In den vergangenen Jahren hat die Transfer Pricing-Problematik immer stärker an Bedeutung gewonnen. Ein grosser Teil des Welthandels wird heute zwischen verbundenen Unternehmen abgewickelt. Immer mehr haben Unternehmen in der Vergangenheit versucht, ihre Gewinne in Ländern mit niedrigen Steuerbelastungen anfallen zu lassen. Allerdings verteidigen die betroffenen Staaten ihr Steuersubstrat zunehmend aggressiver.
Eine Folge davon ist, dass in immer mehr Ländern spezifische Transfer Pricing-Gesetze verabschiedet werden. Es lässt sich aber nicht nur eine fortschreitende Zunahme der Transfer Pricing-Gesetzgebung, sondern auch deren immer konsequenter werdende Anwendung durch die lokalen Steuerbehörden beobachten.
So werden heutzutage die Verrechnungspreise nahezu aller Arten von Transaktionen von Unternehmen aller Branchen durch die Steuerbehörden immer intensiver auf ihre Angemessenheit hin überprüft. Ziel dieser Arbeit ist es, die Chancen und Risiken, die einem Unternehmen aus dem Transfer Pricing erwachsen können, zu untersuchen. Dabei wird vor allem die Schweizer Banken- und Versicherungsbranche betrachtet.
Es soll aufgezeigt werden, wie Unternehmen in dieser Branche mit Transfer Pricing umgehen sowie welche Produkte und Dienstleistungen aus Transfer Pricing-Sicht den grössten Stellenwert einnehmen. Zudem soll untersucht werden inwiefern Schweizer Banken und Versicherungen Probleme haben, einen dem
Arm’s Length-Prinzip genügenden Verrechnungspreis zu finden oder diesen gegenüber den Steuerbehörden zu verteidigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Grundlagen des Transfer Pricing
2.1 Abgrenzung und Begriffserklärung
2.2 Einführung ins Transfer Pricing
2.3 Historische Entwicklung der Transfer Pricing-Gesetzgebung
2.4 Das Arm’s Length-Prinzip
2.5 Transfer Pricing-Methoden
2.5.1 Übersicht
2.5.2 Standardmethoden
2.5.2.1 Preisvergleichs-Methode (Comparable Uncontrolled Price Method)
2.5.2.2 Wiederverkaufspreis-Methode (Resale Price Method)
2.5.2.3 Kostenaufschlags-Methode (Cost Plus Method)
2.5.3 Gewinnorientierte Methoden
2.5.3.1 Transaktionsbezogene Nettomargen-Methode (Transactional Net Margin Method)
2.5.3.2 Gewinnaufteilungs-Methode (Profit Split Method)
2.5.4 Andere Methoden
2.6 Arten von Transaktionen
3. Transfer Pricing-Gesetzgebung
3.1 Länderspezifische Gesetzgebung
3.1.1 Schweiz
3.1.2 USA
3.1.3 Deutschland
3.1.4 Frankreich
3.2 Ländervergleich
3.3 Interkantonale Handhabung des Transfer Pricing
4. Festlegung der Transfer Pricing-Politik
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Transfer Pricing-Risiken
4.3 Ziele der Transfer Pricing-Politik
4.4 Strategische Transfer Pricing-Politik
4.4.1 Das Vorgehen
4.4.2 Meinung der OECD
4.4.3 Beurteilung der Methoden
4.4.3.1 Preisvergleichs-Methode (Cost Plus Method)
4.4.3.2 Wiederverkaufspreis-Methode (Resale Price Method)
4.4.3.3 Kostenaufschlags-Methode (Cost Plus Method)
4.4.3.4 Transaktionsbezogene Nettomargen-Methode (Transactional Net Margin Method)
4.4.3.5 Gewinnaufteilungs-Methode (Profit Split Method)
4.4.4 Wahl der Methode
4.4.4.1 Einleitung
4.4.4.2 Materielle Vermögenswerte
4.4.4.3 Immaterielle Vermögenswerte
4.4.4.4 Dienstleistungen
4.4.4.5 Finanztransaktionen
4.5 Taktische Transfer Pricing-Politik
4.6 Rechtfertigung der Transfer Pricing-Politik
4.6.1 Transfer Pricing-Dokumentation
4.6.2 Advanced Pricing Agreements
4.7 Die Benchmark-Analyse
5. Transfer Pricing-Problematik am Beispiel der Schweizer Banken- und Versicherungsbranche
5.1 Die Finanzdienstleistungsbranche
5.2 Transfer Pricing bei Schweizer Versicherungen
5.2.1 Ausgangslage in der Versicherungsbranche
5.2.2 Transfer Pricing-Politik bei Schweizer Versicherungen
5.2.3 Transfer Pricing-Probleme bei Schweizer Versicherungen
5.3 Transfer Pricing bei Schweizer Banken
5.3.1 Ausgangslage in der Bankbranche
5.3.2 Transfer Pricing-Politik bei Schweizer Banken
5.3.3 Transfer Pricing-Probleme bei Schweizer Banken
5.4 Ausgewählte Probleme
5.4.1 Einführung
5.4.2 Konzerninterne Finanzierung
5.4.3 Global Dealing
5.4.4 Rückversicherung
5.4.5 Head Office Services
5.4.6 Immaterielle Vermögenswerte
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken des Transfer Pricing für multinationale Unternehmen mit einem spezifischen Fokus auf die schweizerische Banken- und Versicherungsbranche. Ziel ist es, den Umgang mit konzerninternen Verrechnungspreisen sowie die Herausforderungen bei der Anwendung des Arm's Length-Prinzips und deren Verteidigung gegenüber Steuerbehörden zu analysieren.
- Grundlagen und theoretische Konzepte des Transfer Pricing nach OECD-Standards.
- Regulatorische Rahmenbedingungen und Gesetzgebungen in der Schweiz, USA, Deutschland und Frankreich.
- Strategische und taktische Aspekte der Transfer Pricing-Politik sowie Dokumentationspflichten.
- Besondere Herausforderungen für die Finanzdienstleistungsbranche, wie komplexe Finanztransaktionen und immaterielle Vermögenswerte.
Auszug aus dem Buch
2.1 Abgrenzung und Begriffserklärung
Wann immer von Transfer Pricing oder Verrechnungspreisen die Rede ist, spricht man nicht von Geschäften mit Dritten, sondern mit sich selbst. Zum einen zwischen Gruppengesellschaften und zum anderen zwischen unterschiedlichen Profit Centern einer Gesellschaft.¹ Der Begriff der innerbetrieblichen Verrechnungspreise wird in erster Linie in der Kostenrechnung verwendet. In der Theorie wird hier von Transferpreisen gesprochen. Dabei ist die Steuerproblematik zu vernachlässigen, da es sich um Leistungen handelt, welche zwischen einzelnen Profit Centern verrechnet werden und somit das Ergebnis der Gesellschaft und damit deren Steuerbelastung nicht beeinflussen.² In der Theorie werden vorwiegend die drei folgenden Typen von Transferpreissystemen diskutiert:³
Kostenbasierter Transferpreis
Marktpreisorientierter Transferpreis
Verhandelter Transferpreis
In dezentral organisierten Unternehmen gibt es vermutlich wenige Probleme im Controlling, die mehr Managementaufmerksamkeit- und -zeit auf sich ziehen als Transferpreise festzulegen, die von allen Profit Centern akzeptiert werden und gleichzeitig auch den Zielen des Unternehmens gerecht werden.⁴
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung der Relevanz des Transfer Pricing im Welthandel und Definition der Forschungsziele für die Schweizer Finanzbranche.
2. Grundlagen des Transfer Pricing: Erläuterung der theoretischen Konzepte, des Arm's Length-Prinzips sowie der von der OECD anerkannten Methoden.
3. Transfer Pricing-Gesetzgebung: Vergleich der gesetzlichen Regelungen und Dokumentationsvorschriften in der Schweiz, den USA, Deutschland und Frankreich.
4. Festlegung der Transfer Pricing-Politik: Darstellung der strategischen und taktischen Vorgehensweise bei der Festlegung und Dokumentation der Verrechnungspreise.
5. Transfer Pricing-Problematik am Beispiel der Schweizer Banken- und Versicherungsbranche: Vertiefende Analyse der branchenspezifischen Herausforderungen bei Finanztransaktionen, Global Dealing und Rückversicherungen.
6. Fazit: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der steuerlichen Kontrolle.
Schlüsselwörter
Transfer Pricing, Verrechnungspreise, Arm's Length-Prinzip, OECD-Richtlinien, Schweizer Banken, Versicherungen, Steuerbehörden, Doppelbesteuerung, Finanztransaktionen, Benchmark-Analyse, Dokumentationspflicht, Konzerninterne Finanzierung, Steueroptimierung, Steuersubstrat, Globale Koordination.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die komplexen Aspekte des Transfer Pricing, insbesondere die grenzüberschreitende Preisfindung für konzerninterne Transaktionen und deren steuerliche Auswirkungen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Schwerpunkte liegen auf den rechtlichen Rahmenbedingungen der OECD, der Dokumentation von Verrechnungspreisen und der Anwendung auf die Finanzdienstleistungsbranche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Chancen und Risiken für Unternehmen zu untersuchen und aufzuzeigen, wie Schweizer Banken und Versicherungen ihre Transfer Pricing-Politik regulatorisch und ökonomisch korrekt gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer praxisorientierten Untersuchung, die durch Experteninterviews mit Steuerspezialisten gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, einen länderübergreifenden Rechtsvergleich sowie eine spezifische Vertiefung in die besonderen Herausforderungen der Finanzbranche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind das Arm's Length-Prinzip, Verrechnungspreisdokumentation, Finanztransaktionen, steuerliche Risiken und die OECD-Richtlinien.
Wie unterscheidet sich die Schweiz in der Gesetzgebung von den USA?
Im Gegensatz zu den USA, die sehr detaillierte Gesetze und strenge Sanktionen kennen, gibt es in der Schweiz keine spezifischen Transfer Pricing-Gesetze, wobei die OECD-Richtlinien pragmatisch angewendet werden.
Warum ist Global Dealing für Banken besonders problematisch?
Die hohe Komplexität und Schnelligkeit bei Finanzinstrumenten erschwert eine klare Zuordnung von Kosten und Gewinnen zu einzelnen Standorten, was oft zu Konflikten mit Steuerbehörden führt.
Welche Rolle spielt die Dokumentation für den Steuerpflichtigen?
Eine fundierte Dokumentation ist essenziell, um die Beweislast bei Steuerprüfungen teilweise auf die Steuerbehörden zu übertragen und das Risiko von Steuernachzahlungen und Bussen zu minimieren.
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- lic.oec.publ Michael Ruckstuhl (Author), 2006, Transfer Pricing bei Schweizer Banken und Versicherungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63683