Funktionale Grammatik - Die Problematik der traditionellen Satzartenlehre in der Schule und die Darstellung aus funktionaler Sicht


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die traditionelle Satzartenvermittlung in der Schule
2.1 Darstellung der Satzarten im Duden
2.1.1 Der Aussagesatz (Deklarativsatz)
2.1.2 Der Fragesatz (Interrogativsatz)
2.1.3 Der Aufforderungssatz (Imperativsatz)
2.2 Darstellung der Satzarten in Sprachbüchern der Sekundarstufe I
2.2.1 Beispiel 1: Deutsch - Wege zum sichern Sprachgebrauch
2.2.2 Beispiel 2: Wortstark - Themen und Werkstätten für den Deutschunterricht

3. Die Satzarten aus funktionaler Sicht
3.1 Verbzweitsätze und ihre illokutive Qualität
3.2 Verberstsätze und ihre illokutive Qualität
3.3 Verbletztsätze und ihre illokutive Qualität

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Grammatikunterricht - Wozu und wie? Kein anderer Lern- und Arbeitsbereich des muttersprachlichen Deutschunterrichts muss sich immer wieder diesen oder ähnlichen Fragen stellen und ist mit Attributen wie unbeliebt, schwer verständlich und langweilig gekennzeichnet. Nichtsdestotrotz hält sich dieser immer wieder heftig umstrittene und in Frage gestellter Arbeitsbereich im schulischen Muttersprachenunterricht hartnäckig und ist fest im Bildungsplan etabliert.

Daran können auch Untersuchungsergebnisse, wie die der von Hubert Ivo und Eva Neuland 1991 durchgeführten empirischen Studie über grammatisches Wissen nichts ändern. In dieser bestätigten die Befragten Unbeliebtheit und Ineffizienz der Schulgrammatik folgendermaßen: „Die Befragten wissen wenig von der Grammatik ihrer Muttersprache, mögen sie nicht sonderlich und erinnern sich nicht gern an ihren Grammatikunterricht, halten aber daran fest, dass Grammatikunterricht sein muss, und geben hierfür unterschiedliche Gründe an, [...].“1 und da „das in der Schule vermittelte grammatische Wissen in sich nicht frei von Irreführungen, Widersprüchen und Fehlerhaftigkeit ist, [...].“2, verwundert es kaum, dass der Grammatikunterricht sich wenig Beliebtheit erfreut und zu Unsicherheiten sowie Verwirrungen führt. Sprachdidaktiker hingegen nutzen derartige Umfrageergebnisse und Erkenntnisse, um den nach wie vor in den Schulen mehrheitlich gelehrten, systematischen Grammatikunterricht in Frage zu stellen und verweisen auf neue methodische Perspektiven (situativer, integrativer, textorientierter Grammatikunterricht oder Grammatik-Werkstatt), die zu den erstrebten Zielen führen sollen. Eine weitere dieser neuen Sichtweisen auf den Bereich der Sprachreflexion stellt eine vielversprechende Alternative zum systematischen Grammatikunterricht dar: die sogenannte funktionale Grammatik.

Eine funktionale Sicht auf unsere Sprache ermöglicht den Schülern und Schülerinnen zu erfahren, wozu wir diese Sprache haben und was wir mit ihr erreichen bzw. tun können. Diese Erkenntnis führt zu einer Veränderung hinsichtlich der Motivation, weswegen sich der Grammatikunterricht nicht mehr länger „mit dem Vorwurf des Formalismus konfrontiert“3 sehen muss und die Beschäftigung mit Sprache weitaus mehr ist als der bloße Erwerb toten Wissens über Sprache.4 Grammatik wird nämlich nun das Mittel, um Sprachbewusstsein und Sprachverständnis zu verbessern und zu fördern.5

In dieser Hausarbeit soll nun ein an einem für die Schule typischen Grammatikthema, der Satzartenlehre, die Vorgehensweise und Vorzüge eine funktionalen Sichtweise dargestellt werden. Hierzu werde ich im zweiten Kapitel die drei für die Schule relevanten Satzarten darstellen. Hierbei orientiere ich mich an der traditionellen Duden-Grammatik, da diese in den meisten Fällen die Grundlage für die Aufbereitung der schulischen Grammatik ist.

Dann werde ich anhand von Sprachbüchern die vorherrschende traditionelle Vermittlungsweise der unterschiedlichen Satzarten in der Schule darstellen und aufzeigen, welche Schwierigkeiten und Verwirrungen diese in sich birgt, was eine neue Sichtweise auf den Komplex Satzarten so nötig macht.

Im dritten Kapitel werde ich die Vermittlungsweise der Satzarten, wie sie der funktionale Grammatikunterricht vorsieht, darstellen. Bei dieser stehen nicht mehr nur formale Aspekte im Vordergrund, sondern es rückt vielmehr, in einem zweiten Schritt, der Zweck in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Das heißt, dass man sich mit Fragen wie, warum man eine bestimmte Äußerung verwendet, was man mit ihr gezielt zum Ausdruck bringen will oder was man mit der Verwendung dieser Formulierung beim Hörer bzw. beim Leser bezwecken will, intensiv beschäftigt.6 Im letzten Kapitel versuche ich ein persönliches Fazit zu ziehen.

2. Die traditionelle Satzartenvermittlung in der Schule

Eine von Paul Ingwer durchgeführte Befragung von 56 Oberstufenschülern zum Thema Satzarten hat gezeigt, dass die Schüler und Schülerinnen nur sehr unsicher die jeweiligen Sätze einer Satzart zuordnen können. Verantwortlich für diese Unsicherheiten macht Paul Ingwer die in der Schulpraxis vermittelte Vorgehensweise bezüglich der Satzartenbestimmung, die sich an der traditionellen Grammatik, wie zum Beispiel der Dudengrammatik, orientiert.7

Deswegen erscheint es mir an dieser Stelle sinnvoll, zunächst einen Blick auf die Darstellung der Satzarten in der Gebrauchsgrammatik Duden zu werfen. Dabei beschränke ich mich auf die drei Grundtypen Frage-, Aussage- und Aufforderungssatz, da diese es sind, die in der Regel in der Schulpraxis vermittelt werden und laut Bildungsplan 2004 von den Schülern und Schülerinnen der sechsten Jahrgangsstufe situationsgerecht angewendet werden sollen.8

2.1 Darstellung der Satzarten im Duden

Die Duden-Grammatik bezeichnet Satzarten als „feste sprachliche Muster, die aus dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren entstehen.“9 Diese Faktoren, wie der Modus des finiten Verbs, die Stellung des finiten Verbs im Satz, Intonation und Interpunktion und andere, sind sowohl formal als auch funktional bestimmt. Die Satzarten, die sich auf Grund dieser Kriterien ergeben, werden gleichzeitig auch inhaltlich bestimmt.

So unterscheidet die Duden-Grammatik folgende fünf Satzarten10: Der Aussagesatz, der Fragesatz, der Aufforderungssatz, der Wunschsatz, der Ausrufesatz.11

2.1.1 Der Aussagesatz (Deklarativsatz)

Im Normalfall des Aussagesatzes ist das Vorfeld besetzt und das finite Verb steht an zweiter Position. Der Modus des Verbs beschränkt sich auf Indikativ oder Konjunktiv und die Satzintonation ist fallend. In der geschriebenen Sprache ist der Punkt das dazugehörige Satzschlusszeichen:

Ich räume mein Zimmer auf.

In Ausnahmenfällen kann das Vorfeld auch unbesetzt bleiben, dann lässt sich das fehlende Element aber aus dem Kontext erklären:

(Ich) Bin zu Hause.

In der Regel werden mit dem Aussagesatz Behauptungen aufgestellt und Feststellungen getroffen.

[...]


1 Ivo/Neuland: 1991, S. 437

2 Haueis: 1998, S. 33

3 Ulrich: 2001, S. 4

4 Vgl. Ulrich: 2001 S. 4

5 Vgl. Glinz: 1993, S. 300

6 Vgl. Granzow-Emden: 1998, S. 10

7 Vgl. Ingwer: 2000, S. 50

8 Vgl. Bildungsplan Realschule :2004, S. 53

9 Duden: 1995, S. 591

10 Vgl. Duden: 1995, S. 591

11 Vgl. Duden: 1995, S. 591

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Funktionale Grammatik - Die Problematik der traditionellen Satzartenlehre in der Schule und die Darstellung aus funktionaler Sicht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V63268
ISBN (eBook)
9783638563550
ISBN (Buch)
9783640149629
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionale, Grammatik, Problematik, Satzartenlehre, Schule, Darstellung, Sicht
Arbeit zitieren
Nadine Zunker (Autor), 2006, Funktionale Grammatik - Die Problematik der traditionellen Satzartenlehre in der Schule und die Darstellung aus funktionaler Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63268

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