Die verschiedenen Nachfolgeregelungen Ludwigs des Frommen - Von der Ordinatio Imperii bis zur Teilung des Reiches durch den Vertrag von Verdun


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Ordinatio Imperii

3. Die nachfolgenden Erbteilungsregelungen bis zum Tode von Ludwigs des Frommen Sohn Pippin
3.1. Die Geburt Karls und die Palastrebellion
3.2. Die Änderungen der Nachfolgeregelungen nach dem Aufstand von
3.3. Die erneute Verschwörung gegen den Vater
3.4. Die Ereignisse nach der Absetzung Ludwigs des Frommen

4. Vom Tod Ludwigs des Frommen bis zum Vertrag von Verdun

5. Der Vertrag von Verdun und seine Bedeutung für das Abendland

6. Resümee

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erbfolgeregelungen Ludwigs des Frommen gaben im 9. Jahrhundert zweifellos Anlass für zahlreiche Auseinandersetzungen im Karolinger Reich. Die Konfrontationen der Söhne mit dem Vater und auch die der Söhne untereinander erlangten große Bedeutung für die Zukunft des Abendlandes, auch wenn diese Tatsache sicherlich nicht abzusehen war. Solche Schlüsse lassen sich erst ziehen, wenn man in der Perspektive des Historikers auf die Ereignisse im 9. Jahrhundert zurückblickt. Die verschiedenen Erbteilungsregelungen, angefangen bei der Ordinatio Imperii bis hin zur Teilung von Verdun im Jahr 843, sind der Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Außerdem wird die Bedeutung des Vertrags von Verdun für das Abendland herausgearbeitet.

Besonders hilfreich für diese Ausarbeitung war die Arbeit über Ludwig den Frommen von Egon Boshof.[1] Er gibt darin einen sehr guten Überblick über die Beweggründe, angefangen bei der Ordinatio Imperii über die folgenden Ereignisse bis hin zum Tode Ludwigs des Frommen. Zum Verständnis für Verhandlungen, die zum Vertrag von Verdun führten, sind die Aufzeichnungen von Nithard unerlässlich gewesen.[2] Der Vertrag von Verdun ist wörtlich nicht mehr im Original erhalten, allerdings ist eine Angabe des Inhalts vorhanden.[3] Aufschluss über die Bedeutung der Teilung von 843 geben unter anderem die Abhandlungen von Carlrichard Brühl[4], Joachim Ehlers[5], Paul Egon Hübinger[6] und François Ganshof.[7]

Nach dieser Einleitung folgt in dieser Arbeit die Auseinandersetzung mit der Ordinatio Imperii als Ausgangspunkt dieser Ausführung. Dabei werden die verschiedenen Gesichtspunkte und die damit verbundenen Schwierigkeiten der Ordinatio Imperii herausgearbeitet. Anschließend erfolgt die Betrachtung der verschiedenen nachfolgenden Erbteilungsregelungen bis zum Tode des Sohnes Ludwigs des Frommen, Pippin. Darin werden die mannigfachen Auseinandersetzungen der Söhne mit dem Vater einschließlich der damit verbundenen Änderungen in den Nachfolgeregelungen den Schwerpunkt bilden. Im Punkt vier werden die Streitigkeiten der Brüder nach dem Tod Ludwigs des Frommen bis zum Vertrag von Verdun beleuchtet. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei der Entwicklung des Vertrags von 843 zukommen. Im nachfolgenden Kapitel fünf werden die Folgen des Vertrags von Verdun und seine Stellung in der Gesamtgeschichte des Abendlandes thematisiert. Den Abschluss der Arbeit bildet ein zusammenfassendes Resümee, in dem die Frage geklärt wird, welchen Einfluss die Herausbildung der deutschen und französischen Nation auf die Teilung von 843 gehabt hat.

2. Die Ordinatio Imperii

Die Ordinatio Imperii ist die Nachfolgeordnung von Kaiser Ludwig dem Frommen. Mit dieser Regelung sollte die Teilung des Reiches nach Ludwigs Tod verhindert werden. Es handelt sich hierbei um den Versuch, das fränkische Stammesrecht der Erbteilung mit dem Reichseinheitsgedanken der Kirche zu verbinden.[8]

Das fränkische Erbrecht sah die gerechte Aufteilung des Reichsgebietes unter den Söhnen des Herrschers vor. So wäre das unter Karl dem Großen geschaffene Reich wieder zerfallen. Da nach der römischen und kirchlichen Tradition das Imperium unteilbar war, sollte das karolingische Reich nach Ludwigs Vorstellungen nicht unter seinen Söhnen aufgeteilt werden. Vielmehr sollte einem der Söhne die Kaiserkrone vermacht werden und die anderen beiden sollten als Unterkönige in das Reich eingegliedert werden. So wurde der älteste Sohn, Lothar, von seinem Vater als zukünftiger Kaiser ausgewählt, um das Reich nach seinem Tod zu beherrschen. Die beiden jüngeren Söhne, Pippin und Ludwig, sollten als Unterkönige ihr eigenes Herrschaftsgebiet verwalten, jedoch eingeschränkt durch die Zentralgewalt Lothars. So durften sie zwar die Innenpolitik in ihren Gebieten selbst bestimmen, aber die außenpolitischen Angelegenheiten mussten mit dem Bruder abgesprochen werden. Weiterhin sollten sich die Brüder einmal im Jahr treffen, um die notwendigen Angelegenheiten zu besprechen und Probleme zu lösen. Auch wurden Bestimmungen getroffen, um die Nachfolgeregelung aufrecht zu erhalten, sollte einer der Söhne sterben. Und zwar sollte das Gebiet an den Ältesten fallen, wenn der Bruder ohne legitime Nachkommen stirbt. Hat er aber erbberechtigte Söhne, so sollte das Volk einen von ihnen zum König erwählen und nicht die Macht unter ihnen aufteilen. Wenn Lothar ohne legitime Nachfolger sterben würde, sollte das Volk einen der anderen beiden Brüder zum Nachfolger wählen.[9]

Die Ordinatio Imperii hatte zwei wesentliche Schwachpunkte. Einerseits ist sie ohne die Möglichkeit weiterer Söhne, und damit weiterer Erben, verfasst worden. Zum anderen wurde der Neffe Ludwigs des Frommen, Bernhard, welcher Unterkönig in Italien war, in der Ordinatio Imperii vollkommen übergangen.

Zum ersten Schwachpunkt ist zu sagen, dass Ludwig in seiner zweiten Ehe noch einen Sohn, Karl, bekam. Da dieser aus einer rechtmäßigen Ehe hervorgegangen war, stand auch ihm ein Teil des Reiches zu.[10]

Die Nichtbeachtung von Bernhard in der Nachfolgeregelung sollte Konsequenzen haben. Bernhard von Italien sperrte mit seinen Anhängern die Alpenpässe um dem Kaiser seinen Verhandlungsstandpunkt zur Ordinatio Imperii zu zeigen und zu stärken. Er wurde allerdings von den kaiserlichen Truppen besiegt, die Ludwig der Fromme bereits unter dem Eindruck, dass Bernhard einen Angriff auf ihn plane, entsandt hatte. Bernhard wurde von Ludwig zur Blendung verurteilt und starb an deren Folgen. Mit der Beseitigung Bernhards war auch die Möglichkeit gekommen, andere mögliche Nachfolger loszuwerden. So ließ Ludwig seine Halbbrüder Drogo, Hugo und Theodrich ins Kloster schicken. Durch diese Ereignisse schuf Ludwig sich neue Gegner, die er als Anhänger Bernhards von Italien entmachten ließ. Zu diesen Gegnern zählen Wala und Adalhard. Vor allem ersterer sollte noch eine große Rolle in den nachfolgenden Erbstreitigkeiten spielen.[11]

Beide Schwachpunkte zeigen, dass sich ein wesentliches Prinzip der Nachfolgeregelung durchgesetzt hatte: es wurden nur eheliche Söhne als legitime Nachfolger und Herrscher angesehen. Außerdem setzte sich die Primogenitur an Stelle der Gleichberechtigung der Söhne durch.

3. Die nachfolgenden Erbteilungsregelungen bis zum Tode von Pippin

3.1. Die Geburt Karls und die Palastrebellion 830

Da nun 823 aus der zweiten Ehe Ludwigs mit Judith ein weiterer Sohn hervorging, musste die Ordinitio Imperii zwangsläufig in Frage gestellt werden. In der Literatur wird vor allem der Ehefrau nachgesagt, dass sie Ludwig stark beeinflusste, damit er auch ihrem Sohn ein Stück des Erbes vermachte. Um ihren Karl zunächst gut versorgt zu wissen, gewann sie Lothar als dessen Taufpaten. Der künftige Kaiser sollte Karl dadurch einen gewissen Schutz gewähren, aber auch den Plänen des Vaters zustimmen, falls dieser Karl einen Teil des Reiches zusprechen sollte. Ludwig der Fromme versuchte seinerseits den adligen Anhang für Karl durch das Verschenken von Kirchengut zu vergrößern. 829 wurde Bernhard von Barcelona nicht nur Schatzmeister, sondern auch mit der Durchsetzung von Karls Anrechten betraut. Im selben Jahr wurde auf der Reichsversammlung in Worms Karl ein Teil des Reiches zugesprochen. Er erhielt Alemannien, das Elsaß, Churrätien und einen Teil von Burgund. Karl bekam allerdings nicht den Status eines Unterkönigs zugesprochen, so dass die Ordinatio Imperii nicht verletzt wurde. Trotzdem bedeutete diese Gebietszuteilung an Karl eine Entmachtung Lothars, da das ihm zustehende Reich verkleinert und dadurch auch seine künftigen Anhänger weniger wurden. So kam es zum Bruch mit dem Hof Ludwigs des Frommen, Lothar wurde nach Italien verwiesen und die formelle Regierungsbeteilung wurde ihm entzogen.[12]

[...]


[1] Boshof, Egon: Ludwig der Fromme, Darmstadt 1996.

[2] Nithard, Vier Bücher in Geschichten, in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Teil 1 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters Bd. 5), Darmstadt 1987, S. 451-459.

[3] Vertrag von Verdun 843, in: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 1: Frühes und Hohes Mittelalter, hg. v. Hartmann, Wilfried, Stuttgart 1995, S. 100.

[4] Brühl, Carlrichard: Deutschland – Frankreich, Die Geburt zweier Völker, Köln 1990.

[5] Ehlers, Joachim: Die Entstehung des deutschen Reiches, München 1994.

[6] Hübinger, Paul Egon: Ausgewählte Aufsätze und Vorträge, Beiträge zur Geschichte Europas und der Rheinlande in Mittelalter und Neuzeit, Siegburg 1990.

[7] Ganshof, François: Zur Entstehungsgeschichte und Bedeutung des Vertrags von Verdun (843), in: DA 12 (1956), S. 313-330.

[8] Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter, Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart/Berlin/Köln 1990, S. 374-375.

[9] Ordinatio Imperii, in: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 1: Frühes und Hohes Mittelalter, hg. v. Hartmann, Wilfried, Stuttgart 1995, S. 82-86.

[10] Boshof, Egon: Ludwig, S. 158-159.

[11] Brunner, Karl: Oppositionelle Gruppen im Karolingerreich, Graz 1979, S. 96-101.

[12] Boshof: Ludwig, S. 178-181.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die verschiedenen Nachfolgeregelungen Ludwigs des Frommen - Von der Ordinatio Imperii bis zur Teilung des Reiches durch den Vertrag von Verdun
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V62456
ISBN (eBook)
9783638556941
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachfolgeregelungen, Ludwigs, Frommen, Ordinatio, Imperii, Teilung, Reiches, Vertrag, Verdun
Arbeit zitieren
Annika Werner (Autor), 2006, Die verschiedenen Nachfolgeregelungen Ludwigs des Frommen - Von der Ordinatio Imperii bis zur Teilung des Reiches durch den Vertrag von Verdun, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62456

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