In unzähligen Gesprächen mit Freunden und Kommilitonen, aber auch mit Verwandten und Bekannten fiel mir auf, dass jeder früher oder später eine Redewendung oder ein Sprichwort in seine Äußerungen einbaut, ganz unbewusst verwenden wir diese Ausdrücke und setzen sie instinktiv richtig ein. Sie sind für den Sprecher wie „das Salz in der Suppe“, sie machen ein Gespräch erst lebendig, Bilder und Wendungen sind für das Gespräch nämlich ein ganz wesentlicher Bestandteil.
Interessant fand ich, dass dies in vielen Sprachen der Fall ist, konkret ging es um das Deutsche und das Italienische, die beide reich an Redewendungen sind. Als vor einiger Zeit mein Vater ein deutsches Buch las und mich nach der Bedeutung einer Redewendung fragte und sich wunderte, warum es für das Italienische eine ähnliche aber nicht identische Wendung gebe (mit einem anderen Tier), entschied ich mich dazu, genau dies näher zu untersuchen. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den allgemeinen Aspekten der Phraseologie, der deutschen und der italienischen. Wenn man von Redewendungen spricht, kommt man auch nicht umhin sich mit der Semantik und dem Begriff des Bildes und der Metapher zu beschäftigen, darauf wird in den Kapiteln 5 und 6 eingegangen. Da die Phraseologie ein sehr großer Bereich ist, habe ich mich entschieden, meine Untersuchungen im zweiten Teil dieser Arbeit auf die Redewendungen zu beschränken, in denen Tiere vorkommen, da diese Redewendungen sehr zahlreich sind und sie für eine kontrastive Betrachtung sehr geeignet sind, wenn man von dem „Bild“, das zum Teil hinter den Redewendungen steckt, ausgeht. Dieses Bild kann sich in bestimmten Sprachen sehr ähneln oder sogar gleich sein, aber auch ganz andere Assoziationen auslösen, unter Umständen sogar gegenteilige.
Es wird in dieser Arbeit aufgezeigt, welche Tiere im Deutschen und welche im Italienischen am häufigsten in Redewendungen zu finden sind, was man mit den Tieren assoziiert und woher einige Wendungen kommen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Forschung und Begrifflichkeit der Phraseologie
1.1 Was versteht man heute unter Phraseologie?
1.1.1 Redewendungen, sprichwörtliche Redensarten und Sprichwörter
2 Woran erkennt man Phraseologismen?
2.1 Stabilität
2.2 Idiomatizität
2.3 Polylexikalität
2.4 Lexikalisierung
2.5 Reproduzierbarkeit
3 Klassifikationsmöglichkeiten
4 Italienische Phraseologie
4.1 Definition
4.2 Aktueller Stand der Forschung
4.3 Klassifikation
4.3.1 Kriterien für die Klassifikation
4.4 Geschichte der Fraseologia
4.5 Gebrauch von Redewendungen im Italienischen
4.6 Kontrastive Betrachtungen
5 Semantik
5.1 Zur Semantikforschung
5.2 Zur Bedeutung
5.3 Semantische Merkmale
6 Metapher oder Redewendung?
6.1 Die Metapher – Begriffsbestimmung und Herkunft
6.2 Geschichte der Metapherntheorie
6.2.1 Aristoteles Theorie der Metapher
6.2.2 Weitere Metapherntheorien
7 Betrachtung von Redewendungen mit Tieren
7.1 Redewendungen mit Tieren im Deutschen
7.2 Redewendungen mit Tieren im Italienischen
8 Untersuchung von Übersetzungen von Tierredewendungen
8.1 Redewendungen aus: I Malavoglia- Die Malavoglia
8.2 Redewendungen aus verschiedenen Novellen Vergas
8.3 Redewendungen aus : I promessi sposi - Die Verlobten
8.4 Redewendungen aus Erzählungen
9 Ergebnis der Untersuchung
10 Schlussbetrachtungen
11 Quellenangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kontrastiv die Phraseologie des Deutschen und Italienischen, wobei der Schwerpunkt auf Redewendungen mit Tierbezeichnungen liegt. Es wird analysiert, wie diese bildhaften Ausdrücke in literarischen Werken verwendet werden und welche Herausforderungen sich bei deren Übersetzung in die jeweils andere Sprache ergeben.
- Grundlagen der Phraseologie und definitorische Abgrenzung
- Klassifikationsmodelle von Phraseologismen
- Semantische Aspekte und Metaphorik
- Kontrastiver Vergleich von Tierredewendungen im Deutschen und Italienischen
- Analyse von Übersetzungsstrategien in literarischen Texten
Auszug aus dem Buch
7 Betrachtung von Redewendungen mit Tieren
Einige Redewendungen haben sich aus Metaphern entwickelt, und sind nun Teil unseres Sprachschatzes. Wir benutzen sie, ohne uns dessen bewusst zu sein und ohne uns darüber Gedanken zu machen, woher die Redewendungen überhaupt kommen. Ich möchte im folgenden Kapitel Beispiele anführen, wie Redewendungen entstanden sein können und dafür einzelne Wendungen „genauer unter die Lupe nehmen“, für Herkunfts- und Bedeutungsuntersuchung der Wendungen im Deutschen orientiere ich mich am „Duden- Redewendungen (11.Band)“, für die italienischen Wendungen an dem „Dizionario dei modi di dire della lingua italiana“ von Carlo Lapucci und an dem „Dizionario dei modi di dire della lingua italiana“ vom B.M.Quartu .
Bei den Tierredewendungen gibt es sehr viele, die auf Grund der Kulturgeschichte eines Landes, der Sitten und Bräuche oder aus historischen Begebenheiten entstanden sind.
Zum Beispiel: Den Vogel abschießen. (Den größten Erfolg haben). Früher wurde bei Schützenfesten auf einen Vogel geschossen, der auf einer Stange saß, wer diesen auf diese Weise traf, wurde Schützenkönig, also Sieger. Im Italienischen gibt es die Wendung Fare qualcosa col capo nel sacco, (etwas blind machen, ohne sich bewußt zu sein, was um einen herum geschieht), diese Wendung geht wahrscheinlich auf die Tatsache zurück, dass es üblich war, einem Pferd bei einer Rast den Futtersack umzubinden.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Wahl des Themas durch die Bedeutung von Redewendungen im Alltag und schildert das Forschungsinteresse an der kontrastiven Betrachtung des Deutschen und Italienischen.
1 Forschung und Begrifflichkeit der Phraseologie: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Phraseologieforschung und erörtert die Vielfalt und Probleme der verwendeten Fachterminologie.
2 Woran erkennt man Phraseologismen?: Hier werden die zentralen Definitionskriterien wie Stabilität, Idiomatizität, Polylexikalität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit detailliert vorgestellt.
3 Klassifikationsmöglichkeiten: Das Kapitel erläutert verschiedene Ansätze zur Typologisierung von Phraseologismen, basierend auf dem Modell von Wolfgang Fleischer.
4 Italienische Phraseologie: Hier wird der aktuelle Forschungsstand zur italienischen Phraseologie dargestellt, Probleme der Begriffsdefinition im Vergleich zum Deutschen aufgezeigt und die Entwicklung der Fraseologia beleuchtet.
5 Semantik: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutungstheorie und der Rolle der kognitiven Semantik bei der Erschließung und Speicherung von Redewendungen im mentalen Lexikon.
6 Metapher oder Redewendung?: Hier erfolgt eine Differenzierung zwischen Metaphern und festen Wendungen sowie ein Exkurs in die Geschichte der Metapherntheorie.
7 Betrachtung von Redewendungen mit Tieren: Das Kapitel bietet eine detaillierte quantitative und qualitative Analyse von Tierredewendungen im Deutschen und Italienischen anhand umfangreicher Tabellen.
8 Untersuchung von Übersetzungen von Tierredewendungen: Dieser zentrale Praxisteil analysiert konkrete Übersetzungsbeispiele aus Werken von Verga und Manzoni und bewertet die Äquivalenz sowie den Erhalt des bildhaften Gehalts.
9 Ergebnis der Untersuchung: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse der Übersetzungsanalyse zusammen und kategorisiert die beobachteten Strategien beim Umgang mit Tierredewendungen.
10 Schlussbetrachtungen: Die Autorin zieht ein abschließendes Resümee über die Herausforderungen der kontrastiven Übersetzung und betont die Notwendigkeit von Fingerspitzengefühl im translatorischen Prozess.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Idiomatizität, Kontrastive Linguistik, Tierredewendungen, Italienisch, Deutsch, Übersetzung, Metapher, Semantik, Lexikalisierung, Wortgruppenlexem, Sprichwort, Kulturgeschichte, Übersetzungswissenschaft, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kontrastiven Phraseologie der italienischen und deutschen Sprache, mit einem speziellen Fokus auf Redewendungen, in denen Tierbezeichnungen vorkommen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Phraseologie, die semantische Analyse von Metaphern sowie die praktische Untersuchung von Übersetzungsproblemen bei Tierredewendungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Tierredewendungen in beiden Sprachen gebildet sind, welche Assoziationen sie auslösen und wie diese bei der Übersetzung in die jeweils andere Sprache adäquat übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender phraseologischer Ansätze sowie auf eine kontrastive Analyse von Primärtexten (literarische Werke von Verga und Manzoni) und deren offiziellen Übersetzungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Phraseologie, die Klassifizierung von Metaphern, eine tabellarische Auswertung von Tierredewendungen und die detaillierte Analyse ihrer Übersetzung in literarischen Erzählungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Phraseologie, Kontrastive Linguistik, Idiomatizität, Übersetzungswissenschaft und Tierredewendungen geprägt.
Welche Rolle spielen Verga und Manzoni für die Untersuchung?
Die Werke von Giovanni Verga und Alessandro Manzoni dienen als zentrale Korpusgrundlage, da sie eine bildreiche, volksnahe Sprache verwenden, die besonders reich an idiomatischen Wendungen ist.
Warum ist die Übersetzung von Tierredewendungen so komplex?
Die Komplexität ergibt sich daraus, dass Tiere in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Assoziationen hervorrufen können, weshalb eine wörtliche Übersetzung oft den Sinn entstellt oder das Bild beim Zielpublikum nicht die beabsichtigte Wirkung erzielt.
- Quote paper
- Paola Trabucchi (Author), 2006, Kontrastive Phraseologie Italienisch-Deutsch am Beispiel von Tierredewendungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63254