Lübeck, das Reich und Dänemark im Spiegel der Histographie des 12. und 13. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Alt –Lübeck unter Heinrich dem Slawenfürsten
2. Adolf II. von Schauenburg und die erste Gründung Lübecks 1143
3. Lübeck unter Heinrich dem Löwen
4. Friedrich Barbarossa als neuer Stadtherr 1181
5. Lübeck unter wechselnder Stadtherrschaft
6. Die kaiserlichen Urkunden von 1226

III. Fazit

III. Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Literatur

I. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich anhand von verschiedenen historisch wichtigen Ereignissen und in Bezug auf die vorhandenen Quellen und Urkunden die Voraussetzungen aufzeigen, die es möglich machten, dass Lübeck im Verlauf zweier Jahrhunderte zum Haupt norddeutscher Handelsstädte wurde. Die Arbeit steht unter dem vorgegebenen Rahmenthema „Lübeck, das Reich und Dänemark im Spiegel der Histographie des 12. und 13. Jahrhunderts“.

Ich möchte bei meiner Bearbeitung auch darauf eingehen, wie sich die Vertreter der Stadt im Verhältnis zu ihren verschiedenen Landesherren selbst eingeordnet haben. Dies erscheint mir sinnvoll, da meiner Ansicht nach gerade die Lübecker Kaufleute und Bürger im Verlauf der Entwicklung ihrer Stadt einen entscheidenden Einfluss auf die Verhältnisse, wie zum den Reichsfreiheitsbrief von 1226, gehabt haben. Sie haben es zumeist geschafft, durch geschicktes Handeln oder diplomatisches Verhalten in Auseinandersetzungen mit den Stadtherren Schaden von ihrer Stadt abzuwenden.

Hierzu werde ich, neben der Beschreibung des Verlaufs der historischen Entwicklung, vor allem die Berichte Helmolds von Bosau[1] aus seiner Slawenchronik sowie die des Chronisten Arnold von Lübeck[2] heranziehen. Wichtige Einblicke gewähren ebenfalls die von Rolf Sprandel bearbeiteten Quellen zur Hansegeschichte, das Hansische Urkundenbuch und die Übersetzung der Reichsfreiheit und des Barbarossaprivileges von Lorenz Weinrich.

Die Geschichte der Hanse hat im Laufe der Jahre zu einer Vielzahl von fach- und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen geführt. Das Standardwerk als chronologische Einführung in die Hanse-Geschichte mit vielen zentralen Quellen, Statistiken und Karten stammt von Philippe Dollinger[3]. Die vierte Auflage erschien 1989. In den ursprünglichen Text von 1964 wurden aber die neueren Forschungsergebnisse zur Hansezeit leider nicht eingearbeitet, sondern lediglich in einem gesonderten Kapitel „Die Entwicklung der Hanseforschung 1960 bis 1985“ dargestellt. Daneben erweist sich das von Klaus Friedland verfasste Buch „Die Hanse“[4] als sehr hilfreich. Ebenso zu nennen ist das umfassende und sehr verständliche Buch „Lübeckische Geschichte“[5], das von Antjekathrin Graßmann herausgegeben wurde und der Leitfaden für meine Arbeit sein soll. Hier widmen sich verschiedene Autoren der Entwicklung Lübecks sehr explizit und ausführlich und in Bezug auf die neueren Forschungsergebnisse. Die erste Auflage erschien 1988, in ihr ist der Forschungsstand bis ca. 1987 eingearbeitet[6].

Außerdem grundlegend sind die Werke „Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos“[7], herausgegeben von Jörg Bracker, Volker Henn und Reiner Postel anlässlich der Hanseausstellung Ende der 80er Jahre und „Die Hanse“[8] von Rolf Hammel-Kiesow, das allerdings nur einen sehr komprimierten Einblick bietet.

In Bezug auf die wissenschaftliche Forschung zur Entstehung Lübecks ist wohl die Rörigsche These vom „Unternehmerkonsortium“[9] am bekanntesten. Ich werde hierauf im Hauptteil eingehen.

II. Hauptteil

1. Alt –Lübeck unter Heinrich dem Slawenfürsten

Als offizielle Gründung Lübecks wird das Jahr 1143 genannt. Doch schon vorher können Besiedlungen bis in das Jahr 819 belegt werden. Die erste existierende Siedlung mit dem Namen „Liubice“ lag am Zusammenfluss der Trave und der Schwartau. Slawische Abotriten errichteten hier eine Burganlage, deren Absicht nicht bekannt ist. Sie könnte aufgrund innerabotritischer Auseinandersetzungen errichtet worden sein, als Verteidigungsanlage gegen die Franken oder aber auch als Schutz vor den Wikingern[10]. Die Siedlung erfuhr im 9. und 10. Jahrhundert einen Bedeutungsverlust, wurde dann aber zu Beginn des 12. Jahrhunderts zur Residenz Heinrichs[11], der 1090 aus dem dänischen Exil zurückgekehrt war. Alt-Lübeck war aber keine geplante Siedlung, sondern das „zufällige Ergebnis einer bestimmten Machtverteilung im Abotritenreich“[12], da die Burg am geeignetsten war. Die Bewohner werden zum größten Teil Kaufleute aus dem deutschen Reich gewesen sein, aber auch Slawen und Skandinavier, die dort Handel trieben. Nach dem Tod Heinrichs im Jahr 1127 kam es im Abotritenreich zu inneren Unruhen und Angriffen von außen. Über das Schicksal Lübecks in den Jahren von 1131 bis1138 ist nichts bekannt, man nimmt an, dass die sächsische Politik einen großen Einfluss hatte[13]. 1138 kam es zur Zerstörung der Burganlage Alt- Lübecks durch heidnische Slawen und die erste Siedlung wurde niedergebrannt.

2. Adolf II. von Schauenburg und die erste Gründung Lübecks 1143

Nachdem eine eigenständische slawische Herrschaft nach 1138/39 nicht mehr möglich war, stand Wagrien ab 1139/49 endgültig unter der deutschen Herrschaft. 1143 wies Heinrich der Löwe dieses Gebiet dem Grafen Adolf II. von Schauenburg zu. Dieser nutzte den Erwerb, um seine Macht auszudehnen und eine fürstliche Landesherrschaft zu errichten. Im Zuge der Christianisierung besiedelte er das Land mit Bauern aus Westfalen, Holland, Friesland und Holstein; slawische Siedlungen bestanden weiter fort. Da die Größe Alt-Lübecks für eine Siedlung nicht ausreichte, verlegte Graf Adolf den Handelsplatz sechs Kilometer flussaufwärts auf die Halbinsel Bucu am Zusammenfluss von Trave und Wakenitz, da sich hier bessere Bedingungen für den Fernhandel boten[14] und der Ort leichter zu verteidigen war. Die hierzu wichtigste Quelle bietet die des Pfarrers Helmolds von Bosau über die „Erbauung der Stadt Lubeke“[15]. Der genaue Ort der Stadtgründung heute nicht nachgewiesen werden kann. Über die Zusammensetzung der dort lebenden Menschen ist ebenso wenig bekannt. Der Handel der neuen Stadt blühte rasch auf und dies hatte zur Folge, dass Lübeck zu einer Konkurrenz für Bardowick[16], einer Marktsiedlung der Herzogs Heinrich des Löwen, wurde, und von dort aus immer mehr Kaufleute nach Lübeck abwanderten. Herzog Heinrich missfielen die sinkenden Einnahmen Bardowicks aufgrund der finanziellen Verluste. So kam es zu einem Streit zwischen dem Herzog und Graf Adolf II., in dessen Verlauf sich der Graf weigerte, die Hälfte der Einnahmen Lübecks dem Herzog zu überlassen. Dieser verbot daraufhin, wahrscheinlich 1156, den Fernhandelsmarkt in Lübeck. Auch hierzu gibt es eine Quelle Helmolds, in der er „Von dem Markt in der Stadt Lubeke“[17] berichtet. Nach dem Verbot mussten die Waren um Lübeck herumgeführt werden und eine Niederlassung in der Stadt lohnte sich für die Kaufleute nicht mehr. 1157 brannte Lübeck ab und die Bewohner und Kaufleute baten Heinrich den Löwen um die Zuweisung eines neuen Platzes.

[...]


[1] Helmold von Bosau: Chronica Slavorum / Slawenchronik, lat.-dt. Ausgabe, bearb. H. Stoob (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, 19), Darmstadt 1983

[2] Chronica, hrsg. J.M. Lappenberg, in: Monumenta Germaniae historica, Scriptores, Bd. 12, Hannover 1869, S. 100-250 / [eigenständig] Monumenta Germaniae historica, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum, Bd. 14, Hannover 1868, ND 1995

Chronik, übers. J. C. M. Laurent (Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, 71), 3. Aufl. Leipzig 1940

[3] Philippe Dollinger: „Die Hanse.“. 4., erw. Aufl. Stuttgart 1989

[4] Klaus Friedland: „Die Hanse.“. Stuttgart 1991

[5] Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): „Lübeckische Geschichte.“. Lübeck 1988

[6] vgl. Rolf Hammel-Kiesow: „Neue Aspekte zur Geschichte Lübecks.“. in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 78, Lübeck 1998, S.47

[7] J. Bracker, V. Henn, R. Postel (Hrsg.): „Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos.“. Lübeck 1998

[8] Rolf Hammel-Kiesow: „Die Hanse.“. München 2000

[9] vgl. Philippe Dollinger: „Die Hanse.“. 4., erw. Aufl. Stuttgart 1989, S. 36

[10] vgl. M. Gläser, R. Hammel, M. Scheftel: „Das Haupt der Hanse: Lübeck.“. in: Die Hanse-Lebenswirklichkeit und Mythos. 2. Aufl. des Textbandes zur Hamburger Hanseausstellung 1989, hrsg. von J. Bracker, V. Henn, R. Postel, Lübeck 1998, S. 249

[11] Anmerkung: Helmold von Bosau bezeichnet Lübeck als den Hauptort Heinrichs. In: Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): „Lübeckische Geschichte.“. Lübeck 1988, S. 29

[12] ebenda

[13] ebenda, S. 37

[14] vgl. J. Bracker, V. Henn, R. Postel (Hrsg.): „Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos.“. Lübeck 1998, S. 37

[15] Buch I, 57.

[16] Anmerkung: Bardowick war bis 1143 unter der Herrschaft Heinrich des Löwen der Hauptgrenzhandelsort zu den Slawen. In: Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): „Lübeckische Geschichte.“. Lübeck 1988, S. 43

[17] Buch I, 76.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Lübeck, das Reich und Dänemark im Spiegel der Histographie des 12. und 13. Jahrhunderts
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Lübeck zur Hansezeit
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V62651
ISBN (eBook)
9783638558587
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lübeck, Reich, Dänemark, Spiegel, Histographie, Jahrhunderts, Lübeck, Hansezeit
Arbeit zitieren
Gesa Brüchmann (Autor), 2003, Lübeck, das Reich und Dänemark im Spiegel der Histographie des 12. und 13. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62651

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