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Mittelalterliche Geschichtsschreibung bei Gregor von Tours

Title: Mittelalterliche Geschichtsschreibung bei Gregor von Tours

Seminar Paper , 2001 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Monika Braun (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Gregor von Tours wurde am 30. November 538 oder 539 in Clermont geboren. 1 Sein eigentlicher Name war Georgius Florentius. Er gehörte einer Familie des romanischen Senatorenadels an und war schon der Abstammung nach für ein hohes Amt in Staat oder Kirche prädestiniert. Viele seiner Vorfahren und Verwandten waren Bischöfe, so war z. B. sein Onkel Bischof von Clermont 2 . Nach dem Tod des Vaters wuchs Gregor bei ihm auf. Als Jugendlicher leistete er während einer schweren Krankheit den Schwur, im Falle seiner Genesung Geistlicher zu werden. 573 wurde er schließlich, als Nachfolger seines Cousins Eufronius, Bischof von Tours. Inmitten der fränkischen Bürgerkriege waren die ersten zwölf Jahre seines Episkopats von politischen Unruhen geprägt. König Chilperich hatte durch die gewaltsame Eroberung der Stadt 575 seinen Neffen Childebert seines Erbes beraubt. Gregor hielt Childebert 3 die Treue und verteidigte die Unabhängigkeit der Kirche, insbesondere das politische Asylrecht der Martinsbasilika, gegenüber der weltlichen Obrigkeit. In Folge dessen geriet er in den Verdacht, gegen Chilperich zu konspirieren. 580 musste er sich vor der Synode von Berny verantworten, wo er sich allerdings durch einen Eid von allen Verdächtigungen freisprechen konnte. So gelang es ihm, das Vertrauen des Königs zurückzugewinnen und wurde sogar sein Berater in theologischen Fragen. 4 Es war Gregor ein persönliches Anliegen, als Geschichtsschreiber von den Verhältnissen seiner Zeit Zeugnis abzulegen. Neben seinen hagiographischen Werken arbeitete er während seiner gesamten Amtszeit an den Libri historiarum decem (Zehn Bücher Geschichten), die im Nachhinein auch „Frankengeschichte“ genannt werden. 5 Sie enden im Jahre 594, in dem auch Gregors Leben zu Ende ging. Als Todesdatum geht man vom 17. November 594 aus. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mittelalterliche Geschichtsschreibung und Gregors Konzeption der Libri historiarum decem

2.1 Geschichtsschreibung im 6. Jahrhundert

2.2 Form und Aufbau der Libri historiarum decem

2.3 Geschichte als Heilsgeschichte bei Gregor von Tours

3. Die Frage nach dem ersten Frankenkönig: Ein Beispiel für Gregors Gestaltungswillen

4. Schluss: Gregors Darstellungsinteresse – Der göttliche Heilsplan in der Geschichte

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das historiographische Werk des Gregor von Tours, insbesondere seine Libri historiarum decem, mit dem Ziel, das zugrunde liegende Darstellungsinteresse des Autors zu ergründen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Gregor Geschichte nicht als objektive Aufzeichnung von Fakten, sondern als Ausdruck eines göttlichen Heilsplans konzipiert und durch gezielte Selektion von Informationen gestaltet hat.

  • Merkmale mittelalterlicher Geschichtsschreibung im 6. Jahrhundert
  • Konzept der Geschichte als Heilsgeschichte (gesta Dei)
  • Literarische und inhaltliche Gestaltungsmittel Gregors
  • Fallbeispiel: Die Legitimationsabsicht im neunten Kapitel des zweiten Buches
  • Die Rolle des Geschichtsschreibers als Interpret göttlichen Wirkens

Auszug aus dem Buch

Die Frage nach dem ersten Frankenkönig: Ein Beispiel für Gregors Gestaltungswillen

Was uns an diesem Kapitel interessieren soll, ist die Frage nach Gregors Darstellungsin teresse. Wie bereits gesagt, wollte er nicht allein historische Ereignisse überliefern, son dern auch seine persönliche Interpretation der Geschichte im Zusammenhang eines gött lichen Heilsplans darstellen. Auf die logische Stringenz und Nachvollziehbarkeit seiner Auslegung legt er dabei großen Wert. Wenn es nötig ist, geht er sogar so weit, Ereignis se in einen anderen kausalen und chronologischen Zusammenhang zu bringen. Über Informationen, die seinem Darstellungsinteresse nicht entsprachen, geht er schweigend hinweg. Dies veranschaulicht Adriaan Breukelaar in seinem Artikel „Christliche Herr scherlegitimation. Das Darstellungsinteresse bei Gregor von Tours, Hist. II 9“ auf sehr beeindruckende Weise.

Adriaan Breukelaar benennt als thematische Absicht dieses Kapitels „die Begründung des fränkischen Königtums oder den Beginn der Dynastie Chlodowechs“. Hierzu weist er darauf hin, dass Gregor von seiner üblichen Erzählweise abweicht und das Ka pitel wie eine Beweisführung aufbaut. Im folgenden werde ich beschreiben, wie Adri aan Breukelaar dies in seinem Aufsatz erörtert.

Beginnend mit der Feststellung, dass viele nicht wüssten, wer der erste Frankenkönig gewesen sei, wählt Gregor als Ausgangspunkt des Kapitels ein konkretes Problem, näm lich die Ungewissheit über die Identität des ersten fränkischen Königs. Um seinen Aus gangspunkt zu definieren, zieht Gregor aussagekräftige Quellen heran: die Geschichts schreiber Sulpicius Alexander, Orosius und Renatus Profuturus Frigiredus, die als erste schriftlich über die Herkunft der Franken berichteten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung von Gregor von Tours, seinem biographischen Kontext als Bischof sowie der Zielsetzung, die historiographische Arbeitsweise hinter den Libri historiarum decem zu untersuchen.

2. Mittelalterliche Geschichtsschreibung und Gregors Konzeption der Libri historiarum decem: Analyse der zweckorientierten Natur mittelalterlicher Geschichtsschreibung und der spezifischen Einbettung von Gregors Werk in das Konzept der Heilsgeschichte.

3. Die Frage nach dem ersten Frankenkönig: Ein Beispiel für Gregors Gestaltungswillen: Untersuchung des neunten Kapitels des zweiten Buches als Beweisführung, bei der Gregor durch gezielte Quellenwahl und Auslassungen die Bedeutung Chlodowechs als ersten christlichen Frankenkönig legitimiert.

4. Schluss: Gregors Darstellungsinteresse – Der göttliche Heilsplan in der Geschichte: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass Gregor historische Ereignisse zur Demonstration von Gottes Wirken und zur Vermittlung seiner theologischen Lehre instrumentalisiert.

Schlüsselwörter

Gregor von Tours, Libri historiarum decem, Mittelalterliche Geschichtsschreibung, Heilsgeschichte, Fränkische Geschichte, Chlodowech, Historiographie, Darstellungswillen, Christliche Herrscherlegitimation, Adriaan Breukelaar, Gott, Exegese, Bischof, Franken, Quellenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Funktion und Form der Geschichtsschreibung des Gregor von Tours und untersucht, welche Absichten er mit seinem Hauptwerk, den Libri historiarum decem, verfolgte.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt das mittelalterliche Geschichtsverständnis, die Verknüpfung von Historiographie und Theologie sowie die bewusste Gestaltung historischer Fakten durch den Autor.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Gregor von Tours Geschichte nicht wertneutral dokumentierte, sondern sie als Medium für seinen göttlichen Heilsplan nutzte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur, insbesondere der Interpretation von Adriaan Breukelaar.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Es werden die Grundlagen der mittelalterlichen Historiographie, die Bedeutung der Heilsgeschichte für Gregor und eine detaillierte Fallstudie zum neunten Kapitel des zweiten Buches erläutert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Heilsgeschichte“, „Gestaltungswillen“, „Christliche Herrscherlegitimation“ und „Libri historiarum decem“ definiert.

Warum widmet sich die Autorin ausgerechnet dem neunten Kapitel des zweiten Buches?

Dieses Kapitel dient als Paradebeispiel für Gregors Gestaltungswillen, da er hier von seiner üblichen Erzählweise abweicht, um das Königtum Chlodowechs legitimatorisch in den Heilsplan einzubetten.

Welche Rolle spielt der „rex bonus“ in Gregors Geschichtswerk?

Der „rex bonus“ (wie Gunthchramn) wird als moralisches Gegenmodell zu einem schlechten, gottlosen Herrscher wie Chilperich genutzt, um Gregors christliches Königsideal zu untermauern.

Wie ist Gregors Verständnis von „historischer Wahrheit“ einzuordnen?

Sein Wahrheitsverständnis ist nicht mit dem modernen, objektiven Faktenbegriff gleichzusetzen, da es primär der Rechtgläubigkeit und der Vermittlung theologischer Wahrheiten untergeordnet war.

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Details

Title
Mittelalterliche Geschichtsschreibung bei Gregor von Tours
College
Humboldt-University of Berlin  (Geschichtswissenschaften)
Course
Funktion und Form mittelalterlicher Geschichtsschreibung
Grade
1,7
Author
Monika Braun (Author)
Publication Year
2001
Pages
16
Catalog Number
V63223
ISBN (eBook)
9783638563222
ISBN (Book)
9783656226109
Language
German
Tags
Mittelalterliche Geschichtsschreibung Gregor Tours Funktion Form Geschichtsschreibung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Monika Braun (Author), 2001, Mittelalterliche Geschichtsschreibung bei Gregor von Tours, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63223
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