Auf den ersten Blick scheint der Zusammenhang zwischen dem Seminarthema „Konvergenz im dualen Rundfunksystem?“ und der Entwicklung der Marktstrukturen und des rechtlichen Rahmens nicht auf der Hand zu liegen. Sieht man genauer hin, leuchtet jedoch ein, dass Entwicklungen im dualen Rundfunksystem, unabhängig ob sie konvergent sind oder in eine vollkommen andere Richtung verlaufen, von Technik, Marktstrukturen, rechtlichen Grundlagen und nicht zuletzt der Politik beeinflusst werden. Diese Arbeit soll sich deshalb gewissermaßen mit den Grundlagen, die Konvergenz erst ermöglichen könnten, beschäftigen.
Insbesondere die Entwicklung der technischen Übertragungsmöglichkeiten hat zunächst dazu geführt, dass ein duales Rundfunksystem überhaupt entstehen konnte. Erst durch die neuen Übertragungstechniken Kabel, Satellit und zuletzt digitaler terrestrischer Verbreitung konnte eine größere, inzwischen fast unbegrenzte Anzahl Rundfunkprogramme ausgestrahlt werden. Ein wichtiges Datum ist in diesem Zusammenhang das Jahr 1984, in dem das erste Kabelpilotprojekt in Ludwigshafen verwirklicht wurde und damit auch die ersten privatwirtschaftlichen Fernsehprogramme an den Start gingen. Aus diesem Grund wird sich diese Seminararbeit nur mit den Entwicklungen nach 1984 beschäftigen. Ferner werde ich mich in dieser Arbeit auf die Entwicklungen des Fernsehens beschränken, da sich der größte Teil der Konvergenz-Forschung in diesem Bereich konzentriert. Erläutert werden muss zur Einführung auch der Begriff der „Konvergenz“ und wie er in dieser Arbeit verwandt werden soll. Im Fremdwörterbuch des Duden findet sich unter ‚konvergieren’ die Erklärung „a) sich nähern, einander näher kommen, zusammenlaufen; b) demselben Ziel zustreben; übereinstimmen;“.
Inhaltsverzeichnis
1. Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens - Vorraussetzung für Konvergenz?
2. Technische Entwicklungen zur Übertragung von Rundfunkprogrammen
2.1 Analoge und digitale terrestrische Verbreitung
2.2 Kabel
2.3 Satellit
2.4 Entwicklungen in der Nutzung der Übertragungswege und deren Wirkungen
3. Marktstruktur und Konzentrationsprozess
3.1 Senderlandschaft in Deutschland
3.2 Konzentrationsprozess
4. Rechtliche Rahmenbedingungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, inwieweit technische Entwicklungen, Marktstrukturen und rechtliche Rahmenbedingungen im dualen Rundfunksystem eine inhaltliche Konvergenz zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern begünstigen oder ermöglichen könnten.
- Technische Grundlagen und ihre Auswirkungen auf das duale Rundfunksystem
- Entwicklung der Übertragungswege (Kabel, Satellit, terrestrisch)
- Struktur der deutschen Fernsehlandschaft und Konzentrationsprozesse
- Einfluss der Medienpolitik und rechtlicher Regulierungsmechanismen
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der inhaltlichen Konvergenz
Auszug aus dem Buch
3.2 Konzentrationsprozess
Die Annahme, die große Zahl Fernsehprogramm, wie sie im vorangegangen Kapitel beschrieben wurde, lasse auch auf eine große Zahl wirtschaftlich unabhängiger Programmveranstalter schließen, ist ein Trugschluss. Vielmehr entstand auf dem deutschen Privatsendermarkt ein Doppelmonopol zweier Senderfamilien: Der Kirch-Gruppe, zu der die Sender SAT.1, Prosieben, Kabel 1 und DSF gehören, sowie die RTL- oder Bertelsmanngruppe, zu der neben RTL und RTL II auch VOX und n-tv gehören. Damit waren die vier Privatsender mit der größten Reichweite im Besitz von nur zwei Unternehmen. Zwar haben sich durch die Insolvenz der Kirch Media AG die Beteiligungsverhältnisse an diesen beiden Unternehmen verändert, nach wie vor besteht aber die Aufteilung in die ProsiebenSat1 Media AG und die Bertelsmanngruppe.
Zu dieser Konzentration der Sender auf zwei Gruppen kam es, da durch die Einführung des privaten Rundfunk die Nachfrage und damit auch die Preise für Material, mit dem man die tägliche Sendzeit zu füllen konnte, rasant anstieg. Da die Kirch-Gruppe bis zu diesem Zeitpunkt bereits mit Rechten für Spielfilme, Serien und Sportereignisse handelte und diese besaß, war der Schritt ins Fernsehgeschäft nur der logische Schritt. Auch die Besitzer der RTL-Gruppe waren bereits zuvor im Rechtehandel tätig.
Es gibt jedoch noch weitere Ursachen für den Konzentrationsprozess. So ist eine Deregulierung des Rundfunkmarkts erforderlich, damit Verbindungen entstehen können, die sich durch den Zusammenschluss Vorteile im Wettbewerb erhoffen. Ein weiterer Grund ist der technische Fortschritt. Unternehmensverbindungen können schneller technisches Wissen erwerben und sich die Risiken der Entwicklung neuer Techniken teilen. Jürgen Heinrich hält aber eine andere Ursache für zentral: Der erhoffte Machtzugewinn. Für große Unternehmensgruppen ist es leichter die Konkurrenz und den Staat unter Druck zu setzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens - Vorraussetzung für Konvergenz?: Das Kapitel führt in das Thema ein, definiert den Begriff der inhaltlichen Konvergenz und erläutert die Relevanz der untersuchten Grundlagen für das duale Rundfunksystem.
2. Technische Entwicklungen zur Übertragung von Rundfunkprogrammen: Hier werden die verschiedenen Empfangswege wie terrestrische Verbreitung, Kabel und Satellit sowie deren Wandel und Bedeutung für die Programmvielfalt dargestellt.
3. Marktstruktur und Konzentrationsprozess: Dieses Kapitel analysiert die Senderlandschaft und untersucht die Ursachen sowie Folgen von wirtschaftlichen Konzentrationsprozessen bei privaten Fernsehsendern.
4. Rechtliche Rahmenbedingungen: Der Abschnitt erläutert die gesetzlichen Grundlagen zur Konzentrationskontrolle und die Rolle der Rechtsprechung bei der Sicherung des dualen Systems.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die untersuchten Faktoren zwar Konvergenz begünstigen können, eine zwangsläufige Angleichung jedoch nicht unmittelbar daraus folgt.
Schlüsselwörter
Duales Rundfunksystem, inhaltliche Konvergenz, Marktstruktur, Medienpolitik, technische Übertragungswege, terrestrische Verbreitung, Kabelfernsehen, Satellitenfernsehen, Konzentrationsprozess, Rundfunkstaatsvertrag, Grundversorgung, Medienregulierung, Senderfamilien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Voraussetzungen für eine mögliche inhaltliche Konvergenz im deutschen dualen Rundfunksystem, indem sie Technik, Marktstruktur und rechtliche Grundlagen analysiert.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Felder sind die technische Entwicklung der Verbreitungswege, die Analyse der Senderlandschaft sowie die medienrechtlichen Rahmenbedingungen zur Konzentrationskontrolle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie technische, ökonomische und rechtliche Faktoren das duale Rundfunksystem prägen und ob diese Entwicklungen eine Konvergenz zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Programmen begünstigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Zusammenführung von Fachliteratur, um die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Rahmenbedingungen des Rundfunks zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Entwicklung der Verbreitung, die ökonomische Analyse der Senderkonzentration sowie die rechtlichen Vorgaben und Urteile zur Sicherung der Meinungsvielfalt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das duale Rundfunksystem, inhaltliche Konvergenz, Rundfunkstaatsvertrag, Konzentrationsprozess und die medienrechtliche Grundversorgung.
Wie unterscheidet sich die in dieser Arbeit verwendete "inhaltliche Konvergenz" von einer technischen Definition?
Während technische Konvergenz die Verschmelzung von Medien und Geräten beschreibt, bezieht sich die inhaltliche Konvergenz in dieser Arbeit auf das gegenseitige Imitieren von Programmstrukturen durch private und öffentlich-rechtliche Sender.
Welche Bedeutung hat das Jahr 1984 für die in der Arbeit beschriebene Entwicklung?
Das Jahr 1984 markiert den Startpunkt der Arbeit, da mit den ersten Kabelpilotprojekten und dem Beginn privater Fernsehprogramme das duale System in Deutschland seine operative Entstehung fand.
Warum hält der Autor den Konzentrationsprozess bei privaten Sendern für medienpolitisch relevant?
Der Autor argumentiert, dass Konzentration die Meinungsvielfalt gefährden kann, weshalb der Staat durch den Rundfunkstaatsvertrag Kontrollinstanzen wie die KEK geschaffen hat, um diesen Prozess zu regulieren.
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- Philipp Vetter (Author), 2005, Die Entwicklung der Marktstruktur und des rechtlichen Rahmens im dualen Rundfunksystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62792