Grundlage jeder prosozialen Handlung ist, dass der potentielle Helfer Mitgefühl für den Rezipienten entwickelt. Mitgefühl ist eine Reaktion auf die Situation, z. B. eine Notlage, eines anderen Menschen. Eine Definition von Wispe (1991, zitiert nach Ulich, Kienbaum & Volland, 2001) erklärt Mitgefühl als „die erhöhte Empfänglichkeit für das Leiden einer Person, das als etwas zu Linderndes empfunden wird.“
Mitgefühl entsteht als Reaktion auf die Notlage oder den Kummer einer anderen Person und umfasst eine Vielzahl möglicher Gefühlszustände und Gefühlsreaktionen. Gefühlszustände können Bekümmertheit, Beunruhigung, Bedauern, Besorgtheit und Fürsorglichkeit sein. Darin zeigen sich insgesamt individuelle Betroffenheit und Berührtheit, Emotionen, die das Gegenteil von Gleichgültigkeit darstellen (Ulich, Kienbaum & Volland, 2001,S. 4). Wie und ab welchem Alter entwickelt sich Mitgefühl? Nach Bischof-Köhler (1998, zitiert nach Ulich, Kienbaum & Volland, 2001, S. 5) sind Kinder zu mitfühlenden Reaktionen erst dann in der Lage, wenn sie zwischen sich und anderen unterscheiden können, auf Gesichtsausdrücke anderer reagieren können (Harris, 1992, zitiert nach Ulich, Kienbaum & Volland, 2001, S. 5) und wenn ihnen der Zusammenhang bestimmter Ereignisse und den dazugehörenden Gefühlen schon hinreichend vertraut ist. Diese Voraussetzungen scheinen um die Mitte des zweiten Lebensjahres gegeben zu sein (Ulich, Kienbaum & Volland, 2001, S. 5).
In dieser Arbeit geht es darum, zu zeigen, wie sich prosoziales Verhalten bei Kindern entwickelt und welche Faktoren dabei zusammen wirken. Es ist klar, dass dies ein komplexes Thema ist. Um es einzugrenzen habe ich mich auf die Forschungen von Peterson (u.a., 1982 & 1984) und Eisenberg (1983) beschränkt.
Peterson (u.a., 1982) hat erkannt, dass für das Ausführen prosozialer Handlungen eine Vielzahl von Faktoren zusammen spielen. Die Charakteristik des potentiellen Helfers, des Rezipienten und der Situation beschreibt sie als Einflussfaktoren, die letztendlich das prosoziale Handeln bestimmen. Sie hat diese Faktoren in einem Modell zusammengefasst, das ich in Kapitel 2 näher erläutere.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein integratives Modell von Peterson, 1982. Prosoziales Verhalten und die Entwicklung von Mitgefühl.
(1) “I should help deserving individuals”
(2) „X levels of need“
(3) „The victim must be perceived as dependent on me for help“
(4) “when I can ascertain and perform the necessary behavior”
(5) cost or risk
3. Studie von Eisenberg (1983). Kindliche Unterscheidungen gegenüber potentiellen Hilfeempfängern.
3.1 Hypothesen
3.2 Methode
3.3 Fragebogen
3.4 Ergebnisse
4. Studie von Peterson (1984). Welchen Einfluss haben Eltern auf das prosoziale Verhalten ihrer Kinder?
4.1 Hypothesen
4.2 Methode
4.3 Fragebogen
4.4 Ergebnisse
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Entwicklungsprozesse prosozialen Verhaltens bei Kindern und analysiert, welche situativen und elterlichen Faktoren dieses Verhalten beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Kinder ihre Hilfeleistung gegenüber verschiedenen Rezipienten abwägen und inwieweit elterliche Erziehungsvorstellungen die prosoziale Tendenz ihrer Kinder determinieren.
- Psychologische Grundlagen der Mitgefühlsentwicklung
- Modellbildung prosozialer Handlungsentscheidungen (Peterson, 1982)
- Moralisches Urteilsvermögen und Rezipienten-Differenzierung (Eisenberg, 1983)
- Einfluss elterlicher Werthaltungen auf das Helfen und Teilen
- Situative Kosten-Nutzen-Analyse bei prosozialem Verhalten
Auszug aus dem Buch
(1) “I should help deserving individuals”
Peterson beginnt ihr Modell von 1982 mit den Worten “I should help deserving individuals”. Laut Forschungen auf dem Gebiet von Gerechtigkeitstheorien steigt das Erkennen von der Verdientheit anderer mit zunehmendem Alter (Damon, 1975, zitiert nach Peterson u.a., 1982). Ebenso dient Gerechtigkeit und Gleichheit dazu, Verdientheit besser einzuschätzen.
In einer älteren Studie (Staub, 1970, zitiert nach Peterson u.a., 1982) hat sich gezeigt, dass ältere Kinder ihre Hilfe weniger oft als jüngere Kinder anbieten, wenn das Opfer durch eigenes Verschulden stürzt oder sich beim Spielen verletzt. Offensichtlich glauben ältere Kinder, dass das Opfer für seine Situation selbst verantwortlich ist. Diese Beurteilung führt dazu, dass die Kinder weniger helfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel definiert prosoziales Verhalten sowie Mitgefühl und stellt den theoretischen Rahmen sowie die Zielsetzung der Arbeit unter Einbeziehung relevanter psychologischer Forschungsergebnisse vor.
2. Ein integratives Modell von Peterson, 1982. Prosoziales Verhalten und die Entwicklung von Mitgefühl.: Hier wird das Modell von Peterson detailliert analysiert, welches fünf zentrale Komponenten beschreibt, die bestimmen, ob eine Person prosozial handelt oder Hilfe verweigert.
3. Studie von Eisenberg (1983). Kindliche Unterscheidungen gegenüber potentiellen Hilfeempfängern.: Dieses Kapitel widmet sich der empirischen Untersuchung von Eisenberg, die aufzeigt, nach welchen moralischen Kriterien und Identitätsmerkmalen Kinder entscheiden, wem sie Hilfe gewähren.
4. Studie von Peterson (1984). Welchen Einfluss haben Eltern auf das prosoziale Verhalten ihrer Kinder?: Diese Untersuchung fokussiert sich auf die elterliche Sichtweise und erforscht, wie Faktoren wie Kosten, Alter und Vertrautheit des Rezipienten die Erwartungen der Eltern an das prosoziale Verhalten ihrer Kinder prägen.
5. Schluss: Der abschließende Teil reflektiert die Ergebnisse der vorgestellten Studien und weist kritisch auf die methodischen Einschränkungen von Laborbedingungen bei der Erforschung prosozialen Verhaltens hin.
Schlüsselwörter
Prosoziales Verhalten, Mitgefühl, Moralentwicklung, Kindespsychologie, Hilfeleistung, Peterson, Eisenberg, Rezipienten-Differenzierung, Sozialisation, Kosten-Nutzen-Analyse, Moralische Urteilsfähigkeit, Vertrautheit, Altruismus, Erziehung, Gerechtigkeitstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychologischen Mechanismen, die bestimmen, wie sich bei Kindern prosoziales Verhalten entwickelt und durch welche Faktoren dieses Verhalten in konkreten Situationen beeinflusst wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Mitgefühlsentwicklung, den Modellen prosozialen Handelns, der Unterscheidung von Hilfeempfängern durch Kinder sowie dem elterlichen Einfluss auf dieses Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis der Forschung von Peterson und Eisenberg aufzuzeigen, welche psychologischen und situativen Variablen die Entscheidung zum Helfen bei Kindern determinieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf die Analyse und Zusammenfassung bedeutender empirischer Studien, Fragebogen-Interviews und psychologischer Modelle zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung eines integrativen Modells zur Handlungsentscheidung sowie die detaillierte Besprechung zweier spezifischer Studien zu Rezipienten-Differenzierungen und elterlichen Einflüssen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind prosoziales Verhalten, Mitgefühl, Moralentwicklung, soziale Kognition, Rezipientenmerkmale und elterliche Sozialisation.
Welchen Einfluss hat das Alter eines Rezipienten auf die Hilfsbereitschaft?
Studien deuten darauf hin, dass die Bereitschaft zu helfen oft davon abhängt, ob der Rezipient als bedürftig wahrgenommen wird und in welcher Altersbeziehung er zum Helfenden steht.
Warum spielt die Vertrautheit des Rezipienten eine Rolle?
Die Vertrautheit beeinflusst die wahrgenommenen Kosten und Risiken einer Hilfsleistung; Kinder und Eltern neigen dazu, eher vertrauten Personen oder Familienmitgliedern Hilfe zu gewähren, da diese Interaktionen oft auf gegenseitigen Erwartungen basieren.
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- Magister Artium Christine Scheffler (Author), 2002, Prosoziales Verhalten und die Entwicklung von Regelverständnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63048