Diskursanalyse und grammatische Phänomene der gesprochenen Sprache


Hausarbeit, 2006

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Gesprochene Sprache
1.1 Definitionen
1.1.1 Gesprochene Sprache
1.1.2 Diskursanalyse
1.1.3 Transkription
1.2 Der Unterschied zwischen Schriftsprache und Sprachverwendung
(gesprochener Sprache)
1.3 Einige Phänomene der gesprochenen Sprache
1.3.1 Pausen
1.3.2 Interjektionen
1.3.3 Abbrüche und Korrekturen
1.3.4 Wiederholungen

2. Grammatische Phänomene der Sprachverwendung
2.1 Die Ellipse
2.2 Satzlänge
2.3 Parataxe und Hypotaxe
2.4 Die Verbstellung
2.4.1 Verberststellung
2.4.2 Verbzweitstellung bei Sätzen mit „weil“
2.5 Das Verb
2.2.1 Tempus
2.2.2 Modus

3. Grammatik bei DaZ-Kindern
3.1 Grammatikfehler aus der Transkription
3.2 Grammatik im DaZ-Unterricht

4. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Die Idee zu diesem Thema entstand in der Vorlesung „DaZ relevante Phänomene der gesprochenen Sprache“. In einem Gruppenreferat über die Transkription eines Gespräches zwischen einer Studentin und einem dreijährigen zweisprachig aufgewachsenen Jungen, hatte ich mich auf die Grammatik des Jungen spezialisiert. Mit einer Hausarbeit zu diesem Thema bot sich die Möglichkeit diese Kenntnisse auszubauen und zu vertiefen. Mein Ziel ist es, einen Überblick über die Besonderheiten der gesprochenen Sprache insbesondere im Hinblick auf die Grammatik– auch mit dem Hintergrund der Zweisprachigkeit- zu geben.

Das erste Kapitel beinhaltet einige relevante Begriffe der Gesprächsanalyse und einen Überblick über die Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. Zudem werden einige der wichtigsten Phänomene der gesprochenen Sprache genannt.

Besonderheiten in der Grammatik der gesprochenen Sprache beschreibe ich im zweiten Kapitel. Hier werden auch wichtige Unterschiede zur Schriftsprache deutlich.

Im dritten Kapitel stelle ich einen Bezug zu „Deutsch als Zweitsprache“ her, indem ich die DaZ-relevanten Grammatikfehler aus dem Interview mit dem Jungen beschreibe und einige Überlegungen über die Grammatik im DaZ-Unterricht darlege.

Es folgt eine Schlussbemerkung.

Die Transkription des Gespräches mit dem Jungen befindet sich im Anhang

1. Gesprochene Sprache

1.1 Definitionen

1.1.1 Gesprochene Sprache

Die Verwendung des Terminus „gesprochene Sprache“ ist streng genommen falsch, da der gesprochenen Sprache keine andere Sprache zugrunde liegt, als der geschriebenen. Richtiger wäre der Gebrauch des Begriffes „Sprachverwendung“. Die Sprachverwendung, die als ‚parole’ bezeichnet wird, ist das Gegenteil des Sprachsystems, der ‚langue’.

„Steger definiert: Als gesprochene Sprache kann (…) nur akzeptiert werden,

1. was gesprochen wird, ohne vorher aufgezeichnet worden zu sein;
2. was gesprochen wird, ohne vorher länger für einen bestimmten Vortragszweck bedacht worden zu sein. Schließlich sollte vorerst praktischerweise nur Sprache akzeptiert werden, die
3. gesprochen wird, ohne in Vers, Reim, Melodie oder vergleichbarer fester Verbindung zu stehen; auch wenn es sich um immer unschriftliche Formen und Formeln handelt.

Es darf (außerdem) doch wohl nur akzeptiert werden, was
4. gesprochen wird und im Rahmen des jeweils gesprochenen Sprachtyps als „normal“, d. h. als richtig anzusehen ist“ (Wackernagel, 1973, S.16).

1.1.2 Diskursanalyse

Die Erforschung der gesprochenen Sprache bezeichnet man als Gesprächsanalyse oder Konversationsanalyse, die unter dem Oberbegriff Diskursanalyse (=die sprachwissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen) zusammengefasst werden können.

1.1.3 Transkription

Für die Analyse eines Gespräches ist es nötig, das Gespräch zu transkribieren. „In der Linguistik (insb. Konversations- bzw. Gesprächsanalyse, Spracherwerbsforschung, Dialektologie) versteht man unter Transkription die Verschriftung von Gesprächen nach bestimmten Regeln zum Zwecke der wissenschaftlichen Analyse“ (Ohne Autor, 2006).

“Müller versteht ‚Transkription’ bzw. ‚Umschrift’ als ‚Übertragung des gesprochenen Textes in schriftliche Form’ nach selbst formulierten Regeln“ (Wackernagel, 1973, S.29).

In einer Transkription sollen möglichst viele Aspekte der gesprochenen Sprache berücksichtigt werden. Ein einfaches Niederschreiben eines Gespräches würde für eine Diskursanalyse nicht genügen. Phänomene, wie z.B. der Sprecherwechsel, Pausen, Interjektionen, Nonverbale Handlungen, Abbrüche und Korrekturen müssen in die Untersuchung einbezogen werden. Da diese Erscheinungen in der Schriftsprache nicht vorkommen, müssen Zeichen für sie gefunden werden.

Beispiele aus dem gesprächsanalytischen Transkriptionsmodell (GAT):

Pausen

- (.) Mikropause
- (-), (--), (---) kurze, mittlere und längere geschätzte Pausen von ca. 0.25 - 0.75 Sek. Dauer; bis zur Pausendauer von ca. 1 Sek.
- (2.0) geschätzte Pause in Sekunden (Angabe mit einer Stelle hinter dem Punkt); ab Pausendauer von ca. 1 Sek.
- (2.85) gemessene Pause in Sekunden (Angabe mit zwei Stellen hinter dem Punkt

Abbruch: h’

Nonverbale Handlungen und Ereignisse

- ((schnieft)) Charakterisierung parasprachlicher und außersprachlicher Handlungen
- ((hustet)) oder Vorgänge

Quelle: Selting, 1998)

1.2 Der Unterschied zwischen Schriftsprache und Sprachverwendung (gesprochener Sprache)

Als erster Sprachwissenschaftler beschrieb Behaghel die Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache: „Betonung und Satzmelodie, das Lauter- und Leiserwerden der Stimme, die Art, wie man redet, ob ‚mit leiser gleichgültiger Stimme oder mit starkem Nachdruck […] das anzudeuten ist die Schrift völlig unvermögend’“ (Schwitalla, 1997, S.14).

Gesprochene Äußerungen sind im Vergleich zur Schriftsprache sehr knapp und werden durch Nonverbales, wie Gestik und Mimik unterstrichen bzw. vervollständigt. Trotz dieser Knappheit werden die Äußerungen des Sprechers vom Hörer verstanden, da dieser in die Thematik der Konversation eingeweiht ist.

Des Weiteren ist gesprochene Sprache spontan, während das Geschriebene geplant ist. Wird das gesprochene im Vorfeld geplant, wie z.B. beim Auswendiglernen eines Vortrages, dessen Inhalt zuvor niedergeschrieben wurde, handelt es sich um ein Wiedergeben der geschriebenen Sprache, also um das Sprachsystem (=langue) nicht aber um die Sprachverwendung (=parole).

1.3. Einige Phänomene der gesprochenen Sprache

1.3.1 Pausen

Grundsätzlich unterscheidet man in der Diskursanalyse zwei Arten von Pausen.

Der eine Pausentyp beendet eine Einheit (z.B. einen Satz) und folgt in der Regel „einheitsbeendenden Signalen (Beendigung eines vollständigen Satzes, fallende/steigende Intonation)“ (Schwitalla, 1997, S.56). Im Gegensatz dazu unterbrechen einheitsinterne Pausen eine Einheit. Eine Fortsetzung des Satzes wird erwartet.

Pausen können verschiedene Motive haben. Wenn der Sprecher sich noch in der Planungsphase befindet, liefert eine Pause ihm Zeit, seine Äußerung zu planen. Pausen können vom Sprecher auch gewollt als Verzögerungen eingesetzt werden, z.B. um dem Rezipienten Zeit zu geben, das Gehörte zu verarbeiten oder die Spannung zu erhöhen.

Außerdem können sie Signale für turn-taking (Sprecherwechsel) sein.

Beispiel:

Reihe 5: Nein. (2.0) Hm. Jetz brauchen wia. Aba(--) aba (--) ich hap ein steualad.

(Sprecher legt Pausen ein, für Planung des Satzes)

1.3.2 Interjektionen

Interjektionen geben Empfindungen sowohl des Sprechers, als auch des Rezipienten wieder. Der Rezipient kann durch eine Interjektion (auch Empfindungswort) wie z.B. „aha“, „wow“ oder „hä?“ den Sprecher steuern. Beim Sprecher treten Interjektionen in der Regel in Form von gefüllten Pausen auf. Sie dienen somit ähnlichen Motiven (Planung, Verzögerung, etc.).

Beispiel:

Reihe 24: Öh (---) w(th) da(th) denn?? (mit Empfindungswort bzw. Interjektion „öh“ zeigt Sprecher Überraschung über Papier in der Spielkiste)

1.3.3 Abbrüche und Korrekturen

Abbrüche und Korrekturen kommen in der Sprachverwendung sehr häufig vor. Es kommt vor, dass ein Sprecher einen Satz beginnt, ohne geplant zu haben, wie er ihn beenden wird. Merkt er nun, dass sich der Satz, wie er ihn begonnen hat, nicht beenden lässt, kommt es zu einem Abbruch bzw. zu einer Korrektur.

Korrekturen treten auch dann auf, wenn der Sprecher sich versprochen hat. „Jede Korrektur behandelt den Teil, der korrigierend wiederholt wird, als ungültig“ (Schwitalla, 1997, S.86).

Beispiel:

Reihe 1: It mötte mehr teile vo’ (---) von die boden habn hier. (Kind bricht den Satz ab und korrigiert)

1.3.4 Wiederholungen

Wiederholungen können – wie auch Pausen, Abbrüche und Interjektionen –„mit der begrenzten Vorausplanungskapazität erklärt werden“ (Schwitalla, 1997, S.85), z. B. wenn dem Sprecher ein Wort nicht einfällt, oder er überlegt, wie er den Satz fortführen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Diskursanalyse und grammatische Phänomene der gesprochenen Sprache
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Daz-relevante Phänomene der gesprochenen Sprache
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V62967
ISBN (eBook)
9783638561082
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inkl. Transskript
Schlagworte
Diskursanalyse, Phänomene, Sprache, Daz-relevante
Arbeit zitieren
Mareike Duensing (Autor), 2006, Diskursanalyse und grammatische Phänomene der gesprochenen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62967

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Diskursanalyse und grammatische Phänomene der gesprochenen Sprache



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden