Mit dieser Ausarbeitung soll unter anderem gezeigt werden, dass Georg Büchner facettenreicher ist als er bei der schulischen Behandlung im Deutschunterricht erscheint und wie eine unterrichtliche Umsetzung aussehen könnte, die den Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Wissen zu diesem Autor vermitteln möchte. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Behandlung im Philosophieunterricht, allerdings auf der Grundlage von fächerverbindenden Unterricht mit Geschichte und Deutsch. Die Orientierungsgrundlage ist hier der Thüringer Lehrplan für Gymnasien für die genannten drei Fächer.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Büchner als Unterrichtsgegenstand
1.1. Büchners Einzug in den Unterricht
1.2. Probleme der Didaktisierung
2. Lehrplaneinordnung und Themenvorschläge
2.1. Der Lehrplan Geschichte
2.2. Der Lehrplan Deutsch
2.3. Der Lehrplan Ethik
3. Büchner im Ethikunterricht
3.1. Persönliche Stellungnahme
3.2. Sachanalyse
4. Unterrichtsreihe zu Georg Büchners Philosophie
4.1. Zielsetzung
4.2. Stundenthemen
5. Die Einführungsdoppelstunde
5.1 Zielsetzung
5.2. Stundenkonzept
5.2.1. Motivation
5.2.2. Erarbeitung
5.2.3. Festigung
6. Abschließende Gedanken
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten, Georg Büchners Philosophie als fächerverbindende Unterrichtsreihe in den Fächern Geschichte, Deutsch und Ethik zu etablieren. Ziel ist es, die didaktische Komplexität des Autors durch eine gezielte Arbeitsteilung zwischen den Fächern zu bewältigen und Schülern ein tieferes Verständnis für Büchners deterministische Weltsicht sowie deren Aktualität zu vermitteln.
- Fächerverbindender Unterricht als didaktische Strategie zur Wissensvermittlung
- Analyse und Koordination der aktuellen Thüringer Lehrpläne
- Methodische Konzepte zur schülerzentrierten Auseinandersetzung mit literarischen Werken
- Büchners Idealismuskritik und Determinismus als Kerninhalte für den Ethikunterricht
- Förderung von Urteilsbildung und Sozialkompetenz durch Perspektivwechsel
Auszug aus dem Buch
3.2. Sachanalyse
Büchners Philosophie besteht zum einen aus einer radikalen Idealismuskritik. Diesem setzt er sein eigenes materialistisches Konzept entgegen. Problematisch ist daran, dass er selbst keine rein philosophische Abhandlung oder Stellungnahme verfasst hat, aus der dies hervorgeht. All dies muss erst aus seinen Werken und Briefen extrahiert und zusammengefügt werden. Seine Idealismuskritik wird in der Fachliteratur meist in einem Atemzug zusammen mit seinem Ästhetikprogramm behandelt. Sie wird in seinen Werken von den Figuren Lenz und Camille geäußert, aber auch von Büchner selbst in einem Brief an die Familie bezüglich des Erscheinens seines Dramas Dantons Tod. Zusammengefasst ist sein Vorwurf, dass der Idealismus eine lebensfremde Weltanschauung ist. Nach Büchners Ansicht ist es sogar ein genereller Fehler in der Philosophie, dass sie immer versucht, die Welt zu zeigen, wie sie sein soll, aber nicht, wie sie ist. Sie verwechselt das, was im Kopf der Menschen vorgeht mit der Realität. Diesen Unterschied kreiert die Philosophie selbst, indem sie unmenschliche Ausdrücke verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung begründet die Notwendigkeit einer fächerverbindenden Behandlung Büchners, da der Autor als zu komplex für eine ausschließliche Behandlung im Deutschunterricht eingeschätzt wird.
1. Büchner als Unterrichtsgegenstand: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Aufnahme Büchners in den Schulkanon nach und analysiert die didaktischen Schwierigkeiten, die sich aus seiner Sprache und seinem Werk ergeben.
2. Lehrplaneinordnung und Themenvorschläge: Hier wird geprüft, wie die Fächer Geschichte, Deutsch und Ethik innerhalb der Thüringer Lehrpläne koordiniert werden können, um Büchner schrittweise und fundiert zu behandeln.
3. Büchner im Ethikunterricht: Dieses Kapitel bietet eine persönliche Reflexion sowie eine Sachanalyse von Büchners Idealismuskritik und seinem materialistischen Menschenbild.
4. Unterrichtsreihe zu Georg Büchners Philosophie: Das Kapitel definiert die Lernziele der Unterrichtsreihe und listet die geplanten Unterrichtsthemen auf.
5. Die Einführungsdoppelstunde: Dieses Kapitel liefert ein konkretes Stundenkonzept, um Schüler emotional für Büchners Weltanschauung zu motivieren und einen produktiven Einstieg zu ermöglichen.
6. Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Nutzung der Flexibilität in den Lehrplänen sowie eine engere Kooperation unter den Lehrkräften.
Schlüsselwörter
Georg Büchner, Unterrichtsreihe, fächerverbindender Unterricht, Didaktik, Ethikunterricht, Woyzeck, Idealismuskritik, Determinismus, Materie, Thüringer Lehrpläne, Literaturunterricht, Materialismus, Schulalltag, Philosophie, Perspektivwechsel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Herausforderung, Georg Büchners vielschichtiges Werk und seine Philosophie adäquat im gymnasialen Unterricht zu behandeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die fächerverbindende Verknüpfung von Geschichte, Deutsch und Ethik, die Analyse von Büchners Idealismuskritik und die praktische didaktische Aufbereitung für den Ethikunterricht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine arbeitsteilige Kooperation der Fächer die Komplexität Büchners bewältigt werden kann, damit Schüler einen tieferen Nutzen für ihre eigene Lebenswelt daraus ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine didaktische Konzeption, die durch die Analyse von Fachliteratur, Lehrplänen sowie durch die theoretische Herleitung aus den Primärtexten und Briefen Büchners untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Lehrpläne, eine Sachanalyse von Büchners Philosophie sowie die detaillierte Planung einer Unterrichtsreihe für die Oberstufe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Fächerverbindung, Büchner-Didaktik, Determinismus, Idealismuskritik und schülerzentrierter Unterricht definieren.
Warum wird Büchner im Ethikunterricht als „schwieriger“ Gegenstand eingestuft?
Weil Büchner keine systematischen philosophischen Schriften hinterließ und seine Texte hohe Anforderungen an das historische und literaturwissenschaftliche Vorwissen der Schüler stellen.
Welche Bedeutung kommt der Einführungsdoppelstunde zu?
Sie dient als „Appetithäppchen“, das durch einen emotionalen Zugang (Woyzeck-Figuren) die Neugier der Schüler wecken und eine Basis für die kritische Auseinandersetzung mit dem Determinismus schaffen soll.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der „Materie“ bei Büchner?
Die Materie ersetzt bei Büchner den idealistischen Geist als „Weltursache“, was zu einem rigorosen Determinismus führt, in dem der Mensch nur noch als Objekt seiner Lebensumstände erscheint.
- Citation du texte
- Susanne Elstner, geb. Spindler (Auteur), 2006, Georg Büchners Philosophie als Unterrichtsreihe im Fach Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62666