„Wenigstens im Urlaub sollte man sich alle Freiheiten gönnen…“ So wird in einem Reisekatalog um Kunden geworben, die die schönsten Tage des Jahres vernab von Deutschland, vernab vom Stress verbringen wollen. Eine sorgenfreie, luxuriöse Reise zum Sparpreis in exotischer Landschaft soll geboten werden und tatsächlich gibt es Länder, deren Tourismusangebot jenen Ansprüchen nachkommt. Zum Großteil handelt es sich hierbei um Entwicklungsländer, die in den letzten Jahren und Dekaden einen stetig wachsenden Zustrom von Besuchern aus den Industrieländern verzeichnen konnten. Für die bereisten Länder bringen die großen Touristenzahlen sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Manches Entwicklungsland verspricht sich vom Tourismus einen Beitrag zur Überwindung seiner Unterentwicklung, während Kritiker den Fremdenverkehr z.T. als Neokolonialismus - also als eine Art moderne Ausprägung des Imperialismus - sehen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, beide Seiten des Fernreisens kritisch zu beleuchten, entwicklungsfördernde und -hemmende Faktoren herauszuarbeiten und diese anhand von einigen Fallbeispielen zu veranschaulichen. Dem Hauptteil vorangestellt werden noch einige allgemeine Aspekte zu Entwicklungsländern; den Schluss der Arbeit bildet eine Bewertung der dargelegten Argumente.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Allgemeine Aspekte zu Entwicklungsländern
2.1 Der Begriff der „Entwicklung“
2.2 Kennzeichen und Klassifizierung von Entwicklungsländern
3 Tourismus in Entwicklungsländern – Neokolonialismus oder ein Beitrag zur Überwindung von Unterentwicklung?
3.1 Entwicklungstheoretische Ansätze: Modernisierungstheorie und Dependenztheorie
3.2 Quantitatives Touristenaufkommen in Entwicklungsländern und der Begriff des Tourismus
3.2.1 Hintergründe der steigenden Touristenströme
3.2.2 Definition des Tourismus
3.3 Ökonomische Effekte des Tourismus
3.3.1 Investitionen und Infrastruktur
3.3.2 Devisen
3.3.3 Beschäftigung und Einkommen
3.3.4 Regionale Nivellierungseffekte am Beispiel Mexiko
3.3.5 Ergänzung: Die Rolle von internationalen Organisationen und GATT für den Entwicklungsländertourismus
3.4 Sozio-kulturelle Auswirkungen
3.4.1 „Völkerverständigung“, Akkulturations- und Demonstrationseffekt
3.4.2 Sextourismus und Prostitution am Beispiel Thailand
3.5 Ökologische Auswirkungen
4 Zusammenfassung und Bewertung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Ambivalenz des Tourismus in Entwicklungsländern, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, ob dieser als neokoloniale Ausbeutung oder als Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung zu bewerten ist, und unter welchen Bedingungen eine nachhaltige Tourismuswirtschaft möglich erscheint.
- Grundlagen der Entwicklungsbegriffe und Klassifizierung von Entwicklungsländern
- Analyse ökonomischer Effekte wie Deviseneinnahmen, Investitionen und Beschäftigung
- Untersuchung sozio-kultureller Folgen, einschließlich Akkulturation und Sextourismus
- Bewertung ökologischer Belastungen durch Infrastrukturausbau und Flugverkehr
- Diskussion über Voraussetzungen für einen humanen und nachhaltigen Tourismus
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Sextourismus und Prostitution am Beispiel Thailand
Eng verbunden mit dem Streben nach westlichem Standard und der gleichzeitigen Einkommensarmut der Einheimischen ist, wie bereits erwähnt, die Entwicklung von Kriminalität, Kinderarbeit, Frauenhandel und Prostitution. Diese Erscheinungen stehen in Korrelation miteinander, sodass sich mit Auftreten größerer Touristenströme weit verzweigte kriminelle und zum Teil mafiose Strukturen und Netzwerke herausbilden. Die Hauptursache dafür ist nach KLEIBER die eklatant schlechte ökonomische Situation der Bereisten. Dieses Wohlstandsgefälle zwischen Reisenden und den Einwohnern des Gastgeberlandes führt zu einer „Sonderangebotsmentalität (…), so daß Dinge nachgefragt werden, die sonst (eher) nicht gekauft würden“. Folglich bildet sich ein dementsprechendes Angebot. An der Armutsgrenze lebenden Menschen, hauptsächlich Frauen, bleibt so nichts anderes übrig, als sämtliche moralische Prinzipien aufzugeben und ihren Körper zu verkaufen, um die Familie ernähren zu können.
In Folgenden sollen nun exemplarisch Entwicklung und Ausprägung des Sextourismus in Thailand und ansatzweise dessen Folgen dargelegt werden. Thailand gilt bis heute als bekanntestes Ziel von Sextouristen aus Industrieländern, aber auch von Reisenden aus anderen asiatischen Ländern. Dass Prostitution vor Beginn des Tourismus nach Thailand noch nicht existiert hat, muss verneint werden, aber Auslöser für die Entwicklung und Verbreitung des „ältesten Gewerbes der Welt“ war die Stationierung US-amerikanischer Truppen während des Vietnamkrieges. Während der 60er und 70er Jahre befanden sich ungefähr 40 000 Soldaten und fast doppelt so viele „Rest and Recreation-Urlauber“ der Armee im Land, die sich vom Kriegsgeschehen erholen sollten. Um die Truppe bei Laune zu halten, tolerierte man seitens der Amerikaner die sexuell orientierten Einrichtungen, die sich rund um die Militärstandorte ansiedelten, wie es zum Beispiel in Pattaya am Golf von Siam geschah. Nach dem Rückzug der Truppen nutzten die stetig zunehmenden Touristenströme, die ab Anfang der 70er Jahre nach Thailand reisten, die etablierten Einrichtungen und trugen so auch zu deren Ausweitung bei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen der touristischen Vermarktung als sorgenfreie Luxusreise und den realen ökologischen, sozialen sowie wirtschaftlichen Auswirkungen in Entwicklungsländern.
2 Allgemeine Aspekte zu Entwicklungsländern: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Entwicklung“ und erläutert verschiedene Indikatoren sowie Klassifizierungsmethoden zur Einstufung von Staaten.
3 Tourismus in Entwicklungsländern – Neokolonialismus oder ein Beitrag zur Überwindung von Unterentwicklung?: Dieser Hauptteil analysiert theoretische Ansätze, das quantitative Touristenaufkommen sowie die komplexen ökonomischen, sozio-kulturellen und ökologischen Effekte des Tourismus anhand spezifischer Fallbeispiele.
4 Zusammenfassung und Bewertung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer nachhaltigen, humanen Tourismusentwicklung vor dem Hintergrund der globalen ökonomischen Abhängigkeiten.
Schlüsselwörter
Tourismus, Entwicklungsländer, Unterentwicklung, Modernisierungstheorie, Dependenztheorie, Deviseneinnahmen, Infrastruktur, Sozio-kulturelle Auswirkungen, Akkulturation, Sextourismus, Ökologische Folgen, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Fremdenverkehr, Nord-Süd-Gefälle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Rolle des internationalen Ferntourismus in Entwicklungsländern und beleuchtet die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vor- und Nachteile.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die ökonomische Bilanz (Devisen/Beschäftigung), die sozio-kulturellen Veränderungen durch Akkulturation sowie die ökologischen Belastungen durch den Tourismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Beleuchtung der entwicklungsfördernden und -hemmenden Faktoren des Tourismus, um zu beurteilen, inwieweit Tourismus einen Beitrag zur Überwindung von Unterentwicklung leisten kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Entwicklungstheorien sowie auf die exemplarische Auswertung von Fallbeispielen zur Veranschaulichung der Wirkungsweisen.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen, ökonomische Effekte, sozio-kulturelle Auswirkungen wie der Sextourismus und ökologische Probleme detailliert diskutiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Neokolonialismus, nachhaltige Entwicklung, ökonomische Abhängigkeit, Akkulturation und Klimafolgen im Tourismus.
Warum wird Mexiko als Fallbeispiel angeführt?
Mexiko dient dazu, die regionalen Nivellierungseffekte und die Strategien zur staatlich geförderten Inwertsetzung von Peripherieräumen durch gezielte Infrastrukturprojekte zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt die „Sickerrate“ bei der ökonomischen Bewertung?
Die Sickerrate gibt an, welcher Anteil der Einnahmen aufgrund von Importen wieder ins Ausland abfließt und somit nicht der lokalen Ökonomie zugutekommt.
Wie bewertet der Autor die ökologischen Folgen?
Der Autor stuft die ökologischen Folgen fast ausschließlich als negativ ein, insbesondere aufgrund der hohen CO2-Emissionen durch den Flugverkehr und der rücksichtslosen Nutzung sensibler Ökosysteme.
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- Christoph Schmidt (Author), 2005, Tourismus in Entwicklungsländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62947