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Woher kommt das Übel in der Welt?

Title: Woher kommt das Übel in der Welt?

Term Paper , 2006 , 32 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marko Tomasini (Author)

Theology - Systematic Theology
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Summary Excerpt Details

Ursprünglich war geplant in dieser Arbeit die Theodizee, also die Rechtfertigung Gottes hinsichtlich des von ihm in der Welt zugelassenen Übels und Bösen, innerhalb der muslimischen Theologie zu behandeln. Bei meinen Vorbereitungen zu dieser Arbeit wurde mir aber zunehmend bewusst, dass dieses Thema eine weitere Fragestellung mit sich bringt, die unter muslimischen Theologen, vor allem in den ersten Jahrhunderten, stark umstritten war: die Handlungsfreiheit des Menschen.
Die meisten Lösungsversuche des Theodizee-Problems bauen genau auf diese Handlungsfähigkeit auf, nur dass es die unterschiedlichsten Ansichten darüber gibt bzw. gab, ob der Mensch überhaupt diese Fähigkeit besitzt oder nicht. Genauer gesagt lautete der entscheidende Streitpunkt: Kann der Mensch frei handeln, also aus eigener Kraft, Verantwortung und eigenem Willen, oder ist alles, was der Mensch im Laufe seines Lebens tut, letztendlich auf Gott zurückzuführen? Für die Theodizee ist diese Frage von daher von Bedeutung, als dass man sich fragen muss, woher das Übel und das Böse in der Welt kommen. Diejenigen Theologen, die die Handlungsfreiheit des Menschen vertraten, hatten zumeist auch den Standpunkt, dass der Mensch es ist, welcher der Schöpfung und Gottes Geboten zuwider handeln kann und somit die schlechten Seiten der Welt hervorruft. Selbst bei Ereignissen, die man zunächst als von menschlichen Handlungen unabhängige Ereignisse betrachten würde, kann man auf diese Weise den Menschen zur Verantwortung ziehen, indem man sagt, dass auch hier die Sünden der Menschen diese Vorkommnisse ausgelöst haben. Diejenigen Theologen, die allerdings die Meinung vertraten, der Mensch ist in seinen Handlungen nicht frei, mussten eine andere Lösung für die Theodizee finden. Um also die Frage nach dem Ursprung des Übels beantworten zu können, muss man zunächst klären, wie es um die Handlungsfreiheit des Menschen bestellt ist.

Aus den bis hierher erläuterten Problematiken wird ersichtlich, dass es in einem Großteil dieser Arbeit zunächst darum gehen muss, die verschiedenen theologischen Standpunkte hinsichtlich der menschlichen Handlungsfreiheit aufzuzeigen, ehe ich zum Problem der Theodizee übergehen kann. Natürlich gibt es auch Ansätze, die ohne den Punkt des menschlichen Handelns auskommen. Diese sind allerdings relativ schnell erläutert und schon fast auf die altbekannte Formel „Gottes Wege sind unergründbar“ zu bringen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Menschliches Handeln

2.1 Prädestination und Fatalismus

2.3 Das frühe Sunnitentum

2.4 Die Mu´tazila

2.5 Die Aš´ariten

3. Die Theodizee

3.1 Allgemeines

3.2 Das Übel kommt vom Menschen allein

3.3 Das Böse ist eine Versuchung

3.4 „Er wird nicht zur Rechenschaft gezogen…“ (21,23)

4. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die theologischen Konzepte zur Handlungsfreiheit des Menschen und die damit verbundene Theodizee-Problematik im Islam des 8. bis 11. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, wie muslimische Theologen den Widerspruch zwischen der Allmacht und Gerechtigkeit Gottes sowie dem Vorhandensein von Übel und Leid in der Welt auflösten, wobei die Frage nach der menschlichen Freiheit als zentraler Streitpunkt identifiziert wird.

  • Verhältnis zwischen göttlicher Vorherbestimmung (Prädestination) und menschlichem freien Willen.
  • Entwicklung und Argumentationsweisen theologischer Strömungen wie der Mu´tazila und der Aš´ariten.
  • Die Rolle von Vernunft und Koranexegese bei der Rechtfertigung von Gottes Gerechtigkeit.
  • Die Bedeutung von Leid als Prüfung und die Haltung des gläubigen Muslims dazu.
  • Der Einfluss politischer Kontexte auf theologische Legitimationen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Allgemeines

Das Theodizee-Problem ist im Kern ein Widerspruchsproblem. Auf der einen Seite steht ein Allmächtiger und nicht zu letzt ein gerechter Gott, auf der anderen Seite die Erfahrungen von Übel und Leid in der von Gott geschaffenen Welt. Epikur hat dies folgendermaßen formuliert: 1.) Dass Gott das Übel abschaffen will, aber nicht kann, oder 2.) dass Gott das Übel abschaffen kann, aber nicht will, oder aber 3.) er weder kann noch will oder 4.) er kann es abschaffen und will es auch. All diese Fälle würden auf den ersten Blick dazu führen, dass man eingestehen muss, dass es Gott, wie man sich ihn in der Regel vorstellt, nicht gibt. Denn im ersten Fall wäre er nicht mächtig, schon gar nicht allmächtig, im zweiten Fall wäre er nicht gütig, im dritten Fall wäre er keines von beiden und im letzten besteht ein Widerspruch per Excellanze.

Dennoch hat die Menschheit die Religionen, auch die monotheistischen, nicht aufgegeben. Die Gründe hierfür dürften vielfältiger Art sein und können an dieser Stelle nicht behandelt werden. Meines Erachtens steht aber fest, dass Religion auch funktionalen Charakter hat und dass sie der Gemeinschaft bedarf. Also muss sie übergreifende Konzepte bieten können und sie muss auch in der Lage sein, Widersprüche auszugleichen. Hier wären wir wieder beim Theodizee-Problem.

Was Theologen, welcher Religion auch immer, von daher tun müssen, ist, den Nachweis zu erbringen, dass es sich bei diesem Widerspruch nur um einen scheinbaren handelt, also man es eher mit einem Verständnisproblem zu tun hat. Das man es mit einem Verständnisproblem zu tun hat, würde dann auch den Vorwurf entkräften, dass sich Gott und seine Schöpfung vor der menschlichen Vernunft zu rechtfertigen habe. Vielmehr geht es darum, dem Menschen die Offenbarung so darzulegen, dass er verstehen kann, wieso es das Leid und gleichzeitig auch einen allmächtigen und gütigen Gott geben kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung begründet die thematische Verschiebung der Arbeit hin zur Untersuchung der Handlungsfreiheit als Voraussetzung für das Verständnis der muslimischen Theodizee-Debatte.

2. Menschliches Handeln: Dieses Kapitel erörtert die grundlegende Bedeutung des menschlichen Handelns für moralische Bewertungen innerhalb der Religion und stellt die konkurrierenden Konzepte zur Handlungsfreiheit gegenüber.

2.1 Prädestination und Fatalismus: Es wird geklärt, dass es im islamischen Kontext weniger um das Heil geht, als um die Vorherbestimmung des gesamten irdischen Daseins, wobei zwischen koranischen Textstellen und fatalistischen Ansätzen unterschieden wird.

2.3 Das frühe Sunnitentum: Das Kapitel beschreibt die Entstehung des frühen Sunnitentums als Reaktion auf Bürgerkriege und die daraus resultierende Skepsis gegenüber Neuerungen und der Betonung der sunna als korrektiv.

2.4 Die Mu´tazila: Hier werden die fünf Grundprinzipien der Mu´tazila vorgestellt, wobei der Fokus auf dem Prinzip der Gerechtigkeit Gottes liegt, das die Handlungsfreiheit des Menschen notwendig macht.

2.5 Die Aš´ariten: Das Kapitel thematisiert die Entstehung der ascharitischen Schule, die Allmacht Gottes verteidigt und das Konzept des "Erwerbs" von Handlungen einführt, um menschliche Verantwortung mit göttlicher Allmacht zu vereinbaren.

3. Die Theodizee: Es wird das grundlegende logische Widerspruchsproblem der Theodizee definiert und aufgezeigt, dass dies eine zentrale Herausforderung für monotheistische Religionen darstellt.

3.1 Allgemeines: Einführung in die logische Problematik des Theodizee-Problems nach Epikur und die Notwendigkeit theologischer Rechtfertigung.

3.2 Das Übel kommt vom Menschen allein: Vorstellung der mu´tazilitischen Argumentation, dass Gott das Böse nicht erschafft, sondern der Mensch die Ursache für das Übel ist.

3.3 Das Böse ist eine Versuchung: Erläuterung der Sichtweise, dass Übel und Leid als göttliche Prüfungen dienen, die zur Stärkung des Glaubens oder zur Sühne beitragen können.

3.4 „Er wird nicht zur Rechenschaft gezogen…“ (21,23): Diskussion über die Unergründbarkeit von Gottes Wegen, die als Antwort auf die Unmöglichkeit dient, das Leid menschlich-rational vollständig zu erklären.

4. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Schwierigkeiten aller untersuchten Konzepte und der Erkenntnis, dass sich die Debatte letztlich an den Grenzen menschlicher Vernunft bewegt.

Schlüsselwörter

Islam, Theodizee, Prädestination, Handlungsfreiheit, Mu´tazila, Aš´ariten, Gerechtigkeit Gottes, Allmacht Gottes, Koran, Sunna, Leid, Böses, Verantwortung, Kalām, Offenbarung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den theologischen Theorien zur Prädestination und Theodizee im Islam zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind das Spannungsverhältnis zwischen menschlicher Handlungsfreiheit und göttlicher Allmacht sowie die Frage, wie Gott als gerecht und gleichzeitig als Schöpfer einer Welt voller Leid gerechtfertigt werden kann.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die verschiedenen theologischen Lösungsansätze zu diesem Problem aufzuzeigen und ihre logischen Konsequenzen sowie Schwierigkeiten innerhalb des frühen islamischen Diskurses zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theologiegeschichtliche Analyse, die primär auf der Auswertung relevanter Koranstellen, theologischer Dogmen verschiedener Schulen (Mu´tazila, Aš´ariten) sowie der Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des menschlichen Handelns, der verschiedenen Positionen zur Handlungsfreiheit und der spezifischen Ansätze zur Theodizee, von der menschlichen Alleinverantwortung bis hin zur Lehre von der göttlichen Unergründbarkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Prädestination, Theodizee, Mu´tazila, Aš´ariten, Gerechtigkeit Gottes, menschliche Handlungsfreiheit.

Was unterscheidet die Mu´tazila von den Aš´ariten in der Frage der Handlungsfreiheit?

Die Mu´tazila betonen die Gerechtigkeit Gottes und fordern für den Menschen echte Handlungsfreiheit, während die Aš´ariten die Allmacht Gottes in den Vordergrund stellen und das Konzept des "Erwerbs" von Handlungen einführen, bei dem Gott der eigentliche Schöpfer aller Taten bleibt.

Wie spielt die "Theodizee-Legende" mit Mose eine Rolle?

Die Legende dient als biblisch/koranisches Beispiel dafür, dass Gottes Handeln oft einen tieferen, menschlich nicht unmittelbar erkennbaren Sinn hat, und illustriert so das ascharitische Postulat der Unergründbarkeit göttlicher Wege.

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Details

Title
Woher kommt das Übel in der Welt?
College
University of Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Course
Prädestination und Theodizee im Islam
Grade
1,3
Author
Marko Tomasini (Author)
Publication Year
2006
Pages
32
Catalog Number
V62987
ISBN (eBook)
9783638561280
ISBN (Book)
9783638655859
Language
German
Tags
Woher Welt Prädestination Theodizee Islam
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marko Tomasini (Author), 2006, Woher kommt das Übel in der Welt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62987
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