Entstehungstheorien zum Genus der Sprache


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptstandpunkte der Genusfunktion und –entstehung
2.1. Theorien zur Genusfunktion
2.2. Theorien zur Genusentstehung

3. Analogische Ausbreitung
3.1. Analogie: allgemein
3.2. Analogie: Genus

4. Animismustheorie
4.1. Animismus: allgemein
4.2. Animismus: Genus
4.3. Animismus und Sexus

5. Analogie vs. Animismus

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der folgenden Hausarbeit möchte ich verschiedene Entstehungstheorien zum Genus der Sprache vorstellen.

Das Hauptaugenmerk werde ich dabei auf die beiden theoretischen Standpunkte der Anhänger der Theorie der Analogischen Ausbreitung auf der einen Seite, sowie den Vertretern der Animismustheorie auf der anderen Seite richten, da diese die Haupttheorien im Bereich der Genusentstehung darstellen.

Ich werde bis kurz vor Schluss versuchen, die Sexustheorie aus meiner Betrachtung herauszulassen und erst bei der abschließenden Vorstellung der Animismustheorie sie wieder aufgreifen, da eine strikte Trennung zwischen Animismus und Sexus nicht möglich ist, dies aber für die Vorgehensweise von Nöten ist.

Mein Vorgehen habe ich in sechs größere Unterpunkte aufgeteilt, wobei der erste, die Einleitung, hiermit schon erwähnt sei um mit den wichtigeren fortzufahren.

In Punkt zwei charakterisiere ich zunächst die Hauptstandpunkte der Genusfunktion. Dieses ist als erweiterte Einleitung zum Hauptteil zu sehen, da die Theorien der Genusfunktion und die der Genusentstehung zu großen Teilen auf denselben theoretischen Grundlagen stehen und voneinander wechselseitig abhängig sind. Um zu wissen was etwas macht und wie es funktioniert, muss zuerst die genaue Herkunft geklärt sein, ansonsten fehlt das Fundament für die Forschung.

Nach der Vorstellung der Funktionstheorien fahre ich mit den wichtigsten Standpunkten der Genusentstehung fort. Um Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen werde ich auch auf die im Hauptteil behandelten Theorien kurz eingehen.

Im Hauptteil beginne ich mit dem dritten Punkt, der Analogischen Ausbreitung und der Klärung der dafür benötigten Begriffe. Diese werde ich dann auf das Genus im speziellen beziehen und versuchen den Standpunkt dieser Theorie zu verdeutlichen und mit Beispielen zu belegen.

Ähnlich werde ich bei Punkt vier der Vorstellung des Animismus sowie der Animismustheorie verfahren. Zusätzlich werde ich hier auf die Ähnlichkeiten zwischen Animismus und Sexus hinweisen.

Mit Punkt fünf wird ein Vergleich zwischen beiden Theorien angestrebt und über die grundsätzlichen Gegensätzlichkeiten gesprochen.

Im Fazit, das als sechster Punkt den Schluss bildet, werde ich mein Untersuchungsergebnis noch kurz zusammenfassen und auf den neuesten Stand der Forschung in diesem Gebiet hinweisen.

Ganz sicher sein kann man sich auf diesem Gebiet leider nicht, denn es gibt keine primären Quellen die über eine Entstehung des Genus in der Sprache berichten oder sein erstes Erscheinen dokumentieren, im Gegenteil.

2. Hauptstandpunkte der Genusfunktion und –entstehung

„Über die rätselhafte, nirgends belegte Entstehung von Genus in den verschiedenen Sprachfamilien, wird in der Vergleichenden Sprachwissenschaft seit der griechischen Antike spekuliert, phantasiert und theoretisiert.“ (Bußmann, 1995: Hyperlink1) Versucht man dennoch Licht ins Dunkel der Entwicklung zu bringen entdeckt man, dass sich Protagoras als erster im 5. Jahrhundert v. Chr. mit der Ordnung verschiedener Nomina nach den Kategorien „maskulin“, „feminin“ und „unbelebt“ beschäftigte. Eine weitergehende Unterscheidung traf Aristoteles, der schon zwischen Genus und Sexus zu unterscheiden wusste. (vgl. Fischer 2005: 29)

Nachdem diese grammatische Kategorie in die Sprachwissenschaft eingeführt worden war, begannen auch gleich Auseinandersetzungen über die Entstehung und die Funktion des Genus. Da ich mich in dieser Arbeit vornehmlich den Entstehungstheorien des Genus widmen möchte, spreche ich die Theorien über die Funktion nur kurz und der Vollständigkeit halber an.

2.1. Theorien zur Genusfunktion

Nach Weber sind in der Diskussion zur Funktion des Genus drei Theorien vorherrschend. Zum einen ist das die formal-grammatische Genustheorie. Diese verzweigt sich noch in zwei Untergruppen, den funktional formal-grammatischen Zweig sowie den nicht funktional formal-grammatischen Zweig.

Die Unterschiede dieser Richtungen liegen im Wesentlichen darin, dass der nicht-funktionale Zweig sich darauf beschränkt, dem Genus die Funktion der Kongruenzerzeugung zuzuschreiben, während beim funktionalen Zweig der enge Zusammenhang der beiden Nominalkategorien Numerus und Genus das zentrale Ergebnis ist. (vgl. Weber 2001: 13)

Die beiden weiteren Theorien, die Weber anführt, sind die sexualistische Theorie und die pronominale Theorie. Auf die sexualistische Theorie gehe ich unter dem Punkt Animismus und Sexus noch weiter ein.

Die pronominale Theorie ist die neueste Richtung und „trägt sowohl Anteile der sexualistischen als auch der formal-grammatischen Richtung in sich.“ (Weber 2001: 13) Sie ist aber keine Symbiose dieser beiden Theorien, vielmehr wird hier „die Überzeugung vertreten, dass der formale Ursprung des Genus substantivi beim Pronomen zu suchen ist […][und] Zusammenhänge zwischen den syntaktischen bzw. satzsemantischen Rollen der Nomen und dem Genus gesehen [werden].“ (Weber 2001: 13)

2.2. Theorien zur Genusentstehung

Die Theorien zur Genusentstehung sind in der Realität natürlich nicht so scharf von den Theorien der Genusfunktion zu trennen, wie es die Gliederung vortäuscht. Dennoch möchte ich den Fokus der Aufmerksamkeit auf die Genusentstehung lenken. Unterscheiden lassen sich hier die Hauptstandpunkte der Analogisten und der Anomalisten , der Nativisten , der Animisten , sowie die Anhänger der Sexustheorie[1] , als auch die Vertreter der Dichotomie belebt- unbelebt.

Wie anfänglich schon angesprochen, fand die grammatische Kategorie Genus den Einzug in die Sprachwissenschaft in der griechischen Antike, ungefähr zeitgleich mit der bekannten Diskussion zwischen den Anomalisten auf der einen Seite und den Analogisten auf der anderen Seite. Gegenstand des Streits war die Frage, inwieweit grammatische Systeme regelhaft oder aber arbiträr sein. Die Analogisten gehen davon aus, „dass Sprache grundsätzlich logisch und daher regelhaft und in systematischen Mustern klassifizierbar sei.“ (Bußmann 2002: 77) Die Anomalisten vertreten die Ansicht, „dass Sprache nicht »Konvention«, sondern »Natur« sei und keine regelhafte Übereinstimmung zwischen Sprache und Realität bestehe […].“ (Bußmann 2002: 77)

Bezogen auf das Genus lässt sich der Standpunkt der Anomalisten folgend zusammenfassen: „Das Genus muss zu jedem Nomen erlernt werden. Bei der Sprachproduktion wird mit dem Nomen zugleich sein Genus aus dem mentalen Lexikon abgerufen (also ohne den Einsatz irgendeines Regelsystems).“ (Fischer 2005: 30) Der gegensätzliche Standpunkt der Analogisten verwendet hier das Prinzip der Genusableitung. Zum Beispiel wird gleichen Suffixen das gleiche Genus zugeordnet, es lässt sich also durchaus von Regelhaftigkeit sprechen. Da ich aber später noch genauer auf die Analogie eingehen möchte, fahre ich mit dem Standpunkt der Nativisten fort.

Die Nativisten gehen davon aus, „dass das Regelsystem der Genuszuordnung nicht erworben werden muss, sondern zu den angeborenen Sprachfertigkeiten gehört.“ (Fischer 2005: 35) Einer der bekanntesten Anhänger dieser Theorie ist Noam Chomsky. Er vertritt die These, dass allen Sprachen eine universale Struktur und eine universale Grammatik zu Grunde liegen. Er meinte, dass wir Sprache nicht lernen, sondern dass die Grammatik im Kopf wächst. Er bedient sich berühmten Vorredner wie etwa Plato oder Descartes, die davon ausgehen, dass ein Mensch schon mit allem Wissen und allen Fähigkeiten zur Welt kommt. (vgl. Candreia 2001: Hyperlink2) Da nicht alle Sprachen über ein Genussystem verfügen, bedienen sich die Anhänger eines „Hilfskonstruktes“, des Selektionismus. Hier wird dem Muttersprachler die Fähigkeit zugesprochen, die „für die Muttersprache benötigten Parameter auszuwählen und die übrigen latent zu lassen […].“ (vgl. Fischer 2005: 35)

Während beim Nativismus, wie bei der Analogie, von einer Regelhaftigkeit der Sprache ausgegangen wird, verweisen die Animisten auf die Arbitrarität der Sprache. Sie gehen davon aus, dass der Mensch einst Analogien fand, „denen die menschliche einbildungskraft nachgehangen hat, indem sie das natürliche geschlecht auf eine unabsehbare menge anderer substantiva übertrug.“ (Grimm nach Wienold 1967: 20) Auch auf diese Theorie gehe ich später noch genauer ein und belasse es bei diesem ersten Anriss.

[...]


[1] Hier ist es ganz klar sichtbar, dass die Funktion und die Entstehung nicht scharf voneinander zu trennen sind. Viele Kernthesen werden sowohl bei der Funktion als auch bei der Entstehung angeführt

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Entstehungstheorien zum Genus der Sprache
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V63555
ISBN (eBook)
9783638565806
ISBN (Buch)
9783638767224
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehungstheorien, Genus, Sprache, Proseminar
Arbeit zitieren
Michael Heina (Autor), 2006, Entstehungstheorien zum Genus der Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63555

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