Die Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens im dualen Rundfunksystem


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens - Vorraussetzung für Konvergenz?

2. Technische Entwicklungen zur Übertragung von Rundfunkprogrammen
2.1 Analoge und digitale terrestrische Verbreitung
2.2 Kabel
2.3 Satellit
2.4 Entwicklungen in der Nutzung der Übertragungswege und deren Wirkungen

3. Marktstruktur und Konzentrationsprozess
3.1 Senderlandschaft in Deutschland
3.2 Konzentrationsprozess

4. Rechtliche Rahmenbedingungen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens - Vorraussetzung für Konvergenz?

Auf den ersten Blick scheint der Zusammenhang zwischen dem Seminarthema „Konvergenz im dualen Rundfunksystem?“ und der Entwicklung der Marktstrukturen und des rechtlichen Rahmens nicht auf der Hand zu liegen. Sieht man genauer hin, leuchtet jedoch ein, dass Entwicklungen im dualen Rundfunksystem, unabhängig ob sie konvergent sind oder in eine vollkommen andere Richtung verlaufen, von Technik, Marktstrukturen, rechtlichen Grundlagen und nicht zuletzt der Politik beeinflusst werden. Diese Arbeit soll sich deshalb gewissermaßen mit den Grundlagen, die Konvergenz erst ermöglichen könnten, beschäftigen.[1]

Insbesondere die Entwicklung der technischen Übertragungsmöglichkeiten hat zunächst dazu geführt, dass ein duales Rundfunksystem überhaupt entstehen konnte. Erst durch die neuen Übertragungstechniken Kabel, Satellit und zuletzt digitaler terrestrischer Verbreitung konnte eine größere, inzwischen fast unbegrenzte Anzahl Rundfunkprogramme ausgestrahlt werden. Ein wichtiges Datum ist in diesem Zusammenhang das Jahr 1984, in dem das erste Kabelpilotprojekt in Ludwigshafen verwirklicht wurde und damit auch die ersten privatwirtschaftlichen Fernsehprogramme an den Start gingen.[2]

Aus diesem Grund wird sich diese Seminararbeit nur mit den Entwicklungen nach 1984 beschäftigen. Ferner werde ich mich in dieser Arbeit auf die Entwicklungen des Fernsehens beschränken, da sich der größte Teil der Konvergenz-Forschung in diesem Bereich konzentriert.

Erläutert werden muss zur Einführung auch der Begriff der „Konvergenz“ und wie er in dieser Arbeit verwandt werden soll. Im Fremdwörterbuch des Duden findet sich unter ‚konvergieren’ die Erklärung „a) sich nähern, einander näher kommen, zusammenlaufen; b) demselben Ziel zustreben; übereinstimmen;“[3].

In der Kommunikationswissenschaft wird der Begriff für zwei sehr unter­schiedliche Phänomene verwendet: Während Verfasser von kommunika­tions­wissen­schaftlichen Standardwerken, wie zum Beispiel Heinz Pürer und Roland Burkart, den Begriff vorwiegend für die Beschreibung der „Verschmelzung (Konvergenz) von Telekommunikation, Computer, Unter­haltungs­elektronik und Rundfunk (i.S. von Hörfunk und Fernsehen)“[4] verwenden, also von einer technischen Annäherung sprechen, ist in dieser Arbeit inhaltliche Konvergenz gemeint.[5]

Inhaltliche Konvergenz meint, dass öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender danach streben erfolgreiche Programme der jeweiligen Konkurrenz zu imitieren. Dies kann im Extremfall „zu einer völligen Angleichung der Programmangebote und zu einer Nivellierung der medienpolitisch relevanten Unterschiede zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Veranstaltertypen führen.“[6]

Damit ist auch schon die Bedeutung inhaltlicher Konvergenz beschrieben: Sollte es zu diesem Extremfall kommen, so dass sich das Programm der öffentlich-rechtlichen und der kommerziellen Fernsehprogramme nicht mehr unterscheiden lässt, würden die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme möglicherweise ihrem Auftrag, der Grundversorgung der Bevölkerung mit Rundfunk; nicht mehr nachkommen.

Die Erfüllung dieser Aufgabe ist jedoch Bedingung für die vom Bundesver­fassungs­gericht mehrfach ausgesprochene Bestandsgarantie für die öffentlich-rechtlichen Anstalten und ihre Gebührenfinanzierung.[7]

Der Frage, inwieweit es zur inhaltlicher Konvergenz kommt und in welcher Richtung diese abläuft, ob sich also die öffentlich-rechtlichen Programme den Privaten anpassen oder umgekehrt, kann und soll diese Arbeit jedoch nicht weiter nachgehen. Wie bereits erwähnt sollen lediglich die Entwicklungen, die eine solche Konvergenz theoretisch ermöglichen würden, aufgezeigt werden.

Zwischen den einzelnen Grundlagen Recht, Technik und Marktstruktur gibt es zahlreiche Wechselwirkungen, die ebenfalls aufgezeigt werden sollen. So wird die heutige Marktstruktur mit ihren zahlreichen unterschiedlichen Spartensendern zumindest teilweise erst durch technische Entwicklungen möglich. Aber auch die neuen Techniken allein hätten nicht zur Einführung des dualen Rundfunks ausgereicht. Es musste notwendigerweise auch ein Umdenken in der Medienpolitik und damit die Schaffung neuer rechtlicher Rahmenbedingungen stattfinden. Die Umorientierung fand erst mit dem bundespolitischen Regierungswechsel 1982 statt.[8]

Auf diese Wechselwirkungen werde ich im Verlauf der folgenden Kapitel immer wieder näher eingehen.

2. Technische Entwicklungen zur Übertragung von Rundfunkprogrammen

Bis 1984 erfolgte der Fernsehempfang in Deutschland fast ausschließlich über terrestrische Verbreitung. Da keine ausreichenden Frequenzbereiche vorhanden waren um mehr Sender auszustrahlen, konnte man bis zu diesem Zeitpunkt lediglich Das Erste Deutsche Fernsehen der Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland (ARD), das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) sowie die dritten Fernsehprogramme der einzelnen Landesrundfunkanstalten empfangen. Heute gibt es hingegen drei etablierte Empfangsmöglichkeiten: Den analogen oder digitalen terrestrischen Empfang, das Kabel und den Satellitenempfang.[9]

2.1 Analoge und digitale terrestrische Verbreitung

Obwohl nahezu 100 Prozent der deutschen Bevölkerung in der Lage wären auf terrestrischem Weg Fernsehen zu empfangen sinkt die Akzeptanz und damit die Zahl der tatsächlich auf diesem Weg empfangenden Menschen kontinuierlich. Der Grund ist in der wesentlich eingeschränkteren Programmvielfalt von maximal etwa 10 Sendern bei analogem terrestrischem Empfang zu sehen.[10]

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken wird in Deutschland nach und nach auf die digitale terrestrische Verbreitung umgestellt. Beim Digital Video Broadcasting Terrestrial (DVB-T), wie die digitale terrestrische Verbreitung genannt wird, werden die Daten der Sender nicht mehr analog, sondern komprimiert in einem binären Zahlencode übertragen. Diese neue Technik bietet einige entscheidende Vorteile für den Zuschauer: Die Übertragungskapazitäten sind größer, es können also mehr Programme übertragen werden. Außerdem ist die Qualität des Bildes besser, es ergeben sich Kapazitäten zur interaktiven Interaktion zwischen Sender und Zuschauer über so genannte Rückkanäle, preiswertere und kleinere Empfangsgeräte werden möglich und auch der mobile Empfang zum Beispiel durch ein speziell ausgerüstetes Notebook wird möglich.[11]

Die noch vom bis 1998 regierenden Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl beschlossene Umstellung auf DVB-T hat bereits in einigen Ballungsräumen Deutschlands begonnen und soll bis 2010 abgeschlossen sein. Für die bisherigen Nutzer analoger terrestrischer Übertragung hat dies zur Folge, dass sie in einen Decoder investieren müssen, der die digitalen Signale auch für ältere Fernsehgeräte darstellbar macht. Ein solcher Decoder kostet etwa 100 Euro, weitere Kosten wie zum Beispiel eine monatliche Gebühr für die Kabelnutzung fallen hingegen bei DVB-T nicht an. Lediglich die Rundfunkgebühr muss bezahlt werden, für die man dann aber auch zwischen 24 und 32 Sender empfangen kann. Die Möglichkeit beim analogen terrestrischen Empfang zu bleiben, besteht dauerhaft nicht. Ab dem Zeitpunkt der Umstellung kann man analog nur noch drei öffentlich-rechtliche Programme empfangen, einige Monate später bleibt der analoge Bildschirm sogar ganz schwarz.[12]

Bereits umgestellt sind die Regionen Berlin/Brandenburg, Köln/Düsseldorf, Hamburg, Bremen, Hannover sowie das Rhein-Main-Gebiet. München soll voraussichtlich am 30. Mai 2005 auf Digitalbetrieb umschalten. Es werden dann im Großraum München über die Zimmerantenne mehr als 20 Programm empfangbar sein.[13]

[...]


[1] vgl. Burk, Verena: Sport im Fernsehen. Öffentlich-rechtliche und private Programme im Vergleich. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 2003. Seite 7.

[2] vgl. Burk: Sport im Fernsehen. Seite 7 und 60.

[3] Dudenredaktion (Hrg.): Duden Band 5. Das Fremdwörterbuch. 7., neu bearbeite und erweiterte Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag. 2001. Seite 542.

[4] Pürer, Heinz: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz: UVK. 2003. Seite 266.

[5] vgl. Pürer: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Seite 266f.

vgl. Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaften. Grundlagen und Problemfelder. 4. Auflage. Köln, Weimar, Wien: Böhlau UTB. 2002. Seite 371.

[6] Maier, Michaela.: Zur Konvergenz des Fernsehens in Deutschland. Ergebnisse qualitativer und repräsentativer Zuschauerbefragung. Konstanz: UVK. 2002. Seite 47.

[7] vgl. Burk: Sport im Fernsehen. Seite 18.

[8] vgl. Doh, Michael: 10 Jahre Privatfernsehen. Gesellschaft, Fernsehlandschaft und Medienpädagogik im Wandel. München: KoPäd. 1994. Seite 31.

[9] vgl. Burk: Sport im Fernsehen. Seite 62.

[10] vgl. Bock, Gerd: Programmverbreitung (Hörfunk und Fernsehen). Verbreitung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen und neue Rundfunkdienste. in: Hans-Bredow-Institut (Hrg.): Internationales Handbuch für Hörfunk und Fernsehen 2000/2001. Baden-Baden: Nomos. 2000. Seite 179.

[11] vgl. Burk: Sport im Fernsehen. Seite 66-67. sowie vgl. Bock: Programmverbreitung (Hörfunk und Fernsehen). Seite 180.

[12] vgl. Rosenbach, Marcel; Schulz, Thomas: Digital-TV. Sehen mit Stäbchen. in: Der Spiegel. Nr. 45. 30.10.2004. Seite 212-214.

[13] vgl. ebd. Seite 213. sowie vgl. Geiger, Eberhard: Digital-TV: Wer braucht was? Wegweiser durch die bevorstehende Normen-Vielfalt. in: Münchner Merkur vom 28.02.2005. Seite 11.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens im dualen Rundfunksystem
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V62792
ISBN (eBook)
9783638559799
ISBN (Buch)
9783656530381
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit über die Grundlagen und Rahmenbedingungen für eine mögliche Konvergenz im dualen Rundfunksystem
Schlagworte
Entwicklung, Marktstruktur, Rahmens, Rundfunksystem
Arbeit zitieren
Philipp Vetter (Autor), 2005, Die Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens im dualen Rundfunksystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62792

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