Prototypentheorien und deren Anwendung auf das Gebiet der Farben


Seminararbeit, 2005
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition und Kategorisierung von Prototypen

3 Einteilung und Struktur der Kategorien und Prototypen

4 Vertikale und horizontale Ebene

5 Fuzziness und hedges

6 Farbliche Prototypen

7 World Color Survey von Berlin und Kay

8 Abgewandelter Test des World Color Survey

9 Schlussresumee

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Prototypen waren das Thema, was mich am meisten im Seminar interessierte; es war der Zusammenhang oder die Verbindung zwischen einem Wort und dem Bild, das bei diesem Wort im Kopf entsteht. Eine entscheidende Frage ist, ob diese „Wortbilder“ bei allen Menschen die gleichen sind oder ob es persönliche und kulturelle Unterschiede gibt. Ich möchte bei meiner Seminararbeit auf Prototypentheorien eingehen und mich im Verlauf meiner Arbeit speziell auf Farben beschränken. Ich wähle dieses Gebiet der Farben, weil ich neben dem Fach Englisch auch Kunst studiere und mich der Aspekt der Prototypentheorien bezüglich der Farbe ebenso in dieser Hinsicht interessiert und ich damit einen Brückenschlag zu meinem zweiten Studienfach schaffen möchte. In der Reihenfolge meiner Arbeit möchte ich vom Allgemeinen zum Speziellen vorgehen. Anfangen werde ich mit der sprachwissenschaftlichen Beschreibung von Prototypen und zugehörigen Theorien. Anschließend beschränke ich mich mit meinen Prototypen auf die Farben und die Studien zweier Wissenschaftler, und als Ausblick möchte ich einen Einblick in die Verwendung der Farben in der Sprache geben. Denn die Farben tauchen in sehr vielen sprachlichen und symbolhaften Zusammenhängen mit einer Beschreibung der Welt und der Menschen auf.

2 Definition und Kategorisierung von Prototypen

Zunächst muss einmal geklärt werden, was nun ein so genannter Prototyp ist. In der Wirtschaft und in der Technik bezeichnet man den ersten gefertigten Typen und damit Vorläufer einer Produktionsreihe als Prototypen. In der Philosophie wird ein Abstraktum als Prototyp bezeichnet, das Objekte mit gleichen Eigenschaften versinnbildlicht (vgl. http://infos.aus-germanien.de/Prototyp). Damit kommen wir dem linguistischen Vorstellungen eines Prototyps schon näher. Mit der Versinnbildlichung von etwas, das Objekte mit Gemeinsamkeiten zu einem zusammenfasst, entsteht ein Objekt, das alle anderen enthält. Man kann sich das auch im übertragenen Sinne so vorstellen, dass man den Prototyp vom guten Menschen erhält, wenn man die Gene von verschiedenen Menschen mit guten Eigenschaften entnimmt und daraus den Prototypen des guten Menschen klont, der alle positiven Eigenschaften in sich vereint. Aber nun weg vom Klonen und hin zur Linguistik. In der Linguistik wird ein Wort als Prototyp bezeichnet, das symbolisch für eine ganze Wortklasse steht (vgl. http://infos.aus-germanien.de/Prototyp). Ein gut vorstellbares Beispiel hierfür ist das Wort „Hund“, das alle Hunderassen auf der ganzen Welt in sich vereinigt. Demnach gehören Schäferhunde, Pudel, Dackel etc. alle zur Wortklasse Hund. Doch wie sieht das Bild „Hund“ nun in der Vorstellung der Menschen aus, wenn man sie mit diesem Begriff konfrontiert? Entspricht das Bild genau einer Hunderasse, wie z.B. dem Schäferhund, oder entsteht in der Vorstellung eher ein Mischgebilde aus „Einzelteilen“ von verschiedenen Hunderassen, das die Ohren des Schäferhundes, die dunkelbraune Fellfarbe eines Dackels und den Schwanz eines Labradors hat? Ich denke, dass ein so genaues Bild von einem Hund von Mensch zu Mensch variiert und erst zu Übereinstimmungen führt, wenn man die Details des Bildes unschärfer werden lässt und Einzelheiten des Bildes „Hund“ allgemeiner werden, nämlich dass ein Hund vier Beine hat, ein Fell, einen Kopf mit einer Schnauze und Hechelzunge und einen Schwanz, mit dem er wedelt. Folglich vereinigt das Wort „Hund“ zwar alle Hunderassen der Welt, aber das Bild eines Hundes besteht niemals aus allen Merkmalen, die die einzelnen Hunderassen haben. Es wird auch höchstwahrscheinlich kein genaues Bild von einer bestimmten Hunderasse im Kopf entstehen, weil jeder Mensch mit Sicherheit nicht nur eine Hunderasse im Leben zu Gesicht bekommt.

Was macht aber dann das Bild aus? Sind es die besten Eigenschaften der einzelnen Hunderassen? Wahrscheinlich nicht, denn manche Merkmale schließen einander aus, beispielsweise das Merkmal lange Beine die kurzen. Es sind wohl eher die Merkmale, die die meisten Hunderassen gemeinsam haben und die am häufigsten bei Hunden auftreten, womit wir wieder bei der Zunge, mit der der Hund hechelt, dem braunen Fell und dem Schwanz, mit dem er wedelt wären.

So in etwa sieht das Bild in meinem Kopf aus (und wahrscheinlich in den meisten anderen Köpfen auch), aber was findet man nun in einem Lexikon über den Begriff „Hund“? Folgendes steht in der freien Enzyklopädie Wikipedia:

Der Begriff Hund bezeichnet:

- umgangssprachlich ein Haustier, siehe Haushund;
- in der Zoologie die Familie Canidae, siehe Hunde;
- in der Eisenbahntechnik einen Hemmschuh;
- ein meist rechteckiges Transportmittel auf Rollen oder Rädern mit oder ohne Schiebestange;
- ein Förderfahrzeug auf Schienen im Bergbau, in richtiger Schreibweise Hunt;
- in der Astronomie zwei Sternbilder:

- Großer Hund (lateinisch Canis Major);
- Kleiner Hund (lateinisch Canis Minor);
- eine Redensart (z.B. ein dicker Hund, für ein größeres Malör, ein Hundeleben für ein elendes Dasein. Es existieren im Sprachgebrauch auch mehrere Zusammensetzungen mit dem Wort "Hund" (Grubenhund, Schweinehund u.a.m.).

(http://de.wikipedia.org/wiki/Hund)

Wie man hier feststellen kann, ist mit dem Begriff „Hund“ umgangssprachlich das Haustier gemeint, aber es gibt noch weitere Begriffsfelder, die zum Begriff „Hund“ gehören.

Doch zurück zur Definition des Prototypen, die noch nicht eindeutig und klar geklärt ist. Ein Prototyp ist mehr als ein Begriff, der für eine Wortklasse steht, ein Prototyp stellt das beste Exemplar und ein zentrales Element einer Kategorie dar. Dabei gibt es Exemplare, die bessere oder schlechtere Vertreter einer Kategorie sind, es sind nicht alle Exemplare gleich gute Vertreter (vgl. Kleiber 1993:31). Verglichen mit meinem Hunderassenbeispiel ist also ein Schäferhund eher prototypisch als Vertreter der Kategorie Hund als ein Dackel. Das hängt außerdem noch vom Kulturkreis der Menschen ab, denn das Wissen über Prototypen und Kategorien ist erlernt und hängt von den jeweiligen Erfahrungen dieser Menschen ab, die sie im jeweiligen Kulturkreis machen können. Und da der Schäferhund in Deutschland (und wahrscheinlich auch in Europa) die am meisten vertretene Hunderasse ist, wird der am häufigsten von den Menschen gesehen werden und damit auch der beste Vertreter für die Kategorie Hund sein. In einem anderen Kulturkreis kann das schon wieder ganz anders aussehen. Ein Beispiel hierfür ist der Polarkreis und Völker wie die Eskimos, bei denen Schlittenhunde wie der Husky prototypische Vertreter der Kategorie Hund sind.

Um einmal eine solche Verteilung von Vertretern vom Prototyp bis zum schlechteren Vertreter einer Kategorie bildlich vorstellbar zu machen, habe ich ein Schaubild zu Vertretern der Kategorie Vogel nach dem Modell von Kleiber (Kleiber 1993:37) erstellt (siehe Anhang Abbildung 1).

Die Vertreter wurden hier nach ihren Eigenschaften eingeteilt. Der Vertreter, der alle oder die meisten Eigenschaften der Kategorie in sich vereint, ist der Prototyp. Dies trifft in dem Schaubild auf den Spatz zu. Dementsprechend ist der Vertreter, der am wenigsten Eigenschaften hat, am Rande der Darstellung zu finden. In der Abbildung sind dies Kiwi, Pinguin und Küken. Diese sind folglich schlechtere Vertreter der Kategorie Vogel.

3 Einteilung und Struktur der Kategorien und Prototypen

Nachdem ich nun den Begriff des Prototypen definiert habe, möchte ich eine Einteilung oder Struktur in die Kategorien und Prototypen bringen, und wie diese sich zueinander verhalten.

4 Vertikale und horizontale Ebene

Man kann grob gesehen sagen, dass es eine vertikale und eine horizontale Struktur gibt. Vertikal gegliedert werden die Kategorien in übergeordnete Ebene, Basisebene und untergeordnete Ebene (vgl. Kleiber 1993:59). Am Beispiel Hund kann man also davon ausgehen, dass die übergeordnete Ebene das Tier oder noch genauer das Säugetier, die Basisebene der Hund, und die untergeordnete Ebene zum Beispiel der Schäferhund ist. Man kann erkennen, dass die Ordnung der Ebenen vom Allgemeinen zum Speziellen vorgeht. Bei der Verwendung der Begriffe wird meistens der Ausdruck der Basisebene verwendet, um Dinge voneinander zu unterscheiden, es sei denn, man muss genauer werden, wie folgendes Zitat zeigt:

In einer Geschichte von zwei Hunden, einem Pudel und einem Spaniel, wird man möglicherweise beide Hunde wiederholt mit der Benennung der untergeordneten Kategorie (Pudel, Spaniel) bezeichnen statt mit der Benennung des folk genus (Hund), um beide Referenten voneinander zu unterscheiden. Doch warum sollte man in einer Geschichte von einem Hund (z.B. einem Spaniel) diesen mehrmals Spaniel statt Hund nennen ? Die Verwendung des Ausdrucks Spaniel birgt die Komponente „unterscheidet sich in mehrerlei Hinsicht von der Vorstellung, die man sich macht, wenn man sich einen Hund vorstellen will“; mit anderen Worten:

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Prototypentheorien und deren Anwendung auf das Gebiet der Farben
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Securing Comprehension
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V63090
ISBN (eBook)
9783638562133
Dateigröße
1569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prototypentheorien, Anwendung, Gebiet, Farben, Securing, Comprehension
Arbeit zitieren
Stefanie Rapp (Autor), 2005, Prototypentheorien und deren Anwendung auf das Gebiet der Farben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63090

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