Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist seit Mitte der siebziger Jahre zu einem zentralen gesellschaftlichen Problem geworden. Man kann hierbei grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Ursachen für Arbeitslosigkeit unterscheiden. Eine mögliche Ursache ist eine Diskrepanz zwischen dem Arbeitskräftepotential und der Menge der insgesamt verfügbaren Arbeitsplätze. Die zweite mögliche Ursache sind Friktionen in der Vermittlung von Angebot und Nachfrage durch den Markt1. Ein theoretisches Modell, das es erlaubt zwischen diesen Ursachen für Arbeitslosigkeit zu unterscheiden, basiert auf der Beveridge-Relation. Nachfolgend werden einige Gründe für die simultane Existenz von Arbeitslosigkeit und offenen Stellen aufgezeigt. Danach folgt mit dem Stromgrössenmodell ein einfaches Modell, das als Grundlage des anschließenden Beveridge-Kurven-Modells gesehen werden kann. Nach einer theoretischen Interpretation der Beveridge-Relation anhand der Beveridge-Kurve, werden einige Schwächen aufgezeigt, die sich sowohl bei der Diagnose dieser Funktion, sowie auch bei der empirischen Ermittlung der benötigten Daten ergeben. Schließlich folgt eine empirische Anwendung dieser theoretischen Grundlagen anhand der Werte, welche sich für die Beveridge-Kurve für Deutschland , sowie für das Euro-Währungsgebiet ergeben. Von besonderem Interesse ist hierbei, welche Ursache für die angestiegene Arbeitslosigkeit besteht. Hier wird also die Frage diskutiert ob dieser Anstieg auf einer verschlechterten Vermittlungseffizienz beruht, oder ob gesamtwirtschaftlich-klassische Probleme hierfür verantwortlich sind. Zum Schluß dieser Arbeit erfolgt ein Ausblick über zukünftige Erwartungen und Möglichkeiten, die sich aus den Vorschlägen der "Hartz-Kommission" und der zu Beginn der Jahres 2003 gestarteten Vermittlungsoffensive ergeben.
Inhaltsverzeichnis
3. Problemstellung
4. Arbeitslosigkeit und offenen Stellen
5. Das Stromgrössenmodell
6. Die Beveridge-Kurve
7. Schwächen des Modells
7.1. Die Vakanzen
7.2. . Die Arbeitslosendaten
7.3. Die Schleifenbewegung der Beveridge-Kurve
7.4. Verschiebung oder Bewegung auf der Beveridge-Kurve
8. Die Beveridge-Kurve für Deutschland
9. Die Beveridge-Kurve des Euro-Währungsgebiets
10. Ausblick
11. Anhang 1
12. Anhang 2
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die Arbeitslosigkeit in Deutschland und dem Euro-Währungsgebiet durch eine theoretische und empirische Analyse der Beveridge-Relation, um zu klären, inwiefern strukturelle Vermittlungseffizienzen oder klassische gesamtwirtschaftliche Probleme für die Arbeitsmarktlage verantwortlich sind.
- Grundlagen der friktionell-strukturellen Arbeitslosigkeit
- Darstellung des Stromgrössenmodells als theoretische Basis
- Herleitung und Interpretation der Beveridge-Kurve
- Diskussion methodischer Schwächen in der Arbeitsmarktstatistik
- Empirischer Vergleich der Beveridge-Kurven für Deutschland und den Euroraum
Auszug aus dem Buch
6. Die Beveridge-Kurve
Die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen der Anzahl offener Stellen pro Arbeitslosem und den durchschnittlichen Vermittlungschancen der Arbeitslosen lässt sich dadurch formalisieren, dass η als Funktion des Verhältnisses V/U ≡ g (θ) geschrieben wird.
(8) η = g (θ) mit g' > 0 , g'' < 0
Diesen Zusammenhang bezeichnet man als Vermittlungsfunktion (englisch: matching function). Da ein höheres θ zwar die Wahrscheinlichkeit η erhöht einen Arbeitsplatz zu finden, dieser Effekt jedoch mit wachsendem θ geringer wird, ist die erste Ableitung dieser Funktion nach θ positiv, die zweite jedoch negativ.
Zusammenfassung der Kapitel
3. Problemstellung: Das Kapitel führt in das Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland ein und stellt das Modell der Beveridge-Relation als methodischen Rahmen zur Ursachenanalyse vor.
4. Arbeitslosigkeit und offenen Stellen: Hier werden die friktionellen und strukturellen Ursachen der Arbeitslosigkeit erläutert, wobei insbesondere das Konzept der Mismatch-Arbeitslosigkeit und Informationsdefizite hervorgehoben werden.
5. Das Stromgrössenmodell: Dieses Kapitel modelliert den Arbeitsmarkt als dynamisches System von Strömen zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit, um Gleichgewichtswerte der Arbeitslosenquote abzuleiten.
6. Die Beveridge-Kurve: Es erfolgt die formale Herleitung der Vermittlungsfunktion und der daraus resultierenden Beveridge-Kurve als negativ-konvexer Zusammenhang zwischen Arbeitslosen- und Vakanzquote.
7. Schwächen des Modells: Das Kapitel diskutiert kritisch die Probleme der statistischen Erfassung von Vakanzen und Arbeitslosendaten sowie die Interpretationsschwierigkeiten bei Kurvenbewegungen.
8. Die Beveridge-Kurve für Deutschland: Eine empirische Analyse der Beveridge-Kurve für Deutschland im Zeitraum 1970 bis 2000 zeigt ein zunehmendes Mismatch-Problem auf.
9. Die Beveridge-Kurve des Euro-Währungsgebiets: Hier wird die Entwicklung der Arbeitsmärkte im Euroraum betrachtet, wobei auf die methodischen Herausforderungen bei Ländervergleichen eingegangen wird.
10. Ausblick: Der Autor bewertet das kurzfristige Beschäftigungspotential politischer Maßnahmen wie der Hartz-Kommission und der Vermittlungsoffensive.
Schlüsselwörter
Beveridge-Kurve, Arbeitslosigkeit, Vakanzen, Mismatch, Arbeitsmarkt, Stromgrössenmodell, Vermittlungsfunktion, Arbeitsmarktpolitik, Strukturwandel, Beschäftigung, Euro-Währungsgebiet, Matching-Funktion, Arbeitsmarkteffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert theoretisch und empirisch die Beveridge-Relation, um die Ursachen der Arbeitslosigkeit in Deutschland und dem Euroraum besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der friktionell-strukturellen Arbeitslosigkeit, der Vermittlungseffizienz von Arbeitsmärkten und der Interpretation von Beveridge-Kurven.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Anstieg der Arbeitslosigkeit primär durch eine verschlechterte Vermittlungseffizienz (Mismatch) oder durch klassische gesamtwirtschaftliche Probleme verursacht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden mikroökonomische Stromgrößenmodelle verwendet, um formale Vermittlungsfunktionen herzuleiten, die anschließend empirisch mit Daten der Bundesanstalt für Arbeit validiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung mittels Stromgrößenmodell, eine Herleitung der Beveridge-Kurve sowie eine empirische Anwendung und kritische Reflexion statistischer Schwächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Beveridge-Kurve, Mismatch-Arbeitslosigkeit, Vermittlungsfunktion und Arbeitsmarkteffizienz.
Wie unterscheidet der Autor zwischen einer Bewegung auf der Kurve und einer Verschiebung?
Eine Bewegung auf der Kurve repräsentiert konjunkturelle Schwankungen (Angebot-Nachfrage-Verhältnis), während eine Verschiebung der Kurve auf strukturelle Änderungen der Vermittlungseffizienz hindeutet.
Welche Rolle spielt die Hartz-Kommission im Ausblick?
Die Vorschläge der Hartz-Kommission werden hinsichtlich ihres Potenzials zur schnellen Senkung der Arbeitslosigkeit durch verbesserte Vermittlungsprozesse kritisch eingeschätzt.
- Quote paper
- Diplom Volkswirt Patrick Roth (Author), 2003, Theoretische Interpretation und empirische Anwendung der Beveridge-Relation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62639