Interpretation des Klageliedes von Aias im Kontext von Scham und Ehre - Diskussion seiner Entscheidung für den Suizid


Essay, 2005

11 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
1. Interpretation des Klageliedes des Aias im Kontext von Scham und Ehre
2. Aias Entscheidung für den Freitod

Schluss

Literaturliste

Einleitung

„Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben ist unerträglich, ein anderes unerreichbar.“ (Wikipedia, Selbstmord) Zu dieser Einsicht Franz Kafkas kam über zwei Jahrtausende vorher schon der griechische Held Aias.

Eben diese Erkenntnis ist ihm unerträglich. Die Erkenntnis über seine Tat, begangen im Wahnsinn. Die Erkenntnis über sein Scheitern, die seinen Zorn gegenüber den Argeiern nur noch mehr schürt. Nichts mildert der Umstand, dass der Wahnsinn durch göttlichen Einfluss ausbrach. Nichts mildert die Pflicht, durch die Tekmessa Aias ans Leben ketten will. Also begeht er Selbstmord.

Doch in der Fachsprache wird der Begriff Selbstmord mittlerweile vermieden, um den Suizid nicht automatisch mit einem Verbrechen gleichzusetzen. Ob aber für die Selbsttötung des Aias eher der heroisierende Begriff Freitod oder eben doch der des Selbstmordes, unmoralisch und nahe am Verbrechen, angemessen ist, wird im Folgenden untersucht. (Vgl. Wikipedia, Selbstmord)

Hauptteil

1. Interpretation des Klageliedes des Aias im Kontext von Scham und Ehre

„Empfinden von Schmerz über unverdientes Glück“ (Aristoteles S. 103) nennt Aristoteles die Entrüstung, die, wie er meint, von gutem Charakter zeugt. Und Zorn empfindet Aias gegenüber Odysseus. Er, der größte Krieger der Griechen, hätte die Waffen des Achill erhalten müssen. Dass ihm diese Ehre nicht zuteil wurde, kränkt ihn. Und diese Kränkung will er durch den Tod von Odysseus und den Griechen auslöschen.

Doch von Athene geblendet, geht er „gewaltig mit den Händen gegen ungefährliche Tiere“ (S. 93)[1] vor. Als er wieder zu sich kommt, ist ihm dieser Gedanke unerträglich: Der legendäre Krieger, der einen Ziegenbock foltert. Hohn und Gelächter seiner scheinbaren Widersacher glaubt er förmlich zu spüren. Er fühlt sich in seiner Ehre gekränkt. Und mit dem Verlust der Ehre geht in der antiken Affekttheorie immer die Scham einher.

Aias Ansehen, aller Respekt, den er sich durch seine kriegerischen Taten erworben hat, wird ersetzt durch Gespött. Er, der sich vorher in der Hierarchie der griechischen Krieger ganz oben sah, wird jetzt aus eben dieser Gesellschaft verstoßen. Doch für ihn beginnt die Kränkung schon damit, dass er die Waffen des Achill nicht bekommen hat: „Wie schändlich bin ich behandelt!“ (S. 39) Schon dafür schämt er sich. Denn er fühlt sich „von den Argeiern entehrt“. (S. 45) Und gleichzeitig zürnt er dem Sohn des Laertes.

Doch diesen Zorn kann er sich nach seiner Tat nicht mehr leisten, denn, so Aristoteles, ziemt sich Zorn nur gegenüber demjenigen, der gesellschaftlich nicht über einem steht. Und das tut Odysseus, nachdem Aias aus der Gesellschaft der griechischen Krieger ausgeschlossen wurde. Nachdem sich der Schleier um seinen Geist wieder gelöst hat und er seine Lage erkennt, bleibt ihm nur noch die Scham. Der laut Aristoteles positive Affekt des Zorns wird ganz von seinem negativen Abbild, der Scham, verdrängt.

[...]


[1] Alle Zitate, soweit nicht anders angegeben, beziehen sich auf: Sophokles: Aias, Reclam, Stuttgart 1990.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Interpretation des Klageliedes von Aias im Kontext von Scham und Ehre - Diskussion seiner Entscheidung für den Suizid
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Literatur und Scham
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V62610
ISBN (eBook)
9783638558211
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interpretation, Klageliedes, Aias, Kontext, Scham, Ehre, Diskussion, Entscheidung, Suizid, Literatur
Arbeit zitieren
Christoph Aschenbrenner (Autor), 2005, Interpretation des Klageliedes von Aias im Kontext von Scham und Ehre - Diskussion seiner Entscheidung für den Suizid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62610

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