Konstruktion einer Ausländerfeindlichkeitsskala


Forschungsarbeit, 2001

28 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Itemauswahl

3. Itemanalyse
3.1. Itemschwierigkeit
3.2. Itemhomogenität
3.3. Trennschärfekoeffizient und Crombachs a

4. Faktorenanalyse

5. Messen mit der Skala

6. Ausländerfeindlichkeit und andere Variablen
6.1. Ausländerfeindlichkeit und Ost-West-Vergleich
6.2. AF und Geschlecht
6.3. AF und allgemeiner Schulabschluss
6.4. AF und Alter

7. Fazit

8. Anhang

1. Einleitung

Ausländerfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit , Rechtsextremismus und ihre Verbreitung im Lande sind Themen, welche in den vergangenen Jahren in Deutschland oft und ausgiebig diskutiert worden sind.

Jedoch genau so oft, wie über diese Probleme gesprochen wurde, genauso unterschiedlich waren die Meinungen der Experten hinsichtlich dieses Themenbereichs, sowie die Ergebnisse die anhand von Erhebungen erzielt wurden.

Aber wie ausländerfeindlich sind die Deutschen nun wirklich? Und kann man dies überhaupt messen? Dies sollen die Kernfragen meiner kleinen Hausarbeit sein.

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir zur Aufgabe gemacht, ein Messinstrument in Form einer Skala, welche die Verbreitung von ausländerfeindlichem Gedankengut unter den Bundesbürgern messen soll, einmal selbst zu erstellen.

Im Lehrforschungsprojekt Rechtsextremismus des vergangenen Semesters haben wir verschiedene Bevölkerungsumfragen behandelt, die Variablen zu diesem Themenbereich beinhalteten. Der ALLBUS 1996 mit dem thematischen Schwerpunkt „Einstellung zu ethnischen Minderheiten in Deutschland“ bietet eine umfassende Menge von Daten zum Thema Ausländerfeindlichkeit, daher werde ich für meine Skala Variablen/Items aus dieser Studie verwenden.

Die Skala soll anhand von Zustimmung oder Ablehnung zu bestimmten Statements den Grad der Ausländerfeindlichkeit für jeden einzelnen Befragten messen. Je höher der Skalenwert, desto höher auch die gemessene Ausländerfeindlichkeit der Untersuchungseinheit.

Die Skalenkonstruktion beginnt mit der Itemauswahl, bei der aus einer größeren Anzahl von Items (Itempool) solche, die für die Skala am besten geeignet sind von dem Rest getrennt werden sollen. Danach soll dann mit Hilfe einer Itemanalyse sowie einer abschließenden Faktorenanalyse die Reliabilität geprüft werden, in anderen Worten ob die Skala in der Lage ist, das Konstrukt Ausländerfeindlichkeit verlässlich zu messen.

Mit der fertigen Skala sollen dann einige Berechnungen durchgeführt werden. Neben der Frage, wie hoch die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland verbreitet ist, sollen auch einige typische Vorurteile wie der Zusammenhang von Bildung oder Ost/West-Herkunft mit Ausländerfeindlichkeit untersucht werden.

Im Fazit werde ich dann versuchen, zu den Ergebnissen dieser Arbeit kurz Stellung zu nehmen.

2. Itemauswahl

Bei der Auswahl der Items für die noch zu erstellende Skala werde ich die Itembatterie der Fremdenfeindlichkeitsskala von Heger/Ahlheim[1] als Grundlage nehmen. Diese besteht aus folgenden Aussagen aus dem 96er Allbus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle hier aufgeführten Items sind Likert-Skaliert, das heißt der Befragte kann zu dem ihm vorgelegten Statement in abgestufter Form auf einer rating-Skala Stellung nehmen. Für die Bewertung des Items wird für die befragte Person ein Einzelmesswert gutgeschrieben. Der endgültige Skalenwert oder Gesamtscore wird dann durch die Addition der verschieden Einzelmessewerte ermittelt.

Ich habe nun vor, die Items der Vorauswahl auf eine geringere Zahl zu reduzieren. Die Intensität der ausländerfeindlichen Aussage sollte, soweit man dies überhaupt vergleichen kann, bei jedem der übriggebliebenen Items ungefähr gleich hoch sein.

Beim Vergleich der 16 Items fiel direkt ein gravierender Unterschied auf: Die Aussagen V 32, V 33 und V 34 besitzen vier Antwortausprägungen, so kann die Interviewte Person zum Zuzug von Asylbewerbern folgende Antworten geben: Er sollte „uneingeschränkt möglich sein, begrenzt oder völlig unterbunden werden“. Als vierte Möglichkeit bliebe noch das neutrale „weiß ich nicht“. Das gleiche gilt für die Items V 83 und V 84; hier reichen die Bewertungsstufen der rating-Skala von „völlig“ über „eher“, „eher nicht“ bis „überhaupt nicht in Ordnung“. Alle anderen Items können anhand einer siebenstufigen Skala von 1 „stimme überhaupt nicht zu“ bis 7 „stimme voll und ganz zu“ bewertet werden.

Durch diesen Unterschied in den Antwortausprägungen ergibt ein Problem bei der Berechnung des Gesamtscores. So würde zum Bespiel eine absolute Zustimmung zu V 33 (Score 4) mit dem gleichen Wert in die Endskala eingehen wie eine neutrale Antwort zu einem der siebenstufigen Items. Die unterschiedlichen Antworten rechnerisch anzugleichen wäre wohl ein zu hoher Aufwand für diese Arbeit. Eine andere Möglichkeit wäre, die Items zu dichotomisieren, wie es auch Heger/Ahlheim bei ihrer Skala getan haben. Dies würde allerdings meiner Grundidee wiedersprechen, die verschiedenen Ausprägungen der Zustimmung oder Ablehnung mit in die Rechnung einzubeziehen, da diese bei einer Dichotomisierung natürlich verloren gehen würden. Außerdem würde dies wahrscheinlich auch zu einer Verzerrung der Ergebnisse in der noch folgenden Itemanalyse führen. Aus diesem Grunde werde ich alle Statements mit vierstufiger Antwortauswahl aus dem Itempool entfernen.

Als nächstes ist mir die Aussage V 78 aufgefallen, nach der die ausländischen Mitbürger angeblich häufiger Straftaten begehen als die Deutschen. Nachdem ich mir beim Lesen dieser Aussage selbst nicht sicher war, was ich antworten würde, und ich mich selbst als überhaupt nicht Ausländerfeindlich bezeichnen würde, habe ich mich mit dem Sachverhalt näher beschäftigt. Meine Zweifel bezogen sich auf Kriminalitätsstatistiken, welche in der Presse kursierten und ähnliche Aussagen verbreiteten wie das genannte Item. Beim der Recherche im Internet[2] bin ich auf die Zahl von 26,6% gestoßen, sie stellt die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen aus dem Jahre 1999 dar.

Wenn man dies nun mit dem Ausländeranteil aus demselben Jahr vergleicht (knapp 10%), so könnte man auf Umwegen wirklich zu dem Schluss kommen, dass Ausländer häufiger kriminell tätig sind. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) oft nur ein sehr verzerrtes Bild der Wirklichkeit darstellt, da sie keine Täter- sondern eine Tatverdächtigenstatistik ist. Sie stellt also bestenfalls dar, was Geschädigte oder Dritte als Kriminalität betrachten.

Da die Befragten diese Möglichkeiten zur Nachforschung während des Interviews bestimmt nicht zur Verfügung hatten, sich also auf das verlassen mussten, was sie irgendwo einmal gehört oder gelesen hatten, darf man meiner Meinung nach bei einer zustimmenden Antwort zu diesem Item nicht

unbedingt eine ausländerfeindliche Attitüde postulieren. Daher sortiere ich auch dieses Item aus. Wenn man sich nun die zehn im Itempool verbliebenen Items genauer anschaut, so fallen die Statements V 124 und V 125 aus dem Rahmen. Sie fragen nach der Einstellung zu Untergruppen von Ausländern (Asylbewerber, Türken), wohingegen sich die acht anderen Items nur auf die Gesamtmenge aller Ausländer beziehen. Weil meine Skala genau dieses auch messen sollte (Ausländerfeindlichkeit), und die Miteinbeziehung dieser zwei Items höchstwahrscheinlich das Ergebnis verfälschen würde, werde ich auch noch diese zwei Items herausnehmen.

[...]


[1] Aus Heger/Ahlheim: „Der unbequeme Fremde“, Schwalbach 1999, S.26

[2] vgl.www.bka.de

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Konstruktion einer Ausländerfeindlichkeitsskala
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Lehrforschungsprojekt Rechtsextremismus
Note
1.0
Autor
Jahr
2001
Seiten
28
Katalognummer
V6363
ISBN (eBook)
9783638139533
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktion, Ausländerfeindlichkeitsskala, Lehrforschungsprojekt, Rechtsextremismus
Arbeit zitieren
Hans-Christian Rasch (Autor), 2001, Konstruktion einer Ausländerfeindlichkeitsskala, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6363

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