Gellert als Kirchenlieddichter


Hausarbeit, 2003

12 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3.1. Formale Analyse des Liedes
3.2. Inhaltliche Analyse des Liedes
3.3 Analyse unter Berücksichtigung der Vorrede

4. Fazit Seite

5. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich beschäftigen mit Christian Fürchtegott Gellert und seiner Rolle als Kirchenlieddichter. Konkret soll dies durchgeführt werden in der Analyse seines Passionsliedes „Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“, welches im EG unter der Nr.91 zu finden ist. Die Kenntnis des Liedes wird beim Leser vorausgesetzt.

Zweifelsohne gehört Gellert zu den bekanntesten und meist gelesensten deutschen Autoren vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Paradox ist dabei das Verhältnis zwischen seiner öffentlichen Wirkung und seiner privaten Entwicklung, ungefähr ab seinem 40. Lebensjahr. „Gellert verschließt sich in sich selbst, entschuldigt sich häufig für Nichtigkeiten [..] und leidet unter körperlichen Beeinträchtigungen stärker als andere. Gerade umgekehrt entwickelt sich seine öffentliche Wirkung.“[1]

Häufig bringt man, sicherlich zu Recht, Gellerts Fabeln mit seinem Werk in Verbindung. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass er einer der wichtigsten Kirchenlieddichter war, und heute, neben Luther und Gerhardt, immer noch einer der Hauptautoren des Evangelischen Gesangbuches ist.

Das Hauptwerk seiner Kirchenlieddichtung sind die 1757 herausgegebenen „Geistlichen Oden und Lieder“, welche 54 Lieder umfassen und eine große Bandbreite an Themen beinhalten.

Die große Beliebtheit dieses Werkes zeigt sich in der schnellen Verbreitung schon kurz nach der Veröffentlichung: „Die Geistlichen Oden und Lieder [...] werden in Gesangbücher verschiedener Konfessionen aufgenommen und in viele Sprachen übersetzt [...].“[2]

So soll in dieser Arbeit also der Frage nachgegangen werden, was die Qualität der Kirchenlieder Gellerts ausmacht. Unter diesem Aspekt soll das obengenannte Lied untersucht werden. Die Analyse soll zunächst grob zwei Hauptpunkte umfassen: Erstens die formale, zweitens die inhaltliche Analyse. In einem weiteren Schritt soll dann überprüft werden, ob Gellert das hält, was er in seiner Vorrede zu den „Geistlichen Oden und Liedern“ verspricht, bzw. das beachtet, was er für die Dichtung von Oden und Liedern für notwendig ansieht.

Gellert trennt in dieser Vorrede dabei vor allem zwei Arten von Oden und Liedern: Auf der einen Seite gebe es die Lehroden und auf der anderen Seite die Oden für das Herz. Die Lehroden sollten dabei durch Deutlichkeit, Verstand und Bibelfestigkeit, die Oden für das Herz mehr durch Empfindsamkeit und die Sprache des Herzens charakterisiert sein.[3]

Durch diese grobe Trennung wird die Zwischenstellung Gellerts, nämlich die, zwischen Aufklärung und Empfindsamkeit, die ihm in Bezug auf die Literatur des 18. Jahrhundert immer wieder zugeschrieben wird, recht deutlich und lässt auch erkennen, dass sie ihm durchaus selbst bewusst war. Allerdings soll hier noch angefügt werden, dass „die Empfindsamkeit keine Gegenbewegung zur Aufklärung darstellt“, sondern vielmehr eine Ergänzung der reinen Rationalität der Aufklärer mit Empfindungen ist.[4]

Auch daraufhin soll „Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“ untersucht werden; ob Gellerts Zwischenstellung in diesem Lied offensichtlich wird, bzw. ob das Lied mehr „Lehrode“ oder mehr „Ode für das Herz“ ist.

3.1. Formale Analyse des Liedes

In diesem Kapitel soll die formale Analyse Gellerts Liedes im Vordergrund stehen. Allerdings spielen hierbei natürlich immer auch inhaltliche Aspekte eine Rolle, denn ein Lied oder ein Gedicht wäre qualitativ schlecht, wären Inhalt und Form vollkommen losgelöst voneinander zu betrachten.

Das Lied „Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken“ stammt aus Gellerts „Geistlichen Oden und Liedern“. In der heutigen EG- Fassung umfasst es nur noch zehn, die 1757 erschienene Originalfassung umfasste noch 22 Strophen.[5] In dieser Arbeit soll aber nur die heutige EG-Fassung Grundlage für die Analyse sein.

Die zehn Strophen sind alle gleichermaßen aufgeteilt in vier Verse und ihnen liegt allen durchgängig das Reimschema a a' / b b' zu Grunde. Bezüglich des Reimschemas und der Verseinteilung sind allerdings zwei Phänomene zu beobachten: Zum einen bestehen die Verse a, a' und b in allen Strophen aus elf Silben, b' aber immer nur aus fünf. Durch diese Kürze von b' wird dieser Vers in jeder Strophe in gewisser Weise hervorgehoben. Vielleicht stehen gerade deswegen jeweils in den Versen b' zentrale Begriffe, die für ein Passionslied von Bedeutung sind: Nämlich die Sünde der Menschen, die Jesus am Kreuz auf sich nimmt. So heißt es jeweils zweimal „Sünde“ (Str. 2 und 3) und „Kreuz“ (Str. 4 und 9).[6]

Das andere Phänomen, das zu beobachten ist, besteht darin, dass Gellert in seinem Lied sehr viele unreine Reimpaare verwendet, fünf Stück an der Zahl (in den Strophen 3,4,6,7 und 10). Allerdings immer nur in den Versen b und b'. Die Verse a und a' bestehen ausschließlich aus reinen Reimen. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass Gellert der inhaltliche Nachdruck seiner Lieder wichtiger war als ein komplett korrekter formaler Aufbau. Dieser Aspekt soll auch noch in Kapitel 3.3 dieser Arbeit aufgenommen werden.

Auf der anderen Seite ist meiner Meinung nach nicht auszuschließen, dass Gellert die unreinen Reime bewusst gewählt hat, und zwar gerade deswegen, um dem Inhalt eine Nachdrücklichkeit zu verleihen. Schaut man sich die unreinen Reimpaare an, so ist festzustellen, dass sich diese in gewisser Weise antithetisch gegenüberstehen. Durch einen unreinen Reim kann eine solche Antithese also durchaus noch verstärkt werden. Zwei deutliche Beispiele hierfür sind in Strophe sechs ( „Feinde“ steht „Freunde“ antithetisch gegenüber) und in Strophe zehn („leide“ steht in einem antithetischen Verhältnis zu „Freude“) zu finden.[7]

So ist ja im Prinzip die ganze Passionszeit eine Antithese zwischen dem Leiden Jesu und der damit verbundenen Erlösung der Menschen.

[...]


[1] Fleinghau 1999. S.10

[2] Fleinghau 1999. S.10

[3] Gellert: Gesammelte Schriften Band II. 1997. S.108 ff 3

[4] Mende 2002-2003 4

[5] Gellert: Gesammelte Schriften Band II. 1997

[6] EG 1994. Nr.91

[7] EG 1994. Nr.91 5

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Gellert als Kirchenlieddichter
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2+
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V63638
ISBN (eBook)
9783638566421
ISBN (Buch)
9783638753395
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gellert gilt als einer der bekanntesten Kirchenlieddichter. In dieser Arbeit wird das Lied "Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken" (EG 91) genau analysiert.
Schlagworte
Gellert, Kirchenlieddichter
Arbeit zitieren
Till-Bastian Fehringer (Autor:in), 2003, Gellert als Kirchenlieddichter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63638

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