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Die Funktionen der Kapitelüberschrift in Henry Fieldings Roman "Tom Jones"

Title: Die Funktionen der Kapitelüberschrift in Henry Fieldings Roman "Tom Jones"

Seminar Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ulrike Wronski (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Niemand kann jede Neuerscheinung auf dem Buchmarkt lesen. Die Programmvielfalt im Fernsehen ist schier erdrückend und jede Woche kommen ein Dutzend neue Filme ins Kino. In diesem Wirrwarr bietet es einen ungemeinen Vorteil, schnell erkennen zu können, was wichtig ist und was unwichtig, was interessant ist und was langweilig. Deshalb sind wir darauf angewiesen, in Büchern eine kurze Inhaltsangabe zu finden, mithilfe von Videotext oder Fernsehzeitschrift über die Handlung von Spielfilmen informiert zu werden oder durch Überschriften und Dachzeilen die uns interessierenden Zeitungsartikel herausfiltern zu können. Bevor wir eine Wahl treffen, wollen wir wissen, was uns erwartet und das Angebot mit seinen Alternativen vergleichen.
Auch wenn die Masse der Informationen, die auf die Menschen im 18. Jahrhundert einstürzte, geringer war als die, mit der Menschen aus dem 21. Jahrhundert zu kämpfen haben, erkannte der englische Schriftsteller Henry Fielding bereits damals, dass seine potenziellen Leser wissen wollen, worum es in seinen Romanen geht, bevor sie mit der Lektüre beginnen. Auch die Leser des 18. Jahrhunderts konnten schon zwischen einer Vielzahl an literarischen Texten wählen. Unter anderem deshalb hat Fielding all seine Romane in Bücher und Kapitel gegliedert und diesen Einheiten Überschriften vorangestellt. In Tom Jones (1749) wird die Funktion dieser Überschriften erläutert: Sie sollen dem Leser mitteilen, was ihn im folgenden Text erwartet und es ihm so erleichtern, zu entscheiden, ob er den Text lesen will. Mit dieser sehr wichtigen Funktion sind die Aufgaben der Kapitelüberschrift jedoch noch lange nicht erschöpft. Die dieser Arbeit zugrundeliegende Frage lautet deshalb: Welche Funktionen erfüllt die Kapitelüberschrift in Henry Fieldings Roman Tom Jones?
Um dies zu klären, sollen zuerst die Überlegungen dargelegt werden, die in Tom Jones und Joseph Andrews (1742), ebenfalls von Henry Fielding verfasst, zu diesem Thema angestellt werden. Dann werden die Kapitelüberschriften in Tom Jones analysiert, daraus Rückschlüsse auf ihre Funktionen gezogen und die Ergebnisse mit den Postulaten in den Romanen verglichen. Ich hoffe, auf diese Weise Zusammenhänge zu erkennen, die für die Interpretation des gesamten Romans bedeutend sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Explizite Hinweise auf die Funktion von Kapitelüberschriften in Fieldings Romanen Tom Jones und Joseph Andrews

3. Analyse der Kapitelüberschriften in Tom Jones

3.1 Handlungsbezogene Überschriften

3.2 Rezeptionsbezogene Überschriften

3.3 Überschriften, die auf die Fiktionalität des Romans verweisen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Funktionen der Kapitelüberschriften in Henry Fieldings Roman Tom Jones, um aufzuzeigen, wie diese über eine bloße inhaltliche Zusammenfassung hinausgehen und maßgeblich zur Steuerung der Leserwahrnehmung sowie zur Betonung der Fiktionalität des Werkes beitragen.

  • Vergleich der theoretischen Konzepte in Tom Jones und Joseph Andrews
  • Untersuchung handlungsbezogener Funktionen und ihrer Wirkung auf die Spannungserzeugung
  • Analyse der Leserlenkung und der Konstruktion eines idealen Lesers
  • Erörterung der Kapitelüberschriften als Indikatoren für den Fiktionalitätscharakter des Romans

Auszug aus dem Buch

3.1 Handlungsbezogene Überschriften

Unter dem Begriff der handlungsbezogenen Überschriften sollen hier jene Überschriften zusammengefasst werden, die sich direkt auf die fiktive Handlung des Romans beziehen. Sie nennen die auftretenden Charaktere und/oder enthalten eine Zusammenfassung des Geschehens, wie folgendes Beispiel zeigt: „In which, though the squire doth not find his daughter, something is found which puts an end to his pursuit“ (XII, 2). An diesem Beispiel wird deutlich, dass zwar eine Vorschau auf den Inhalt gegeben wird, gleichzeitig aber Informationen zurückgehalten werden beziehungsweise die Hinweise auf die Handlung sehr unkonkret sind, damit dem Leser nicht zu viel verraten wird. In diesem Fall dient die Zurückhaltung der Erzeugung von Spannung. So soll der Leser animiert werden weiterzulesen, um herauszufinden, was das „something“ ist. Viele Kapitelüberschriften funktionieren nach diesem Schema. Sie deuten nur an und erzeugen auf diese Weise Spannung und eine Erwartungshaltung beim Leser.

Andere Kapitelüberschriften, die sich auf die Handlung des Romans beziehen, verraten noch weniger über die Handlung. Die Überschrift „Containing many rules, and some examples, concerning falling in love: descriptions of beauty, and other more prudential inducements to matrimony” (I, 11) verrät weder wer die handelnden Personen sind, noch was genau geschieht. Stattdessen gibt sie die allgemeinen Themen Verlieben, Schönheit und Ehe vor. Die Überschrift „Of love“ (VI, 1) ist ein weiteres Beispiel für diese Art von Überschriften.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Kapitelüberschriften als Orientierungshilfe in einer informationsreichen Gesellschaft und definiert die Forschungsfrage bezüglich ihrer Funktion in Henry Fieldings Werk.

2. Explizite Hinweise auf die Funktion von Kapitelüberschriften in Fieldings Romanen Tom Jones und Joseph Andrews: Dieses Kapitel analysiert die vom Autor selbst getätigten Aussagen und Vergleiche, wie etwa die Metapher der Speisekarte, um den intendierten Nutzen der Kapitelgliederung für den Leser zu verdeutlichen.

3. Analyse der Kapitelüberschriften in Tom Jones: Die Hauptanalyse untersucht differenziert verschiedene Kategorien von Überschriften hinsichtlich ihrer inhaltlichen, rezeptiven und fiktionalitätsbezogenen Wirkungsweisen.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kapitelüberschriften eine komplexe Funktion bei der Leserlenkung, der Erzeugung von Spannung und der Verdeutlichung des Fiktionscharakters einnehmen, wobei viel Eigenleistung vom Leser gefordert wird.

Schlüsselwörter

Henry Fielding, Tom Jones, Kapitelüberschriften, Romananalyse, Fiktionalität, Erzähltechnik, Leserlenkung, Auktorialer Erzähler, Erzählzeit, Rezeptionsprozess, Literaturwissenschaft, 18. Jahrhundert, Joseph Andrews, Narratologie, Spannungsaufbau.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die spezifischen Funktionen und Wirkungsweisen von Kapitelüberschriften in Henry Fieldings Roman "Tom Jones" aus literaturwissenschaftlicher Perspektive.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenbereiche der Leserlenkung, des Spannungsaufbaus, der Erzähltheorie und der Darstellung von Fiktionalität im 18. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kapitelüberschriften bei Fielding mehr als nur bloße Inhaltsangaben sind und eine aktive Rolle in der Konstruktion des Romanverständnisses spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode, die auf narratologischen Begriffen basiert und diese mit historischem Kontext sowie vergleichenden Analysen zu "Joseph Andrews" verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung handlungsbezogener Überschriften, rezeptionsorientierter Ansätze und die Analyse der Überschriften als Verweise auf die Fiktionalität des Romans.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Kapitelüberschriften, Fiktionalität, Leserlenkung, auktoriales Erzählen und die Romankonstruktion des 18. Jahrhunderts.

Wie unterscheidet sich Fielding von Zeitgenossen wie Defoe oder Richardson?

Im Gegensatz zu Defoe oder Richardson, die durch das Fehlen von Kapitelüberschriften "Verisimilitude" (Echtheit) suggerieren wollten, nutzt Fielding diese explizit, um die Künstlichkeit und Fiktionalität seines Romans zu betonen.

Was bedeutet der Vergleich mit einer "Speisekarte"?

Der Erzähler vergleicht die Kapitelüberschriften mit Speisekarten, die dem Leser anzeigen, was ihn im jeweiligen Textabschnitt erwartet, um ihm eine bewusste Leseentscheidung zu ermöglichen.

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Details

Title
Die Funktionen der Kapitelüberschrift in Henry Fieldings Roman "Tom Jones"
College
University of Hamburg  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Course
Hauptseminar: Henry Fielding - Tom Jones
Grade
1,0
Author
Ulrike Wronski (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V62863
ISBN (eBook)
9783638560276
ISBN (Book)
9783638767149
Language
German
Tags
Funktionen Kapitelüberschrift Henry Fieldings Roman Jones Hauptseminar Henry Fielding Jones
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Wronski (Author), 2006, Die Funktionen der Kapitelüberschrift in Henry Fieldings Roman "Tom Jones", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62863
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