
4.4 Selbstkompetenz
5. Methodische Strukturierung des Lehr-/Lernprozesses
5.1 Einstiegsphase
5.2 Erarbeitungsphase
5.3 Ergebnissicherung
6. Beziehungsgestaltung
7. Tabellarische Übersicht über den Unterrichtsverlauf
8. Literatur
9. Anhang:
Zielsetzung und Themenfelder
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Erstellung eines praxisorientierten Unterrichtsentwurfs für die Berufsfachschule Gesundheit, der die Lernenden für rückenschonende Arbeitstechniken im Alltag und Beruf sensibilisiert. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie theoretisches Wissen über Ergonomie sowie Hebe- und Tragetechniken handlungsorientiert vermittelt werden kann, um langfristigen gesundheitlichen Schäden am Bewegungsapparat vorzubeugen.
- Grundlagen der rückengerechten Körperhaltung und Ergonomie.
- Praktische Techniken für korrektes Sitzen, Heben und Tragen von Lasten.
- Methoden der handlungsorientierten Didaktik zur Förderung der Eigenverantwortung.
- Prävention von Rückenbeschwerden als Teil des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsförderung.
- Reflexion des eigenen Körperumgangs und der beruflichen Belastung.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Sitzen
Menschen mit sitzender Tätigkeit verbringen bis zu 87% ihrer Arbeitszeit in Sitzhaltung. Dabei wird die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur stärker als beim Stehen oder Gehen beansprucht. Durch ständiges Sitzen erschlafft die Rumpfmuskulatur, so dass sie ihre natürliche Stützfunktion für die Wirbelsäule nicht mehr erfüllen kann. Zusätzlich belastet „bequemes“ Sitzen mit Rundrücken die Bänder und Bandscheiben einseitig und übermäßig. Da es sich beim Sitzen um statische Haltearbeit handelt, die belastender ist als dynamische, wird Sitzen oft als die „an sich schlechteste Haltung für den menschlichen Körper“ bezeichnet.
Aufrechte Sitzhaltung in der natürlichen Doppel-S-Form: • Sitzfläche ausreichend nutzen, um Gesäß und Oberschenkel zu stützen. Nicht auf der Kante sitzen! • Die Knie sind hüftbreit geöffnet. • Die Fußsohlen stehen entspannt auf dem Boden, die Fußspitzen zeigen leicht nach außen. Oberschenkel, Knie und Füße bilden eine Linie. • Das Becken ist leicht gekippt – sitzen sie mit leicht nach vorne gekipptem Becken! • Der Brustkorb wird nach vorne und oben angehoben – heben sie ihr Brustbein nach vorne oben! • Die Halswirbelsäule wird gestreckt – strecken sie ihren Hinterkopf nach hinten oben! • Der Schultergürtel wird locker ausgerichtet, die Schultern fallen nicht nach vorn. • Empfehlung: Lässiges Sitzen („Lümmeln“) entlastet die Bandscheiben, dadurch wird der Bandscheibeninnendruck erheblich reduziert und der Stoffwechsel der Bandscheiben (Transport der Nährstoffe und Entsorgung der Abfallprodukte) begünstigt. • Trotzdem ist Rückenschulensitzen nach wie vor zu empfehlen, da es die für die Stabilisierung der Wirbelsäule verantwortliche Rückenmuskulatur im Alltag kräftigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedingungsanalyse: Dieses Kapitel beschreibt die Lernvoraussetzungen der Klasse BFG 1.2 sowie die Rahmenbedingungen und die Rolle der studentischen Lehrenden für den Unterricht.
2. Didaktische Analyse: Hier werden die inhaltlichen Schwerpunkte zum rückenschonenden Arbeiten und die wissenschaftlichen Grundlagen zum Sitzen, Heben und Tragen dargelegt.
3. Didaktische Legitimation: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit des Themas vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Bedeutung von Rückenerkrankungen und der Gesundheitsprävention.
4. Zielsetzung: Es werden die angestrebten Lernziele definiert, unterteilt in Sach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz.
5. Methodische Strukturierung des Lehr-/Lernprozesses: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der Unterrichtseinheit in Einstiegs-, Erarbeitungs- und Ergebnissicherungsphase.
6. Beziehungsgestaltung: Hier reflektiert die Autorin die angestrebte Lehrer-Schüler-Interaktion und die Bedeutung von Respekt und klaren Regeln.
7. Tabellarische Übersicht über den Unterrichtsverlauf: Eine chronologische Darstellung des geplanten Unterrichtsablaufs mit Zeitangaben, Zielen, Sozialformen und Medien.
8. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Arbeitsmaterialien für den Unterricht.
9. Anhang: Enthält die für den Unterricht erstellten Materialien wie Arbeitsaufträge, Folien und Ergebnissicherungsbögen.
Schlüsselwörter
Rückengesundheit, Wirbelsäule, Ergonomie, Heben und Tragen, dynamisches Sitzen, Unterrichtsentwurf, Gesundheitsförderung, Prävention, Arbeitsschutz, Bandscheibenbelastung, Handlungsorientierung, Rückenschule, BFG Gesundheit, Bewegungsapparat, Körperhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen detaillierten Unterrichtsentwurf für die Berufsfachschule Gesundheit vor, der darauf abzielt, Schülern gesundheitsfördernde Verhaltensweisen im Umgang mit ihrem Körper zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind ergonomisches Sitzen, rückenschonendes Heben und Tragen von Lasten sowie die Bedeutung der Wirbelsäulengesundheit im beruflichen und privaten Alltag.
Was ist das primäre Ziel des Unterrichts?
Das primäre Ziel ist es, die Schüler durch praktisches Erleben zu befähigen, rückenschädigende Verhaltensmuster zu erkennen, zu reflektieren und durch gesundheitsfördernde Alternativen zu ersetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein handlungsorientierter Ansatz gewählt, bei dem Schüler in Gruppen an verschiedenen Stationen Übungen durchführen, diese bewerten und ihre Ergebnisse anschließend präsentieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die didaktische Begründung, das theoretische Sachwissen über den Bewegungsapparat, die Zielsetzung sowie die methodische Planung des Unterrichtsverlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Rückengesundheit, Ergonomie, Prävention, dynamisches Sitzen sowie die didaktische Vermittlung von Arbeitsschutzmaßnahmen.
Warum spielt die Ergonomie bei Sitzmöbeln eine so große Rolle für die Schüler?
Da viele Schüler in Ausbildung oder Schule lange Zeit sitzen, ist es essentiell, dass sie die Kriterien für ergonomische Stühle kennen, um durch dynamisches Sitzen Verspannungen und langfristige Schäden zu vermeiden.
Wie wird mit der unterschiedlichen Motivation der Schülergruppe umgegangen?
Die Autorin setzt auf handlungsorientierte Materialien, die den Interessen der Schüler entsprechen, um die Motivation zu steigern und durch Gruppenarbeit eine aktive Teilhabe auch bei heterogenem Leistungsstand zu ermöglichen.
- Quote paper
- Christine Steinhagen (Author), 2002, Unterrichtsstunde: Richtiges Sitzen, Heben und Tragen - Unterrichtsentwurf für einen Unterricht im Fach Pflege der Berufsfachschule Gesundheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6237