The Piano - Eine Sequenzanalyse


Seminararbeit, 2001
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung und Einordnung der Sequenz

1. Figurenkonzepte
1.1 Ada und Flora
1.2 Stewart- Der puritanische Siedler
1.3 Baines- Der Außenseiter

2. Wer erzählt?

3. Kampf der gesellschaftlichen Regeln gegen das aufbrausende Neuseeland im Innern Adas
3.1 Wenn schon keine Zeremonie, dann zumindest die Photographie- Zur Funktionalität der Bilder
3.2 Die Musik als Ausdruck des Gefühls- Musik, Ton und Sprache
3.3 Die neuseeländische Wildnis- Die Darstellung der Natur

4. Schlußbetrachtung

Literatur

Einleitung und Einordnung der Sequenz

Diese Sequenzanalyse wurde im Rahmen des Seminars „Einführung in die Filmanalyse“/ Wintersemester 2000/01 am Beispiel einer Sequenz aus The Piano von Jane Campion erstellt. Dieser Film bezieht seine Besonderheit aus der Tatsache, dass die Hauptdarstellerin, bis auf eine voice-over zu Beginn und zu Ende des Films, kein Wort spricht, und dennoch ihre Gefühle, Stimmungen und ihr Innenleben deutlicher als bei allen anderen Personen des Films vermittelt werden. Die Musik des Films, aber auch die Darstellung der Natur geben Aufschluß über ihre Gefühle, die aufkeimende Leidenschaft und schließlich ihre Befreiung aus der puritanischen Mentalität.

The Piano spielt Mitte des 19. Jahrhunderts. Die stumme Schottin Ada wird mit dem ihr unbekannten Siedler Stewart verheiratet. Zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter Flora macht sich Ada auf in die Heimat ihres Ehemannes, der Wildnis Neuseelands, allerdings nicht ohne ihr geliebtes Piano, dass ihr Mittel zum Ausdruck ist. In der neuen Heimat angekommen muss sie das Piano am Strand zurücklassen. Der Außenseiter Baines macht sich durch einen Tausch mit Stewart das Piano zu eigen und bietet Ada ein Abkommen an: Taste für Taste kann sie sich das Piano zurückverdienen, wenn sie Baines, der sie begehrt, gestattet sie zu betrachten und zu berühren. Ada geht auf das Angebot ein und nach und nach entwickelt sich eine Beziehung. Als Stewart hinter die Beziehung kommt schließt er Ada ein. Baines, im Glauben Ada verloren zu haben, will Neuseeland verlassen. Als Ada ihm eine Liebesbotschaft durch ihre Tochter zukommen lassen will, bringt das Mädchen das Päckchen Stewart, der, nachdem Ada ihm körperlich näher kam im Vertrauen ihr Gefängnis aufgebrochen hat und nun tief gekränkt und wütend ein Finger Adas abhackt. Letztendlich lässt Stewart aber Baines und Ada ziehen. Auf der Überfahrt in eine neue Heimat stürzt sich Ada mit ihrem Piano in die Tiefe des Meeres, entscheidet sich aber doch für das Leben.

Die hier bearbeitete Sequenz setzt kurz nach Adas Ankunft in Neuseeland ein mit der Anfertigung eines Hochzeitsbildes als Ersatz für eine Zeremonie. Als Stewart kurz darauf für einige Tage fort muß macht sich Ada auf zum Außenseiter Baines, der sie zu ihrem Piano bringen soll. Die Sequenz endet am Strand, zu dem sie Baines geführt hat und an dem Ada für viel Stunden die Möglichkeit hat auf ihrem Piano zu spielen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, die Adas Innenleben transportieren. Ebenfalls erläutert werden soll, wie der Film mit dem Kontrast puritanische Lebensweise und wildem, ungezähmten Land umgeht.

Zu diesem Zwecke erscheint es sinnvoll zuerst Charaktere und Hintergründe der Hauptpersonen herauszuarbeiten, um ihr Verhalten zu verstehen. Dann wird auf die Erzählhaltung eingegangen, allerdings nur auf die visuelle und narrative. Der auditiven Erzählhaltung wird durch ihre besondere Bedeutung für „Das Piano“ ein eigenes Kapitel gewidmet. Das dritte und letzte Kapitel umfasst den Konflikt puritanische Mentalität und Ausleben der Gefühle. Dazu wird zuerst auf die Funktionalität der Bilder eingegangen und dann auf das Ausdrucksmittel für Gefühle, die auditive Ebene. Zum Schluß wird die Naturdarstellung betrachtet und auf ihre narrative Funktion eingegangen.

1. Figurenkonzepte

1.1 Ada und Flora

Die Hauptfigur des Films ist Ada McGrath. Sie ist Schottin , etwa Anfang/Mitte 30 und Mutter einer neunjährigen Tochter namens Flora, deren Vater Ada anscheinend hat sitzenlassen. Aus einer Voice-over zu Beginn des Films erfährt man, dass sie seit ihrem sechsten Lebensjahr nicht mehr gesprochen hat, wofür keine Erklärung abgegeben wird. Da Ada als stumme Frau mit einem unehelichen Kind in der puritanischen Gesellschaft des 19.Jahrhunderts wenig Chancen hat, einen Mann zu finden, wird sie von ihrem Vater mit einem ihr unbekannten Siedler in Neuseeland verheiratet.

Obwohl Ada kein Wort spricht ist sie nicht stumm. So verständigt sie sich mit ihrer Tochter in einer Zeichensprache, die nur die beiden verstehen. Auch hat Ada immer einen kleinen Block mit Stift um den Hals hängen, auf dem sie Botschaften verteilt. Aber sie teilt sich aber auch über ihre Gestik und Proxemik mit, so zum Beispiel wenn sie nach dem Hochzeitsphoto das Kleid vom Körper reisst und somit ihrem Widerwillen Ausdruck verleiht.

Ada zeigt kaum mimische Gesichtszüge, aber eine sehr deutliche Sprache sprechen ihre Augen und ihr Blick, die oft mehr Intensität besitzen und durchdringender sind als Worte, so wenn sie zum Beispiel gegen Ende des Films Stewart durch einen Blick dazu bringt, davon abzulassen sich ihr körperlich zu nähern.

Doch das mit Abstand wichtigste Mittel für Ada ihre Gefühle und ihre Stimmung zu äußern ist ihr Piano. Die Musik ist ihre Stimme. So kümmert sie sich bei ihrer Ankunft am Strand Neuseelands nur um ihr Piano, sie bietet Stewart sogar an, all ihr Hab und Gut zurückzulassen, damit statt dessen das Piano mitgenommen werden kann. So führt sie auch gleich nach ihrer Ankunft ihr Weg zum Außenseiter Baines, der sie zum Strand zurückbringen soll. Dort angekommen stürmt sie wie ein kleines Kind um das Klavier und spielt anschließend über Stunden am Piano, eine der wenigen Szenen in der sie lächelt, ihr Gesicht entspannte Gesichtszüge aufweist, in der überhaupt Regung auf ihrem Gesicht zu beobachten ist. Sie improvisiert ihr Spiel, lässt ihre Gefühle in das Spiel einfließen, so zu sehen an ihren zeitweilig geschlossenen Augen. Auch hat sie ihren Hut abgezogen, Flora ihr Oberkleid. Das Ablegen von Kleidung zieht sich durch den ganzen Film als das Ablegen von Fesseln und das Zeigen von wahren Gefühlen.

Ada ist eine starke Frau, doch liegt ihre Stärke im Beharren. Als Beispiel, neben dem beharrlichen Schweigen, dass stärker sein kann als manches Wort, lässt sich unter anderem die Szene anführen, in der sie will, dass Baines sie zum Strand führt. Anstatt es mit Bitten zu versuchen, setzt sie sich vor seine Hütte, wartet und hat Erfolg: Baines führt sie zum Piano.

Mit ihrer Tochter Flora hat Ada eine sehr enge Bindung. Gerade im fremden Neuseeland haben sie nur sich und sind Komplizinnen. Sie verständigen sich über eine Sprache, die außer ihnen niemand in ihrer Umgebung versteht oder sprechen kann. So bleibt Stewart außen vor, kann wie der Zuschauer nur beobachten, aber nicht verstehen als er die beiden, im Türrahmen stehend, betrachtet. Ada und Flora erscheinen als Spiegelbilder, die eine ist die kleine Ausführung der anderen: der gleiche Scheitel, die gleichen Haare, ähnliche Kleidung und Hüte. Beide sitzen auf dem Bett, Flora wie ein Schatten von Ada, als Stewart hereinkommt, um von seiner Abreise zu berichten. Beide schauen Stewart an, beide noch ein Stück Brot kauend. Eine ähnliche Szene folgt kurz darauf vor Baines’ Hütte. Als Baines es ablehnt, sie zum Strand zu bringen, stehen beide vor seiner Tür und starren ihn stumm an, ihre Köpfe zueinander geneigt. Ebenso spiegelbildlich verharren sie dann vor seiner Hütte. Vielleicht haben sie das kurze Innehalten und Überlegen Baines’ gesehen während des Satteln seines Pferdes, auf jeden Fall neigen sie beide parallel ihren Kopf ein Stück zur Seite und richten ihn dann wieder auf, eine unschuldige und doch manipulative Geste, die in ihrer spiegelbildlichen Ausführung auch etwas humorvolles hat.

Flora ist nicht nur Komplizin Adas, sondern auch ihre Stimme, wenn sie ihre Zeichen freimütig übersetzt. Und wenn Ada am Strand Klavier spielt, tanzt Flora zu ihren Melodien und übersetzt somit Adas Musik in Tanz.

Ihre Zusammengehörigkeit zeigt sich auch beim Verlassen des Strandes, wenn Ada und Flora zusammen vorausgehen und Baines in großem Abstand folgt.

Eine Eigenheit Floras ist es immer wieder in Variationen ihre Geschichte zum besten zu geben. Mal war in dieser Geschichte die Mutter Opernsängerin in Luxemburg, die mit Stummheit geschlagen wurde nachdem ihr Mann beim gemeinsamen Singen im Wald durch einen Blitz umkam. Dann wieder ist die Mutter stumm, weil sie meint, dass ohnehin zu viel Unnötiges gesprochen wird. Flora improvisiert beim Geschichtenerzählen ebenso wie die Mutter beim Klavierspielen, sie kann so ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

1.2 Stewart- Der puritanische Siedler

Stewart ist ein Mann Anfang/Mitte 40. Er ist Siedler im neuseeländischen Busch und rodet und kultiviert dort Land. Die Einsamkeit in der neuseeländischen Wildnis und auch die Tatsache, dass Stewart eine Frau heiratet, die er noch nie gesehen hat und die noch dazu stumm ist, sprechen dafür, dass Stewart bis zum Eintreffen von Ada wohl wenig Umgang mit Frauen hatte und eventuell sogar noch Jungfrau ist. So ist er Ada gegenüber unsicher, unbeholfen. Schon vor ihrem Eintreffen ist er nervös, betrachtet auf dem Weg zum Strand das Bild von ihr, kämmt sich noch einmal die Haare. Als er sie sieht scheint er enttäuscht, er betrachtet sie mit fast erschrockenem Gesicht, meint zu Baines „Sie ist verkümmert, das steht fest.“. Eine Szene, in der seine Unsicherheit klar zu Tage tritt, ist jene, in der er Ada mitteilt, dass er für einige Tage fort muß. Er zögert einen Moment ihr Zimmer zu betreten, tritt dann ein, doch bevor er noch dazu kommt etwa zu sagen, bleibt er ersteinmal an einem ihrer aufgehängten Unterröcke versehentlich hängen. Als er diesen wieder an seinem Haken befestigt hat, teilt er ihr zögerlich und stotternd seine bevorstehende Abreise mit. Er kann sie kaum anschauen, sein Blick wandert wirr durch den Raum oder senkt sich zu Boden. Zum Schluß nimmt er wohl all seinen Mut zusammen und macht ihr das Angebot, nochmal von vorne anzufangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
The Piano - Eine Sequenzanalyse
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Filmwissenschaft Mainz)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Filmanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V6293
ISBN (eBook)
9783638138987
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Piano, Eine, Sequenzanalyse, Proseminar, Einführung, Filmanalyse
Arbeit zitieren
Marina May (Autor), 2001, The Piano - Eine Sequenzanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6293

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