Zu: Ramon de la Cruz: "Sainetes"


Studienarbeit, 2003

48 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Zu Ramón de la Cruz

2 Zur Gattung der Sainete
2.1 Definition
2.2 Formales
2.3 Figuren
2.4 Sprache
2.5 Musik
2.6 Szenerie
2.7 Zusammenfassung

3 Zwanzig ausgewählte Stücke
01 Las delicias de prado (vgl. Figurenkonstellation)
02 La merienda a escote (vgl. Figurenkonstellation)
03 Manolo (vgl. Figurenkonstellation)
04 Los picos de oro (vgl. Figurenkonstellation)
05 La Crítica, La Señora, La Primorosa, La Linda (vgl. Figurenkonstellation)
06 El fandango de candil
07 El casamiento desigual y Los Gutibambas y Mucibarrenas (vgl. Figurenkonstellation)
08 La República de las mujeres (vgl. Figurenkonstellation)
09 Las Escofieteras
10 Las Castañeras picadas (vgl. Figurenkonstellation)
11 Zara
12 Las provincias españolas unidas por el placer
13 La Petra y la Juana o El casero prudente
14 Las usías y las payas
15 El cortejo escarmentado
16 El diablo autor aburrido
17 La comedia de maravillas
18 El Prado por la noche
19 La Pradera de San Isidro
20 La Presumida burlada

Literaturliste

1 Zu Ramón de la Cruz

1731 : Ramón de la Cruz wird am 28. März in Madrid geboren

1757 : Uraufführung seiner ersten sainete La enferma de mal de boda

Im Herbst des gleichen Jahres Uraufführung seiner ersten zarzuela (drama cómico-harmónico): Quien complace a la deidad acierta a sacrificar

1759 : Eintritt in die Beamtenlaufbahn bei der Madrider Justizbehörde. Dort verbleibt er, bei geringem Lohn und mit nur einer Beförderung, über dreißig Jahre.

Kurz nach seinem Eintritt Hochzeit mit Margarita Beatriz de Magán, mit der er mehrere Kinder hat.

Ab 1760 beginnt er, regelmäßig sainetes zu verfassen, dazu auch längere Stücke wie zarzuelas , comedias und die eine oder andere tragedia , oft 25 bis 30 Stücke pro Jahr. Auch erhält er den ersten Auftrag der Stadt Madrid zur Umschreibung ( refundición) eines Calderón-Stückes. Er wird immer häufiger, oft auch zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten des hohen Adels oder Feierlichkeiten der Stadt Madrid, als „Vertragsschreiber“ berufen.

Mit zunehmendem Erfolg zieht sich Ramón de la Cruz allerdings auch den Groll von Nicolás Fernández de Moratín zu, der als Vertreter des neoklassischen Theaters den so beliebten sainetes nichts abgewinnen kann und seine Ablehnung auch in seinem Text Desengaño al teatro español darlegt. Die so beginnende Polemik zwischen género mayor und género menor spielt sich oft auf der Basis von Stücken ab, in denen die Meinungsverschiedenheiten thematisiert werden und weitet sich aus auf weitere Gegner der sainetes , wie z. B. Tomás de Iriarte oder auch Leandro Fernández de Moratín.

Ab 1788 nimmt die literarische Produktion von Ramón de la Cruz drastisch ab, sowohl qualitativ als auch quantitativ, bis 1792 das letzte Stück veröffentlicht wird.

Ramón de la Cruz stirbt im März 1794 im Hause seiner Gönnerin, der Gräfin Benavente.

2 Zur Gattung der Sainete

2.1 Definition

Sainete bedeutete ursprünglich ein kleines Zwischenstück, das in der Pause nach dem zweiten Akt eingeschoben wurde (anolog dazu das entremés , das Zwischenstück nach dem ersten Akt).

Mit Ramón de la Cruz hat sich der Begriff verdichtet auf die Stücke, die die von ihm geprägten Charakteristika aufweisen, wobei Cruz selbst die sainetes als soziales Dokument betrachtet, nämlich als: … ein kleines Stück ohne Handlung, mit einfachen Dialogen, in denen das komische Element vorherrscht. Die Figuren entstammen den unteren sozialen Schichten, die Laster und Lächerlichkeiten werden hervorgehoben und, mit einem Hauch von Boshaftigkeit, satirisch beleuchtet.

Insgesamt hat Ramón de la Cruz ca. 540 sainetes über Typen und Sitten des niederen Volkes von Madrid verfaßt

2.2 Formales

Die sainete besteht i.d.R. aus zwei Teilen, von denen der erste meist kürzer, und der zweite oft von einem Ortswechsel nach dem ersten Höhepunkt begleitet ist. Nach dem zweiten Höhepunkt kommt die Lösung, oder der Schluß mit Tanz, einem Liedchen oder einer Entschuldigung „ob der vielen Mängel“.

2.3 Figuren

Aufgrund der Kürze der Stücke treten keine Einzelpersonen auf, sondern Volkstypen, die statt Eigennamen mehr oder weniger bezeichnende Spitznamen haben, und die in die Welt des Rokoko, in eine Mischung aus Vergnügen, Lachen und Liebe führen.

Die Personen sind nur grob gezeichnet und unterscheiden sich kaum von einer sainete zur anderen. Es treten Personengruppen auf, die zum täglichen Leben gehören (Maroniverkäufer, Obstverkäufer, Maurer, Schuster, Frisör), die eine bestimmte soziale Funktion haben (Edelmann, Petitmaître, Ehemann, Witwer, Fromme) oder andere, die durch ihre Herkunft charakterisiert sind (Bauer, Gallizier, Italiener, Schweizer).

Die Funktion des costumbrismo : herausragendes volkstümliches Element, das sich, zur Schaffung von Stereotypen, an volkstümlichen Eigenheiten (dialektale Färbung, Charaktereigenschaften) orientiert.

2.4 Sprache

Die sainetes sind meist in Romanzen verfaßt, denn Ramón de la Cruz lehnt Polymetrie ab, ohne jedoch zur Prosa zu kommen. Ausnahmen: Die Parodien Manolo , El muñuelo und Zara sind in heroischen Romanzen geschrieben, was als Kontrast zu den profanen Handlungen einen außergewöhnlich komischen Effekt hat.

2.5 Musik

Die Musik spielt eine wichtige, aber nicht die wichtigste Rolle. Dennoch sind Tänze, Gesänge, kleine Liedchen und Instrumentalmusik ein wichtiger Bestandteil in der Darstellung der Charaktere.

2.6 Szenerie

Die Handlung beginnt oder spielt sich oft ab auf einer öffentlichen Straße, einem öffentlichen Platz oder in einem Salon, der aber meist nur als Vorspiel zu einer größeren Szene genutzt wird.

2.7 Zusammenfassung

Cruz zeigt auf satirische Art und Weise die menschlichen Schwächen, sympathisiert aber gleichzeitig mit den Charakteren, die er moralisch tadelt. In einer Welt, in der die Oberflächlichkeit im Umgang und in den Gewohnheiten dominiert, hält er die alten Werte hoch, ohne jedoch seine Position deutlich herauszustellen: en un género menor, tono menor.

3 Zwanzig ausgewählte Stücke

01 Las delicias de prado (vgl. Figurenkonstellation)

Tonadilla general anónima, música de esteve

Figuren : La Chusca, una avellanera, una rosquillera, un vendedor de agua de cebada, dos franceses, un italiano, un regante…

Ort : Szene auf dem Madrider Paseo del Prado

Inhalt : Ein Chor lobt immer wieder den Prado, ein Getränkeverkäufer versucht, seine Getränke auf katalanisch an den Mann zu bringen, eine Zuckerbrezelverkäuferin preist ihre Süßwaren an, ein Italiener gibt sein eigentümliches italienisches Spanisch zu besten, eine Französisch parliert in ebenso eigentümlichem französischen Spanisch. Mittendrin, als kleiner Handlungsstrang, die Chusca, maja , die zunächst ihren der Galanterie verfallenen Ehemann sucht, sich dann bei seinem Anblick bedeckt und zum Spaziergang einladen läßt, um sich dann zu zeigen. Es folgt ein kurzer Streit, gleich darauf die Versöhnung und

Eigenschaften der maja (Chusca) :

- Sprechender Name > schelmisch, witzig, nicht auf den Mund gefallen, schlagfertig
- unflätige Ausdrucksweise gegenüber ihrem Mann (este perro marido de mala casta, v.58-59)
- verzagt nicht am Benehmen ihres Mannes, sondern geht in die Offensive und schlägt ihn mit den eigenen Waffen
- ist aufbrausend und impulsiv, gleichzeitig aber auch sofort wieder versöhnungsbereit
Eigenschaften des petimetre enamorado (Emeregildo) :
- Gehobene, fast lyrische Sprache (garbo y aire de conquistar, v.226/ 227)
- ausgeprägtes Galanteriebedürfnis, Faible für das “schwache Geschlecht”
- ordnet sich nach seiner “Entlarvung” sofort seiner Frau unter, bittet um Vergebung, obwohl klar ist, daß er bei nächster Gelegenheit wieder genauso reagiert.

Thema (vgl. 7) ist das “Zur-Schau-Stellen” der ehelichen Beziehung als Momentaufnahme einer typischen Situation, nicht das Ändern dieser Situation und/ oder das Entwerfen von Lösungen.

Eigenschaften der petimetras 1+2 : - antworten (abschätzend) auf italienisch auf die Galanterie des Italieners (v.83)

02 La merienda a escote (vgl. Figurenkonstellation)

Uraufführung: 4. Februar 1774 im Teatro de la Cruz mit der Schauspielertruppe von Eusebio Ribera[1]

Besonders eindrucksvolle Beschreibung der Figuren von majo und maja.

Figuren: Espejo und Merino ( usías), Polonia y Soriano, Cortinas, Tadeo, un gallego, Anita, u.a.

Ort : die Straße, die Wohnung

Inhalt: Vorbereitungen für eine Vesper, die im Haus einer maja , Cortinas, abgehalten werden und zu der jeder der Gäste etwas beisteuern soll. Die Ankunft einiger ungeladener Gäste und das Erscheinen einer Geladenen mit einigen Freunden bringen das Vorhaben zum Scheitern: Anita, die die Möbel zur Verfügung gestellt hat, fordert diese sofort wieder zurück, als die von ihr mitgebrachten Bekannten nicht willkommen sind. Durch den daraus entstehenden Tumult aufmerksam geworden, erscheint der Alcalde, der jeden der Anwesenden nach Hause schickt.

Grundproblematik: das Geld

Niemand hat genug für das, was er sein möchte: Tadeo leiht sich seinen “Eintritt” von Espejo, die usías selbst versuchen, umsonst teilzunehmen (Merino bezahlt), die Gastgeberin muß sich Möbel und Kleidung zusammenleihen, Vicente wartet auf Schecks, die mit der Post kommen sollen,

Ausnahme: Anita la Borja

Eigenschaften der maja (Cortinas, vestida de mantilla) :

- siempre blasonando de cortejos y estafando a todos (Zitat Polonia, v.65-67)
- leiht sich für die merienda alles zusammen, einschließlich der Kleidung, die sie trägt. Alle Geladenen müssen irgendetwas beisteuern (Naturalien, Geld) > mehr scheinen denn sein: kann sich die Gesellschaft alleine nicht leisten! > Beschreibung: casa pobre (S. 341)

Soriano (majo, vestido de capa)

- vulgärsprache ( orinar fuera del tiesto , v.44)

[...]


[1] Vgl. die Ausführungen zur Aufführungssituation bei Martín Largo, S. 181.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Zu: Ramon de la Cruz: "Sainetes"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Romanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar
Autor
Jahr
2003
Seiten
48
Katalognummer
V63551
ISBN (eBook)
9783638565776
ISBN (Buch)
9783638710282
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ausführliche Studie zu 20 sainetes von Ramon de la Cruz (s. Inhaltsverzeichnis). Dazu eine Powerpoint-Datei, die die graphischen Darstellungen der Figurenkonstellationen von insgesamt acht sainetes enthält, eine Excel-Datei mit acht Arbeitsblättern, die Übersichten und statistische Daten enthalten, und eine zweite Word-Datei, die Zusatzmaterial zu verschiedenen verwandten Themen enthält vgl. Inhaltsverzeichnis). S. auch die Hauptseminararbeit!
Schlagworte
Ramon, Cruz, Sainetes, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Magister Artium Clarissa Höschel (Autor), 2003, Zu: Ramon de la Cruz: "Sainetes", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63551

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