Währungsunionen im 14. und 15. Jahrhundert


Seminararbeit, 2006

33 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abstract

2. Einleitung

3. Begriffsdefinitionen

4. Bedeutende Münzvereine

5. Ausgangslage im Deutschen Reich als Hauptproblem

6. Münzvereine als erste Ordnungskräfte

7. Ziele und Zwecke von Münzvereinen

8. Weitergehende Probleme

9. Lösungsansätze

10. Ausblick: Reichsmünzordnungen

11. Zusammenfassung / Schlussfolgerungen

12. Exkurs: Marktintegration und Smith’sches Wachstum

Literaturverzeichnis

1. Abstract

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Währungsunionen im 14. und 15. Jahrhundert, zeitlich also mit der Periode des Spätmittelalters. Anhand bedeutender Münzvereine dieser Zeit, die ich im Folgenden als Ausprägungen früher Währungsunionen betrachte, soll aufgezeigt werden:

- Mit welchem geldpolitischen System diese konfrontiert waren,
- welchen Zielsetzungen und Zwecken sie dienen sollten,
- wie und in welchen Schritten sie sich üblicherweise vollzogen
- und welche hauptsächlichen Probleme dabei auftraten.

Auch damalige Lösungsansätze sollen in diesem Zusammenhang vorgestellt und beschrieben werden. Des Weiteren möchte ich die entscheidenden Akteure in ihrem Zusammenspiel sowie ihrem Gegeneinander skizzieren. Geographisch beziehe ich mich vor allem auf das Gebiet des Deutschen Reiches.

Damalige Währungsunionen waren mit zahlreichen Problemen und Unzulänglichkeiten konfrontiert. Die hierzu entwickelten Lösungsansätze waren meist nur zum Teil und temporär geeignet, diese zu beseitigen. Aufgrund der relativ schwachen Stellung des Reichsoberhauptes zu dieser Zeit waren sie jedoch wichtige und notwendige Schritte zur Vorbereitung weiterer Maßnahmen der Vereinheitlichung des Münzwesens auf gesamter Reichsebene.

2. Einleitung

Meines Erachtens ist es auch in der heutigen Volkswirtschaft, die über ein modernes Geldsystem mit entsprechend hoch entwickelten Instrumenten verfügt, wichtig sich mit der Geschichte und den Ursprüngen des Geldwesens zu beschäftigen. Denn bei der Betrachtung von Versuchen der Koppelung und Verschmelzung verschiedener Währungen ist immer wieder eine Vielfalt an historischen Parallelen und komplexen Problemen festzustellen (Klüssendorf 1993, S. 29). Aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und entsprechende Verbesserungen abzuleiten, ist aus eben diesen Gründen ganz sicher Erfolg versprechend. Heutzutage werden Zahlungsmittel im allgemeinen Wirtschaftverkehr „leichtfertig“ benutzt - ohne darüber nachzudenken, woher diese eigentlich stammen und wie sie sich zu dem entwickelten was sie gegenwärtig sind. Ich bin deshalb der Meinung, jedermann sollte über die historische Entstehung des Geldes informiert sein.

Die übergeordnete Leitfrage meiner Arbeit lautet folgendermaßen:

Vor welchen Problemen standen Währungsunionen unter den Bedingungen des mittelalterlichen Gütergeld-Systems, und wie wurden diese Probleme gegebenenfalls gelöst?

Nach heutigem Kenntnisstand wird die Erfindung der Münze für das 7. Jahrhundert vor Christi in Kleinasien, der heutigen Türkei, datiert. Bereits ein Jahrhundert später trat die erste Währungsunion im Gebiet des heutigen Griechenlands in Kraft (Cunz 2002, S. 9). Schon damals galt der Grundgedanke einer Vereinheitlichung der verschiedenen Währungsstandards, um Einheitlichkeit, Übersichtlichkeit, Klarheit und Einfachheit im Bereich des Münzwesens zu schaffen. Denn eines ist ganz klar vorab festzustellen: Der Charakter des historischen Geldwesens ist gekennzeichnet durch kleinräumige Zersplitterung sowie erhebliche Unübersichtlichkeit und Kompliziertheit (Cunz 2002, S. 9). Die Vielzahl der damaligen Handelsgeschäfte war gestört durch zahlreiche Unvollkommenheiten des Geldsystems, unter anderem: Instabilität von Währungen infolge der andauernden plötzlichen Abänderungen im Wert, eine außerordentliche Münzvielfalt, Falschmünzerei, unrichtige zumeist fixierte und selten angepasste Tauschverhältnisse von Gold und Silber sowie eine in Europa schon fast chronische Zahlungsmittelknappheit (Cipolla 1983, S. 207).

Das Spätmittelalter kann wohl ohne Zweifel als erste Blütezeit der Währungsunionen in Mitteleuropa betrachtet werden (Cunz 2002, S. 16). Mit dem 14. und 15. Jahrhundert bezieht sich das vorliegende Thema zeitlich auch genau auf diesen Abschnitt, in dem Münzvereine verstärkt als regionale Währungsunionen fungierten. Voraus ging hier die Periode des regionalen Pfennigs mit minimaler lokaler Geltung einer Münze im 12. und 13. Jahrhundert, das heißt eine Münze galt nur dort wo sie auch geschlagen wurde (Puhle 1988, S. 6). Im Anschluss folgten dann ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die königlichen Reichsmünzordnungen von 1524, 1551 und 1559, als Versuche das Münzwesen wieder stärker zu zentralisieren und auf gesamter Reichsebene zu vereinheitlichen. Eine schematische Übersicht ist Abbildung 1 zu entnehmen. Typisch für diese Zeit in Bezug auf das Geldwesen ist hierbei das Gütergeld. Es bestand aus vollwertigen Münzen mit Edelmetallgehalt. Die Kaufkraft wurde dadurch im Ergebnis allein durch den Feingehalt in den Münzen bestimmt (Christmann 2002, S. 201). Währungspolitik war somit maßgeblich Münzpolitik (Klüssendorf 1993, S. 29). Je nach Verwendungszweck der Münzen wurden im Mittelalter drei Metallsorten für die Geldprägung verwendet: Kupfer, Silber und Gold (Kindleberger 1989, S. 44). Geldströme können somit hauptsächlich als ein Ergebnis der Variationen im Gold-Silber-Verhältnis zwischen den Staaten betrachtet werden (Miskimin 1989, S. 147). Das relativ unterbewertete Edelmetall floss langfristig ins Ausland ab (Christmann 2002, S. 202).

Demgegenüber handelt es sich bei unserem heutigen Geld um keine stoffwerthaltige Währung mehr und die Kaufkraft hängt im Wesentlichen von der Stabilitäts- und Geldmengenpolitik der Zentralbanken ab, einer regelnden Institution, die die damalige Zeit bei weitem noch nicht kannte (Cunz 2002, S. 10). Frühere Organe waren lediglich die Räte und Ausschüsse der Städte und Fürsten. Ein weiterer wesentlicher Systemunterschied ist darin zu sehen, dass gegenwärtig neben dem realen Geld in Form von Münzen und Banknoten noch etliche Geldäquivalente und virtuelle Instrumente als geeignete und anerkannte Zahlungsmittel dienen (Kindleberger 1989, S. 45).

Zum Forschungsstand muss festgestellt werden, dass eine unübersehbare Vielfalt an Literatur und Schrifttum zur Geschichte und Charakteristik einzelner Münzvereine sowie regionaler Gebiete und Landschaften existiert, sich aber nur wenige Werke konkret auf allgemeine Probleme und Umstände dieser frühen Währungsunionen beziehen und diese klar herausarbeiten. Die herrschende Meinung vertritt hierbei die Ansicht, dass einzelne bedeutende Münzvereine, wie beispielsweise der Wendische oder der Rheinische, unter den gegebenen schwierigen Umständen doch zu einer gewissen Verbesserung des Münzwesens beigetragen haben. Es wird dabei teilweise sehr detailliert und umfangreich auf die unzähligen Münzsorten, Konventionen und Vereinbarungen der Verträge eingegangen, ohne jedoch hinreichend grundlegende Aussagen von genereller Bedeutung zu treffen. In diesem Zusammenhang ist es also erforderlich anhand der wichtigsten Vertreter, die hierbei typischen Elemente und Probleme zu analysieren und zu verdichten. Mit nachfolgender Arbeit möchte ich dies nun versuchen.

Beginnen möchte ich meine Arbeit im Folgenden mit Begriffsdefinitionen, um die Hauptgegenstände klar zu bestimmen und hervorzuheben. Es folgt die Beschreibung und Analyse des Grundproblems des deutschen Münzwesens - die extreme Zersplitterung als zu bewältigende Ausgangslage im Deutschen Reich. Anschließend wird aufgezeigt, mit welchen Maßnahmen darauf reagiert wurde und welche Zielsetzungen ein „typischer“ damaliger Münzverein als einer der Hauptakteure im Zusammenhang mit regionalen Währungsvereinheitlichungen hatte. Weitere Probleme und Schwierigkeiten, die sich dabei ergaben, sowie entsprechende Lösungsansätze sollen des Weiteren aufgezeigt werden. Zum Abschluss erfolgt ein Ausblick auf weitergehende Reformen des Münzwesens auf Reichsebene in Form der Reichmünzordnungen und Reichskreise im 16. Jahrhundert.

3. Begriffsdefinitionen

Vorangestellt erfolgen nun zunächst einmal einige meines Erachtens wesentliche und für die bessere Verständlichkeit des Themas unbedingt notwendige Begriffsdefinitionen. Auch wegen der einfachen Tatsache, dass hiervon in der Literatur die unterschiedlichsten Varianten verbreitet sind, soll damit späteren Unklarheiten und Missverständnissen vorgebeugt werden. Bei den zu klärenden Begriffen handelt es sich um die folgenden:

Währung, Währungsunion, Münzverein und Leitwährung.

Währung ist die innerhalb eines Staates durch die so genannte Geldverfassung und das jeweilige Geldsystem per Gesetz festgelegte Geldeinheit. Sie dient in erster Linie hauptsächlich drei Funktionen: als Zahlungsmittel im allgemeinen Wirtschaftsverkehr, als Rechnungseinheit sowie als Wertaufbewahrungsmittel (Klüssendorf 1993, S. 29).

Eine Währungsunion ist eine freiwillige Vereinigung mehrerer souveräner Staaten zu wirtschaftlichen Zwecken unter Abtretung der eigenen Währungshoheit. Hierbei müssen erstens eine einheitliche und allgemeine Einheit der Geldrechnung, die Recheneinheit, und zweitens gemeinschaftliche einheitliche Zahlungsmittel als äußeres Kennzeichen vorhanden sein, die im gesamten zusammenhängenden Unionsgebiet gültig und mit der zugrunde gelegten Recheneinheit verknüpft sind (Stefke 2002, S. 149). Gemeinsamkeiten bei den Geldzeichen können dabei zum Beispiel mittels Normierungen in Form, Farbe, Gewicht und Feingehalt sowie in parallelen Merkmalen des Münzbildes erreicht werden (Klüssendorf 1993, S. 29).

Nun gilt es demgegenüber die Definition eines damaligen Münzvereins zu stellen und zu untersuchen, ob und inwieweit es sich hierbei schon um eine frühe Form einer Währungsunion gehandelt haben könnte.

Ein Münzverein ist ein vertraglich vereinbarter und freiwilliger Zusammenschluss mindestens zweier benachbarter Münzstände, mit dem Ziel eine größere funktionierende Einheit im Münzwesen zu schaffen. Hierbei geht es demnach also um die Herstellung (die Münzprägung) sowie die Verwendung (den Münzumlauf) einheitlicher Zahlungsmittel gleichen Werts und Typs innerhalb eines dann größeren regionalen Währungsgebietes (Stefke 2002, S. 148).

Ein Münzverein kann der Definition einer Währungsunion aber nur dann genügen, wenn neben den einheitlichen Zahlungsmitteln auch eine allgemeine Recheneinheit steht, einheitliches Stückgeld allein genügt demnach nicht (Stefke 2002, S. 148). Fast allen bedeutenden Münzvereinen war eine solche Recheneinheit zu Grunde gelegt, auf die sich dann alle weiteren Geldnominale bezogen. So war dies beim Wendischen Münzverein beispielsweise die Mark lübisch (Stefke 2002, S. 150). Die Nennwerte wurden in den Verträgen durch die so genannte Valvierung / Tarifierung festgelegt. Somit wurde die Stellung gegenüber der allgemeinen Recheneinheit bestimmt, was in einem am reinen Stoffwert des Geldes orientierten Geldsystem oft eine komplizierte und andauernd neu zu bewältigende Aufgabe darstellte. Wurde das Feingewicht einer einzelnen Münzsorte verändert, hatte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Wertverhältnisse dieser Sorte zu allen anderen Sorten (Stefke 2002, S.151).

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Währungsunionen im 14. und 15. Jahrhundert
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Geldpolitik im Mittelalter, 800 - 1500
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V63303
ISBN (eBook)
9783638563796
Dateigröße
690 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Währungsunionen, Jahrhundert, Geldpolitik, Mittelalter
Arbeit zitieren
Mark Krusic (Autor), 2006, Währungsunionen im 14. und 15. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63303

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