„Früher war alles besser, früher war alles gut …“, so singen es die Toten Hosen in einem ihrer Lieder. Diese Aussage ist im Osten aktueller als man denkt, denn in den neuen Bundesländern tun sich seit
Harz IV viele neue Ängste auf. Da ist vom Abrutschen in tiefste soziale Regionen und totaler Verarmung die Rede. Viele dieser Bürger äußern sich ganz offen darüber, dass sie sich manchmal die DDR zurück wünschen. Sicherlich gab es nicht alles und man hatte andere Probleme zu bewältigen; jedoch war man we-nigstens sozial abgesichert, sozusagen ein Rundum-Sorglos-Paket. Bis zum heutigen Tage bewerten viele Bürger der neuen Länder die Sozialpolitik, vor allem die Arbeitsplatzsicherheit, als das Beste der ehemaligen DDR. Aber was ist dran an diesen Aussagen? Trifft diese positive Bewertung zu oder wird Vergangenes im rosigen Licht erstrahlt, um von aktuellen Alltagssorgen abzulenken?
Diese Hausarbeit soll einen kleinen Einblick in die Sozialpolitik der ehe-maligen DDR geben und vielleicht den einen oder anderen Irrtum beseitigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
2.1 Sozialpolitik
3. Konzeption der DDR-Sozialpolitik
4. Institutionen der DDR-Sozialpolitik
5. (ausgewählte) Aufgabenfelder der Sozialpolitik
5.1 Rentenpolitik
5.2 Subventionspolitik
5.3 Grundprinzipien der Gesundheitspolitik
6. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Sozialpolitik in der DDR, um ein differenziertes Bild jenseits verklärter Nostalgie zu zeichnen und die tatsächliche Leistungsfähigkeit sowie die strategischen Funktionen des Sozialsystems im SED-Staat zu beleuchten.
- Die begriffliche Einordnung und ideologische Konzeption der DDR-Sozialpolitik.
- Die institutionelle Ausgestaltung und Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme.
- Die Analyse der Rentenpolitik sowie die Rolle der freiwilligen Zusatzrentenversicherung.
- Die Bedeutung der Subventionspolitik für Grundbedarfsgüter und den Wohnungsbau.
- Die gesundheitspolitischen Prinzipien und deren praktische Umsetzung im Alltag.
Auszug aus dem Buch
3. Konzeption der DDR-Sozialpolitik
Bis in die 60er Jahre gab es den Begriff der Sozialpolitik offiziell nicht, obwohl sie in der Praxis bereits einen hohen Stellenwert einnahm. Zum einen glaubte man, die Planwirtschaft würde eine dynamische und soziale Ökonomie hervorbringen und zusätzlich wollte man Investitionsförderung kostspieligen Sozialaufwendungen vorziehen. Zum anderen war man sich nicht über die korrekte ideologische Einordnung der Sozialpolitik sicher, denn sie gehörte zu alten sozialen Fragen, also zur Spaltung zwischen Arm und Reich und als Instrument der Herrschenden.
Die Praxis allerdings folgt nicht immer der Ideologie. Außerdem war der Begriff der Sozialpolitik im Sprachgebrauch der Praktiker fest verankert, denn schließlich wurde sie schon in der Sowjetischen Besatzungszone und nach der Gründung der DDR ausgeübt; und zwar in dem vom Kaiserreich und der Weimarer Republik überlieferten Sinne von Maßnahmen, zum Schutz gegen Not und Risiken vorwiegend von abhängig beschäftigten Erwerbspersonen und gesellschaftliche Ungleichheiten sollten geschmälert werden, wenngleich auf niedrigem Leistungsniveau und mit Zentrierung auf die Arbeitswelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle nostalgische Bewertung der DDR-Sozialpolitik in den neuen Bundesländern und stellt die Forschungsfrage, ob diese positive Wahrnehmung der Realität entspricht oder nur eine Flucht vor aktuellen Alltagssorgen darstellt.
2. Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Sozialpolitik und ordnet sie als staatliches Instrument zur Verbesserung sozialer Verhältnisse sowie als funktionalen Aspekt des Sozialstaates ein.
3. Konzeption der DDR-Sozialpolitik: Hier wird der historische Wandel der DDR-Sozialpolitik von einer zunächst nicht offiziell benannten Praxis hin zu einer festen, planwirtschaftlich integrierten Komponente in den 60er Jahren analysiert.
4. Institutionen der DDR-Sozialpolitik: Das Kapitel erläutert die dreigliedrige Struktur der Institutionen, die von der Sozialversicherung über Sonderversorgungssysteme bis hin zur allgemeinen Wohlfahrtsstaatspolitik reicht.
5. (ausgewählte) Aufgabenfelder der Sozialpolitik: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Rentenpolitik, die umfangreiche Subventionspraxis für Grundnahrungsmittel und Wohnraum sowie die Grundprinzipien des gesundheitspolitischen Systems.
6. Resümee: Das Resümee bilanziert, dass die Sozialpolitik zwar Erfolge bei der sozialen Absicherung erzielte, aber zunehmend unter Finanzierungsdruck geriet und letztlich als Instrument zur Systemstabilisierung auf einem niedrigen Wohlstandsniveau diente.
Schlüsselwörter
Sozialpolitik, DDR, Sozialversicherung, Rentenpolitik, Subventionspolitik, Gesundheitspolitik, Planwirtschaft, SED, Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit, DDR-Staatshaushalt, Lebensstandard, Arbeitsplatzgarantie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen, Ziele und die tatsächliche Praxis der Sozialpolitik in der Deutschen Demokratischen Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Rentenpolitik, die umfassende Subventionspolitik für Güter des täglichen Bedarfs sowie die Organisation des Gesundheitswesens.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt positiver Rückblicke auf das soziale System der ehemaligen DDR kritisch zu prüfen und die ökonomischen Hintergründe zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse auf Basis historischer Daten, Verfassungsartikel und statistischer Belege aus der sozialpolitischen Literatur der DDR.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil setzt sich mit der institutionellen Einbettung der Sozialpolitik, den spezifischen Rentenregelungen und den Folgen der massiven staatlichen Subventionen auseinander.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Sozialpolitik, DDR, DDR-Sozialversicherung, Rentenpolitik, Subventionspolitik und Gesundheitspolitik sind die prägenden Begriffe.
Warum war die Subventionspolitik aus Sicht der Regierung problematisch?
Die massiven Subventionen führten zu einer Kostenexplosion im Staatshaushalt und erzeugten ein Bewusstsein, in dem Güter des täglichen Bedarfs als selbstverständlich und wertlos wahrgenommen wurden.
Welche Rolle spielte das "Recht auf Arbeit" in der DDR-Sozialpolitik?
Das Recht auf Arbeit war verfassungsrechtlich verankert und bildete die Grundlage für das gesamte soziale Sicherungssystem, da fast alle Sozialleistungen an den Erwerbsstatus geknüpft waren.
Was unterscheidet die Rentenpolitik der DDR von westlichen Systemen?
Die DDR-Rentenpolitik war durch geringe Rentenniveaus und ein Festhalten an niedrigen Beitragssätzen geprägt, was zu einem stetigen Auseinanderklaffen von Arbeitseinkommen und Renten führte.
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- Anonym (Author), 2005, Sozialpolitik in der Deutschen Demokratischen Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63027