Tendenzieller Vergleich zwischen der Gesellschaft der DDR und der Gesellschaft in Orwells 1984


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

28 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Gliederung

1.0 Einleitung

2.0 Darstellung des Romans 1984
2.1 Eric Arthur Blair
2.2 Inhaltsangabe
2.3 Akzentuierte Darstelllung der Gesellschaft in Ozeanien

3.0 Darstellung der Gesellschaft in der DDR
3.1 Beschreibung und Vergleich des Staatsaufbaus
3.2 Der Überwachungsapparat
3.3 Kurzer Anriss zur Familienpolitik
3.4 Beispiele zur Geschichtsfälschung

4.0 Fazit

5.0 Quellennachweis

1.0 Einleitung

In der folgenden Arbeit soll ein Vergleich zwischen der Gesellschaft in der DDR und der Gesellschaft, wie sie Orwell in seinem antiutopischen Roman 1984 beschreibt, durchgeführt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Suche nach Tendenzen, die in der Gesellschafts- und Politikstruktur der DDR in Bezug auf die Gesellschaft bei Orwell gefunden werden können. Ich werde die Gesellschaft bei Orwell nicht immer als Fiktion kennzeichnen, sondern ich werde sie als der DDR-Gesellschaft gleichgestellt betrachten. Da Orwell die Gesellschaft in seinem Roman aus der Perspektive eines Protagonisten darstellt, werden nicht alle Aspekte erwähnt. Deshalb werde ich mich hier auf verschiedene Ausschnitte beschränken, bei denen ich genügend Informationen für einen Vergleich zu Verfügung habe. Diese Ausschnitte sind die Struktur des Staatsapparates, der Überwachungsapparat, die Geschichtsschreibung und die Familienpolitik. Im Fazit wird eine kurze Zusammenfassung der gefundenen Tendenzen zu lesen sein, bevor die Arbeit mit einer kurzen persönlichen Stellungnahme endet. Ich werde den Autor des Romans, obwohl er mit bürgerlichem Namen Blair heißt, immer mit seinem Künstlernamen Orwell bezeichnen.

2.0 Darstellung des Romans 1984

2.1 Eric Arthur Blair

Eric Arthur Blair alias George Orwell wurde 1903 in Motihari in Indien als Sohn eines englischen Kolonialbeamten geboren. Er beschloss früh, Schriftsteller zu werden und lebte daraufhin mehrere Jahre in Paris und London, nachdem er nach der Eliteschule in Eton seinen Wehrdienst in Burma geleistet hatte. 1936 zog er als Freiwilliger in den spanischen Bürgerkrieg, wo er schwer verwundet wurde. Die kommunistische Polizei verfolgte ihn lange. Daraufhin setzte er sich in seinen Romanen Farm der Tiere und 1984 mit Machtmechanismen auseinander, allerdings immer mit einer warnenden Absicht. Kurz nach der Veröffentlichung von 1984 verstarb Orwell am 21. Januar 1950 an Tuberkulose.

2.2 Inhaltsangabe

Der Roman 1984 von George Orwell wurde 1949 veröffentlicht und befasst sich mit einer Zukunftsfiktion. Orwell, der den Roman 1948 verfasste, spielte den Gedanken durch, wie die Welt 1984 aussehen könnte. In dem Roman ist die Welt in drei Staaten aufgeteilt: Ostasien, Eurasien und Ozeanien. Die Handlung des Romans spielt in Ozeanien, besser gesagt im Landefeld eins, das geographisch dort angesiedelt ist, wo sich England befindet. London ist der zentrale Schauplatz. Orwell beschreibt das Leben Winston Smiths. Dieser verliebt sich in eine Parteigenossin, die wie er nicht hinter der Ideologie der Partei steht. Ozeanien wird von einer Oligarchie nach den Prinzipien des englisch Sozialismus (im Folgenden Engsoz genannt) regiert, und sämtliche Parteimitglieder unterliegen einer absoluten Kontrolle. Zwischen der Frau und Smith entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die immer geheim gehalten werden muß, da beide bei ihren Treffen versuchen, der Kontrolle der Partei zu entkommen, um sich völlig frei entfalten zu können. Schließlich werden beide entdeckt und bekommen zu spüren, was es heißt, sich der Partei, wenn auch nur geistig, zu widersetzen. Sie werden psychisch und physisch gefoltert, bis ihr Wille gebrochen ist und sie zu kritiklosen Anhängern der Partei geworden sind.

2.3 Akzentuierte Darstelllung der Gesellschaft in Ozeanien

Orwell beschreibt in seinem Roman nur das Land Ozeanien näher, weshalb hier nur auf die dortigen Begebenheiten eingegangen werden soll. Der Engsoz als Regierungsform begründet sich auf den englischen Sozialismus, an einer Stelle auch als oligarchischer Kollektivismus[1] bezeichnet wird. Eine Partei, die durch den ganzen Roman hinweg keinen Namen bekommt, sondern immer nur abstrakt „die Partei“ genannt wird, hat die absolute Macht in Ozeanien. Die Mitglieder gehören entweder der äußeren oder der inneren Partei an, wobei der innerste Kreis aus etwa 2% der Mitglieder besteht, d.h. ungefähr 6 Millionen Menschen. 15% der Bevölkerung gehören der äußeren Partei an, und die restlichen 85% der Menschen machen die Masse aus, die von Orwell als die „Proles“[2] bezeichnet werden. Über alledem steht der Große Bruder, der als oberster Staatsmann gilt. Er wird als die Personifizierung der Prinzipien der Partei angesehen, und sein Wort ist Gesetz. Der Regierungsapparat selbst besteht aus vier Ministerien. Das Ministerium für Wahrheit beschäftigt sich mit dem Nachrichten-, Unterhaltungs- und Erziehungswesen und den schönen Künsten. Der Krieg ist das zentrale Thema im Ministerium für Frieden, während das Ministerium für Liebe sich mit rechtlichen Belangen, den Gesetzen und der Ordnung befasst. Das letzte ist das Ministerium für Überfülle, das für Wirtschaftsangelegenheiten zuständig ist.

Die Kindererziehung ist fast komplett staatlich organisiert: Im Kindesalter können Kinder den Spitzel beitreten. Orwell beschreibt sie so:“ [...], dass sie [die Kinder] durch solche Organisationen wie die >Spitzel< systematisch zu hemmungslosen kleinen Wilden gemacht wurden ... sie vergötterten die Partei und alles, was mit ihr zusammenhing ... die Lieder, die Umzüge, die Transparente, die Wanderungen, der Drill mit Übungsgewehren, das Parolengebrüll, die Verehrung des Großen Bruders – das alles war für sie ein tolles Spiel. ... ein kleiner Lauscher [hatte] eine kompromittierende Bemerkung mitgehört und seine Eltern bei der Gedankenpolizei denunziert.“[3] Wenn die Kinder zu alt für die Spitzel geworden sind, kommen sie in die Jugendliga, in der es wieder Untergruppen wie die Anti-Sex-Liga gibt, die sich aus ihrem eigenen Namen erklärt. Mit dieser Vorbildung treten die jungen Erwachsenen der eigentlichen Partei bei. Dann werden aus den Spielen ernst, und aus den Treffen der Jugendorganisationen werden Parteiabende mit allem schon Gelernten, d.h. Lieder, Parolen, Verehrung des Großen Bruders, und außerdem Vorträgen und sogenannten Diskussionen. Diskussion bedeutet hier aber nicht Meinungsaustausch, sondern paraphrasierte Wiedergabe der derzeitigen Parteipolitik. Meinungsfreiheit existiert nicht. Das gesamte Leben der Parteimitglieder wird also durch eben diese in Ozeanien bestimmt.

Das Prinzip, auf dem diese Gesellschaftsstruktur beruht, ist reines Machtbestreben der Partei. Sie fordert nicht nur die materielle Macht, denn die hat sie bereits inne, sondern auch die Macht über den Geist und die Gedanken der Menschen, und sie wird durch die Ohnmacht der Bevölkerung aufrechterhalten. Die Ohnmacht wird durch verschiedene Mechanismen erzeugt: Den Menschen wird Angst gemacht, Angst vor Strafe und Folter, Angst vor dem Tod als letztes ‚Ziel’, Angst vor der inneren Partei. Diese Angst wird durch Scheinprozesse, ständige Überwachung, und absolutem Konformismus aufrechterhalten. Der Masse wird durch einseitige Informationen und fehlende Bildung dumm gehalten, und Menschen, die nicht nachdenken, sind leichter lenkbar. Sollte sich doch eine kleine Gruppe eigenständig denkender, rebellischer Einwohner bilden, wird diese von der Gedankenpolizei unschädlich gemacht, indem die entsprechenden Personen getötet werden. Der Masse wird ein Ziel gegeben, auf dass sämtliche durch die Partei aufgestauten Emotionen gelenkt werden, nämlich die anderen Staaten. Dabei liegt der Kanal, durch den die Informationen über die anderen Staaten zu der Bevölkerung gelangen, wieder in der Hand der Partei. Diese Nachrichtenmanipulation umfasst sämtliche Informationen. Es ist fast unmöglich, aus diesem System auszubrechen oder es zu umgehen.

Die Realitätskontrolle greift auch in das Privatleben der Menschen ein. Dazu werden verschiedene Instrumente eingesetzt, die eine Privatsphäre quasi unmöglich machen. Als oberstes Gebot steht der Satz, dass die Partei immer recht hat. Dieser Richtigkeitsanspruch aller Parteiaussagen wird immer historisch begründet, indem eine ständige Manipulation der Dokumente stattfindet, die Aussagen über die Vergangenheit beinhalten. Erklärt die Partei eine These für wahr, so hat die Wahrheit absolute Geltung, und diese soll sie auch schon immer gehabt haben. Zu diesem Zweck werden Bücher, Zeitungen und Ähnliches ständig umgeschrieben und der momentanen Wahrheit angepasst .

Die Wohnungen der Parteimitglieder sind mit einem Teleschirm ausgestattet, der sowohl Empfangs- wie auch Sendegerät ist. Die Bewohner können von diesem Gerät aus beobachtet und ihre Geräusche können aufgenommen werden. Auf der anderen Seite kann dieser Apparat als Lautsprecher, Fernseher und Radio genutzt werden, durch den z.b. Befehle übermittelt werden können. Der Teleschirm kann nicht abgestellt werden. Außer in den Wohnungen sind sie an allen öffentlichen Plätzen und an Orten, an denen sich Menschen versammeln, aufgestellt. Das können Cafés, Kantinen oder U-Bahnstationen sein. Die aufgenommenen Daten werden direkt in das Ministerium für Wahrheit geleitet, wo aber nicht alles gleichzeitig bearbeitet werden kann. Es besteht also eine ständige Unsicherheit, ob man gerade beobachtet wird oder nicht. Diese Unsicherheit besteht nicht, wenn man von der Gedankenpolizei bespitzelt wird. Die Gedankenpolizei ist ein Staatsorgan, das für die Sicherheit in Ozeanien verantwortlich ist. Sie geht soweit, dass sie Hubschrauber einsetzt, um die Menschen in ihren Wohnungen von außen zu beobachten. Außerdem sind getarnte Mitarbeiter der Gedankenpolizei in der Gesellschaft anonym tätig, die im Dienst des Ministeriums arbeiten und jede Auffälligkeit sofort weiterleiten. Zu diesen Auffälligkeiten kann ein unbedachtes Wort gehören, aus dem man eine gegen den Engsoz gerichtete Einstellung ableiten kann, oder einfach nur ein unbewusster Gesichtsausdruck. Das ist auch eine der ersten Lektionen, die die Kinder lernen: Im Sinne des Engsoz zu leben und zu denken, damit sie nicht von der Gedankenpolizei gefasst werden können.

[...]


[1] ebd.,

[2] ebd., zum ersten Mal auf

[3] Orwell 1949,

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Tendenzieller Vergleich zwischen der Gesellschaft der DDR und der Gesellschaft in Orwells 1984
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Politische Utopien
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V6258
ISBN (eBook)
9783638138697
ISBN (Buch)
9783638819572
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tendenzieller, Vergleich, Gesellschaft, Orwells, Politische, Utopien
Arbeit zitieren
Nadine Hagemus (Autor), 2002, Tendenzieller Vergleich zwischen der Gesellschaft der DDR und der Gesellschaft in Orwells 1984, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6258

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