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Von der Bierkneipe zur Stadt - Entstehung und Stadtwerdung der mittelalterlichen Stadt Ardres

Title: Von der Bierkneipe zur Stadt - Entstehung und Stadtwerdung der mittelalterlichen Stadt Ardres

Term Paper , 2003 , 20 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Susanne Schake (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Stellen Sie sich vor es ist Sommer, im Jahre 1035. Sie sind ein Fernhandelskaufmann auf der Durchreise von Italien nach England. Natürlich reisen Sie über Flandern, da Sie hier noch ein paar flandrische Tuche einkaufen können, um diese in England wieder teuer zu verkaufen. Sie sind bereits seit Tagen unterwegs, müde, hungrig, durstig und gelangweilt. Auf Ihrer Kutsche wird es Ihnen langsam zu warm, weil die Sonne schon den ganzen Tag scheint und sich scheinbar kein Wölkchen dazu erbarmen möchte, Ihnen ein wenig Schatten zu spenden. Alles, woran Sie noch denken können, und was Sie sich jetzt noch wünschen, ist: Ein kühles Bier. Und siehe da, tatsächlich treffen Sie an Ihrer Wegstrecke eine einsame Bierkneipe an. Und Sie freuen sich, denn hier bekommen Sie nicht nur Ihr gekühltes Bier, nein, hier ist sogar richtig gute Stimmung. Sie können sich etwas von der anstrengen Fahrt erholen und mit den anderen Kaufleuten, die auf ihrem Weg hier angehalten haben etwas trinken, essen und sich unerhalten. Später beschließen Sie dann auch noch die Nacht in dem Wirtshaus zu verbringen, weil Sie endlich wieder in einem richtigen Bett schlafen möchten.
Am nächsten Morgen wachen sie ausgeschlafen – und vielleicht mit einem kleinen Kater – auf und reisen weiter nach London. Sie beschließen, dort angekommen, in London zu bleiben und sich vor den Toren der herrschaftlichen Stadt niederzulassen, weil dort der Markt abgehalten wird.
Viele Jahre später haben Sie das Bedürfnis doch in Ihre Heimat zurück zu kehren und treten den Heimweg an. Sie kennen die Strecke und die ermüdende Fahrt. Sie erinnern sich daran, wie es war, als Sie die Strecke beim letzten mal zurück gelegt haben und erinnern sich plötzlich an das Wirtshaus und wie schön der Abend dort gewesen war, und Sie nehmen sich vor, dort wieder Halt zu machen. Langsam nähern Se sich mit Ihrer Kutsche dem Fleck, an dem es etwa gewesen sein müsste. Sie wissen noch, dass es ganz einsam inmitten des vielen Weidelandes gestanden hatte. Doch je näher Sie kommen, desto mehr beschleicht Sie das Gefühl, dass Sie sich verfahren haben müssen. Zuerst hatte Sie ja schon die Burg auf dem Hügel verwundert, die Sie in keinen Zusammenhang mit dem Wirtshaus bringen konnten, aber jetzt noch die vielen Häuser...

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Lambert von Ardres

II. Stadtwerdung Ardres

1. Lage und Entstehung

2. Herrschaftliche und fortifikatorische Zentralfunktion: Die Burg

3. Kultisch – religiöse Zentralfunktion: Der Stift

4. Arnold fördert die Stadtwerdung: Das Stadtprivileg

5. Wirtschaftliche Zentralfunktion: Der Markt

6. Die verfassungsmäßige Institutionalisierung

7. Stadtqualität von Ardres am Ende des 11. Jahrhunderts

III. Entwicklung Ardres’

1. Ausbau der herrschaftlichen Zentralfunktion

2. Ausbau der Stadtbefestigung

3. Weitere Entwicklung

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Entstehung und Stadtwerdung von Ardres im Mittelalter, wobei sie die Rolle zentraler Funktionen sowie die Bedeutung historischer Quellen analysiert, um den Übergang von einer agrarischen Siedlung zu einer befestigten Stadt nachzuzeichnen.

  • Die Bedeutung von Lambert von Ardres als zentrale historische Quelle.
  • Lagevorteile und die Entwicklung von Hirtenwirtshäusern zu städtischen Keimzellen.
  • Die Etablierung herrschaftlicher, kirchlicher und wirtschaftlicher Zentralfunktionen.
  • Die Rolle des Stadtprivilegs und verfassungsrechtlicher Institutionalisierung.
  • Der Ausbau der Burganlage und der Stadtbefestigung im Kontext politischer Fehden.

Auszug aus dem Buch

1. Lage und Entstehung

Zur Entstehung Ardres’ trägt ein wichtiger Faktor bei: der Lagevorteil. Der Fleck, an dem Ardres später entstehen sollte, liegt im Norden Frankreichs, ganz in der Nähe von Calais. In dieser Gegend, dem Küstengebiet von Nordfrankreich, entstehen seit der frühen Karolingerzeit Handelseinporien als neue Organisationsformen des Fernhandels. Der Lagevorteil Ardres’ besteht nun darin, dass es an einer wichtigen Fernhandelsroute liegt. Die Handelsstrecke gewinnt im 12. Jahrhundert an Bedeutung, zusammen mit dem Aufstieg der Champagne-Messen und der frühen englischen Messen. Und so kommen spätestens seit dem 12. Jahrhundert italienische Kaufleute durch Ardres, die in England Handel treiben wollen.

Nun aber zur eigentlichen Entstehung von Ardres: Lambert verfolgte in seiner Chronik die Entwicklung Ardres’ seit dem frühen 11. Jahrhundert. Da er zu dieser Zeit noch gar nicht geboren war, ist dieser Teil der Entstehungsgeschichte Ardres’ auf die Erzählungen des Troubadours Walter de Clusa gestützt. Lambert beginnt mit der Zeit, als der Ort noch nur aus Weideland bestand und kaum durch Siedlung und Ackerbau berührt war. Das Weideland war jedoch nicht ganz unbesiedelt, denn in ihm wohnte ein Bierbrauer und Schankwirt. Seine Brauerei sollte schließlich die „Keimzelle einer mittelalterlichen Stadt“ (Franz Irsigler) werden. In die Brauerei kamen Bauern und kleine Leute, Jäger, Hirten und Durchreisende um zu trinken, zu essen und zu spielen. Sie fanden dort die Unterhaltung, die sie brauchten. Lambert begründet den regen Besuch der Kneipe mit dem weiten und breiten Weideland, agri pascui largam et latam planiciem, das die Brauerei umgibt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung illustriert den Entstehungsprozess mittelalterlicher Städte anhand der fiktiven Reise eines Kaufmanns und führt in die spezifische Quellengrundlage über Ardres ein.

I. Lambert von Ardres: Dieses Kapitel beleuchtet das Leben und Wirken des Pfarrers Lambert von Ardres sowie die Entstehungsgeschichte und den Inhalt seiner Chronik „Historia Comitum Ghisnensium“.

II. Stadtwerdung Ardres: Hier wird der detaillierte Entwicklungsprozess Ardres’ von der Lagegunst über die Entstehung der Burg und des Stifts bis zur Verleihung des Stadtprivilegs und der Institutionalisierung analysiert.

III. Entwicklung Ardres’: Der Abschnitt konzentriert sich auf den weiteren Ausbau des herrschaftlichen Palastes und der Stadtbefestigung unter den Nachfolgern des ursprünglichen Burgherrn.

IV. Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung von Ardres zusammen und reflektiert die historischen Bedingungen sowie die Bedeutung von Quellen für die heutige Geschichtsschreibung.

Schlüsselwörter

Ardres, Stadtwerdung, Mittelalter, Lambert von Ardres, Historia Comitum Ghisnensium, Stadtprivileg, Urbanisierung, Burg, Stift, Marktrecht, Fernhandel, Landesausbau, Zentralfunktionen, Feudalismus, Siedlungsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entstehung und Entwicklung der mittelalterlichen Stadt Ardres von ihren Anfängen als ländlicher Standort bis hin zu ihrem Aufstieg als befestigte Stadt.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentrale Themen sind die Rolle der herrschaftlichen Familie, die Bedeutung geographischer Lagevorteile sowie die Etablierung infrastruktureller, kirchlicher und rechtlicher Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Urbanisierungsprozess anhand des konkreten Fallbeispiels Ardres aufzuzeigen und die Transformation von einer agrarischen Siedlung zu einem städtischen Zentralort zu belegen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert primär auf einer quellenkritischen Analyse der „Historia Comitum Ghisnensium“ von Lambert von Ardres sowie der Auswertung historischer Forschungsliteratur.

Was ist Gegenstand des Hauptteils?

Im Hauptteil werden die einzelnen Phasen der Stadtwerdung, der Einfluss des Adels (provida consideratio), der Bau von Befestigungsanlagen und die Etablierung von Markt- und Stadtrechten detailliert dargestellt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Stadtwerdung, Fernhandel, Zentralfunktionen, Quellenauswertung, Landesausbau und administrative Institutionalisierung charakterisiert.

Welchen Stellenwert nimmt die Quelle "Historia Comitum Ghisnensium" ein?

Sie bildet das Herzstück der Untersuchung, da sie die Geschichte der Stadt Ardres durch die detaillierten und lebendigen Berichte des Pfarrers Lambert von Ardres für die Forschung nachvollziehbar macht.

Warum wurde die Stadt Ardres für diese Studie ausgewählt?

Die Stadt wurde gewählt, weil ihre Entstehung durch die Chronik des Lambert von Ardres außergewöhnlich detailliert belegt ist, was eine präzise Rekonstruktion des mittelalterlichen Urbanisierungsprozesses ermöglicht.

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Details

Title
Von der Bierkneipe zur Stadt - Entstehung und Stadtwerdung der mittelalterlichen Stadt Ardres
College
University of Trier
Grade
1,7
Author
Susanne Schake (Author)
Publication Year
2003
Pages
20
Catalog Number
V63595
ISBN (eBook)
9783638566049
ISBN (Book)
9783656777700
Language
German
Tags
Bierkneipe Entstehung Ardres
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susanne Schake (Author), 2003, Von der Bierkneipe zur Stadt - Entstehung und Stadtwerdung der mittelalterlichen Stadt Ardres, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63595
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