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Postadoleszenz und Jugendlichkeit - Versuch der Definition einer neuen Statusdimension

Title: Postadoleszenz und Jugendlichkeit - Versuch der Definition einer neuen Statusdimension

Term Paper , 2002 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Matthias Brabetz (Author)

Sociology - Children and Youth
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Die "Jugend" als Begriff ist für sich ein soziologisch interessantes Phänomen. Denn jeder einzelne "Erwachsene", der unter europäisch-amerikanischen Verhältnissen sozialisiert wurde, meint, sie als Lebensphase durchlebt zu haben, und zu wissen, was "Jugend" für sich und Andere bedeutet, wer gerade "jugendlich" ist, oder zumindest "junggeblieben". Trotzdem existiert keine trennscharfe und adäquate Definition für den in "Adoleszenz" und "Postadoleszenz" differenzierten Lebensabschnitt, der dem Erwachsensein vorausgeht. Zu sagen, "jemand sei junggeblieben" ist ein allgemein geläufiges ( normalerweise positiv-gemeintes ) Prädikat. Doch ebenso das abschätzige Urteil, jemand "wolle nicht erwachsen werden" oder sei "Berufsjugendlicher" ( Janke 1995: S. 12. ), sind gebräuchliche ( normalerweise negativ-gemeinte ) Klischees. Aber was ist mit solcherlei Aussagen tatsächlich gemeint? Und auf was nimmt die bipolare Wertung der Urteile dieser Art eigentlich bezug? Doch auf die "Jugendlichkeit" einer Person, mit der sowohl positive als auch negative Aspekte assoziiert werden. Solcherlei Phrasen können bereits als Hinweis dafür gelten, daß "jugendlich sein" mit dem sozialen Status einer Person auch über das eigentliche Jugendalter hinaus in irgendeiner Form korreliert, da sie auf die soziale Position in der Gesellschaft anspielen. Über folgende Entwicklung des sozialen Wandels sind sich Soziologen weiterhin relativ einig : "Die Kindheit endet früher, die Jugend beginnt eher - und dauert immer länger. ( . . . ) Der Schritt von der Jugend ins Erwachsenenalter vollzieht sich aber nicht nur später, sondern er ist auch nicht mehr so klar auszumachen: Die Grenzen verwischen sich." ( Janke 1995: S. 11. ) Die "Jugend" als "Statuspassage" ( vgl. Neidhardt: 1970; Hurrelmann / Rosewitz / Wolf: 1985 ) zu betrachten zielt also an der Realität vorbei, da ihre Grenzen zu diffus wären, um überhaupt noch zu greifen, obwohl die "Jugendlichkeit" einer Person aber mit deren Status in unmittelbarer Beziehung steht. Auch die Ausdifferenzierung der Lebensphase Jugend in zwei "Teilstatuspassagen" ist nur ein Rettungsversuch einer Theorie, die schon lange nicht mehr haltbar ist, wie ich noch zeigen werde.

Excerpt


Gliederung

1. Einführende Gedanken zur Rezeption der „Jugend“

2. Grundbegriffe zum Verständnis der Postadoleszenzdiskussion

2.1. „Adoleszenz“, „Pubertät“ und „Jugendlichkeit“

2.2. Der Mythos von einer Lebensphase „Postadoleszenz“

2.3. Die „Postadoleszenz“ als gleichwertiger Erwachsenenstatus

3. Versuch einer Vereinbarung widersprüchlicher Sachverhalte zum Jugendende mittels der Statusdimension „Jugendlichkeit"

3.1. Die Verlängerung der Jugend

3.2. Das frühzeitige Ende der Jugend

4. Abschließende Betrachtung der „Jugendlichkeit“ als eigenständige Statusdimension

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das soziologische Konzept der "Jugend" und die damit verbundenen Definitionsprobleme. Ziel ist es, die "Jugendlichkeit" als eine eigenständige, vom biologischen Lebensalter unabhängige Statusdimension neu zu definieren und damit das diskreditierte Konstrukt der "Postadoleszenz" zu ersetzen.

  • Kritische Analyse klassischer Jugend- und Erwachsenendefinitionen.
  • Entzauberung des Postadoleszenz-Begriffs als defizitäre Lebensphase.
  • Konzeptualisierung von Jugendlichkeit als Statusdimension.
  • Versöhnung von Tendenzen der Verlängerung und des frühzeitigen Endes der Jugend.
  • Untersuchung von Identitäts-Patches im Erwachsenenalter.

Auszug aus dem Buch

2.3. Die „Postadoleszenz“ als gleichwertiger Erwachsenenstatus

Matthias Junge macht 1995 endgültig Schluß mit dem Mythos von der Lebensphase Postadoleszenz und der damit einhergehenden defizienten Statuskonfiguration, dessen Ende offensichtlich nicht auszumachen ist. Er kritisiert die implizite Normativität der klassischen Jugendkonzeption, und setzt ihr eine Neudefinition entgegen, die anstelle des ein setzt, also Jugendliche die nur Teilstatuspassage passiert haben bereits als junge Erwachsene, oder eben Postadolszente, bezeichnet. Junges Definition meint „Postadoleszenz“ weder als „Stiefkind“ oder sozialen „Aufbau“ auf die Lebensphase Jugend, sondern

Postadoleszente sind Erwachsene mit einem sozialen Dauerstatus, haben folglich keinen defizienten Status. Der Lebensverlauf kann nicht mehr als lineare Abfolge von Lebensphasen verstanden werden, „ . . . weil die Variabilität der Abfolge vieler Lebensereignisse und die sinkende Verbindlichkeit von Altersnormen keine klare Abfolge von Lebensereignissen erzwingen.“ ( Junge 1995: S. 15. ) Seine These der „Pluralisierung des Erwachsenenstatus“ und die damit erzeugte These der „Flexibilisierung des Jugendendes“ sind Reaktion auf die bekannten Prozesse der Modernisierung, Individualisierung und Biographisierung des Lebensverlaufs und die Pluralisierung der Lebensformen ( vgl. Junge 1995: S. 16. f. ). Die „Postadoleszenz“ hat sich als Begriff für eine diskriminierte Lebensphase zu einem Label für eine emanzipierte Erwachsenen-Statuskonfiguration gemausert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführende Gedanken zur Rezeption der „Jugend“: Das Kapitel führt in das Definitionsdilemma des Jugendbegriffs ein und hinterfragt die bipolare Wertung von "jugendlich" als gesellschaftliche Statuszuschreibung.

2. Grundbegriffe zum Verständnis der Postadoleszenzdiskussion: Hier werden zentrale Begriffe wie Pubertät, Adoleszenz und Postadoleszenz terminologisch abgegrenzt und als soziologische Konstrukte kritisch beleuchtet.

3. Versuch einer Vereinbarung widersprüchlicher Sachverhalte zum Jugendende mittels der Statusdimension „Jugendlichkeit": Dieses Kapitel analysiert gegensätzliche Trends der Jugendphase und führt "Jugendlichkeit" als neue Statusdimension ein, um diese Spannungen aufzulösen.

4. Abschließende Betrachtung der „Jugendlichkeit“ als eigenständige Statusdimension: Das Fazit fasst die Neu-Definition von Jugendlichkeit zusammen und betont deren Unabhängigkeit vom biologischen Alter als individuelles Identitätsmerkmal.

Schlüsselwörter

Jugendsoziologie, Postadoleszenz, Jugendlichkeit, Statusdimension, Erwachsenenstatus, Statuspassage, Adoleszenz, Pubertät, Individualisierung, Biographisierung, Lebensphase, soziale Identität, Erwachsensein, Teilstatuspassage, Jugendkultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Einordnung der Lebensphase Jugend und kritisiert die gängigen, oft diskriminierenden Definitionen von "Postadoleszenz" als unvollständigem Erwachsenenstatus.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, "Jugendlichkeit" als eine eigenständige Statusdimension zu etablieren, die es ermöglicht, auch erwachsene Personen als "jugendlich" zu betrachten, ohne ihnen einen defizienten Status zuzuschreiben.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themenfelder umfassen die soziologische Begriffsbestimmung von Jugend und Adoleszenz, die Kritik an linearen Lebenslaufmodellen sowie die Analyse von Jugendkulturen und sozialen Statuskonfigurationen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse soziologischer Jugendforschung basiert und diese explorativ zu einer neuen Status-Theorie weiterentwickelt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die terminologische Klärung der Begriffe, die Kritik am Mythos der Postadoleszenz und die Darlegung einer neuen, differenzierteren Betrachtungsweise des Jugendendes durch die Statusdimension "Jugendlichkeit".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?

Zentrale Begriffe sind Postadoleszenz, Jugendlichkeit, Statusdimension, Pluralisierung des Erwachsenenstatus und die Überwindung linearer Lebensphasenmodelle.

Wie unterscheidet sich die neue Definition von der klassischen Sichtweise?

Während klassische Ansätze Jugendlichkeit oft als defizienten Zustand interpretieren, der erst durch das Erreichen von Erwachsenenkriterien (Einkommen, Familie) endet, begreift diese Arbeit Jugendlichkeit als eine frei wählbare oder beibehaltene Statusdimension unabhängig vom Alter.

Welche Rolle spielt das Fallbeispiel im Text?

Das Fallbeispiel der Schülerin Silvia Warchol illustriert die "doppelte Belastung" und die partielle Vorwegnahme von Erwachsenenrollen bereits im Jugendalter, was die These der Verwischung von Lebensphasen stützt.

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Details

Title
Postadoleszenz und Jugendlichkeit - Versuch der Definition einer neuen Statusdimension
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Course
Einführung in die Jugendsoziologie
Grade
1,0
Author
Matthias Brabetz (Author)
Publication Year
2002
Pages
15
Catalog Number
V6251
ISBN (eBook)
9783638138673
ISBN (Book)
9783640521463
Language
German
Tags
Postadoleszenz Jugendlichkeit Statusdimension Jugend Jugendalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Brabetz (Author), 2002, Postadoleszenz und Jugendlichkeit - Versuch der Definition einer neuen Statusdimension, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6251
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