Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurden bereits die Grundsteine für einen föderalen Staatsaufbau gelegt. Aufgrund der Machtverteilung zwischen Bund und Ländern, die vor allem im GG Art.70 ff festgeschrieben ist, sollte eine erneute Diktatur durch Machtzentralisation verhindert werden. Die Verwaltung, die in unserem Land seit jeher eine große Rolle spielt, ist nun an einem Punkt angelangt, wo sie verändert werden muss, um sich an die erneuerten äußeren Verhältnisse in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft anzupassen. Eine Veränderung stellt oft den Versuch dar, etwas effektiver und/ oder effizienter zu machen. Daher basiert der Schwerpunkt meiner Hausarbeit auf den folgenden Fragen:
•Wie sind Reformen zustande gekommen?
•Inwieweit wurden angestrebte Reformen umgesetzt?
•Wie erfolgreich waren sie .
Auf diese Fragen gehe ich anhand ausgewählter Beispiele einiger Bundesländer und einzelner Bundesreformen näher ein. Um aktualitätsnahe Darstellung zu gewährleisten, stellen vor allem Zeitungsartikel und Journale, aber auch der Abschlussbericht des Bundesinstituts für Berufsbildung die Grundlagen meiner Arbeit dar.
In den 80er Jahren begann man vor allem in Großbritannien, Neuseeland und Australien mit Reformen, genannt „New Public Management“. Dieser Begriff wurde in Deutschland mit dem Begriff „Neues Steuerungsmodell“ (NSM) übersetzt. In der Industrie vollzog sich die Modernisierung in den 80er Jahren, während sie in den Verwaltungen erst in den 90er Jahren begonnen wurden. Natürlich gibt es nationale Unterschiede des „New Public Managements“. In meiner Hausarbeit werde ich allerdings ausschließlich auf die deutschen Besonderheiten des NSM eingehen. Hier „[...]dominieren systemimmanente Reformen. Die Regelorientierung bleibt der vorherrschende Steuerungsmechanismus, wird jedoch vereinzelt durch Privatisierungen oder gestärkte Wettbewerbselemente ergänzt. [...]“ (Elsner, 2004: S. 9-10) Wie in der Inhaltsangabe dargelegt, werde ich zunächst kurz die zentralen Analyseeinheiten des Neuen Steuerungsmodells vorstellen. Am Beispiel der Länder Hessen und Berlin werde ich mich mit den Reformen befassen. Des Weiteren werde ich im Bund auf einige wichtige Modernisierungsvorgänge eingehen, bevor ich in einem Schlussteil ein Resümee ziehen werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schwerpunkte in den Verwaltungsreformen/Analyseebenen
3. Reformen auf Länderebene
3.1 Neue Verwaltungssteuerung und Reform des Landes Hessens
3.2 Die Verwaltungsreform im Land Berlin
4. Reformen auf Bundesebene
5. Schlussteil
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Reformprozess der öffentlichen Verwaltung in Deutschland, wobei der Fokus auf dem Vergleich von Maßnahmen auf Bundes- und Länderebene liegt. Ziel ist es zu analysieren, wie sich das "Neue Steuerungsmodell" (NSM) unter verschiedenen fiskalischen Rahmenbedingungen und politischen Zielsetzungen durchgesetzt hat und wie erfolgreich diese Umstrukturierungen bei der Modernisierung staatlicher Prozesse waren.
- Entwicklung und Umsetzung des Neuen Steuerungsmodells (NSM) in Deutschland.
- Vergleichende Analyse von Verwaltungsreformen in den Bundesländern Hessen und Berlin.
- Modernisierungsansätze und zweiphasige Reformstrategien auf Bundesebene.
- Rolle von E-Government, Personalentwicklung und Qualitätsmanagement in der Verwaltung.
- Entbürokratisierung als zentraler Faktor für Effizienzsteigerungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Neue Verwaltungssteuerung und Reform des Landes Hessens
„Die Bundesländer bezeichnen, konzipieren und gewichten ihre Reformprojekte recht unterschiedlich.“ (Elsner, 2004: S. 65) Am Beispiel des Landes Hessen, das ein wirtschaftsstarkes Bundesland ist, werde ich verschiedene Umstrukturierungsmaßnahmen erläutern. In Hessen bildete man im Kabinett den Ausschuss „Verwaltungsreform und Verwaltungsinformatik“. „Der Kabinettsausschuss trifft grundlegende Vorgaben für den Reformprozess, in der Regel durch so genannte politische Steuerungspapiere. Diese enthalten für jedes Projekt die vorgesehenen konkreten Ziele, Maßnahmen mit detailliertem Zeitplan und die erwarteten Einsparungen.“ (Grüttner, 2004: S.13) Die Säulen des Modernisierungsprojektes sind:
Bei den modernen Steuerungselementen handelt es sich vor allem um die Reform des Rechnungswesens, genauer gesagt um einen Übergang vom der Kameralistik auf das kaufmännische System. Hierbei stellt die Kameralistik „ein bewährtes, aber überholtes System [...] dar.“ (Harle/Kulemann, 2005: S. 135) Der wohl größte Nachteil der Kameralistik besteht darin, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht eindeutig klar bzw. nicht genau ausgewiesen wird. Das weltweit anerkannte Buchungssystem SAP R/3, welches auch schon in den angelsächsischen Ländern erfolgreich eingeführt wurde, stellt den Grundstein für die kaufmännische Buchführung dar. Zusätzlich soll mit dem Programm SAP R/3 HR (Human Resources) die Personalverwaltung, -abrechnung und –bewirtschaftung effizienter und effektiver gestaltet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt die historische Grundlage des föderalen Staatsaufbaus dar und definiert die Zielsetzung, die Erfolge und Mechanismen der Verwaltungsreformen im Kontext des Neuen Steuerungsmodells zu untersuchen.
2. Schwerpunkte in den Verwaltungsreformen/Analyseebenen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Analyseebenen definiert, wobei der Schwerpunkt auf Kostenersparnis, Personalmanagement, E-Government und betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten wie dem Controlling liegt.
3. Reformen auf Länderebene: Das Kapitel vergleicht die Reformansätze in Hessen und Berlin, wobei Hessen durch strukturelle Modernisierung glänzt und Berlin trotz Haushaltsnotlage mit gezielten Projekten wie Bürgerbüros agiert.
3.1 Neue Verwaltungssteuerung und Reform des Landes Hessens: Der Fokus liegt auf der Umstellung von Kameralistik auf kaufmännische Buchführung (SAP R/3) sowie der Straffung von Behördenstrukturen zur Effizienzsteigerung.
3.2 Die Verwaltungsreform im Land Berlin: Das Kapitel thematisiert die Herausforderungen eines finanzschwachen Landes, das durch das Verwaltungsreform-Grundsätze-Gesetz (VGG) und Qualitätsmanagement versucht, den Wirtschaftsstandort attraktiver zu gestalten.
4. Reformen auf Bundesebene: Hier werden die zwei Phasen der Modernisierung des Bundes beschrieben, die von der Einführung betriebswirtschaftlicher Instrumente bis hin zum "aktivierenden Staat" reichen.
5. Schlussteil: Der Schlussteil resümiert, dass Entbürokratisierung ein langwieriger Prozess ist, und stellt fest, dass finanzstärkere Länder umfassendere Reformen durchführen können als solche unter hohem Finanzdruck.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Verwaltungsreform, Neues Steuerungsmodell, NSM, öffentlicher Dienst, E-Government, Haushaltsnotstand, Controlling, Personalmanagement, Kameralistik, Doppik, Bürgernähe, Entbürokratisierung, Standortfaktor, Reformprozess, Leistungsvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Durchführung von Verwaltungsmodernisierungen in Deutschland auf Ebene der Länder und des Bundes unter Anwendung des Neuen Steuerungsmodells.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen das betriebswirtschaftliche Controlling, die Umstellung des Rechnungswesens, Personalentwicklungsstrategien und die Digitalisierung der Behörden (E-Government).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie Verwaltungsreformen initiiert wurden, inwieweit sie umgesetzt werden konnten und wie erfolgreich sie hinsichtlich der Effizienzsteigerung und Bürgernähe waren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse aktueller Fachartikel, Journale sowie offizieller Abschlussberichte und setzt diese in Bezug zu den theoretischen Grundlagen des New Public Managements.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Fallbeispiele der Länder Hessen und Berlin sowie eine detaillierte Betrachtung der zwei Reformphasen auf Bundesebene.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das "Neue Steuerungsmodell" (NSM), die "Doppik", "Entbürokratisierung" und die Unterscheidung zwischen dem Bund und den finanzschwachen oder finanzstarken Bundesländern.
Warum spielt die Haushaltslage eine Rolle bei der Reformumsetzung?
Die Autorin stellt die Hypothese auf, dass finanzstärkere Länder reformfreudiger sind, während Länder unter hohem Finanzdruck oft nur die Maßnahmen wählen, die unmittelbar hohe Einsparungen versprechen.
Welche Rolle spielt die Privatisierung bei den untersuchten Reformen?
Privatisierungen werden als Ergänzung zu den systemimmanenten Reformen betrachtet, um Wettbewerbselemente in die Verwaltung zu integrieren und Aufgaben des Staates zu fokussieren.
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- Rebecca Zimmers (Author), 2005, Deutschland - Verwaltungsreformen auf Länder- und Bundesebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62767