Gellert gilt als einer der bekanntesten Kirchenlieddichter. In dieser Arbeit wird das Lied "Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken" (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 91) analysiert.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3.1. Formale Analyse des Liedes
3.2. Inhaltliche Analyse des Liedes
3.3. Analyse unter Berücksichtigung der Vorrede
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Christian Fürchtegott Gellert als Kirchenlieddichter anhand einer detaillierten formalen und inhaltlichen Analyse seines Passionsliedes „Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“ (EG 91), um dessen Verortung zwischen Aufklärung und Empfindsamkeit zu klären.
- Analyse der formalen Struktur und Stilmittel des Liedes (Reimschema, Antithesen).
- Inhaltliche Untersuchung der Passionsmotive im Wechsel von Gebet und Meditation.
- Vergleich der Liedinhalte mit Gellerts poetologischen Vorstellungen in der Vorrede.
- Einordnung des Werkes im Kontext der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
3.1. Formale Analyse des Liedes
In diesem Kapitel soll die formale Analyse Gellerts Liedes im Vordergrund stehen. Allerdings spielen hierbei natürlich immer auch inhaltliche Aspekte eine Rolle, denn ein Lied oder ein Gedicht wäre qualitativ schlecht, wären Inhalt und Form vollkommen losgelöst voneinander zu betrachten.
Das Lied „Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“ stammt aus Gellerts „Geistlichen Oden und Liedern“. In der heutigen EG- Fassung umfasst es nur noch zehn, die 1757 erschienene Originalfassung umfasste noch 22 Strophen. In dieser Arbeit soll aber nur die heutige EG-Fassung Grundlage für die Analyse sein.
Die zehn Strophen sind alle gleichermaßen aufgeteilt in vier Verse und ihnen liegt allen durchgängig das Reimschema a a' / b b' zu Grunde. Bezüglich des Reimschemas und der Verseinteilung sind allerdings zwei Phänomene zu beobachten: Zum einen bestehen die Verse a, a' und b in allen Strophen aus elf Silben, b' aber immer nur aus fünf. Durch diese Kürze von b' wird dieser Vers in jeder Strophe in gewisser Weise hervorgehoben. Vielleicht stehen gerade deswegen jeweils in den Versen b' zentrale Begriffe, die für ein Passionslied von Bedeutung sind: Nämlich die Sünde der Menschen, die Jesus am Kreuz auf sich nimmt. So heißt es jeweils zweimal „Sünde“ (Str. 2 und 3) und „Kreuz“ (Str. 4 und 9).
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung stellt Christian Fürchtegott Gellert als bedeutenden Kirchenlieddichter vor und definiert das Ziel der Arbeit, sein Passionslied EG 91 formal und inhaltlich zu analysieren.
3.1. Formale Analyse des Liedes: Dieses Kapitel untersucht den Aufbau des Liedes, wobei insbesondere die Bedeutung des Reimschemas, unreiner Reime als antithetische Stilmittel und die Verslängen beleuchtet werden.
3.2. Inhaltliche Analyse des Liedes: Hier erfolgt eine strophenweise Untersuchung des Liedes im Kontext der Passionszeit, wobei der Wechsel zwischen Gebets- und Meditationsstrophen sowie theologische Motive hervorgehoben werden.
3.3. Analyse unter Berücksichtigung der Vorrede: In diesem Kapitel wird überprüft, inwieweit das analysierte Passionslied Gellerts eigene Forderungen an die Dichtung aus der Vorrede zu den „Geistlichen Oden und Liedern“ erfüllt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Gellert in seinem Lied die Verbindung von Aufklärung und Empfindsamkeit erfolgreich umsetzt.
Schlüsselwörter
Christian Fürchtegott Gellert, Kirchenlied, Passionslied, EG 91, Aufklärung, Empfindsamkeit, formale Analyse, inhaltliche Analyse, geistliche Oden, Passionszeit, Bibelfestigkeit, Hymnologie, Reimschema, Antithese, Erlösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Passionsliedes „Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“ von Christian Fürchtegott Gellert und untersucht dessen Stellung als Kirchenlieddichter.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Zentrale Themen sind die formale Struktur des Liedes, die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Passionszeit sowie der Vergleich mit Gellerts poetologischen Vorreden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie Gellert in seinem Lied die Gattung der „Lehrode“ mit der „Ode für das Herz“ verbindet und ob er dabei seine eigenen poetischen Ansprüche erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine textanalytische Methode, die sowohl formale Aspekte (Metrik, Reim) als auch inhaltliche Deutungen im Kontext der Theologie und Literaturgeschichte kombiniert.
Was wird konkret im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse des Reimschemas, eine strophenweise inhaltliche Interpretation sowie einen Abgleich des Liedes mit Gellerts Vorrede.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aufklärung, Empfindsamkeit, Passionslied, Gellert, Bibelfestigkeit und religiöse Dichtung charakterisiert.
Warum ist die zweite Strophe laut Analyse besonders bedeutend?
Die zweite Strophe ist die einzige, die in Wir-Form verfasst ist, und bildet damit das zentrale, auf alle Gläubigen bezogene Geheimnis der Passion ab.
Wie bewertet der Autor die Verwendung unreiner Reime in Gellerts Lied?
Der Autor sieht in den unreinen Reimen ein bewusst eingesetztes Stilmittel, um eine antithetische Wirkung zu erzielen und dem Inhalt mehr Nachdrücklichkeit zu verleihen.
- Arbeit zitieren
- Till-Bastian Fehringer (Autor:in), 2003, Gellert als Kirchenlieddichter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63638