Die zum Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich als Einkaufsgenossenschaften gegründeten Verbundgruppen, die insbesondere die gemeinsame Warenbeschaffung zum Ziel hatten, haben sich im Laufe der Jahrzehnte zu komplexen Informations- und Konzeptverbänden entwickelt. Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 330 Verbundgruppen, deren Aufgaben heute weit über die Erzielung von Einkaufsvorteilen durch Nachfragebündelung, die Regulierung von Rechnungen (so genannte Zentralregulierung) und die Übernahme der Delkrederehaftung hinausreichen. Sie sehen sich heute mehr denn je neuen Herausforderungen gegenübergestellt. Vor allem die zunehmende Globalisierung und der immer größer werdende Erfolg von Filialsystemen zwingt die Verbundgruppen dazu, sich stärker im Markt zu positionieren.
Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie eine Verbundgruppenprofilierung durch die Bildung von Vertriebslinien ermöglicht werden kann. Dabei konzentrieren sich die Ausführungen, aufgrund der umfangreichen Literaturgrundlage, primär auf Verbundgruppen des Einzelhandels. Im zweiten Kapitel werden die Verbundgruppen zunächst in den Kontext der Handelssysteme eingeordnet. Anschließend werden die geschichtliche Entwicklung sowie gegenwärtige Probleme der Verbundgruppen näher betrachtet. Im dritten Kapitel werden, nach einer begrifflichen Abgrenzung, Anforderungen an eine ganzheitliche Profilierungsstrategie dargestellt, bevor eine mögliche Systematisierung von Vertriebslinien erfolgt. Darüber hinaus werden die Besonderheiten und Umsetzungsmöglichkeiten der Vertriebslinienpolitik in Verbundgruppen dargestellt. Anhand der EDEKA-Gruppe wird im vierten Kapitel die Vertriebslinienpolitik praxisnah dargestellt, bevor schließlich ein Fazit gezogen wird und mögliche Entwicklungstendenzen aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Verbundgruppen - Status quo
2.1 Begriffsbestimmung und Einordnung der Verbundgruppen in die Handelssysteme
2.2 Die Verbundgruppen des Einzelhandels
2.2.1 Ein historischer Abriss und Entwicklungstendenzen
2.2.2 Die gegenwärtige Situation
3. Vertriebslinienpolitik als Element der Profilierungsstrategie
3.1 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
3.2 Die Ziele und Anforderungen an eine Profilierungsstrategie
3.3 Eine Systematisierung von Vertriebslinien
3.4 Die Vertriebslinienpolitik in Verbundgruppen
3.4.1 Ziele
3.4.2 Besonderheiten
3.4.3 Umsetzung
4. Fallstudie EDEKA: Eine praxisnahe Darstellung der Vertriebslinienpolitik
4.1 Die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der EDEKA-Gruppe
4.2 Portrait und Kennzahlen
4.3 Die Vertriebslinien der EDEKA-Gruppe
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab zu untersuchen, wie Verbundgruppen durch die strategische Bildung von Vertriebslinien profiliert werden können, um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber zunehmend starken Filialsystemen zu sichern und zu steigern.
- Strukturelle Einordnung von Verbundgruppen in den Handel.
- Theoretische Fundierung und Abgrenzung der Vertriebslinienpolitik.
- Systematisierung und operative Umsetzung von Profilierungsstrategien in Verbundgruppen.
- Analyse der EDEKA-Gruppe als Fallstudie für angewandte Vertriebslinienpolitik.
- Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen Zentralvorgaben und der unternehmerischen Selbstständigkeit der Mitglieder.
Auszug aus dem Buch
Die gegenwärtige Situation
Seit 1993 befindet sich der gesamte Handel in einer Krise, die auf nahezu alle Branchen und Handelssysteme wirkt. Verstärkt wird diese Situation durch die schwache konjunkturelle Lage und die damit verbundene Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Darüber hinaus, verändert sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Die Tatsache, dass die Einkaufsstätten bezüglich Sortiment und Bedienungsform immer ähnlicher werden führt zu einem Rückgang der Einkaufsstättentreue und somit zu Kundenverlusten.
Zu den oben genannten Problemen, die nahezu alle Handelssysteme in gleicher Weise betreffen, kommt für die Verbundgruppen der Druck, der speziell durch die Filialsysteme ausgeübt wird hinzu. Im Systemwettbewerb ist es den Filialisten durch eine Kombination aus hierarchisch aufgebauter Organisation und dezentralem Management gelungen, sich immer stärker gegenüber den Verbundgruppen durchzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die zunehmende Bedeutung von Profilierungsstrategien für Verbundgruppen und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Die Verbundgruppen - Status quo: Dieses Kapitel ordnet Verbundgruppen in das Handelssystem ein und analysiert die historische Entwicklung sowie die aktuellen Herausforderungen im Markt.
3. Vertriebslinienpolitik als Element der Profilierungsstrategie: Hier werden theoretische Grundlagen zur Profilierung gelegt, Vertriebslinien systematisiert und Besonderheiten der Umsetzung in genossenschaftlich geprägten Strukturen diskutiert.
4. Fallstudie EDEKA: Eine praxisnahe Darstellung der Vertriebslinienpolitik: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse der Unternehmensstruktur und der praktischen Anwendung der Vertriebslinienpolitik am Beispiel der EDEKA-Gruppe.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird die Notwendigkeit einer Profilierung hervorgehoben und die Notwendigkeit zur Bereinigung von Vertriebslinienportfolios bei gleichzeitiger Wahrung der Mitgliederindividualität betont.
Schlüsselwörter
Verbundgruppen, Einzelhandel, Vertriebslinienpolitik, Profilierungsstrategie, EDEKA, Handelskooperationen, Filialsysteme, Systemwettbewerb, Marktpositionierung, Betriebstyp, Zentralregulierung, Unternehmensführung, Mitgliedersegmentierung, Markenführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die strategische Profilierung von Verbundgruppen im Einzelhandel durch den gezielten Einsatz von Vertriebslinienpolitik, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition und Systematisierung von Vertriebslinien, die Herausforderungen genossenschaftlicher Kooperationen sowie die praktische Anwendung dieser Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Verbundgruppen durch eine klare Profilierung ihrer Vertriebsschienen gegenüber Filialsystemen an Wettbewerbskraft gewinnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-konzeptionelle Arbeit, die durch eine praxisnahe Fallstudie (EDEKA) ergänzt wird, um die theoretischen Modelle zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der begrifflichen Abgrenzung von Vertriebslinien, der Systematisierung dieser Konzepte und den spezifischen Herausforderungen bei der Umsetzung in Verbundgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Verbundgruppen, Vertriebslinienpolitik, Profilierung, EDEKA, Einzelhandel und Systemwettbewerb.
Warum ist die Profilierung für Verbundgruppen schwieriger als für Filialisten?
Aufgrund der gesellschaftsrechtlichen Struktur und des Prinzips der Freiwilligkeit verfügen Verbundgruppen-Zentralen über weniger direkte Weisungsbefugnisse als Filialsysteme, was die Durchsetzung einheitlicher Konzepte erschwert.
Welche Rolle spielt die EDEKA-Gruppe in dieser Analyse?
EDEKA dient als Fallbeispiel, um zu zeigen, wie ein Unternehmen mit einem historisch gewachsenen, heterogenen Portfolio von Vertriebslinien versucht, durch Segmentierung und Betriebstypenkonzepte ein einheitliches Profil zu gewinnen.
- Quote paper
- Kevin Krohn (Author), 2005, Profilierung von Verbundgruppen durch Vertriebslinienpolitik (mit Fallstudie), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63310