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Figurenkonzeptionen und Handlungskonstellationen in ausgewählten Sainetes von Ramón de la Cruz

Title: Figurenkonzeptionen und Handlungskonstellationen in ausgewählten Sainetes von Ramón de la Cruz

Seminar Paper , 2003 , 29 Pages , Grade: 1

Autor:in: Magister Artium Clarissa Höschel (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Das komische Theaters im Spanien des 18. Jahrhunderts ist, ähnlich wie auch in Italien, durch eine gewisse Zweigleisigkeit gekennzeichnet: Einerseits orientiert sich das hochliterarische Theater an Vorbildern wie Molière und Einflüssen wie der Didaktik der Aufklärung, andererseits leben traditionelle und volkstümliche Elemente weiterhin fort. Anders aber als in Italien, wo sich ein Erstarren der venezianischen Commedia dell’arte bemerkbar macht, erlebt Spanien die Verselbständigung des género menor in Form von entremeses und sainetes, die sich zum Gegengewicht des género mayor entwickeln und in den unteren Volksschichten ihr treuestes Publikum, in den Theaterreformern aber auch ihre vehementesten Gegner finden.
Im Gegensatz zum kulturell wegweisenden Frankreich weist Spanien eine lange Tradition des humorvollen Theaters auf; gleichzeitig wirkt sich der starke französische Kultureinfluß seit dem am Anfang des 18. Jahrhunderts ausgetragenen Erbfolgekrieg deutlich auf die Entwicklung des hochliterarischen Theaters aus, was nicht nur zu Spannungen und Konkurrenzsituationen, sondern durchaus auch zu einem Miteinander der beiden Gattungen auf der Bühne führt, denn die kurzen entremeses und sainetes werden zwischen den Akten der abendfüllenden Klassiker aufgeführt und symbolisieren damit den Ausgang der comedia antigua des Siglo de Oro, deren Hauptanliegen ebenfalls das delectare, das Erfreuen und Unterhalten des Zuschauers, war, ohne den moralisierenden und didaktischen Anspruch der comedia nueva, die dem Aspekt des delectare den des docere an die Seite stellt. Auffällig ist, daß die klassischen Werke des Siglo de Oro, vor allem die Stücke Calderóns, nun als refundiciones aufgeführt werden, und dies bedeutet, daß sie dem zeitgenössischen Geschmack angepaßt und immer mehr auf die Unterhaltung ausgerichtet sind. Insgesamt kann beobachtet werden, daß die monarchischen und religiösen Elemente zunehmend aus der Mode geraten und daß gerade die Zwischenspiele viel zum allgemeinen Theatererfolg beitragen. Dabei entstehen aus den traditionellen entremeses (die 1780 wegen ihrer Obszönität verboten werden) die gesprochenen (sainetes) und gesungenen (tonadillas) Zwischenspiele.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Zur Theatersituation im Spanien des 18. Jahrhunderts

1.2 Ramón de la Cruz

1.3 Zur Gattung der Sainetes

1.3.1 Definition

1.3.2 Vorläufer der Sainetes und seiner Figuren

2 Schauplätze

2.1 Außenräume

2.1.1 El Paseo del Prado

2.1.2 La Calle

2.1.3 La Plaza Mayor

2.1.4 El patio

2.2 Innenräume

2.2.1 La casa pobre

2.3 Die Verlagerung des Schauplatzes

2.3.1 Von außen nach außen

2.3.2 Von außen nach innen

2.3.3 Von innen nach innen

3 Erkennungszeichen der Schlüsselfiguren

3.1 Kleider machen majos und petimetres

3.2 Sprechende Namen

3.3 Sprache

3.4 Musik, Gesang und Tanz

3.5 Das liebe Geld oder Mehr scheinen denn sein

3.6 Tod als Komik

4 Die Figurenkonzeption

4.1 Majos und petimetres

4.2 Die Doppelung des dramatischen Genres: lo tradicional y lo foreño

4.3 Majos und petimetres: wie Hund und Katze?

4.4 Der Sonderfall: Sainetes ohne die Opposition majo-petimetre

5 Der Umgang mit Konflikten

5.1 Modelle der Konfliktlösung

5.1.1 Die Obrigkeit

5.1.2 Das Einschreiten indirekt Beteiligter

5.1.3 Konfliktlösung durch direkt Betroffene

5.2 Bleibt alles, wie es ist?

5.3 Delectare – mit oder ohne docere ?

6 Zusammenfassung

7 Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Figurenkonzeptionen und Handlungskonstellationen in ausgewählten Sainetes von Ramón de la Cruz, um den Anspruch dieser Werke als Unterhaltungstheater im Spanien des 18. Jahrhunderts zu analysieren. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie soziale Identitäten und Konflikte innerhalb der volkstümlichen Gattung konstruiert und verhandelt werden.

  • Die Analyse der Schauplätze als Spiegel von Öffentlichkeit und Privatsphäre.
  • Die Untersuchung von Erkennungsmerkmalen der Schlüsselfiguren (Majos und Petimetres).
  • Die Auseinandersetzung mit der sozialen Opposition zwischen Tradition und neumodischen Einflüssen.
  • Die Typologie der Konfliktlösungsmuster in den Sainetes.
  • Die kritische Bewertung des Verhältnisses von Unterhaltung (delectare) und Belehrung (docere).

Auszug aus dem Buch

3.1 Kleider machen majos und petimetres

Kleidung und Verkleidung bilden ein zentrales Fundament, sowohl für die Charakterisierung der Figuren, als auch als Grundlage und Ausgangspunkt für Handlungssequenzen; oft auch für Konflikte und natürlich als Ansatzpunkt der Komik, denn wenn es beim ersten Auftritt des Geschäftsinhabers in Las Escofieteras heißt, dieser erscheine mit bata buena, peluquín muy empolvado, gran talega y cintas al cuello, ist die komische Figur schon in Szene gesetzt, bevor das erste Wort gesprochen wurde. Über diesen komischen Aspekt hinaus ist Kleidung in jedem Fall das äußere Zeichen der gesellschaftlichen Stellung und damit auch Wertmesser für das eigene Selbstbewußtsein, gleichzeitig auch ein eindeutiges Signal für die Umwelt, das alle Informationen für den angemessenen gesellschaftlichen Umgang enthält.

Dies ist besonders anschaulich dargestellt in Las Castañeras picadas, wo im zweiten Teil der Jüngling Gorito, der zunächst noch die von der maja Temeraria finanzierte Kleidung de majo trägt, plötzlich con las galas bekleidet erscheint, die dem verstorbenen Schreinermeister gehören, dessen Platz er durch die Hochzeit mit dessen Witwe einnehmen wird. Analog zu diesem Aufstieg verändert sich auch sein Name vom verniedlichenden Gorito zum seriösen D. Gregorio. An dieser Stelle wird deutlich, wie viel wichtiger im 18. Jahrhundert die Kleidung bzw. die gesellschaftliche Erlaubnis, eine bestimmte Kleidung zu tragen, tatsächlich war, denn die Person, die sich hinter Gorito alias D. Gregorio verbirgt, ist in jedem Fall dieselbe, allein schon deshalb, weil die wenigen Minuten, die der zukünftige Schreinermeister zum Umziehen braucht, sicherlich nicht ausreichen, ihn in seiner Persönlichkeit zu verändern. Was sich durch die Legitimation des Kleidungswechsels allerdings schlagartig geändert hat, ist seine gesellschaftliche Position, und die Maroniverkäuferin, die nur wenige Stunden zuvor noch eine Hochzeit mit ihm in Betracht gezogen hat, wird ihn wahrscheinlich in Zukunft nicht einmal mehr duzen dürfen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Beleuchtet die Theatersituation im Spanien des 18. Jahrhunderts und führt in die Gattung der Sainetes sowie deren Protagonisten ein.

2 Schauplätze: Untersucht die räumliche Dimension der Sainetes, insbesondere die Differenzierung zwischen Außen- und Innenräumen und deren Verlagerung.

3 Erkennungszeichen der Schlüsselfiguren: Analysiert verschiedene narrative und performative Instrumente wie Kleidung, Sprache und sprechende Namen zur Charakterisierung der Figuren.

4 Die Figurenkonzeption: Erläutert die Typologie der Majos und Petimetres und deren Funktion als Spiegel gesellschaftlicher Spannungen.

5 Der Umgang mit Konflikten: Kategorisiert verschiedene Konfliktlösungsmuster und untersucht das Veränderungspotenzial der Figuren innerhalb der Stücke.

6 Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zur Bedeutung der Schauplätze, der Figurenkonzeption und der Funktion der Sainetes als Unterhaltungsgenre zusammen.

7 Schlussbemerkung: Reflektiert abschließend die Rolle der Sainetes als humorvolle Auseinandersetzung mit sozialen Hierarchien und dem neoklassischen Theater.

Schlüsselwörter

Ramón de la Cruz, Sainetes, Majos, Petimetres, Spanien 18. Jahrhundert, Theatergeschichte, Figurenkonzeption, Gesellschaftskritik, Kleidung, Sprache, Konfliktlösung, Unterhaltungstheater, Costumbrismo, Sozialleben, Madrider Volkstypen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Figurenkonzeptionen und Handlungskonstellationen in den Sainetes von Ramón de la Cruz im Kontext des komischen Theaters im Spanien des 18. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die räumliche Darstellung, die soziologische Differenzierung von Figuren (Majos vs. Petimetres), die Rolle der Kleidung als Identitätsmarker und der Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es, den künstlerischen Anspruch und die Funktion der Sainetes als Unterhaltungsgenre aufzuzeigen, trotz des Drucks durch zeitgenössische Theaterreformer.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse von ausgewählten Sainetes, um Handlungsmuster, Figureninteraktionen und räumliche Funktionen systematisch zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Schauplätzen, die Analyse von Charakterisierungsinstrumenten (wie Sprache und Namen), die Figurenkonzeption und die Typologie von Konfliktlösungsszenarien.

Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören: Ramón de la Cruz, Sainetes, Majos, Petimetres, soziale Identität, Unterhaltungstheater und Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts.

Wie unterscheiden sich Majos und Petimetres in der Konzeption der Sainetes?

Majos repräsentieren die traditionelle, bodenständige Bevölkerung Madrids mit ihren spezifischen Eigenheiten, während Petimetres für eine oberflächliche, am Französischen orientierte Elite stehen, was das zentrale Konfliktpotenzial bildet.

Welche Rolle spielt der Schauplatz für den Erfolg eines Sainetes?

Die Schauplätze sind oft tableauhaft angelegt und spiegeln die Trennung zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre wider, wobei gerade die Identifikation des Publikums mit bekannten Madrider Orten zur Beliebtheit beiträgt.

Gibt es in den Sainetes eine nachhaltige Veränderung der Figuren?

Meistens findet nur eine punktuelle Konfliktlösung statt; nachhaltige moralische Läuterungen sind die Ausnahme und folgen oft nicht den Forderungen der neoklassischen Belehrung.

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Details

Title
Figurenkonzeptionen und Handlungskonstellationen in ausgewählten Sainetes von Ramón de la Cruz
College
LMU Munich  (Romanistik)
Course
Hauptseminar
Grade
1
Author
Magister Artium Clarissa Höschel (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V63543
ISBN (eBook)
9783638565707
ISBN (Book)
9783638669351
Language
German
Tags
Figurenkonzeptionen Handlungskonstellationen Sainetes Ramón Cruz Hauptseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Clarissa Höschel (Author), 2003, Figurenkonzeptionen und Handlungskonstellationen in ausgewählten Sainetes von Ramón de la Cruz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63543
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