Im Zuge der Globalisierung streben immer mehr deutsche Unternehmen nach einem internationalen Börsenlisting. Um den diesbezüglichen Voraussetzungen gerecht zu werden, sind die Bestimmungen des HGB nicht ausreichend. Eine Umstellung auf international anerkannte Rechnungslegungsnormen oder zumindest die Erstellung eines Parallelabschlusses erscheint notwendig.
Als ein Reformschwerpunkt mit hoher Kapitalmarktrelevanz gilt in diesem Zusammenhang die Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten nach IAS/ IFRS. Ebenso besteht in der handelsrechtlichen Rechtsprechung hinsichtlich der Behandlung solcher Werte nach wie vor Klärungsbedarf. Grundsätzlich ist daher festzustellen, das sowohl positive als auch negative Firmenwerte jedes Rechnungslegungssystem vor „eine schwierige Aufgabe“ stellen, da diese Posten mit für Vermögenswerte und Schulden geltenden Rechnungslegungsnormen nur schwer in den Griff zu bekommen sind.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
I Problemstellung
II Zielsetzung, Struktur und Vorgehensweise
B Grundlagen zum Verständnis
I Aufbau der Rechnungslegungssysteme
1 HGB
2 DRSC
3 IAS/ IFRS
II Einzel- vs. Konzernabschluss
III Konzernbilanztheorien
IV Arten von Unternehmenszusammenschlüssen
V Methoden der Kapitalkonsolidierung
VI Konsolidierungskreis
VII Definitionen einzelner Wertbegriffe
VIII Einschlägige Standards
1 HGB
2 DRS 4
3 IFRS 3
4 IAS 36
a Die zahlungsmittelgenerierende Einheit
b Der Impairment-Only-Approach
5 IAS 38
6 IFRS 5
C Grundlagen des materiellen Geschäfts- oder Firmenwerts
I Begriffsbestimmung
II Arten des Geschäfts- oder Firmenwertes
III Entstehung des Geschäfts- oder Firmenwertes
IV Zur Unternehmenswertbestimmung
D Der positive Geschäfts- oder Firmenwert
I Ansatz und Erstbewertung eines positiven Geschäfts- oder Firmenwerts
1 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts nach HGB/ DRS
a Bilanzieller Charakter des Geschäfts- oder Firmenwerts nach HGB
b Handelsbilanzielle Aktivierung des materiellen Geschäfts- oder Firmenwerts
c Handelsbilanzielle Aktivierung des Unterschiedsbetrages
i Der Unterschiedsbetrag als Bilanzierungshilfe
ii Der Unterschiedsbetrag als Vermögensgegenstand
iii Der Unterschiedsbetrag als Wert eigener Art
iv Kritische Würdigung
d Ansatz und Zugangsbewertung nach HGB/ DRS
2 Goodwillbilanzierung in der IFRS-Rechnungslegung
a Bilanzieller Charakter des Goodwills nach IFRS
b Ansatz und Erstbewertung nach IAS/ IFRS
i Verteilung von Geschäfts- oder Firmenwerten aus Erwerbsvorgängen auf einzelne ZMGE
ii Übernahme von Geschäfts- oder Firmenwerten aus Unternehmenszusammenschlüssen vor Anwendung von IFRS 3/ IAS 36
c Konsequenzen der Allokation von Firmenwerten auf ZMGE
II Folgebewertung eines positiven Geschäfts- oder Firmenwerts
1 Folgebewertung nach HGB, DRS
a Abschreibungsmöglichkeiten für den Einzelabschluss
i Pauschale Abschreibung nach § 255 Abs. 4 Satz 2 HGB
ii Planmäßige Abschreibung nach § 255 Abs. 4 Satz 3 HGB
iii Stellungnahme zu den Abschreibungsvarianten
b Behandlung eines aus der Kapitalkonsolidierung resultierenden Geschäfts- oder Firmenwerts nach HGB/ DRS
i Die pauschale Abschreibungsvariante nach §309 Abs. 1 Satz 1 HGB
ii Die planmäßige Abschreibungsvariante nach §309 Abs. 1 Satz 2 HGB
iii Alternative Varianten der Konzernrechnungslegung nach HGB
iv Zulässige Vorgehensweise nach DRS
v Der Werthaltigkeitstest nach HGB/ DRS
2 Folgebewertung nach IAS/ IFRS
a Der Werthaltigkeitstest nach IAS 36 bei einer firmenwerttragenden ZMGE
b Wertberichtigungsbedarf
c Kritische Würdigung des Werthaltigkeitstests nach IAS/ IFRS
III Ausweis eines positiven Geschäfts- oder Firmenwerts
1 Ausweispflichten nach HGB, DRS
a Bilanzausweis
b Anhangangaben
2 Ausweispflichten nach IAS/ IFRS
a Bilanzausweis
b Anhangangaben
3 Kapitalflussrechnung
4 Alternative Vorschläge zur Offenlegung
E Der negative Geschäfts- oder Firmenwert
I Ansatz und Erstbewertung eines negativen Geschäfts- oder Firmenwerts
1 Entstehung des negativen Geschäftswerts im Handelsrecht
2 Bilanzielle Berücksichtigung des negativen Geschäftswerts nach HGB
a Das Abstocken von aktiven Wirtschaftsgütern
b Passivierung des negativen Geschäfts- oder Firmenwerts
i Verbindlichkeit oder Verbindlichkeitsrückstellung
ii Drohverlustrückstellung
iii Rechnungsabgrenzungsposten
iv Posten eigener Art
c Der negative Geschäfts- oder Firmenwert als Erwerbsgewinn
d Kritische Würdigung der möglichen Varianten im Handelsrecht
3 Negativer Unterschiedsbetrag in der Konzernrechnungslegung nach HGB, DRS
4 Negativer Unterschiedsbetrag nach IFRS-Rechnungslegung
II Folgebewertung eines negativen Geschäfts- oder Firmenwerts
1 Mögliche Folgebewertung eines negativen Geschäfts- oder Firmenwerts nach HGB, DRS
a Analogielösung zur Abschreibung positiver Geschäfts- oder Firmenwerte
b Verrechnung mit den eingetretenen Jahresfehlbeträgen
c Beibehaltung bis zur Veräußerung oder Liquidation
d Wegfall der Ursachen
2 Behandlung eines passivischen Unterschiedsbetrags nach HGB, DRS
3 Behandlung eines passivischen Unterschiedsbetrags nach IAS/ IFRS
III Ausweis eines negativen Geschäfts- oder Firmenwerts
1 Ausweispflichten nach HGB, DRS
a Bilanzausweis
b Anhangangaben
2 Ausweispflichten nach IAS/ IFRS
a Bilanzausweis
b Anhangangaben
3 Kapitalflussrechnung
F Bilanzierung beim Vorhandensein von Minderheiten
I Minderheitenproblematik nach HGB
II Minderheitenproblematik nach IAS/ IFRS
1 Berücksichtigung von Minderheiten zum Zugangszeitpunkt
2 Berücksichtigung von Minderheiten bei der Erfassung eines Wertberichtigungsbedarfs
3 Bestehen unterschiedlicher Minderheitenanteile
a Der relative erzielbare Betrag als Verteilungsschlüssel
b Der relativ hochgerechnete Goodwill als Verteilungsschlüssel
III Besonderheiten bei mehrstufigen Konzernen
1 Additive und multiplikative Methode bei Erwerb eines Teilkonzerns
a Direkter Anteil
b Kreisanteil
2 Bilanzierung in mehrstufigen Konzernen nach HGB
3 Bilanzierung in mehrstufigen Konzernen nach IAS/ IFRS
a Besonderheiten des mehrstufigen Konzerns beim Werthaltigkeitstest nach IAS 36
4 Sukzessiver Unternehmenserwerb
1 Anteilserwerb nach Kontrollübergang
2 Firmenwertbuchhaltung
G Firmenwertrelevante Umstrukturierungs- und Endkonsolidierungsvorgänge
I Bilanzierung nach HGB, DRS
II Bilanzierung nach IAS/ IFRS
1 Vollabgang einer ZMGE
a Ermittlung des Endkonsolidierungserfolgs aus Konzernsicht
b Minderheitenbehandlung bei Endkonsolidierungsvorgängen
c Auswirkungen von IFRS 5 auf die Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten
2 Teilabgang ohne Controlverlust
III Konzerninterne Umstrukturierungsvorgänge
1 Umstrukturierung unter gemeinschaftlicher Kontrolle
H Bilanzpolitische Spielräume in der Firmenwertbilanzierung
I Bilanzpolitik im Rahmen der Kapitalkonsolidierung
II Heterogenes Vorgehen bei Wahlrechten
III Unsicherheiten beim Werthaltigkeitstest
IV Ermessenspielräume in der Endkonsolidierung
I Auswirkungen der Firmenwertbilanzierung nach IAS/ IFRS auf die Analysepraxis
J Zusammenfassung
I Fazit
II Ausblick
1 SME-Konzept des IASB
2 Business Combinations Project Phase II
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser ein möglichst umfassendes Verständnis für die Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten (Goodwill) nach deutschem Handelsrecht (HGB/DRS) sowie nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) zu vermitteln. Dabei werden die Ansatz-, Bewertungs- und Ausweisunterschiede sowie die Auswirkungen auf Konzernbilanzen bei Unternehmenszusammenschlüssen kritisch analysiert.
- Unterschiede in der bilanziellen Behandlung von Goodwill nach HGB und IFRS
- Methoden der Kapitalkonsolidierung und deren Einfluss auf den Firmenwertansatz
- Folgebewertung durch planmäßige Abschreibung versus Impairment-Only-Ansatz
- Besonderheiten bei der Bilanzierung unter Berücksichtigung von Minderheiten
- Bilanzpolitische Gestaltungsmöglichkeiten und deren Auswirkungen auf die Analysepraxis
Auszug aus dem Buch
III Entstehung des Geschäfts- oder Firmenwertes
Ausgehend von der Definition des positiven Geschäftswerts in §255 Abs. 4 Satz 1 HGB ist der Geschäftswert der Unterschiedsbetrag zwischen dem für das Unternehmen erhaltenen Kaufpreis und dem Wert der Unternehmenssubstanz. Er ist also der Mehrwert über dem Substanzwert eines Unternehmens, der den Wert der bilanzierten materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände bzw. Wirtschaftsgüter abzüglich Schulden übersteigt und somit Ausdruck der Gewinnchancen eines Unternehmens, solange sie nicht in einzelnen Wirtschaftsgütern oder Vermögensgegenständen verkörpert sind. Der Geschäftswert stellt somit die Werte eines Unternehmens dar, die einzeln nur schwer oder gar nicht bilanziell zu erfassen sind. Dadurch verbessert der bilanzielle Ansatz eines Geschäfts- oder Firmenwerts die Aussagekraft der Bilanz hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Diese nicht bilanzierungsfähigen immateriellen Werte bezeichnet man als „geschäftswertbildende“ Faktoren.
Zusammenfassung der Kapitel
C Grundlagen des materiellen Geschäfts- oder Firmenwerts: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Goodwills, kategorisiert diesen nach verschiedenen Arten und beleuchtet die Entstehung sowie die Komponenten, die zu einem geschäftswertbildenden Potenzial führen.
D Der positive Geschäfts- oder Firmenwert: Hier werden der Ansatz, die Erstbewertung und die komplexe Folgebewertung nach HGB und IFRS sowie die jeweiligen Ausweispflichten im Konzernabschluss detailliert gegenübergestellt.
E Der negative Geschäfts- oder Firmenwert: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung, bilanzielle Erfassung und Auflösung von negativen Unterschiedsbeträgen ("badwill" oder "lucky buy") nach nationalen und internationalen Vorschriften.
F Bilanzierung beim Vorhandensein von Minderheiten: Es werden die Besonderheiten bei der Goodwill-Bilanzierung im mehrstufigen Konzern sowie die Berücksichtigung von Minderheitenanteilen beim Impairment-Test erläutert.
G Firmenwertrelevante Umstrukturierungs- und Endkonsolidierungsvorgänge: Dieses Kapitel analysiert die bilanzielle Behandlung bei Abgängen oder Umstrukturierungen von Geschäftseinheiten, insbesondere unter dem Aspekt des Kontrollverlusts.
H Bilanzpolitische Spielräume in der Firmenwertbilanzierung: Es werden die Freiheitsgrade bei der Bildung stiller Reserven und bei der Anwendung von Wahlrechten sowie die daraus resultierenden Implikationen für die Ergebnisprognose diskutiert.
Schlüsselwörter
Goodwill, Geschäfts- oder Firmenwert, HGB, IFRS, Kapitalkonsolidierung, Impairment-Test, Unternehmenskauf, ZMGE, Kaufpreisallokation, Minderheitenanteile, Bilanzpolitik, Fair Value, Nutzungsdauer, Wertminderung, Konzernabschluss
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten (Goodwill) unter Berücksichtigung der unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen nach HGB und IFRS.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erst- und Folgebewertung des Goodwills, der Behandlung von negativem Goodwill, der Konsolidierung bei Minderheitenbeteiligungen und der Rolle bilanzpolitischer Spielräume.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser ein fundiertes Verständnis über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem deutschen Handelsrecht und den internationalen IFRS-Standards bei der Behandlung von Firmenwerten zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende und analytische Vorgehensweise, indem sie bestehende Vorschriften, Standards (HGB, DRS, IAS, IFRS) und die Fachliteratur systematisch integriert und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche der positiven und negativen Goodwill-Bilanzierung, die Problematik bei Minderheiten, die Auswirkungen von Umstrukturierungsvorgängen sowie die Analyse bilanzpolitischer Spielräume.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie "Goodwill", "Kapitalkonsolidierung", "Impairment-Test" und den Vergleich zwischen "HGB" und "IFRS" charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen positivem und negativem Goodwill so wichtig?
Sie ist entscheidend, da positive Geschäfts- oder Firmenwerte (als Mehrwert über den Substanzwert) und negative Unterschiedsbeträge (als "badwill" bei Sanierungsfällen oder günstigen Käufen) nach unterschiedlichen Prinzipien wie dem Vorsichtsprinzip oder dem Realisationsprinzip bilanziert werden müssen.
Inwiefern beeinflusst der "Impairment-Only-Approach" nach IAS 36 die Bilanzpraxis?
Anstatt planmäßiger Abschreibungen fordert dieser Ansatz eine jährliche Überprüfung der Werthaltigkeit (Impairment-Test), was Unternehmen mehr Ermessensspielräume bei der Ergebnissteuerung eröffnet, aber auch das Risiko höherer außerplanmäßiger Wertberichtigungen in die Bilanz bringt.
- Quote paper
- Steffen Schupp (Author), 2006, Bilanzierung von Goodwill nach HGB und IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62949