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Georg Büchners 'Woyzeck' im Diskurs der Medizin

Title: Georg Büchners 'Woyzeck' im Diskurs der Medizin

Term Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Kim Wiesel (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Ziel der Hausarbeit ist die Darstellung philosophischer und medizinischer Denkweisen, die Büchner geprägt haben und sich im Fragment Woyzeck niederschlagen.
Der Hauptteil ist in drei große Schritte gegliedert, die trichterförmig vom Allgemeinen zum Besonderen zum Text Woyzeck führen. Die Schlussbetrachtung, soll abschließend einen verbindenden Bogen spannen und deutlich machen, dass das Fragment Woyzeck nicht nur ein literarisches, sondern auch als medizinisches Dokument, Spiegelbild biographischer Erfahrungen des Mediziners Büchner und Gesellschaftskritik der medizinischen Verfahrens- und Denkweisen aufgefasst werden kann.
Aufgrund der Orientierung am Diskurs der Medizin war es notwendig Literatur zu Medizinern und Philosophen, die Büchner gekannt bzw. studiert hat, zu benutzen. Des Weiteren bietet die Literatur zur Natur und Gesellschaftskritik im Woyzeck ein umfassendes Repertoire zur Analyse der Textstellen, in denen Woyzeck auf den Doktor trifft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Georg Büchners Woyzeck im Diskurs der Medizin

1. Einleitung

2. Mediziner des 17. und 18. Jhs.

2.1. Rene`Descartes

2.2. Julien Offray de La Mettrie

3. Büchner als Mediziner

3.1. Büchners Werdegang

3.2. Probevorlesung über Schädelnerven

3.3. Die historischen Vorbilder für die Figur des Doktors

3.3.1. Johann Bernhard Wilbrand (1779- 1846)

3.3.2. Justus von Liebig

4. Textanalysen

4.1. Parallelen der historischen Vorbilder zum Doktor und Kritik

4.2. Gegensätzliche Naturen/ gesellschaftliche Positionen und sprachliche Verfahrensweisen

4.3. Woyzeck als Objekt

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der philosophischen und medizinischen Einflüsse, die Georg Büchner prägten und sich in seinem Werk "Woyzeck" manifestieren, wobei das Stück als medizinisches Dokument und Gesellschaftskritik analysiert wird.

  • Philosophische Denkschulen des 17. und 18. Jahrhunderts
  • Büchners medizinisches Profil und Vorbilder für die Figur des Doktors
  • Textuelle Analyse der medizinischen Sprache im Woyzeck
  • Soziale Aspekte und die Rolle von Woyzeck als Versuchsobjekt
  • Kritik an naturwissenschaftlichen Verfahrensweisen und Menschenbildern

Auszug aus dem Buch

4.1. Parallelen der historischen Vorbilder zum Doktor und Kritik

Der Doktor eröffnet die Szene Woyzeck.Doktor mit einem Vorwurf: „Was erleb ich, Woyzeck?“ Woyzeck ist sich keiner Schuld bewusst. Der Doktor wirft Woyzeck vor, dass er „an die Wand gepisst hat“(SW 157) und somit die Versuchsflüssigkeit des Doktors verschwendet hat. Die Aufregung beruht darauf, dass „der Erfolg des Experiments [...]von der verlustlosen Gewinnung des Harns während des Versuchszeitraums“ abhängt. Der Doktor erkundigt sich nach Woyzecks Erbsendiät, die seit 90 Tagen läuft. In H6, 2 kündigt der Doktor noch eine zusätzliche Versuchsreihe mit Hammelfleisch an. Liebig war der Unterschied der chemischen Zusammensetzung des Harns bei Pflanzen und Fleischfressern bekannt und analysierte sie vergleichend. Liebig stellte fest, dass Pflanzenfresser im Harn Ammoniak, Harnstoff und Hippursäure haben. Genau den gleichen Schluss zieht auch der Doktor „Harnstoff, 0,10, salzsaures Ammoniak, Hyperoxydul“(SW 157). Der Gehalt von 0,10 ist eine Konzentration, die man gerade noch überlebt, wie man an Woyzecks physischem Zustand ablesen kann. Der Begriff Hyperoxydul existiert nicht in der Form und kann als bewusster Fehler angesehen werden, um den Doktor und seine Methoden zu kritisieren und diesen aufs Korn zu nehmen. In der Szene Der Hof des Professors werden Woyzecks Symptome „ungleicher Puls“, „Zittern“(SW 152) und Haarausfall mit der Versuchsreihe in Verbindung gebracht und Woyzecks Leiden physiologisch begründet. „ja die Erbsen, meine Herren!“(SW 153) Parallelen zu Wilbrand ergeben sich dadurch, dass der Doktor auch als Professor bezeichnet wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die philosophischen und medizinischen Denkweisen in Woyzeck aufzuzeigen, und erläutert den trichterförmigen Aufbau des Hauptteils.

2. Mediziner des 17. und 18. Jhs.: Analysiert den Einfluss von Descartes und La Mettrie als Vertreter mechanistischer und materialistischer Konzepte des Menschen.

3. Büchner als Mediziner: Behandelt Büchners persönlichen Werdegang, seine Probevorlesung und die realen Vorbilder wie Wilbrand und Liebig für den Doktor.

4. Textanalysen: Untersucht die konkrete Darstellung des Doktors, seine wissenschaftliche Sprache, die soziale Überlegenheit gegenüber Woyzeck sowie die Rolle Woyzecks als Objekt.

5. Schlussbetrachtung: Führt die Analyse zusammen und betont, dass Büchner durch das Einfließen medizinischer Verfahren den Woyzeck als kritisches Dokument gestaltet hat.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Woyzeck, Medizingeschichte, Naturwissenschaft, Mechanismus, Materialismus, René Descartes, Julien Offray de La Mettrie, Johann Bernhard Wilbrand, Justus von Liebig, Wissenschaftskritik, Menschenbild, physiologische Experimente, Gesellschaftskritik, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Einfluss medizinischer und philosophischer Denkweisen des 17. bis 19. Jahrhunderts auf Georg Büchners Fragment "Woyzeck" und die darin enthaltene Gesellschaftskritik.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Im Zentrum stehen die Konzepte des mechanistischen Menschenbildes, die zeitgenössische Naturwissenschaft, Büchners eigene Ausbildung als Mediziner und die literarische Umsetzung dieser Aspekte in der Figur des Doktors.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit analysiert, wie sich Büchners medizinische Prägung und die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Medizinern und Philosophen im Werk niederschlagen und ob das Stück als medizinisches Dokument zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die den Text anhand biographischer, historischer und medizin-geschichtlicher Kontexte interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Medizinern des 17. und 18. Jahrhunderts, Büchners Werdegang und seine Auseinandersetzung mit Gießener Professoren, sowie eine detaillierte Textanalyse der Interaktion zwischen dem Doktor und Woyzeck.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Naturwissenschaft, Materialismus, Mechanismus, Gesellschaftskritik, Woyzeck, Medizingeschichte, Büchner, Menschenversuche.

Wie unterscheidet sich der Doktor im Woyzeck von seinen historischen Vorbildern?

Der Doktor im Stück vereint karikierend die gegensätzlichen Richtungen der zeitgenössischen Naturwissenschaft (Teleologie und Naturphilosophie), wobei er diese durch Büchners kritische Distanz und den Einsatz medizinischer Fachsprache entlarvt.

Warum spielt die Rolle von Woyzeck als "Objekt" eine so wichtige Rolle in der Interpretation?

Die Rollenzuweisung als Versuchsobjekt verdeutlicht die soziale Unterdrückung und zeigt auf, dass der Doktor Woyzecks Leiden als bloßes Forschungsmaterial missbraucht, was eine zentrale Ebene der Büchner'schen Gesellschaftskritik darstellt.

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Details

Title
Georg Büchners 'Woyzeck' im Diskurs der Medizin
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Course
Proseminar Georg Büchner
Grade
2,0
Author
Kim Wiesel (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V62627
ISBN (eBook)
9783638558372
ISBN (Book)
9783656775553
Language
German
Tags
Georg Büchners Woyzeck Diskurs Medizin Proseminar Georg Büchner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kim Wiesel (Author), 2003, Georg Büchners 'Woyzeck' im Diskurs der Medizin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62627
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