Prototypen waren das Thema, was mich am meisten im Seminar interessierte; es war der Zusammenhang oder die Verbindung zwischen einem Wort und dem Bild, das bei diesem Wort im Kopf entsteht. Eine entscheidende Frage ist, ob diese „Wortbilder“ bei allen Menschen die gleichen sind oder ob es persönliche und kulturelle Unterschiede gibt. Ich möchte bei meiner Seminararbeit auf Prototypentheorien eingehen und mich im Verlauf meiner Arbeit speziell auf Farben beschränken. Ich wähle dieses Gebiet der Farben, weil ich neben dem Fach Englisch auch Kunst studiere und mich der Aspekt der Prototypentheorien bezüglich der Farbe ebenso in dieser Hinsicht interessiert und ich damit einen Brückenschlag zu meinem zweiten Studienfach schaffen möchte. In der Reihenfolge meiner Arbeit möchte ich vom Allgemeinen zum Speziellen vorgehen. Anfangen werde ich mit der sprachwissenschaftlichen Beschreibung von Prototypen und zugehörigen Theorien. Anschließend beschränke ich mich mit meinen Prototypen auf die Farben und die Studien zweier Wissenschaftler, und als Ausblick möchte ich einen Einblick in die Verwendung der Farben in der Sprache geben. Denn die Farben tauchen in sehr vielen sprachlichen und symbolhaften Zusammenhängen mit einer Beschreibung der Welt und der Menschen auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition und Kategorisierung von Prototypen
3 Einteilung und Struktur der Kategorien und Prototypen
4 Vertikale und horizontale Ebene
5 Fuzziness und hedges
6 Farbliche Prototypen
7 World Color Survey von Berlin und Kay
8 Abgewandelter Test des World Color Survey
9 Schlussresumee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Prototypentheorien auf die menschliche Farbwahrnehmung und -benennung. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen der Kategorisierung zu erörtern und durch einen empirischen Test zu prüfen, ob die in der Forschung postulierten universellen Prinzipien bei der Farbdifferenzierung und -einordnung im Deutschen Bestand haben.
- Grundlagen der Prototypensemantik und Kategorisierung
- Strukturierung von Kategorien (vertikale und horizontale Ebenen)
- Phänomene wie Fuzziness und der Einsatz von Hedges
- Kulturelle Universalität vs. subjektive Wahrnehmung von Farben
- Empirische Untersuchung zur Bestimmung von Farbprototypen
Auszug aus dem Buch
Definition und Kategorisierung von Prototypen
Zunächst muss einmal geklärt werden, was nun ein so genannter Prototyp ist. In der Wirtschaft und in der Technik bezeichnet man den ersten gefertigten Typen und damit Vorläufer einer Produktionsreihe als Prototypen. In der Philosophie wird ein Abstraktum als Prototyp bezeichnet, das Objekte mit gleichen Eigenschaften versinnbildlicht (vgl. http://infos.aus-germanien.de/Prototyp). Damit kommen wir dem linguistischen Vorstellungen eines Prototyps schon näher. Mit der Versinnbildlichung von etwas, das Objekte mit Gemeinsamkeiten zu einem zusammenfasst, entsteht ein Objekt, das alle anderen enthält. Man kann sich das auch im übertragenen Sinne so vorstellen, dass man den Prototyp vom guten Menschen erhält, wenn man die Gene von verschiedenen Menschen mit guten Eigenschaften entnimmt und daraus den Prototypen des guten Menschen klont, der alle positiven Eigenschaften in sich vereint. Aber nun weg vom Klonen und hin zur Linguistik.
Linguistik wird ein Wort als Prototyp bezeichnet, das symbolisch für eine ganze Wortklasse steht (vgl. http://infos.aus-germanien.de/Prototyp). Ein gut vorstellbares Beispiel hierfür ist das Wort „Hund“, das alle Hunderassen auf der ganzen Welt in sich vereinigt. Demnach gehören Schäferhunde, Pudel, Dackel etc. alle zur Wortklasse Hund. Doch wie sieht das Bild „Hund“ nun in der Vorstellung der Menschen aus, wenn man sie mit diesem Begriff konfrontiert? Entspricht das Bild genau einer Hunderasse, wie z.B. dem Schäferhund, oder entsteht in der Vorstellung eher ein Mischgebilde aus „Einzelteilen“ von verschiedenen Hunderassen, das die Ohren des Schäferhundes, die dunkelbraune Fellfarbe eines Dackels und den Schwanz eines Labradors hat? Ich denke, dass ein so genaues Bild von einem Hund von Mensch zu Mensch variiert und erst zu Übereinstimmungen führt, wenn man die Details des Bildes unschärfer werden lässt und Einzelheiten des Bildes „Hund“ allgemeiner werden, nämlich dass ein Hund vier Beine hat, ein Fell, einen Kopf mit einer Schnauze und Hechelzunge und einen Schwanz, mit dem er wedelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin legt ihr Interesse an der Verbindung zwischen Wort und mentalem Bild dar und begründet die Wahl des Themas Prototypentheorien mit Bezug auf die Farbwahrnehmung.
2 Definition und Kategorisierung von Prototypen: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Prototyps aus Sicht der Technik, Philosophie und Linguistik anhand von Beispielen wie der Kategorie „Hund“.
3 Einteilung und Struktur der Kategorien und Prototypen: Einführung in die Notwendigkeit, Kategorien und Prototypen strukturiert zueinander in Beziehung zu setzen.
4 Vertikale und horizontale Ebene: Erklärung der hierarchischen (vertikalen) und differenzierenden (horizontalen) Ebenen innerhalb der Kategorisierung.
5 Fuzziness und hedges: Analyse der Unschärfe von Kategorien und der Verwendung metasprachlicher Heckenausdrücke zur Präzisierung von Zugehörigkeiten.
6 Farbliche Prototypen: Übergang zur Untersuchung kultureller Unterschiede und physikalischer Gemeinsamkeiten beim Farbensehen.
7 World Color Survey von Berlin und Kay: Vorstellung der bahnbrechenden Forschungsergebnisse, die universelle Entwicklungsstufen von Farbnamen belegen.
8 Abgewandelter Test des World Color Survey: Bericht über die Durchführung eines eigenen empirischen Tests zur Überprüfung der Thesen von Berlin und Kay unter deutschsprachigen Probanden.
9 Schlussresumee: Fazit über die Subjektivität der Farbwahrnehmung und die Bedeutung von Normen wie der RAL-Tabelle sowie der symbolischen Verwendung von Farben im Alltag.
Schlüsselwörter
Prototypentheorie, Farbwahrnehmung, Kategorisierung, Linguistik, World Color Survey, Fuzziness, Hedges, Semantik, Basic Color Terms, RAL-Tabelle, Kulturelle Unterschiede, Sprachwissenschaft, Farbprototypen, Mentales Lexikon, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der Prototypensemantik und wie diese Theorie genutzt werden kann, um menschliche Kategorisierungsprozesse, speziell am Beispiel von Farben, zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition von Prototypen, die hierarchische Struktur von Kategorien, das Konzept der Unschärfe (Fuzziness) sowie die universelle Forschung zu Farbbezeichnungen nach Berlin und Kay.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Brückenschlag zwischen theoretischen Modellen der Prototypensemantik und der praktischen Anwendung auf das Gebiet der Farben zu leisten und durch einen eigenen Test zu validieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Neben der Literaturrecherche führte die Autorin eine empirische Untersuchung mit zehn Probanden durch, um die Ergebnisse des „World Color Survey“ zur Farbidentifikation zu replizieren und zu überprüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Kategorien und Prototypen sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der farbspezifischen Studien und eines eigenen durchgeführten Tests.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Prototypentheorie, Farbwahrnehmung, Kategorisierung, World Color Survey und Fuzziness charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen vertikaler und horizontaler Ebene wichtig?
Sie ist essentiell, um sowohl die Hierarchie (allgemein zu spezifisch) als auch die Differenzierung innerhalb einer Ebene (Abgrenzung von Kategorien) analytisch greifbar zu machen.
Welche Rolle spielen Hedges in der Prototypensemantik?
Hedges wie „eigentlich“ oder „im weitesten Sinne“ dienen dazu, die Unschärfe von Kategorien sprachlich zu überbrücken, wenn ein Objekt nur teilweise oder am Rand einer Kategorie liegt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der RAL-Farbtabelle?
Die Autorin verdeutlicht, dass die natürliche Subjektivität der Farbwahrnehmung in technischen und professionellen Kontexten durch Normsysteme wie die RAL-Tabelle objektiviert werden muss.
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- Stefanie Rapp (Author), 2005, Prototypentheorien und deren Anwendung auf das Gebiet der Farben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63090