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Die indische Kaste - Die Aktualität des Begriffs im geschichtlichen Wandel

Title: Die indische Kaste - Die Aktualität des Begriffs im geschichtlichen Wandel

Seminar Paper , 2004 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Server Purtov (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Die indische Kaste ist politisch verboten und existiert aus diesem Grund höchstens nur noch in Form der „scheduled castes“ oder „scheduled tribes“, die im Algemeinen als Ausläufer der Kaste bezeichnet werden können. Das ist jedoch nur die offizielle Version, die dadurch statistisch bekräftigt wird, dass einfach so gut wie keine offiziellen Untersuchungen zum Thema Kaste stattfinden. Falls welche durchgeführt werden, dann sind sie vom lokalen Charakter und hauptsächlich durch ausländische Forscher. Diese Tatsache erleichtert nicht die Aufgabe indische soziale Verteilung nach dem Faktor Kaste zu erfassen. Die Darstellungen, die dazu gemacht werden, können nur fragmentarisch und exemplarisch sein. Einerseits kann die Institution Kaste nicht innerhalb eines Jahrhunderts verschwunden sein, wenn sie seit drei Jahrtausenden bestanden hat, andererseits „ist das Thema „Kastensystem“1 innerhalb breitester, nicht nur der führenden Kreise nahezu vollkommen tabuisiert“ (BRONGER 2000, S. 104). Daraus resultiert, dass innerhalb der indischen Gesellschaft ein wichtiger sozialer Faktor vorhanden ist, der auch durchaus berücksichtigt wird, allerdings in seinem gegenwärtigen Zustand kaum erforscht ist. Die letzte ganz Indien umfassende Untersuchung fand um das Jahr 1980 statt und trägt den Namen Mandal Report (s. Tabelle A1). Sie beschreibt die damalige Situation der Kaste in ganz Indien und stellt fest, dass es die Kasten durchaus noch gibt. Aber seither gibt es sie nicht mehr, denn was nicht erwähnt wird ist auch nicht existent. Allerdings wäre jeder Versuch die indische Sozialstruktur ohne den Begriff Kaste zu beschreiben nie komplett und umfassend. „Die wesentliche Ursache dieses Dilemmas liegt darin begründet, daß2 die Forschung infolge des Fehlens von interdisziplinär angelegten Reihenuntersuchungen, die die gesamten Merkmale in regional vergleichender Betrachtungsweise analysieren, die vielen Differenzierungen bislang hat nicht ausarbeiten, geschweige denn systematisieren können“ (BRONGER 1996, S. 244). Es lässt sich also kaum ein fundiertes Urteil über das Ausmaß des Einflusses der indischen Kaste auf die soziale Verteilung fällen. Unter diesen Umständen hat diese Arbeit keinen Anspruch auf eine Vollständigkeit, jedoch wohl einen auf Glaubwürdigkeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Persönliches Forschungsinteresse

2. Forschungsproblematik

II. Kaste als Idealtypus (zur Theorie des Begriffs)

1. Allgemeine Definition

a) Soziale Ungleichheit

b) Starre Hierarchie und soziale Mobilität

c) Zugehörigkeit und sozialer Status

d) Religiöse Legitimation

2. Indisches Kastensystem

a) Allgemeine Beschreibung

b) Varna

c) Jati

d) Verhältnis Varna-Jati

III. Kaste in der empirischen Realität

1. Geschichtliche Entwicklung des Kastensystems

2. Kaste heute

a) Wirtschaftssektor

b) Bildung

c) Religion

d) Politik

e) Zusammenfassung

IV. Kaste im geschichtlichen Wandel

1. Kaste als Modell vs. Prozess

2. Aktualität des Begriffes (Kaste vs. Klasse)

3. Gewagte Zukunftsprognose

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Bedeutung und Relevanz des Kastenbegriffs im Kontext des sozio-ökonomischen Wandels in Indien. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der theoretischen Modellbildung von Kasten und der empirischen Realität aufzuzeigen sowie zu analysieren, inwieweit das Konzept Kaste trotz politischer Verbote und gesellschaftlicher Transformationen weiterhin als strukturgebendes Element fungiert.

  • Theoretische Fundierung des Kastensystems (Varna vs. Jati)
  • Empirische Analyse der Auswirkungen von Kastenstrukturen auf Wirtschaft, Bildung und Religion
  • Die Rolle der Kaste als Machtinstrument im politischen Geschehen
  • Vergleichende Diskussion: Kaste versus Klasse als Kategorien sozialer Ungleichheit
  • Prozessualer Wandel und zukünftige theoretische Neuorientierung des Begriffs

Auszug aus dem Buch

1. Kaste als Modell vs. Prozess

Jeder idealtypische Begriff ist einerseits beharrlich andererseits dem geschichtlichen Wandel unterworfen. Genauso verhält es sich mit dem Begriff der Kaste. Im Moment verändert sich die empirische Realität dieses Begriffs so stark, dass die Kaste auf der theoretischen Ebene als etwas Beharrliches sehr schwer festzuhalten ist. Deswegen wird mit einem Begriff operiert, der vor ungefähr ein bis zwei Jahrhunderten zutreffend war. Dabei ist dieses System viel anpassungsfähiger als die zugegebenermaßen etwas veraltete Definition.

„Damit wird zugleich eine notwendige Voraussetzung und Konsequenz des Beharrungsvermögens, also der Ausbreitung und Konsolidierung des Kastenregimes, deutlich, nämlich seine fortlaufende Differenzierung. Dem System bleibt die Chance und das Geschick, der Strukturelle Zwang und die soziale Neigung eingeschrieben, durch die Herausbildung neuer Unterkasten sich in neuen Regionen einzunisten, sich an neue soziale, tribale, ethnische Milieus anzupassen und sich neuer wirtschaftlicher und politischer Möglichkeiten und Technologien zu bemächtigen“ (JÜRGENMEYER/RÖSEL 2000, S. 85-86).

Doch es ist nicht nur die Ausdifferenzierung, die das System verändert, denn das würde bedeuten, es verändert sich nur etwas innerhalb übergeordneter Kasten, die jedoch konstant bleiben. Es ist auch eine gewisse strukturale Veränderung zu sehen, nicht an der sozialen Ungleichheit an sich, aber an der sozialen Mobilität und an den Verteilungskriterien. Soziale Faktoren wie Politik, Religion, Wirtschaft und Bildung wirken nicht mehr so stark zusammen zur Konstituierung des Kastensystems, sondern sind sich in vielen Fällen kontrovers. Unter solchen Umständen ist es natürlich, dass das System selbst sich auch verändert. Doch was bleibt vom System übrig und warum soll es weiterhin Kastensystem heißen?

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation des Autors und der Schwierigkeiten bei der Erforschung eines hochkomplexen, in der indischen Gesellschaft tabuisierten Themas.

II. Kaste als Idealtypus (zur Theorie des Begriffs): Theoretische Herleitung und Definition der Begriffe Varna und Jati sowie deren religiöse und soziale Dimensionen.

III. Kaste in der empirischen Realität: Analyse der tatsächlichen Wirksamkeit von Kastenstrukturen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Religion und Politik unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen.

IV. Kaste im geschichtlichen Wandel: Kritische Reflexion der Zukunftsfähigkeit des Kastenmodells im Vergleich zum Klassenbegriff und erste Ansätze für eine theoretische Neudefinition.

Schlüsselwörter

Kaste, Indien, Varna, Jati, Soziale Ungleichheit, Soziale Mobilität, Hinduismus, Sozialstruktur, Geschichtlicher Wandel, Politik, Religion, Bildung, Ethnologie, Kastensystem, Tradition

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der indischen Sozialstruktur und der Frage, wie aktuell der Begriff der "Kaste" angesichts der sozio-ökonomischen Veränderungen des Landes noch ist.

Welche zentralen Themenfelder deckt der Autor ab?

Die Arbeit deckt die theoretische Einordnung (Varna und Jati), die empirische Bedeutung in Wirtschaft, Bildung, Religion und Politik sowie den Wandel der Kastenidentität ab.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Verfassers?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, inwiefern das theoretische Modell der Kaste noch der empirischen Realität im modernen Indien entspricht und warum der Begriff trotz seiner Komplexität weiterhin Bestand hat.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse existierender sozialwissenschaftlicher Literatur sowie der Auswertung von Statistiken zu Landbesitz und Bildungschancen basiert.

Was wird im umfangreichen Hauptteil thematisiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsdefinition, die Untersuchung der Kastenwirklichkeit in verschiedenen Sektoren sowie eine vergleichende Diskussion zwischen Kasten- und Klassenstrukturen.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Argumentation?

Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf Begriffe wie "Varna" (das theoretische Modell), "Jati" (die empirisch-lokale Realität), soziale Mobilität, religiöse Legitimation und den soziologischen Klassenbegriff.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Varna und Jati?

Varna beschreibt ein abstraktes, überregional gültiges Vier-Kasten-Modell, während Jati reale, lokal begrenzte, meist berufs- und endogamiebezogene Identitätsgruppen darstellen.

Warum spielt die Kaste in der indischen Politik heute noch eine Rolle?

Obwohl politisch verboten, dient die Kaste als Machtinstrument für die Interessenartikulation, wobei Parteien gezielt Identitäten nutzen, um Wählergruppen zu binden und politische Vorteile durch Quotenregelungen zu sichern.

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Details

Title
Die indische Kaste - Die Aktualität des Begriffs im geschichtlichen Wandel
College
University of Koblenz-Landau
Course
Die Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich
Grade
1,3
Author
Server Purtov (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V62750
ISBN (eBook)
9783638559430
ISBN (Book)
9783640390779
Language
German
Tags
Kaste Aktualität Begriffs Wandel Sozialstruktur Bundesrepublik Deutschland Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Server Purtov (Author), 2004, Die indische Kaste - Die Aktualität des Begriffs im geschichtlichen Wandel , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62750
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