Analyse von Übergewicht von Volksschulkinder unter besonderer Berücksichtigung des Lebenskontextes und des Schulstandortes


Diplomarbeit, 2006

101 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Auswahl des Themas

2 Die epidemiologische Verbreitung von Übergewicht

3 Differenzierung der Begrifflichkeiten
3.1 Definition von Normalgewicht
3.2 Definition von Idealgewicht
3.3 Definition von Übergewicht
3.4 Abgrenzung zum Begriff „Adipositas“

4 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht
4.1 Der Body Mass Index (BMI)
4.2 Die Methode nach Broca
4.3 Taille- Hüftumfang-Relation
4.4 Bioelektrische Impendanzanalyse
4.5 Hautfaltendickemessung
4.6 Bestimmung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
4.7 Verwendung des BMI im empirischen Teil

5 Entstehungsursachen von Übergewicht
5.1 Genetische Ursachen
5.2 Bewegungsmangel
5.3 Ernährungsgewohnheiten
5.4 Psychosoziale Faktoren
5.4.1 Einfluss der Familie
5.4.2 Persönlichkeitsmerkmale
5.5 Familiäre Prädisposition

6 Folgen und Konsequenzen von Übergewicht
6.1 Physiologische Folgen
6.1.1 Definition von physiologisch
6.2 Psychologische Folgen
6.3 Ökonomische Folgen

7 Therapie von Übergewicht
7.1 Ernährungsumstellung
7.2 Verhaltenstherapie
7.3 Körperliche Aktivität
7.4 Weitere Therapiemöglichkeiten
7.4.1 Medikamentöse Therapie
7.4.2 Chirurgische Therapie

8 Geschlechtsspezifische Unterschiede

9 Empirischer Teil
9.1 Einleitung
9.2 Herkunft der Daten
9.3 Methode

10 Beschreibung der Stichprobe
10.1 Details der Studie
10.2 Zeitpunkt der Messung
10.3 Schulen
10.4 Geschlecht
10.5 Körpergröße
10.6 Gewicht
10.7 Sportverhalten
10.7.1 Aussage 1: Ich betreibe viel Sport
10.7.2 Aussage 2: Ich bin Mitglied in einem Sportverein
10.7.3 Aussage 3: Ich mache regelmäßig außerhalb der Schule Sport
10.7.4 Aussage 4: Ich spiele oft im Freien
10.8 Fernsehverhalten
10.8.1 Wie viel Zeit verbringst du am Wochenende (Freitag bis Sonntag) vor dem Fernseher?
10.8.2 Wie viel Zeit verbringst du an Wochentagen vor dem Fernseher?
10.9 BMI

11 Regressionsanalyse: Gewicht und Körpergröße

12 Geschlechtsspezifische Auswertung
12.1 Geschlecht und Schule
12.2 Geschlecht und Gewicht
12.3 Geschlecht und Körpergröße
12.4 Geschlecht und Sportverhalten
12.4.1 Aussage 2: Ich betreibe viel Sport
12.4.2 Aussage 6: Mitglied in einem Sportverein
12.4.3 Aussage 7: Sport außerhalb der Schule
12.4.4 Aussage 13: Spielen im Freien
12.5 Geschlecht und Fernsehverhalten
12.5.1 Fernsehdauer am Wochenende
12.5.2 Fernsehdauer unter der Woche
12.6 Geschlecht und BMI

13 Analyse des BMI
13.1 BMI und Schule
13.2 BMI und Sportverhalten
13.3 BMI und Fernsehverhalten

14 Überprüfung von Zusammenhängen
14.1 Zusammenhang Sportverhalten und Gewicht
14.2 Zusammenhang Fernsehverhalten und Gewicht

15 Zusammenfassung und Ausblick
15.1 Beratungsstellen und Organisationen

16 Literatur- und Quellenverzeichnis

17 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

18 Anhang

1 Einleitung

„Die Supermacht der dicken Bäuche“

(Der neue Steirer)

„LKH: Fette Fakten rund um dicke Kids; Jedes 5. Steirer-Kind ist bekanntlich zu dick. LKH Mediziner haben herausgefunden, dass dadurch bereits im Kindesalter die Gefäße kaputt gehen. Spätfolge: HERZINFARKT!“

(Kleine Zeitung)

Derartige Schlagzeilen liest man zurzeit recht häufig in den aktuellen Tageszeitungen. Und man ist erschrocken über die direkte Wortwahl der Autoren. Zumindest sollte man das sein, wenn man bedenkt, dass diese Fakten nicht mehr nur für die Fastfood-Gesellschaft Nr. 1 - nämlich die USA – zutreffen. Die oben beschriebenen Folgen von Übergewicht betreffen auch schon die Kinder und Jugendlichen in Österreich, und das in zunehmendem Maße.

Kaum zu glauben, dass in der heutigen Zeit, in der vor allem junge Menschen einem schlanken, jungen und sportlichen Schönheitsideal gerecht werden wollen, die Anzahl der Dicken, Übergewichtigen zunimmt – und dies betrifft eben leider auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Studien haben ergeben, dass jedes vierte Kind im deutschsprachigen Raum zu dick ist. Diese erschreckenden Zahlen werden sich voraussichtlich in den nächsten Jahren verdoppeln. Nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Kinder krankhaft dick - also adipös - sind (WIDHALM/BERTHOLD 2002, 12).

Diese Fakten sind eigentlich kaum vorstellbar, wenn man bedenkt, dass es weltweit 800 Millionen hungerleidende Menschen gibt. Paradoxerweise haben die westlichen Länder hingegen mittlerweile mit den Problemen von über einer Milliarde Übergewichtigen zu kämpfen. Da ist es kein Wunder, dass Übergewicht zur Volkskrankheit Nr. 1 erklärt wird und die Weltgesundheitsorganisation bereits von einer Epidemie des 3. Jahrtausends spricht, die gesellschaftliche und soziale Auswirkung hat.

Das Gesundheitssystem rechnet jährlich mit mehreren Milliarden Euro, die durch die Folgerkrankungen von massivem Übergewicht entstehen. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen und der Staat, die für die Pflege- und Therapiekosten aufkommen . Übergewicht bedeutet für die Betroffenen nicht nur das Leiden unter der eigenen körperlichen Konstitution, sondern es kann auch viele gefährliche und gesundheitliche Schäden mit sich bringen. Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Bluthochdruck sind nur einige der nennenswerten Erkrankungen, die mit Übergewicht korrelieren. Kaum vorstellbar, aber in Amerika sind die Folgerkrankungen von Übergewicht zum ersten Mal die häufigste Todesursache.

Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass immer mehr Menschen an Adipositas leiden? Und was kann man dagegen unternehmen? Ist von dem Problem der steigenden Prävalenz von Übergewicht die ganze Welt betroffen? Und was ist eigentlich Übergewicht und worin liegt der Unterschied zum Begriff Adipositas? Wie kommt es, dass so viele Menschen und auch schon Kinder an Übergewicht leiden, und welche Auswirkungen hat diese „Krankheit“ für die Betroffenen und die Gesellschaft? Wie und mit welchen Therapieprogrammen kann man denen, die übergewichtig sind, helfen?

Alle diese Fragen möchte ich in meiner Arbeit versuchen zu beantworten.

Die Einleitung soll nicht nur dazu dienen, das Thema Übergewicht von der kritischen Seite zu betrachten, sondern soll auch einen kurzen Überblick über die behandelten Kapitel geben. In einem weiteren Unterkapitel der Einleitung möchte ich kurz erläutern, warum ich dieses Thema gewählt habe.

Im ersten Kapitel erläutere ich die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kinder und Jugendlichen in Österreich und stelle einige Vergleiche zu anderen Ländern an.

Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich zudem die Problematik der Begrifflichkeiten klären, indem ich mögliche Definitionen der Begriffe „Übergewicht“ und „Adipositas“ liefere. Anschließend beschreibe ich die verschiedenen Methoden, die es ermöglichen Übergewicht bzw. Adipositas zu bestimmen. Dabei nehme ich Bezug auf die modernere Methode, die uns der Body Mass Index (BMI) liefert, erwähne aber auch andere Bestimmungsmöglichkeiten, die nicht so häufig verwendet werden. Im Zuge dessen werden Vor- und Nachteile dieser verschiedenen Methoden aufgezeigt.

Die Ursachen der Adipositas weisen eine große Bandbreite auf, die ich in einem weiteren Kapitel beschreiben werde. Ich führe hierbei die wichtigsten Einflussfaktoren an, die in der Literatur beschrieben werden.

Auch auf die gefährlichen Folgen von Übergewicht aus medizinischer und psychologischer Sicht für die Betroffenen werde ich in einem weiteren Kapitel eingehen. Die interessanten Auswirkungen auf die Gesellschaft, die mit erheblichen Kosten in Verbindung stehen, kommen in diesem Kapitel nicht zu kurz.

Im vorletzten Kapitel behandle ich die vielfältigen Therapiemöglichkeiten, die für die betroffenen Kinder zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich sowohl um Diäten, Bewegungstherapien, Verhaltenstherapien, als auch um Möglichkeiten, die die Medizin mit sich bringt.

Wichtig erscheint mir auch zu erwähnen, was eigentlich die Schule oder der Sportunterricht gegen dieses Problem unternehmen können . Diese Überlegungen zu diesem Bereich finden in einem weiteren Kapitel Platz.

Im empirischen Teil meiner Arbeit geht es darum, einige Hypothesen zum Thema „Übergewicht“ zu überprüfen . Dabei handelt es sich um eine Studie, die in der Steiermark durchgeführt wurde und an der über 1000 Schüler aus verschiedenen Volks- und Hauptschulen teilgenommen haben. Genaueres zu meinen praktischen Ausführungen wird im ersten Kapitel des empirischen Teils erläutert.

1.1 Auswahl des Themas

Durch meine Erfahrungen in den in vielen Praxisschulen ist mir aufgefallen, dass die Kinder immer übergewichtiger werden, sich ungesund ernähren und sich vor allem wenig bewegen. Das hat dazu geführt, dass ich angefangen habe mich für die Ursachen und Auswirkungen von Übergewicht zu interessieren. Aber nicht nur durch meine eigenen Beobachtungen in den Schulen ist mir das Thema Übergewicht aufgefallen, sondern auch durch die Medien, die verstärkt über die steigenden Zahlen von Übergewichtigen berichten und die Menschen über die gefährlichen Auswirkungen informieren.

Außerdem interessiere ich mich auch privat für das Thema Gesundheit, da ich in meiner Kindheit selber übergewichtig war und weiß, wie schwer es sein kann mit diesen überflüssigen Pfunden zu leben. Heute achte ich deswegen sehr auf meine Ernährung und versuche regelmäßig Sport zu treiben. Aus diesem Grund ist es mir ein besonderes Anliegen das Thema Übergewicht publik zu machen. Vor allem als Volksschullehrerin sollte man sich über dieses Thema informieren und versuchen etwas zu bewegen. Denn schon die Schule hat die Möglichkeit, die Kinder in Bewegung zu bringen und sie über gesunde Ernährung aufzuklären.

2 Die epidemiologische Verbreitung von Übergewicht

Die Weltbevölkerung wird laut aktueller Meldung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) immer dicker. Vor 15 Jahren waren rund 8,5% der Menschen übergewichtig, heute sind es schon 11%. Ein weiterer Anstieg in der Zukunft wird von Ärzten vorausgesagt. Vor allen Dingen in den USA ist ein signifikanter Anstieg von extrem Übergewichtigen zu erkennen. 25 % der 6- bis 11-jährigen sind dort adipös und weitere 9% superadipös. (WECHSLER 2003, 217)

Ähnlich erschreckende Zahlen treffen auch auf Mitteleuropa zu. Im deutschsprachigen Raum wird die Zahl der Übergewichtigen auf 20% geschätzt. Aktuelle Trends lassen eine Verdoppelung in den nächsten 10 Jahren erwarten.

Aufgrund von unterschiedlichen Messmethoden und der unterschiedlichen Festlegung von Grenzwerten sind Aussagen über die Verbreitung der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen allerdings nur bedingt vergleichbar.

Doch wie sieht es konkret in Österreich aus? In Österreich gibt es nur wenige aussagekräftige Studien über die Prävalenz von Adipositas. Man schätzt, dass 28% der Buben und 25% der Mädchen in Österreich zu dick sind (KLEINE ZEITUNG 2004).

Im Erhebungszeitraum Juni 2002 bis März 2003 führten etwa Widhalm und Dietrich eine Studie unter 1537 Wiener Kindern im Alter zwischen 10,1 und 15,1 Jahren durch. Die Berechnungen wurden auf der Basis der Perzentiltabellen von Kromeyer-Hauschild (2001) vorgenommen. Die Untersuchungen zeigten, dass 25% der Kinder und Jugendlichen in Wien übergewichtig sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prävalenz von Übergewicht, Adipositas und extremer Adipositas bei Wiener Kindern

Im Vergleich mit den Daten der 2002 von der WHO durchgeführten HBSC-Studie unter Kindern und Jugendlichen im Schulalter wird deutlich, dass die Wiener Kinder über dem Österreichschnitt liegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vergleich Wien – Österreich gesamt

Bereits deutlich mehr Studien in Bezug auf das Gewicht von Kindern und Jugendlichen wurden in Deutschland durchgeführt. In verschiedenen deutschen Städten, unter a nderem in Jena, führen Kromeyer und Hauschild seit Mitte der 70er-Jahre in regelmäßigen Abständen Untersuchungen unter Kindern durch. Die letzten Daten von 1995 ergaben, dass bei 7- bis 14-jährigen Mädchen 16,3% und bei den Buben 20,7% Übergewicht haben. Auch aus diesen Studien geht deutlich hervor, dass es einen stetigen Anstieg über die letzen 20 Jahre hinweg gibt. (WIRTH 2003, 165)

Aufgrund der gefährlichen Auswirkungen, die diese „Krankheit“ schon bei Kindern haben kann, muss man mit Erschrecken feststellen, dass eine so weite Verbreitung gegeben ist.

3 Differenzierung der Begrifflichkeiten

In diesem Kapitel möchte ich wegen der Begriffsvielfalt zunächst eine Differenzierung der Begrifflichkeiten vornehmen. Beginnen werde ich dabei mit den Definitionen von Normalgewicht und Idealgewicht, da ich diese Begriffe im Laufe meiner Arbeit öfters verwenden werde. Außerdem findet so eine Abgrenzung zu den Begriffen Übergewicht und Adipositas statt.

Die Begriffe Übergewicht, Adipositas und Fettsucht werden oft fälschlicherweise als Synonyme verwendet. Diese Begriffe stehen zwar alle für denselben Typ von Mensch, denn sie beschreiben denjenigen, der schwerer ist als alle anderen, dennoch sind sie teilweise veraltet oder haben einen diskriminierenden Charakter.

Den Begriff „Fettsucht“ findet man hauptsächlich in veralteter Literatur. Dicke Menschen als fettsüchtig zu bezeichnen ist nicht nur diskriminierend, sondern auch medizinisch falsch. Aus diesem Grund ist die Verwendung dieses Begriffes nicht mehr sinnvoll, denn die Betroffenen sind nicht süchtig und schon gar nicht süchtig nach Fett. Dennoch wird er noch sehr oft benutzt. Vor allem die Begriffe „Übergewicht“ und „Adipositas“ werden häufig im selben Wortklang verwendet, obwohl es eine klare Abgrenzung zwischen diesen beiden Begriffen gibt. Ein zu dickes Kind ist ein Kind, das im Vergleich zu anderen Kindern eine größere Körpermasse aufweist. Der Begriff der Körpermasse schließt die Muskeln, Organe, das Skelett sowie die Fettmasse mit ein (BOGGIO 2002, 10).

Im Gegensatz zum Begriff „Übergewicht“ bezieht sich „Adipositas“ hauptsächlich auf ein Übermaß an Körperfett. Für starkes Übergewicht wird der lat. Ausdruck Adipositas (Adeps = Fett) verwendet.

Auch der Body Mass Index (BMI) - eine Bestimmungsvariante - bietet die Möglichkeit, zwischen Übergewicht und Adipositas zu unterscheiden, worauf ich in Kapitel 5.1 noch näher eingehen werde.

Daher werde ich mich bei meinen Ausführungen an diese Begriffe halten und sie im nächsten Kapitel noch genauer definieren sowie zusätzlich eine Abgrenzung zum Begriff „Adipositas“ vornehmen.

3.1 Definition von Normalgewicht

„Das Normalgewicht ist das durchschnittliche Gewicht innerhalb einer Bevölkerungsgruppe und wird, statistisch gesehen, mit dem Mittelwert oder Median angegeben“ (WIRTH 1997, 4)

Das Normalgewicht ist nur eine normative Größe und hat keine klinische Bedeutung, da es nichts über die gesundheitliche Bedeutung des Körpergewichts aussagt.

3.2 Definition von Idealgewicht

Das Idealgewicht ist schwieriger zu definieren als das Normalgewicht. „Das Idealgewicht ist dasjenige Gewicht, bei dem die geringste Mortalität vorliegt bzw. die größte Lebenserwartung besteht“ (WIRTH 1997, 4). Dieser Begriff hat im Gegensatz zum Normalgewicht eine klinische Bedeutung. Auch wenn es zu einigen Missverständnissen in Bezug auf den Begriff gekommen ist, da man „ideal“ mit anderen Vorstellungen in Verbindung gebracht hat, hält man an dem Begriff fest, weil andere Bezeichnungen ebenfalls zu Missverständnissen führen würden.

3.3 Definition von Übergewicht

Als übergewichtig bezeichnet man Menschen, die ein zu hohes Körpergewicht im Verhältnis zu ihrer Körpergröße aufweisen. Spricht man von Übergewicht wird aber nicht direkt auf den zu hohen Fettanteil im Körper geschlossen, sondern das Körpergewicht wird auf Tabellen bezogen, die für eine bestimmte Körpergröße ein erstrebenswertes und normales Gewicht anzeigen.

3.4 Abgrenzung zum Begriff „Adipositas“

Im Zusammenhang mit Übergewicht hört man auch oft von dem Begriff Adipositas. Jedoch bedeuten diese Begriffe aus medizinischer Sicht nicht das gleiche, auch wenn bei adipösen Menschen ein erhebliches Übergewicht vorliegt.

„Adipositas liegt dann vor, wenn der Anteil des Fettgewebes am Körpergewicht höher als „normal“ ist. Als Adipositas bzw. Fettleibigkeit (schweres Übergewicht; auch: Fettsucht, Obesitas (selten auch Obesität genannt) oder umgangssprachlich Ess-/Fresssucht) wird eine Gesundheitsstörung bezeichnet, bei der das Individuum zu viel Fettgewebe besitzt“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Adipositas vom 23.10.05).

Das bedeutet, dass ein adipöser Mensch zwar Übergewicht hat, aber ein Übergewichtiger nicht zwingend fettleibig ist. Adipositas ist sozusagen ein Schweregrad von Übergewicht.

Als Berechnungsgrundlage zur Feststellung des mit der Adipositas verbundenen Übergewichts dienen verschiedene Methoden, die in Kapitel 5 genauer beschrieben sind. Die gängigste Methode ist wohl der Body Mass Index (BMI). Bekannt sind aber auch die Methode nach Broca, die Hautfaltendickemessung und die Taille-Hüft-Relation.

Die Entstehung von Adipositas wird ursächlich durch ein falsches Ernährungsverhalten, bei dem mehr Kalorien aufgenommen werden als verarbeitet werden, begründet. Aber auch die Lebensweise der adipösen Menschen, die durch Bewegungsmangel und überkalorische Ernährung gekennzeichnet ist, ist auch ein Grund für die erhöhte Mortalität (Sterblichkeit) und Morbidität (Krankheitshäufigkeit innerhalb einer Population). Adipositas bei Kindern und Jugendlichen kann im Unterschied zu Erwachsenen jedoch nicht nach den Kriterien der Morbidität festgestellt werden, da das Auftreten von adipositas - assozierten Krankheiten in diesem Alter eher selten ist (WIRTH 1997, 10).

Zur Definition und Beurteilung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter gibt es noch keine einheitlichen Richtlinien. Jedoch hat sich auch bei Kindern, wie bei den Erwachsenen, der Body Mass Index als eine einheitlich angewendete Methode herauskristallisiert (WECHSLER 2003, 12).

Bei den Jüngeren werden noch weitere Hilfsmittel benötigt, um einen idealen BMI zu berechnen. Auf diese Besonderheiten bei der Bestimmung von Übergewicht bzw. Adipositas gehe ich im Kapitel 5.6 noch genauer ein. Zuvor möchte ich aber einen Ausblick über die unterschiedlichen Bestimmungsmöglichkeiten von Adipositas liefern.

4 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht

Nun stellt sich also die Frage, wie Übergewicht überhaupt gemessen wird. Um zu bestimmen, ob ein Mensch mit seinem Gewicht im normalen Bereich liegt, kann das Körpergewicht mit verschiedenen Methoden beurteilt werden. Auch hierbei erfolgt eine Unterscheidung bei der Bestimmung von Übergewicht und Adipositas. Denn für die Bestimmung von Adipositas muss der Fettanteil im Körper mit Hilfe von aufwendigen und komplizierten Methoden wie zum Beispiel der Unterwasser-Wiegemethode, der bioelektrischen Impendanzmessung oder über Isotop-Messungen ermittelt werden. Aus diesem Grund wird bei den meisten Untersuchungen nur das Übergewicht gemessen (PUDEL/WESTENHÖFER 2003, 123f.).

Allgemein lassen sich die Methoden zur Bestimmung des Körperfetts in drei Bereiche unterteilen:

1. Die anthropometrischen Methoden (z.B. Körpermasseindex (BMI), Messung der Hautfaltendicke (Kalipermetrie), Computertomografie (CT), Magnetresonanz-Tomografie (MRT), Sonografie sowie die Ultraschallmessung)
2. Die Labormethoden (z.B. eine Dichtemessung (Densitometrie), Körperwasser-Bestimmung (Hydrometrie) oder die Bestimmung des Körperkaliums (Kaliometrie)).
3. Die neueren Methoden, zu denen die bioelektrische Impedanzmessung oder die

Infrarotmessung gehören.

4.1 Der Body Mass Index (BMI)

Die wohl modernste Berechnungsgrundlage ist der Body Mass Index (BMI), der das Körpergewicht (Masse in Kilogramm) in Relation zur Körpergröße (Quadrat der Körperlänge in Metern) setzt (http://de.wikipedia.org/wiki/Adipositas vom 03.12.05).

Diese Methode wurde von Adolphe Quetelet entwickelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Klassifikationen der BMI Grenzwerte sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Klassifikation des BMI bei Erwachsenen (PUDEL/WESTENHÖFER, 2003, 125)

Die Tabelle zeigt, dass ein Mensch bei einem BMI von über 25 kg/ m² übergewichtig ist und den Adipositas Grad 1 erreicht hat. Adipositas Grad 2 liegt ab einem BMI über 30 kg/m² vor und ist eine grundsätzliche Indikation zur Therapie. Bei einem BMI über 40 kg/m² ist man extrem adipös.

Die Vorteile des Body Mass Index sind mit Sicherheit, dass er eine international anerkannte Maßeinheit ist und sich einfach berechnen lässt. Zu beachten ist bei der Verwendung des BMI jedoch, dass er nicht ausnahmslos für alle Personen geeignet ist. Das Gewicht bei Hochleistungssportlern ist in Relation zur Körpergröße relativ hoch, da Muskeln eine höhere Dichte als Fett aufweisen. Die Berechnung mit Hilfe des BMI würde in diesem Fall also zu Fehlinterpretationen führen und nicht das gewünschte Ergebnis erbringen. Eine überzeugende Interpretation in Bezug auf die Fettleibigkeit liefert der BMI demnach nicht. Für eine genaue Analyse müssen zusätzliche Methoden zur Körperfettmessung herangezogen werden (LAUTENSCHLÄGER 2004, 38)

4.2 Die Methode nach Broca

Eine weitere Methode, die äußerst einfach zu berechnen ist, ist nach dem französischen Arzt Paul Broca benannt worden. Sie nennt sich Broca-Index (BI) und ist schon eine veraltete Formel zur Klassifizierung von Übergewicht. Das Normalgewicht lässt sich mit dieser Formel wie folgt berechnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ideal für Frauen wäre es, wenn er 15% unter dem Soll-Gewicht liegt, für Männer hingegen 10% darunter. Bei einer Überschreitung von 20% können medizinisch nachteilige Konsequenzen für die betroffene Person entstehen.

Auch bei dieser Methode wird deutlich, dass sie gewisse Einschränkungen vorweist. Denn sie bietet nur bei Personen mit einer durchschnittlichen Körpergröße zufrieden stellende Annährungen.

4.3 Taille- Hüftumfang-Relation

Um die Körperfettverteilung zu berechnen, bietet sich zum einen die Taille-Hüftumfang-Relation an. Bei dieser Methode wird der Körperumfang in Taillenhöhe durch den Körperumfang in Hüfthöhe dividiert. Das Ergebnis lässt sich wie folgt interpretieren: Je kleiner der Taille-Hüften-Quotient, desto mehr Körperfett befindet sich in der Hüftregion. Man spricht dabei von der Birnenform oder gynoiden Form. Sitzt das Fett dagegen in der Bauchregion, spricht man von der Apfelform oder androiden Form. Um gesundheitliche Probleme auszuschließen, sollte der Wert bei einer Frau 0,85 und bei einem Mann 1,0 nicht übersteigen. Liegt der Taille-Hüfte-Quotient darüber, besteht die Gefahr von adipositasbedingten Erkrankungen.

„Dieses Verhältnis unterscheidet somit zwischen Fettleibigkeit des Oberkörpers (Taille und Bauch) und Fettleibigkeit der tiefer liegenden Körperpartien (Hüfte und Gesäß).“ (http://www.bodystat.com/Wellness%20German.pdf vom 23.10.05)

Dabei ist jedoch anzumerken, dass das Ergebnis bei dieser Methode nur eine eingeschränkte Aussagekraft hat, da das Verhältnis Hüfte- Taille trotz Gewichtszunahme gleich bleiben kann.

4.4 Bioelektrische Impendanzanalyse

Eine genaue Untersuchung des Körperfettes liefert wie schon zu Beginn erwähnt die bioelektrische Impendanzanalyse.

„Die bioelektrische Impedanzanalyse oder kurz BIA ist eine Analyse von Lebewesen zur Bestimmung des Körperfettanteils und weiterer Kompartimente mittels elektrischer Wechselstromimpulse.

Mit einem Schwachstrom wird dabei über zwei Elektroden ein elektromagnetisches Feld im Körper aufgebaut. Über zwei weitere Elektroden, im Inneren dieses Feldes an markanten Körperstellen platziert, werden der Spannungsabfall und die Phasenverschiebung der Signalspannung abgemessen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/ Bioelektrische_Impedanzanalyse vom 04.12.05).

Die Vorteile dieser Methode sind ein genaues Maß für Körperfett, unabhängig von Körpergröße und Körperbau. Problematisch ist, dass die Messergebnisse dieser Methode durch verschiedene Störfaktoren, die häufig durch nicht fachkundige Bedienung der Messgeräte verursacht werden, zu falschen Werten der Körperfettmasse führen können. Zudem kommen bei dieser Methode hohe Behandlungskosten auf, die für die Bestimmung von Übergewicht nicht notwendig wären.

4.5 Hautfaltendickemessung

Eine weitere anthropometrische Methode zur Beurteilung des Körpergewichts ist die Messung der Hautfaltendicke. Mit dieser Methode erfasst man das unter der Haut gelegene Fett, das so genannte subkutane Fettgewebe und nicht das klinisch relevante Fettgewebe. Obwohl bei dieser Methode an zehn Stellen die Fettschicht unter der Haut gemessen und daraus das Gesamtfett errechnet wird, ist sie ungenau. Gemessen wird dabei mit einem Kaliper, einer Art „Kneifzange“, an vier standardisierten Körperstellen:

1) Bizeps-Mitte (Mitte des Oberarms, Innenseite)
2) Triceps-Mitte (Mitte des Oberarms, Außenseite)
3) Subscapularis (unter der Schulterblattecke)
4) Suprailiacus (über der Darmbeinkante)

Diese Methode bietet drei Vorteile: Sie ist sehr genau, kostengünstig und kann in de Feldforschung angewendet werden (HERM 2003, 153f.).

Wegen der hohen Fehlerquote wird sie bei Erwachsenen jedoch nur noch selten angewendet. Auch bei Kindern ist die Anwendung problematisch. Bei stark adipösen Kindern und Jugendlichen ist aufgrund der Dicke der Hautfalten eine Abgrenzung der Hautfettfalten nicht möglich (WECHSLER 2003, 214).

4.6 Bestimmung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

Ist mein Kind nun schon gefährlich dick oder hat es nur ein paar lästige Fettpölsterchen zu viel auf den Rippen? Diese Frage sollte man sich stellen und vor allem beantworten, wenn man seinem Kind gesundheitliche Probleme ersparen will.

Ärzte und Ernährungswissenschaftler sprechen bei Kindern von Übergewicht, wenn das Körperfett höher ist, als es seiner Altersnorm entspricht. Dies ist der Fall, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg mehr Energie aufgenommen wird, als der Körper verbraucht.

Die Beurteilung des Körpergewichts von Kindern ist dennoch viel schwieriger als bei Erwachsenen, aber unbedingt notwendig. Einige Lebensabschnitte wie zum Beispiel die Säuglingszeit und kurz vor der Pubertät sind Phasen der körperlichen Fülle. Aber es gibt auch Phasen der so genannten Streckung, die im Vorschulalter beginnen oder durch den pubertären Wachstumsschub verursacht werden. Säuglinge sehen meist dick und rund aus, weil sie viel Fett unter der Haut gespeichert haben. Diese Molligkeit ist aber völlig normal und auf den stärksten Wachstumsschub zurückzuführen, der sich in den ersten zwei Lebensjahren vollzieht. Während der zweiten und längeren Wachstumsphase nehmen die Kleinkinder nicht so viel zu, sondern wachsen sehr schnell und wirken daher sogar ausgesprochen schlank. Diese schlanke Statur behalten die Kinder noch bis zu ihrem 8. Lebensjahr. In dieser Phase ist es besonders wichtig, dass die Eltern ihre Kinder nicht zum Essen zwingen, da ansonsten das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl verloren gehen würde. Den Kindern im Vorschulalter kann durch ein übermäßig hohes Angebot an Nahrungsmitteln durch die Eltern ein Grundstock für ein falsches Essverhalten gelegt werden. Die zweite Füllphase beginnt im Alter von acht Jahren. Auch in dieser Zeit gibt es für die Eltern keinen Grund zur Besorgnis, wenn die Kinder zusätzliche Polster ansetzen, da sie diese für die nächste Streckung benötigen. Denn zu Beginn der Pubertät wachsen die Kinder wieder schneller, als dass sie Gewicht zunehmen. Bei geringer Gewichtszunahme haben nun alle Kinder die Möglichkeit, sozusagen schlank zu wachsen. Für Kinder, die schon zu Beginn der letzten Wachstumsphase übergewichtig waren, gilt dies natürlich nicht (KOLBE/WEYRETHER 1998, 16f).

Auch bei Kindern wird das Körpergewicht mittels des BMI beurteilt. Die Anwendung des BMI bei Kindern wird mittlerweile international akzeptiert. Jedoch werden für die Verwendung des BMI bei Kindern zusätzliche Hilfsmittel benötigt, um eine Aussage über die Gewichtssituation machen zu können. So wird ein für Kinder speziell zugeschnittener BMI, der nach Alter und Geschlecht unterscheidet, angewendet (LAUTENSCHLÄGER 2004, 38). Für Kinder und Jugendliche liegen so genannte Perzentilkurven (siehe Anhang) und Normtabellen vor. Sie geben Auskunft, ob es sich um Übergewicht oder Adipositas handelt oder nicht. Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Gesellschaft für Adipositasforschung (DGA) und die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde empfehlen für Deutschland und Österreich die Referenzwerte von Kromeyer-Hausschild, die als Standard verwendet werden (WECHSLER 2003, 214f).

Da eine Angabe des BMI als absoluter Zahlenwert aufgrund der Variable des Alters nicht als aussagekräftig gilt, wird der individuelle BMI anhand populationsspezifischer Referenzwerte für das Kindes- und Jugendalter in Form von alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen eingeschätzt. Liegt der BMI des Kindes/Jugendlichen zwischen dem 90. und 97. alters- und geschlechts-spezifischen Perzentil, ist das Kind als übergewichtig einzustufen. Diese Kinder weisen ein hohes Risiko auf, auch im Erwachsenenalter übergewichtig zu sein. Liegt der BMI über dem 97. Perzentil, ist das Kind/der Jugendliche als adipös (fettsüchtig) einzustufen. Bei Überschreiten des 99,5. BMI-Perzentil spricht man von extremer (morbider) Adipositas. Mit Hilfe

[...]

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Analyse von Übergewicht von Volksschulkinder unter besonderer Berücksichtigung des Lebenskontextes und des Schulstandortes
Hochschule
Pädagogische Akademie des Bundes in der Steiermark
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
101
Katalognummer
V63269
ISBN (eBook)
9783638563567
Dateigröße
1582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Volksschulkinder, Berücksichtigung, Lebenskontextes, Schulstandortes
Arbeit zitieren
Nadine Herberg (Autor), 2006, Analyse von Übergewicht von Volksschulkinder unter besonderer Berücksichtigung des Lebenskontextes und des Schulstandortes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63269

Kommentare

  • Jürgen Göndör am 27.11.2006

    zu dick - Besprechung.

    Es erschreckt schon, wenn als d i e Ursache von Übergewicht nur Bewegungsmangel genannt wird. Zwar ist auch von genetischen und psychosozialen Ursachen die Rede, doch treten diese in den Hintergrund - auch dann wenn es um die Therapie von Übergewicht geht. (Siehe Gliederung - Umfang der behandelten Gründe)
    Es stimmt wohl: was oben nicht reingeht, kann auch nicht ansetzen. Aber selbst die Verhaltenstherapie hat nur eine halbe Seite. und so bleibt eben Sport, Medikamente doer das chirurgische Messer.

    Diese Arbeit ist wohl nur in der Sportpädagogik mit 1 zu bewerten - warum das in der Schulpädagogik auch so ist, läßt einen Rückschluß auf diese Form von Schulpädagogik zu.

    Dabei hat doch Österreich gar nicht so schlecht bei Pisa abgeschnitten ...

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