Die Systemtheorie Niklas Luhmanns


Referat (Handout), 2004

8 Seiten


Leseprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Was jede der Wissenschaften mit einem umgrenzten Objektbereich je spezifisch vorfindet, abstrahiert die allgemeine Systemtheorie zu einem eigenen Gegenstand: Mengen bestimmter Elemente, zwischen denen bestimmte Relationen vorliegen. Sie untersucht so das Zusammenwirken der durch ihre Einzelfunktionen beschriebenen Elemente eines Systems (griech. Gebilde, Zusammenstellung) miteinander und mit der Aussenwelt sowie der Beziehungen zwischen gekoppelten Systemen.

Die Luhmannsche Systemtheorie präsentiert sich als eine eigenständige, umfassend (auf über 10 000 Druckseiten) gearbeitete, auf hohem Abstraktionsniveau angesiedelte „Supertheorie“ (so Luhmann) mit universalem Anspruch.[1] Ihre Methode ist die einer konsequent funktionalen Analyse; immer geht es um Funktionen, nicht um Strukturen.[2]

In der Ausarbeitung der Theorie haben sich zwei wichtige Paradigmenwechsel vollzogen: im ersten Schritt (um 1960) wurde die traditionelle Vorstellung, ein System bestünde aus einem Ganzen und seinen Teilen, durch die Grenze zwischen System und Umwelt ersetzt. Der zweite Schritt (seit den siebziger Jahren) vollzieht die Wende zur selbstreferentiellen, autopoietischen Geschlossenheit (s.unten).[3]

Da die Systemtheorie Luhmanns – ganz der Theorie entsprechend – sich nicht von dem einen Element zum andern hin hierarchisch baut, sondern einem Mosaik gleicht, bei dem jedes Steinchen – für sich schier unverständlich – alle andern ein wenig erhellt, nähert man sich ihr am besten über deren wichtigste Grundbegriffe an:[4]

[...]


[1] Allerdings zielt der Anspruch nicht auf Vermittlung eines archaisch-ontischen Wahrheitsbegriffs – was Luhmann als „alteuropäisches Denken“ bezeichnen würde – sondern meint schlicht den allumfassenden Gegenstandsbereich (sogar inklusive des bei Luhmann theorieimmanenten „blinden Flecks“ des ebenso theorieimmanenten Beobachters).

[2] Dieser Funktionalismus Luhmanns hat besonders drei Quellen: Erstens die ethnologische Soziologie Alfred R. Radcliffe-Browns und Bronislaw Malinowskis, deren Werke er schon in den Fünfziger Jahren gelesen hatte. Zweitens hatte Ernst Cassirer aus seiner Beschäftigung mit der Mathematik und den Grundlagen exakter Wissenschaftlichkeit heraus dazu angeregt, Substanzbegriffe in Funktionsbegriffe aufzulösen. Drittens ist der Funktionalismus eine der Hauptströmungen der Soziologie von Emile Durkheim über Talcott Parsons (bei welchem Luhmann studiert hatte, siehe Biographie) bis in die Gegenwart.

[3] Anregungen kamen anfangs von der Thermodynamik, später von der Biologie (der Begriff „Autopoiesis“ stammt vom Kognitionsbiologen H.R. Maturana), Neurophysiologie, Informationstheorie, Kybernetik, etc.

[4] Die im folgenden verwendeten Diagramme sind entnommen aus: Becker, Frank; Reinhard-Becker Elke: Systemtheorie, Eine Einführung für die Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt/Main 2001.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Systemtheorie Niklas Luhmanns
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2004
Seiten
8
Katalognummer
V63538
ISBN (eBook)
9783638565684
ISBN (Buch)
9783656809685
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemtheorie, Niklas, Luhmanns
Arbeit zitieren
Magister Dominic Lüthi (Autor), 2004, Die Systemtheorie Niklas Luhmanns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63538

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