Symbole und göttliche Bestimmung als mittelalterliche Erklärungsmodelle

Vergleich der Gegenwarts- und Vergangenheitsgeschichte in der "Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum" von Adam von Bremen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Untersuchte Textstellen

1. Einleitung
1.1. Klärung der Begrifflichkeiten
1.2. Forschungsstand
1.3. Gang der Untersuchung

2. Adam von Bremens Chronik
2.1. Quellenkritik
2.1.1. der Text/die Überlieferung (Editionslage, Gattungsmerkmale)
2.1.2. Die Person Adam von Bremen
2.2. Inhalt der Gesta

3. Symbolik in Adams Chronik
3.1. Buch I und II (Vergangenheitsgeschichte)
3.1.1. Ritualität
3.1.2. Wunder
3.1.3. Erklärungsmodell „Zeichen Gottes“
3.2. Auswertung
3.3. Buch III
3.3.1. Ritualität
3.3.2. Wunder
3.3.3. Erklärungsmodell „Zeichen Gottes“
3.4. Auswertung

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Untersuchte Textstellen[1]

Buch I

I, 11: „In heißem Sehnen nach dem Martyrium ging nach dem Opfertode des hl. Bonifatius Willehad nach Friesland [...] Dann zog er mit seinen Schülern im ganzen Lande umher, soll Götzenbilder zerschlagen und die Stämme zum Glauben an den wahren Gott bekehrt haben. [...] Wohl hatte ihn Gottes Gnade zu höheren Würden ersehen, jedoch an ehrlicher Bereitschaft zum Martyrium fehlte es ihm nicht.“ (S. 175)

I, 14: „Als Göttrik schließlich durch eine himmlische Fügung beseitigt worden war, folgte ihm sein Vetter Hemming, der alsbald mit dem Kaiser Frieden schloss und die Eider als Grenze seines Reiches anerkannte.“ (S. 185-187)

I, 15: „[Der Dänenkönig Harald] wurde sogleich in der christlichen Glaubenslehre unterwiesen und empfing zu Mainz mit Gattin, Bruder und einer großen dänischen Gefolgschaft die Taufe. Der Kaiser erhob ihn selbst aus dem heiligen Quell [...]“ (S. 187)

I, 25: „[Horich[2] ] ließ sofort im Seehafen Schleswig eine Kirche errichten und gestattete schließlich jedem in seinem Reiche, der es wünschte, Christ zu werden. Eine zahllose Menge Heiden nahm den Glauben an. Von ihnen überliefern Bücher die bemerkenswerte Tatsache, viele seinen durch die Waschung im Taufwasser von allen körperlichen Gebrechen freigeworden.“ (S. 199)

I, 37, Zusatz B1b[3]: „Ivar Lodbrokson[4] nahm den heiligen Edmund gefangen und machte ihn zum Märtyrer; er ließ ihn zuerst mit Ruten geißeln, dann enthaupten, und seinen Leib gab er unbestattet den Hunden preis. Sein Haupt aber verschleppte er in einen nahen Wald; nach Gottes Gebot blieb es, von einem Wolfe bewacht, unversehrt, bis Christen es auffanden und zu seinem Leibe zurückbrachten, bei dem es unter gebührenden Ehren beigesetzt wurde.“ (S. 209)

I, 39: „’Für den Loskauf von Gefangenen verwandte [Rimbert] fast seinen ganzen Besitz; und als er dann auch noch das Elend der vielen Sklaven im Heidenlande ansehen musste, gab er ohne Bedenken selbst die Altargefäße hin’, wie der heilige Ambrosius in der Hoffnung, ‚besser ist es, dem Herrn Seelen zu erhalten, als Gold. Kostbar sind Gefäße, die Seelen vom Tode erlösen’[5].“ (S. 211. Eine sehr ähnliche Geschichte findet sich außerdem in I, 41. S. 215.)

I, 40: „Sogar den Sohn des Königs soll [Rimbert] von einem Teufel befreit haben. Viele Bischöfe waren zugegen, als der unreine Geist immer wieder aus dem Munde des Gequälten rief, von ihnen allen habe nur Rimbert sein Amt würdig verwaltet, nur er mache ihm deshalb Pein.“[6] (S. 213)

I, 47: „Der Himmel selbst hat diesen Feldzug gelenkt[7]. 100 000 Heiden wurden erschlagen, aber wie sich ergab, war kaum ein Christ gefallen.“ (S. 219)

I, 49: Eb. Herrmann von Köln strebt Unterstellung des Bistums Bremen unter Köln an („durch grobe Rechtsverdrehungen“); auf einer Synode folgt der Beschluss: „Papst Formosus und König Arnulf stimmten, wie es heißt, diesen rechtswidrigen Beschlüssen zu. [– Zusatz: König und Papst fanden beide ein klägliches Lebensende; noch der tote Papst Formosus wurde durch seinen Nachfolger seiner Würde beraubt und aus dem Grabe gerissen[8]. König Arnulf aber fraßen lebenden Leibes die Würmer, und sein Gifttod endlich ist eine schwere Strafe Gottes[9].]“ (S.221, Zusatz 9)

I, 52: Hoger (ein Erzbischof.) stirbt 915. „Als man 120 Jahre später beim Abbruch des alten Kapellchens die Leiche dieses Bischofs suchte, ließ sich außer den Palliumskreuzen und dem Kopfkissen des Bischofs nichts mehr auffinden. Ich nehme an, dass seine Auferstehung Wirklichkeit geworden ist, wie sie nach der Überlieferung durch andere in Wahrheit auch David und Johannes dem Täufer zuteil wurde.“ (S. 225)

I, 53: Reginward, Nachfolger Hogers, hat das Amt nur ein Jahr lang inne; es gibt auch laut Adam so gut wie keine Belege über seine Amtszeit, aber: „Nach späteren Berichten soll damals in Bremen ein großes Wunder geschehen sein. Die Ungarn hätten die Kirchen in Brand gesteckt, Priester vor den Altären erschlagen, die übrige Geistlichkeit und die Bevölkerung entweder ungestraft hingemordet oder als Sklaven weggeschleppt. Sogar Kreuze wurden damals von den Heiden verstümmelt und verhöhnt. Spuren dieses Wütens sind bis in unsere Tage erhalten geblieben. Aber der gestrenge Gott, dessen Leiden hier verspottet wurde, ließ die Ungläubigen nicht ohne Strafe davonkommen. Plötzlich erhob sich ein wunderbarer Sturm, riss von den halbverbrannten Kirchendächern Schindeln los und wirbelte sie den Heiden in Gesicht und Augen, dass sie ihr Heil in der Flucht suchten, trieb sie entweder zum Sprunge in den Strom oder in die Hände der Einwohner. – Kaum war die Herde vernichtet, da erfolgte auch schon der Tod ihres guten Hirten [Reginward].“ (S. 227)

I, 54: „Die Überlieferung der Brüder besagt: Beim Heimgange Reginwards habe Geistlichkeit und Volk Leidrad, den Propst des Bremer Kapitels, erwählt. Der reiste in Begleitung seines Kaplans Unni an den Hof. Aber vom Hauche des hl. Geistes berührt, wie man annehmen darf, sah König Konrad über Leidrads Erscheinung hinweg und überreichte den Hirtenstab dem unansehnlichen Unni, den er im Hintergrunde stehen sah.“ (S. 227)

I, 62: Unni stirbt 936 vor der Heimkehr von seiner Legation in Birka. „Seine Seele aber stieg, vom Siege über viele Seelen geleitet, zur ewigen Freude empor in die Burg der himmlischen Heimat. In freudiger Trauer besorgten des Priesters Jünger das Totenamt, und sie bestatteten seinen Leib dort in der Stadt Birka, nur sein Haupt nahmen sie mit nach Bremen und bargen es unter gebührenden Ehren in der St. Peterskirche am Altare.“ (S. 233.)

Buch II

II, 5: „Er aber [König Otto] überwand sie nun mit solcher Stärke, daß sie dem Sieger zur Rettung ihres Lebens und Landes freiwillig Tribut und Bekehrung zum Christentum anboten, und das ganze Volk der Heiden empfing die Taufe [...]“ (S. 239.)

II, 11: „Sein [Erzbischof Adaldags] Volk aber soll die lange Abwesenheit seines guten Hirten ungern gesehen und schließlich durch Besorgnis erregende Boten und Schreiben erreicht haben, daß er in Gnaden wieder zu seiner Herde heimkehrte. Und als er dann kam, sollen ihm die Seinen und Fremde, weinend vor Freude, drei Tagereisen weit entgegengezogen sein und ihm wie einem zweiten Johannes zugerufen haben: ‚Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!’“ (S. 243.)

II, 25; Zusatz 20: „Im Jahre des Herrn 966 wurden die Dänen zum Glauben bekehrt durch einen gewissen Poppo, der vor allem Volke ein feuerglühendes Eisen in der Form eines Handschuhs trug, ohne sich zu verletzen; als König Harald das sah, legte er mit seinem ganzen Volke den Götzenglauben ab und wandte sich der Verehrung des wahren Gottes zu [...]“ (S. 257.)

II, 31 (Zusatz 23): „Von diesem Siegfried wird ein großes Wunder erzählt; als er plündernd gegen Kloster Ramelsloh vorging, fuhr plötzlich ein böser Geist in ihn, von dem er nicht wieder loskommen konnte, bevor er der Kirche ihre Besitzungen zurückgegeben und den Brüdern ein reiches Dorf zur Zinsnutzung aus seinem Eigengut geschenkt hatte.“ (S. 267.)

II, 32: „Ein von ihnen gefangener sächsischer Reiter, den sie zu ihrem Wegführer genommen hatten, führte sie an die gefährlichsten Stellen des Sumpfes, und hier konnten die von langen Anstrengungen Ermatteten durch die Unsrigen leicht überwältigt werden. Er hieß Herward; immerdar preisen die Sachsen seinen Ruhm.“ (List! S. 269.)

II, 33: „Es heißt, Liawizo habe die sein Bistum verheerenden Wikinger mit dem Schwerte des Bannfluchs getroffen. Einer von ihnen, der in Norwegen verstarb, soll sich 70 Jahre lang unverwesten Leibes erhalten haben bis auf die Zeit des Herrn Erzbischofs Adalbert, als Bischof Adalward auf einer Reise dorthin den Toten absolvierte; da erst zerfiel der Leichnam sofort zu Staub.“ (S. 269. Ca. 1064.) (Diese Begebenheit findet sich auch in III, 16; Zusatz 67; dort sind es 60 Jahre. (Anm. 207/I Trillmich: 70 ist als runde Angabe zu verstehen.)

II, 35: (Ein weiterer frommer Mann namens Poppo (ein anderer! vgl. Anm. Trillmich) sucht Erik auf) „Als die Barbaren nach ihrer Gewohnheit ein Zeichen verlangten, soll er als Machterweis für das Christentum ohne Zögern sogleich ein glühendes Eisen in die Hand genommen haben und offensichtlich unverletzt geblieben sein. Und obwohl das schon bei den Heiden leicht jeden Irrtum und Zweifel hätte beseitigen müssen, soll der Heilige Gottes zur Auslöschung des Heidentums in diesem Volke nochmals ein anderes großes Wunder gewiesen haben. Mit einem gewachsten Gewande bekleidet trat er mitten in den Kreis des Volkes und gebot, es im Namen Gottes anzuzünden. Er selbst aber erhob Augen und Hände zum Himmel und ertrug das Schmelzen und die Flamme so ergeben, daß er nach dem völligen Verbrennen seines Gewandes zu Asche heiteren und freundlichen Blickes bezeugte, nicht einmal den Qualm des Feuers habe er gemerkt. [...] Das soll sich nach einigen in Ribe zugetragen haben, nach anderen in Haithabu, das auch Schleswig heißt.“ (S. 271 . Anm.Trillmichs: Die „Machtprobe“ sei eine typische Wandersage.)

II, 43: Dänenkönig erzählt wörtlich: „’Nachdem man dort [Oldenburg] die übrigen [Christen] wie Vieh abgeschlachtet hatte, wurden 60 Priester zu blutiger Kurzweil aufgespart. Unter ihnen war der ehemalige Dompropst Ottar, ein Blutsverwandter von mir. Auch er empfing wie die anderen folgendermaßen das Martyrium: Mit eisernen Messern schnitt man ihnen kreuzförmig die Kopfhaut auf und legte ihnen einzeln die Hirnschale bloß [...]’ So wurden sie Engeln und Menschen zum Schauspiel und hauchten mitten auf der Bahn ihren siegreichen Geist aus.“ (S. 281.)

II, 44: „Alle Slawen, die zwischen Elbe und Oder wohnen, hatten über 70 Jahre lang [...] Christus verehrt, und nun rissen sie sich [...] los vom Leibe Christi und der Kirche, dem sie bis dahin angehört hatten. Oh, wie geheimnisvoll sind doch Gottes Gerichte über die Menschen; er erbarmt sich, wessen er will und er verhärtet, wen er will [... Er] meine ich, wollte jetzt einen gewissen Teil der Heiden verhärten, um durch sie unseren Unglauben zu strafen.“ (S. 283.)

II, 48: „Unser Erzbischof Unwan soll den Angriff dieses Mannes [Herzog Bernhard] hochherzig in einer Weise abgewiesen haben, daß der Herzog selbst aus Scheu vor der Klugheit und Großzügigkeit des Bischofs sich genötigt fühlte, der früher von ihm bekämpften Kirche in allen Dingen freundlich und mit Wohlgefallen zu begegnen.“ (S. 287.)

II, 49: „Viele von ihnen [Könige im Norden] zog er [Unwan] in seine Nähe; wenn sie ihn aber verließen, überhäufte er alle mit Geschenken und machte sie dadurch zur Unterwerfung unter die Hamburger Kirche willig.“ (S. 289. – Adam rechtfertigt Unwans Vorgehen auch noch in II, 50 ausführlich.)

II, 53: „Der Angelsachsenkönig Aethelred wurde in London belagert und verstarb; zugleich mit seinem Reiche verlor er das Leben, und zwar nach einem gerechten Richterspruch Gottes: Hatte er doch seinen Bruder zum Märtyrer gemacht und 38 Jahre lang sein blutbesudeltes Zepter geführt. So büßte er nun für den Mord an seinem Bruder; er hinterließ einen kleinen Sohn namens Edward [...]“ (S. 293.)

II, 55: „Entsendung von [Unwans] Gesandtschaft an König Knut, die Geschenke überbrachte, ihn zu seinen Erfolgen in England beglückwünschte, ihm aber auch wegen der rechtswidrigenVersetzung englischer Bischöfe seine Mißbilligung aussprach. Das nahm der König huldvoll hin, und später trat er in so enge Beziehungen zum Erzbischof, daß er fortan bereit war, sich in allem seinem Willen zu fügen.“ (S. 295.)

II, 61, Zusatz 41: „Olaf beobachtete alle Festtage sehr umsichtig; nach seiner Vertreibung aus dem Reiche um des hl. Glaubens willen und während der gewaltsamen Rückeroberung seiner Herrschaft soll er auf diesem Feldzuge in seinem Zelte ein Traumgesicht gehabt haben. Als die Feinde noch während seines Schlummers plötzlich angriffen, solle in Führer seiner Truppen namens Finnr zu ihm getreten sein und ihn geweckt haben. Da sagte er bekümmert: ‚Was hast du gemacht! Ich sah mich eben eine Leiter ersteigen, deren Ende bis in die Sterne reichte. Ach, ich hatte schon die oberste Sprosse dieser Leiter erklommen, und der Himmel stand zu meinem Eintritt offen, hättest du mich nicht geweckt und zurückgerufen’. Nach dieser Vision wurde der König von den Seinen umringt, ohne Widerstand erschlagen und mit der Krone des Martyriums geschmückt.“ (S. 301.)

II, 62: „Als [ein Angelsachse namens Wulfrad] durch seine Predigt viele zum Christenglauben bekehrt hatte, wagte er es, ein Götzenbild dieses Volkes namens Thor zu verfluchen, das am Versammlungsplatze der Heiden stand; zugleich nahm er eine Axt und schlug das Bild in Stücke. Für ein solches Unterfangen aber durchbohrten sie ihn gleich mit tausend Wunden, und so ging seine des Märtyrerlobes würdige Seele in den Himmel ein. Seine verstümmelte Leiche versenkten die Barbaren auf sehr schimpfliche Weise im Moor.“ (S. 303.)

II, 75: „Damals landete [Sven Estridsen] auf einer Fahrt nach England an der Küste Hadelns. Als er nun in der Umgebung nach Wikingerart heerte, konnten ihn Mannen des Erzbischofs [Alebrand] gefangennehmen und ihrem Herrn vorführen. Der empfing den Gefangenen jedoch ehrenvoll, brachte ihn nach Bremen, schloß mit ihm einen Freundschaftsbund und ließ ihn nach wenigen Tagen königlich beschenkt ziehen.“ (S. 317.)

II, 82: „Als der Winter vorbei war und das Osterfest vor der Tür stand, zog der hochselige Bischof Alebrand am Tage vor dem Herrenmahl, wohl im Bewußtsein seiner Abberufung, barfuß von der Kirche Scharmbek nach Bremen. Dort verrichtete er unter Tränen lange Gebete und empfahl die Kirche Gott und seinen Heiligen. [...] So vertauschte seine Seele das irdische Passah mit dem himmlischen Ostern und ging freudig hinüber zum Herrn.“ (S. 325.)

Buch III

III, 1: „[Erzbischof Adalberts] Weihe erfolgte zu Aachen in Anwesenheit des Kaisers und der Fürsten, 12 Bischöfe assistierten und legten ihm ihre Hände auf.“ (S. 327.)

„Doch dieser merkwürdige Mann darf allenthalben hoch gepriesen werden; er war edel, schön, klug, redegewandt, keusch und mäßig. Das alles vereinigte er in sich mit noch anderen Vorzügen, die dem Menschen gewöhnlich von außen zufallen: Reichtum, Glück, Ruhm und Macht; alles besaß er im Überfluß.“ (S. 327-329.)

III, 2: „Er hatte eine so offene Hand, daß er eine Bitte für würdelos hielt und im Gefühl der Erniedrigung nur zögernd etwas annahm, selbst aber oftmals gern und bereitwillig auch ungebeten Geschenke verteilte. Seine Demut erscheint dadurch zweideutig, daß er sie nur an Dienern Gottes, Armen und Pilgern erwies dadurch, daß er persönlich vor dem Schlafengehen oft 30 und mehr Bettlern kniend die Füße wusch.“ (S. 329.)

III, 8: „Zu Bremen wurde der Kaiser, wie es sich gebührte, mit königlicher Pracht empfangen [...]“ (S. 335.)

III, 12: „Kaum hatte [König Sven Estridsen] seine Base entlassen, da nahm er sich andere und immer wieder andere Frauen und Nebenfrauen. Und der Herr erweckte ihm viele Feinde ringsum, wie er es bei Salomo mit dessen eigenen Knechten getan hatte.“ (S. 341.)

III, 15: „Nach dieser Zurückweisung der Gesandten [des Bistums] durch die Schweden soll ihnen ein Neffe oder Stiefsohn des Königs unter Tränen gefolgt sein und sich demütig ihrem Gebet anempfohlen haben. Er hieß Stenkil.“ (S. 345)

„[Königin Gunhild] empfing die Gesandten mit hohen Ehren, als seien sie von Gott geschickt, und übersandte durch sie dem Erzbischof reiche Geschenke.“ (ebd.)

III, 21; Zusatz 72: „Der erlauchte Dänenkönig konnte sich nur der Weiber nicht enthalten; meines Erachtens war das nicht seine Schuld, sondern ein Laster seines Volkes. Trotzdem blieb diese Verfehlung nicht ohne Strafe; eine seiner Nebenfrauen nämlich, Thore, brachte die rechtmäßige Königin Gude durch Gift um. Und als der König Sven dann Thores Sohn Magnus zum Empfang der Königsweihe nach Rom sandte, verstarb der unselige junge Mann unterwegs; seine ruchlose Mutter aber empfing keinen anderen Sohn mehr.“ (S. 355.)

III, 42: „In Ahnung des Kommenden soll der Herzog [Bernhard] oftmals seufzend gesagt haben, seine Söhne seien vom Geschick zur Zerstörung der Bremer Kirche bestimmt. Er hatte nämlich im Traume aus seinem Hause erst Bären und Eber, dann Hirsche und zuletzt Hasen gegen die Kirche anlaufen sehen. ‚Bären und Eber’, sagte er, ‚waren unsere Eltern, mit Zähnen, d.h. mit Tapferkeit bewehrt. Hirsche sind mein Bruder und ich, nur mit Geweihen geschmückt. Hasen aber sind unsere Söhne, mäßig begabt und furchtsam. Ich fürchte, sie werden durch ihren Angriff auf die Kirche Gottes Strafgericht entgegengehen.’“ (S. 381.)

III, 43: „Auch andere an ihn gerichtete Friedensboten ließ [Herzog Ordulf] öffentlich auspeitschen und kahl scheren.“ (S. 383.)

III, 46: „Der Goldschmied, der sie einschmolz, erklärte, zu seinem tiefen Schmerz sei er zu dem Frevel gezwungen worden, diese Kreuze zu zerstören, und heimlich versicherte er gewissen Leuten, er habe unter den Hammerschlägen die Stimme eines stöhnenden Kindes gehört.“ (S. 387.)

III, 51: „Für sein Bekenntnis zu Christus erhielt [Bischof Johannes] Stockschläge und wurde dann zum Hohn in den verschiedenen Slawenorten herumgeführt; da man ihm Christi Suche nicht abspenstig machen konnte, hieb man ihm Hände und Füße ab und warf seinen Leib auf die Gasse, sein Haupt aber wurde abgeschnitten; die Heiden spießten es als Siegeszeichen auf einen Spieß und opferten es ihrem Gotte Redigost [...]“ (S. 393.)

„[...] und als Spott auf unseren Erlöser verstümmelten die Heiden sogar Kreuze.“ (ebd.)

„Die Vertreibung des Erzbischofs und der Tod Gottschalks fielen ungefähr in das gleiche Jahr, das 22. des Erzbischofs. Wenn ich nicht irre, hat uns der schreckliche Komet, der um die Ostertage dieses Jahres erschien, das Kommen dieses Unheils angekündigt.“ (S. 395.)

III, 62: „Vorzeichen und Hinweise auf [Adalberts] nahen Tod gab es in Fülle; sie waren so furchtbar und ungewöhnlich, dass sie uns und offenbar auch den Bischof erschreckten [...]“ (S. 409. Adam geht bis auf weiteres nicht näher darauf ein. s.u.)

III, 63: „Da packte [Adalbert] die Reue; wie Ezechias vergoss er bittere Tränen und – wie ist doch Christus immer barmherzig! – als er Gott Besserung seines Lebens gelobte, da genas er sofort.“ (S. 411-413.)

III, 64: „Wir sahen damals in Bremen Kreuze Tränen vergießen. Wir sahen die Kirche entweiht durch Schweine und Hunde, die sich kaum vom Fuße des Altars vertreiben ließen. Wir hörten ganze Wolfsrudel in den Orten vor unserer Burg mit den Eulen um die Wette gräßlich heulen [...]; alles wies auf den Tod des Bischofs hin.“ (S. 413.)

III, 69: „So sprach [Adalbert] zum Ruhme seines Adels auch einen Gedanken aus, den er besser nicht geäußert hätte: Alle Bischöfe, die vor ihm den Erzstuhl innehatten, seien unbedeutender und unedler Herkunft gewesen, er allein zeichne sich durch die Geltung seines Geschlechts und seines Reichtums aus; er verdiene eine höhere Stellung, ja sogar den apostolischen Stuhl. Als er immer wieder so prahlte, soll ihn ein gewaltiges Gesicht erschüttert haben, das ich um seiner Großartigkeit willen hier nicht übergehen möchte, da ich verlässlich darum weiß. In tiefer Nacht sah er sich in den Kirchenchor versetzt, wo die Messfeier begangen werden sollte; der reihe nach waren seine 14 Vorgänger anwesend, und Alebrand, der letzte vor ihm, sollte das Geheimnis des Messopfers verwirklichen. Das Evangelium wurde verlesen, und der Priester Gottes wandte sich um zur Entgegennahme der Opfergaben; als er aber zu Herrn Adalbert kam, der im Chor an letzter Stelle stand, sah er ihn mit finsteren Blicken an und wies seine Gabe zurück mit den Worten: ‚Du edler und berühmter Mensch kannst mit Geringen nichts gemein haben!’ Mit diesen Worten ging er weg. Seit dieser Stunde bereute er ernstlich seine unvorsichtigen Worte, bezeugte allen seinen Vorgängern tiefe Verehrung und erklärte unter vielen Seufzern, er sei der Gemeinschaft dieser heiligen Männer nicht wert.“ (S. 421.)

1. Einleitung

Zeichen und Symbolik prägen die öffentliche Wahrnehmung auch heute noch – dies gilt umso mehr für das Mittelalter. Hier spielt das Zeichen als Ausdruck göttlicher Fügung eine übergeordnete Rolle: Der Wille Gottes, so wird von mittelalterlichen Autoren gerne unterstellt, ist es, der in tatsächlichen Ereignissen Ausdruck findet. Doch ist dieser auch jeweils Interpretationssache (zumal sich Gott selbst nicht immer eindeutig äußert...) – und es finden sich durchaus unterschiedliche Auslegungen des göttlichen Willens in Dokumenten mit unterschiedlicher Zielrichtung.

Doch nicht nur die Auslegung, auch die Berichterstattung über göttliche Zeichen variiert. Sie reicht von Beschreibungen wunderbarer Begebenheiten mit – vom heutigen Standpunkt aus betrachtet – zweifelhaftem Wahrheitsgehalt bis zu realistisch anmutenden Ereignissen, die nur bisweilen eine bestimmte Sichtweise nahe legen. Eine für den heutigen Leser unglaubwürdige Berichterstattung kann unterschiedliche Gründe haben – eine absichtliche Verfälschung der Ereignisse? Oder eher eine begrenzt zuverlässige Quellenlage als Basis für den mittelalterlichen Historiographen?

Im Folgenden soll eine Quelle beispielhaft auf Symbolik und deren Interpretation untersucht werden: Die Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificarum von Adam von Bremen.

Diese gliedert sich in vier Bücher, von denen ich das vierte – eine ethnographische Beschreibung der Inseln im Norden – in dieser Arbeit vernachlässigen werde. Dies ist eine pragmatische Entscheidung zu Gunsten der Gründlichkeit der Untersuchung, denn auch der letzte Teil der Chronik wäre für eine ähnliche Untersuchung durchaus interessant. Besonderes Augenmerk wird in der Arbeit zu Buch I bis III[10] auf die Frage gelegt werden, ob sich die Gewichtung und Verwendung von Symbolik in den verschiedenen Teilen der Chronik unterschiedlich gestaltet. Adam schreibt nur in Buch III über eine Person, die er persönlich kennengelernt hat – Erzbischof Adalbert, der ihn nach Bremen berufen hat. Man kann mutmaßen, dass er mit dieser unmittelbaren Vergangenheit historiographisch anders verfährt als mit der weiter zurückliegenden, die er in den Büchern I und II behandelt und für die die Quellenlage naturgemäß schwieriger ist: Lebende Augenzeugen jedenfalls gibt es für den größten Teil des Zeitraums keine mehr.

1.1. Klärung der Begrifflichkeiten

Der Begriff „Symbolik“ kommt bei Adam nicht vor und muss für die vorliegende Arbeit näher definiert werden: Er bezeichnet hier die Art, in der Handlungen oder Ereignisse von Adam beschrieben werden, so dass ihnen eine bestimmte Bedeutung, oft religiöser Art, unterstellt wird. Dieser Bedeutungsgehalt – wahrgenommen durch den (bereits interpretierenden) Blick des Autors[11] – wird hier mit „Symbolik“ bezeichnet. Ich gehe dabei davon aus, dass auch bei einer angenommenen Voreingenommenheit Adams zu Gunsten des eigenen Bistums er doch repräsentativ für ein mittelalterliches Verständnis von Symbolik ist; dass Symbolik und der Bedeutungsgehalt von Ereignissen also einer „sozialen Kontrolle“ unterliegen[12].

[...]


[1] Die Seitenzahlen beziehen sich auf die von mir verwendete Ausgabe der Quelle (s. Quellenverzeichnis).

[2] Horich ist der kürzlich bekehrte dänische König.

[3] Die Numerierung der Zusätze ist wegen einer Umstellung der Kapitel hier nicht stringent.

[4] skandinavischer König

[5] Adam zitiert hier aus der Vita Rimberti.

[6] Adam zählt hier diverse Wundertaten Rimberts auf, nachdem er erklärt hat, sie nicht für herausragend relevant zu halten (s. o.). Hinter jenem Sohn des Königs Ludwig vermutet er Karl. Adam I, 40. S. 213.

[7] Vgl. Orosius VII, 15, 7.

[8] Vgl. Ann. Fuld.; Contin. Ratisbon. 896: „Totengericht“ Stephans VI. (896-897)

[9] Vgl. Liutprand, Antapodosis I, 36; Ann. Corb. 899.

[10] Buch III wird bis zum Ende der ersten Fassung berücksichtigt; spätere Zusätze und Nachträge werden vernachlässigt.

[11] Buc 2000. S. 183ff.

[12] vgl. dazu auch Michael Hoffmann 2001.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Symbole und göttliche Bestimmung als mittelalterliche Erklärungsmodelle
Untertitel
Vergleich der Gegenwarts- und Vergangenheitsgeschichte in der "Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum" von Adam von Bremen
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Philosophie und Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Symbolik, Gestik, Ritualität im Mittelalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
30
Katalognummer
V63199
ISBN (eBook)
9783638563048
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vergleichende Untersuchung der Gegenwarts- und Vergangenheitsgeschichte in der Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum von Adam von Bremen.
Schlagworte
Zeichen, Bedeutung, Bestimmung, Erklärungsmodelle, Vergleichende, Untersuchung, Gegenwarts-, Vergangenheitsgeschichte, Gesta, Hammaburgensis, Ecclesiae, Pontificum, Adam, Bremen, Hauptseminar, Symbolik, Gestik, Ritualität, Mittelalter
Arbeit zitieren
Katja Schmitz-Dräger (Autor), 2004, Symbole und göttliche Bestimmung als mittelalterliche Erklärungsmodelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63199

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