Entrepreneurship Education - Kann Selbständigkeit gelehrt werden?


Hausarbeit, 2002

26 Seiten, Note: 1,75


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Entrepreneurship
2.1 Das „Unternehmer-Bild“ in der Gesellschaft
2.2 Die Person des Entrepreneur

3.Erklärungsansätze unternehmerischen Verhaltens
3.1 Erklärungsansätze durch Persönlichkeitseigenschaften
3.2 Erklärungsansätze durch Motive
3.3 Erklärungsansätze durch Kompetenzbündel

4. Können Unternehmereigenschaften gelehrt werden?

5. Entrepreneurship Education
5.1 Was ist Entrepreneurship Education?
5.2 Inhaltliche Ausrichtung und Zielsetzung
5.3 Lehrmethoden der Entrepreneurship-Ausbildung
5.4 Situation an deutschen Universitäten

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

„We can’t make people into entrepreneurs,

if they don’t have the basic drive, energy,

and a strong sense of what it takes to run

a business. – But give me someone who

has those basic skills, and we make him

into a much better entrepreneur.“[1]

Bill Bygrave

1. Einleitung

Eine neue Gründerzeit scheint angebrochen zu sein, oder zumindest wird sie anbrechen, wenn alle Initiativen und Programme, die derzeit zur Förderung von Existenzgründungen geplant oder bereits eingeleitet sind, ihre Wirkungen zeigen.

Kaum noch überschaubar ist die Zahl von Gründungsinitivatien wie z.B. „Start UP“, „Go!“ oder „Exist“. Industrie- und Handelskammern sowie Technologie- und Gründerzentren führen Gründertage durch. Banken und andere Institutionen bieten finanzielle und ideelle Hilfe an. Selbst der ehemalige Bundeskanzler Kohl forderte im Zusammenhang mit dem verabschiedeten „Bündnis für Arbeit“ eine neue „Kultur der Selbständigkeit“[2] in Deutschland.

Fragt man nach einer Tradition der Gründungsforschung in der BRD, so stellt man schnell fest, dass bis auf einige klassische Themen im Bereich Finanzierung sowie der Standortwahl neuer Unternehmen, die Gründungsforschung an sich eine relativ junge Forschungsrichtung ist.[3]

Im Zentrum der Gründungsforschung stehen „Entrepreneurship“, “Entrepreneurship Research“ und „Entrepreneurship Education“, wobei die letzten beiden Begriffe die Bausteine des „Entrepreneurship“ bilden[4]. Unter Entrepreneurship Research ist die wissenschaftliche Betrachtung der Unternehmerperson und des unternehmerischen Verhaltens zu verstehen. Diese Thematik wird im ersten Teil der Arbeit näher erläutert wobei die Grundlage für die Frage, ob selbständiges Verhalten lernbar ist, geschaffen wird. Die Lehraktität, die unternehmerisches Handeln vermitteln soll, wird im Angloamerikanischen mit dem Begriff „Entrepreneurship Education“ beschrieben. Diese Hintergründe werden im zweiten Teil betrachtet.

Zunächst jedoch wird der Begriff Entrepreneurship vorab definiert, wobei weder in der Wissenschaft noch in der Praxis bislang eine vollständige Einigkeit über die Definition erlangt wurde.

2. Entrepreneurship

„Entrepreneurship“ und „Entrepreneur“ können im deutschen generell mit der synonymen Übersetzung „Unternehmertum“ und „Unternehmer“ verwendet werden.[5] Zahlreiche Wissenschaftler sind der Meinung, dass das Fehlen eindeutiger Definitionen als ein wesentlicher Beweggrund für den bisherigen Mangel an einer „Theorie des Entrepreneurship“ angeführt werden kann.

Folgende Definition wird häufig in der Literatur verwendet: „Entrepreneurship ist das Erkennen, Schaffen und Nutzen von Marktchancen durch die Gründung von Unternehmen. Innovatives Entrepreneurship bedeutet, den Markt genau zu beobachten, querzudenken, Bestehendes zu hinterfragen und neue Produkte zur Befriedigung von Kundenbedürfnissen zu entwickeln und dadurch neuen Wert zu schaffen“[6].

Unter Entrepreneurship kann auch der personenbezogene Wechsel in die Selbständigkeit (Existenzgründung) und das damit verbundene unternehmerische Verhalten des Gründers verstanden werden. Die Schaffung neuer Unternehmens-strukturen in der Gründungs- und Frühentwicklungsphase, die Planung der Unter-nehmenslebensphasen, die Ideengenerierung, die Machbarkeitsprüfung, die Gründungsplanung (Businessplan erstellen etc.) oder den Aufbau eines Führungs-systems sind Teile des Entrepreneurship-Prozesses.[7]

Bevor auf die Person des Gründers und die damit verbundenen Verhaltensweisen eingegangen wird, soll vorab das Bild des Unternehmers kurz vorgestellt werden.

Die Vorstellung die vom Unternehmertum in der Gesellschaft vorherrscht, kann im Zusammenhang mit dem Gründungsgeschehen gesehen werden.

2.1 Das „Unternehmer-Bild“ in der Gesellschaft

Über das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit sind mehrfach Meinungs-umfragen durchgeführt worden. Offensichtlich besteht ein Unterschied darin, welches Bild der Unternehmer von sich selbst hat und dem, wie andere gesellschaftliche Gruppen ihn sehen. „Der Unternehmer selbst sieht sich ideal. Sein Selbstbildnis ist ein Wunschbild, das keine Entsprechung in der tatsächlichen öffentlichen Meinung hat. Er hält sich ganz überwiegend für bescheiden, pflichtbewußt, fortschrittlich, sachlich, selbstkritisch, solide, sozial, erfolgreich und schließlich demokratisch. Das Geldverdienen rangiert bei ihm erst an dritter Stelle nach der Lust an der Übernahme von Verantwortung und der Freude am Selbständigsein“[8]. Besonders drastisch hat sich das Unternehmerbild nach Meinung des Allensbacher Instituts bei jüngeren Menschen, und hier vornehmlich bei Abiturienten oder Studenten, zum Schlechteren verändert.[9]

Durch die Wende 1990 vollzog sich jedoch eine historische Chance für Existenz-gründer. Es zeichnet sich eine Veränderung des Gründungsverhaltens ab; eine neue Generation wächst mit einem positiveren Bild vom Unternehmertum auf. Durch die verbesserten Ausbildungsperspektiven und neu geschaffenen Rahmenbedingungen, besteht dadurch auch die Möglichkeit einer Verbesserung des Bildes vom Unternehmer in der Gesellschaft.[10]

Weiterhin gibt es derzeit diverse Initiativen, die den Schritt in die Selbständigkeit erleichtern wollen, wie z.B. Informationsveranstaltungen über finanzielle Gründungs-förderung oder Weiterbildungsangebote, BusinessPlan-Wettbewerbe oder die spezifische Berichterstattung der Medien. Die unterstützenden Institutionen sind die Handelskammern, Gründungszentren, Unternehmerverbände, Universitäten oder Banken.

Kommen wir nun zu der Person die hinter der Idee und Umsetzung der Unter-nehmensgründung steht.

2.2 Die Person des Entrepreneur

Der Entrepreneur ist die zentrale Figur und treibende Kraft einer jeden Unter-nehmensgründung. Bei der Frage ob man zum Entrepreneur geeignet ist, spielen natürliche Personen- und Umweltvariablen eine große Rolle. Hierzu zählen das Alter, die Geschlechterrolle, das Wissen und die Erfahrung, der Charakter und die Motivation, Einstellungsmerkmale, die Intelligenz sowie der physische und psychische Gesundheitszustand.[11] So ist ein geschlechtsspezifisches Rollenverhalten bei Gründungen zu verzeichnen. Man kann davon ausgehen, dass Männer beispielsweise ambitionierter und weniger risikoavers sind.[12]

Die Gründe für den Schritt in die Selbständigkeit sind vielfältig. Die einen wollen ihren unternehmerischen Tatendrang ausleben, ihre eigene Idee verwirklichen oder eine günstige Gelegenheit ergreifen (Entrepreneur aus positiver Motivation heraus). Auf der anderen Seite steht die Vermeidung von beruflicher Frustration oder der Schritt aus der Arbeitslosigkeit (Entrepreneur aus der Not heraus). Alle Gründer streben jedoch mehr Unabhängigkeit, Erfolgserlebnisse, beruflichen Aufstieg und/oder ein höheres Einkommen an.[13]

In der entsprechenden Literatur ist es sehr schwierig eine einheitliche Definition für die Person des Entrepreneurs zu erhalten. Es kann aber auf drei typische funktionale Definitionselemente hingewiesen werden[14]:

- Risikoübernahme
- Leitungs- und Koordinationsfunktion (nach Say)
- Innovation (nach Schumpeter)

Im folgenden Verlauf wird der Entrepreneur in seiner Eigenschaft als Existenzgründer beschrieben, der idealtypisch in einer wirtschaftlich, unabhängigen und von ihm neu geschaffenen Unternehmung tätig ist.

Das nächste Kapitel wird auf die Frage eingehen, welche Erklärungsansätze hinter einem unternehmerischen Verhalten stehen können. Diese Fragestellung gibt bereits teilweise eine Antwort darauf, wie ein unternehmerisches Verhalten zustande kommt und ob diese Verhaltensmerkmale entsprechend gelehrt bzw. erlernt werden können.

[...]


[1] www.unternehmertipps.de/kompendium/unternehmer/erlernbarkeit.htm

[2] Bögenhold, Dieter (Hrsg.): Unternehmensgründung, Unternehmertum und Dezentralität, in: Unternehemsgründung und Dezentralität, Opladen/Wiesbaden 1999, S. 8

[3] Vgl. Schmude, Jürgen (Hrsg.): Neue Unternehmen: interdisziplinäre Beiträge zur Gründungsforschung, Heidelberg 1994, S. 1

[4] Vgl. Bögenhold, Dieter (Hrsg.): ebenda, S. 79

[5] Vgl. Klandt, H./Knecht, T.C.: „Entrepreneurship“ – Ausbildung an Hochschulen, in: Bögenhold, Dieter (Hrsg.): Unternehemsgründung und Dezentralität, Opladen/Wiesbaden 1999, S. 79

[6] Ripsas, Sven: Entrepreneurship als ökonomischer Prozeß, Wiesbaden 1997, S.71

[7] Vgl. Klandt, H./Knecht, T.C.: ebenda, S. 80

[8] Vgl. Hamer, Eberhard: Die Unternehmerlücke, Stuttgart 1984, S. 15

[9] vgl. Hamer, Eberhard: ebenda, S. 16

[10] Vgl. <http://www.innovation-aktuell.de/fbklandt.htm>in: Das innovative Unternehmen - Existenzgründung „Die wichtigste Hürde ist die im Kopf“

[11] Vgl. Weihe, Hermann J.: Entrepreneurship – Neue Wege zum Unternehmertum, Hamburg 1994, S. 62 ff.

[12] Vgl. Klandt, Heinz; Aktivität und Erfolg des Unternehmensgründers: e.empirische Analyse unter Einbeziehung d. mikrosozialen Umfeldes, Bergisch Gladbach 1984, S. 214

[13] Vgl. Schmude, Jürgen (Hrsg.): a.a.O., S. 95

[14] Vgl. Klandt, Heinz: a.a.O., S. 29

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Entrepreneurship Education - Kann Selbständigkeit gelehrt werden?
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,75
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V6330
ISBN (eBook)
9783638139243
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbständigkeit/Entrepreuneurship
Arbeit zitieren
Dagmar Rissler (Autor), 2002, Entrepreneurship Education - Kann Selbständigkeit gelehrt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6330

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