Eine neue Gründerzeit scheint angebrochen zu sein, oder zumindest wird sie anbrechen, wenn alle Initiativen und Programme, die derzeit zur Förderung von Existenzgründungen geplant oder bereits eingeleitet sind, ihre Wirkungen zeigen.
Kaum noch überschaubar ist die Zahl von Gründungsinitivatien wie z.B. "StartUP", "Go!" oder "Exist". Industrie- und Handelskammern sowie Technologie- und Gründerzentren führen Gründertage durch. Banken und andere Institutionen bieten finanzielle und ideelle Hilfe an. Selbst der ehemalige Bundeskanzler Kohl forderte im Zusammenhang mit dem verabschiedeten "Bündnis für Arbeit" eine neue "Kultur der Selbständigkeit" in Deutschland.
Fragt man nach einer Tradition der Gründungsforschung in der BRD, so stellt man schnell fest, dass bis auf einige klassische Themen im Bereich Finanzierung sowie der Standortwahl neuer Unternehmen, die Gründungsforschung an sich eine relativ junge Forschungsrichtung ist.
Im Zentrum der Gründungsforschung stehen "Entrepreneurship", "Entrepreneurship Research" und "Entrepreneurship Education", wobei die letzten beiden Begriffe die Bausteine des "Entrepreneurship" bilden . Unter Entrepreneurship Research ist die wissenschaftliche Betrachtung der Unternehmerperson und des unternehmerischen Verhaltens zu verstehen. Diese Thematik wird im ersten Teil der Arbeit näher erläutert wobei die Grundlage für die Frage, ob selbständiges Verhalten lernbar ist, geschaffen wird. Die Lehraktität, die unternehmerisches Handeln vermitteln soll, wird im Angloamerikanischen mit dem Begriff "Entrepreneurship Education" beschrieben. Diese Hintergründe werden im zweiten Teil betrachtet.
Zunächst jedoch wird der Begriff Entrepreneurship vorab definiert, wobei weder in der Wissenschaft noch in der Praxis bislang eine vollständige Einigkeit über die Definition erlangt wurde.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entrepreneurship
2.1 Das „Unternehmer-Bild“ in der Gesellschaft
2.2 Die Person des Entrepreneur
3. Erklärungsansätze unternehmerischen Verhaltens
3.1 Erklärungsansätze durch Persönlichkeitseigenschaften
3.2 Erklärungsansätze durch Motive
3.3 Erklärungsansätze durch Kompetenzbündel
4. Können Unternehmereigenschaften gelehrt werden?
5. Entrepreneurship Education
5.1 Was ist Entrepreneurship Education?
5.2 Inhaltliche Ausrichtung und Zielsetzung
5.3 Lehrmethoden der Entrepreneurship-Ausbildung
5.4 Situation an deutschen Universitäten
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des unternehmerischen Verhaltens und die Möglichkeit, unternehmerische Fähigkeiten durch gezielte Bildungsmaßnahmen – unter dem Begriff „Entrepreneurship Education“ zusammengefasst – zu vermitteln, um der geringen Gründungsbereitschaft an deutschen Hochschulen entgegenzuwirken.
- Analyse des Unternehmerbildes und der Persönlichkeitsfaktoren von Gründern
- Untersuchung psychologischer Motivstrukturen für unternehmerisches Handeln
- Diskussion der Erlernbarkeit von Unternehmereigenschaften
- Konzeptionelle Ansätze und Lehrmethoden für die Entrepreneurship-Ausbildung
- Bestandsaufnahme und Förderung der Entrepreneurship-Lehre an deutschen Universitäten
Auszug aus dem Buch
3.1 Erklärungsansätze durch Persönlichkeitseigenschaften
Der Begriff Persönlichkeit wird in der Psychologie und Soziologie zwar sehr häufig gebraucht, ist aber im einzelnen sehr unterschiedlich und unscharf definiert. Persönlichkeit kann als eine „relativ stabile, zeitlich überdauernde, aber gleichzeitig dynamische, d.h. in Wandlung und Entwicklung begriffene Organisation der Eigenschaften, Gewohnheiten, Einstellungen, Motivationen, Gefühle, Interessen u.ä einer Person bezeichnet werden, die durch die Interaktion (...) und Anpassung an die soziale und physische Umwelt zustande kommt“16. Die Persönlichkeitsentwicklung wird demzufolge als ein lebenslanger, kontinuierlicher Veränderungsprozeß gesehen, der in einer adaptiven Auseinandersetzung mit der sozialen und ökologischen Umwelt steht. Daraus geht hervor, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale durch bestimmte Prozesse verändert werden können.
Im Folgenden wird ein Meßmodell vorgestellt, welches die Möglichkeit beinhaltet, einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit des Individuums und den beruflichen Erfolgschancen herzustellen. Der in der empirischen Erfolgsfaktorenforschung häufig verwendete „16-Persönlichkeitsfaktorentest“17 (16-PF-Test) nach Cattell dient zur Messung der spezifischen Persönlichkeitsstile einer Person. Der Test besteht aus 16 Primär-Faktoren, die in der Persönlichkeit eines Menschen verankert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Gründungsdynamik in Deutschland ein und definiert die zentralen Begriffe Entrepreneurship Research und Entrepreneurship Education.
2. Entrepreneurship: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Unternehmertum erläutert und das gesellschaftliche Bild des Unternehmers sowie die Rolle der Gründerperson beleuchtet.
3. Erklärungsansätze unternehmerischen Verhaltens: Es werden verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Erklärung unternehmerischen Handelns dargestellt, die auf Persönlichkeitsmerkmalen, Motivstrukturen und Kompetenzbündeln basieren.
4. Können Unternehmereigenschaften gelehrt werden?: Dieses Kapitel diskutiert die kontroversen Theorien zur Erlernbarkeit von Unternehmereigenschaften und differenziert zwischen fixen Charaktereigenschaften und trainierbaren Fähigkeiten.
5. Entrepreneurship Education: Hier wird das Konzept der Unternehmerausbildung definiert, inhaltliche Schwerpunkte und aktive Lehrmethoden vorgestellt sowie der aktuelle Stand an deutschen Hochschulen analysiert.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer neuen Kultur der Selbständigkeit zusammen und betont den Bedarf an einer institutionellen Förderung unternehmerischer Handlungsweisen bereits während der Ausbildung.
Schlüsselwörter
Entrepreneurship, Entrepreneurship Education, Existenzgründung, Gründungsforschung, Unternehmerpersönlichkeit, Leistungsmotivation, unternehmerisches Verhalten, Schlüsselqualifikationen, Hochschulbildung, Lehrmethoden, Unternehmertum, Humankapital, Bildungsförderung, Deutschland, USA
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des unternehmerischen Verhaltens und analysiert, inwieweit Unternehmertum erlernbar ist und durch strukturierte Bildungsprogramme gefördert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Erforschung von Gründerpersönlichkeiten, die psychologischen Motive unternehmerischen Handelns sowie die Möglichkeiten und Methoden der Entrepreneurship-Ausbildung an Hochschulen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Bedarf und die Möglichkeiten für eine systematische Entrepreneurship Education in Deutschland aufzuzeigen, um die Gründungsbereitschaft von Absolventen zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener Forschungsergebnisse zur Gründungsforschung, psychologischer Testmodelle und didaktischer Ansätze zur Wissensvermittlung in der Entrepreneurship-Lehre.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Erklärungsansätze für unternehmerisches Verhalten (Persönlichkeit, Motive, Kompetenzen) analysiert und anschließend die praktische Gestaltung von Ausbildungsprogrammen und deren Situation an deutschen Universitäten thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Entrepreneurship Education, Existenzgründung, Unternehmerpersönlichkeit, Leistungsmotivation und unternehmerische Handlungsweisen charakterisiert.
Was unterscheidet die Ausbildung zum Unternehmer von der klassischen BWL-Ausbildung?
Während die klassische BWL-Ausbildung oft eine quantitative Leistungsfunktion für große Unternehmen in den Vordergrund stellt, zielt die Entrepreneurship Education auf eine ganzheitliche Förderung der unternehmerischen Rolle und Kreativität bei Existenzgründern ab.
Warum ist laut der Arbeit eine Förderung schon vor dem Studium sinnvoll?
Da viele Persönlichkeitsmerkmale für den Gründungserfolg bereits in der Kindheit und Jugend geprägt werden, ist es laut der Arbeit plausibel, bereits vor dem Eintritt in die Hochschule mit der Förderung unternehmerischen Denkens zu beginnen.
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- Dagmar Rissler (Author), 2002, Entrepreneurship Education - Kann Selbständigkeit gelehrt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6330