Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Systems - Germany

Elitenförderung und Elitenrekrutierung

Title: Elitenförderung und Elitenrekrutierung

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Tilo Siewert (Author)

Politics - Political Systems - Germany
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Dass es in modernen Industriestaaten Eliten gibt, ist nicht umstritten. Welche Personen oder Gruppen als Eliten bezeichnet werden sollten dafür umso mehr. Genauso strittig ist es, ob und wie die Bildung und Rekrutierung von Eliten durch institutionelle Regelungen gefördert werden sollte. Im Bereich des Sports zum Beispiel, ist diese Frage nicht weiter problematisch. Die außerordentliche Förderung von ausgewählten Spitzensportlern oder ganzen Sportmannschaften erfreut sich zumeist allgemeingesellschaftlicher Akzeptanz und wird nur selten ernsthaft kritisch hinterfragt. Ganz anders hingegen in gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Verwaltung oder Wirtschaft. Hier werden Begriffe wie Elitenförderung oder Elitenrekrutierung äußerst kritisch betrachtet. Einwände werden oftmals mit einhergehender sozialer Ungerechtigkeit und fehlender Chancengleichheit begründet (Wiesendahl 2004: 124).
Zumindest aus staatlicher Perspektive ist die Elitenförderung und -rekrutierung für moderne Industriestaaten aber durchaus interessant und bedeutsam. Besonders hochkomplexe und arbeitsteilige Gesellschaften haben einen gewissen Bedarf an überdurchschnittlich qualifizierten und leistungsfähigen Menschen, die in bestimmten Positionen verantwortungsvoll zentrale Entscheidungen treffen (Urban 2004: 34; Görlitz/Sigrist 2004: 238). Die Frage, die sich daraus ergibt, ist, welche institutionellen Möglichkeiten sich für den Staat bieten, damit diese Positionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft leistungsgerecht besetzt werden können.
In der vorliegenden Arbeit wird dieser Frage nachgegangen. Dafür ist es zunächst notwendig, den Begriff Elite,der ideengeschichtlich stark belastet ist (Krais 2001: 11), in seiner Bedeutung für diese Arbeit abzugrenzen und einzuschränken (Kapitel 2). Ausgehend vom Begriff der Leistungseliten und einer näheren Bestimmung des Begriffs Leistung wird anschließend die Elitenförderung und -rekrutierung an den Fallbeispielen Frankreich, USA, und Deutsch-land dargestellt (Kapitel 3). Dabei wird herausgearbeitet ob und wie Eliten institutionell gefördert werden und inwieweit die individuelle Leistung als Auswahlkriterium für die jeweiligen Spitzenpositionen dient.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Auserlesenen - Verständnis vom Begriff Elite

3. Elitenförderung und Elitenrekrutierung

3.1. Frankreich

3.2. USA

3.3. Deutschland

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die institutionellen Möglichkeiten der Elitenförderung und -rekrutierung in modernen Industriestaaten. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie in Politik, Verwaltung und Wirtschaft Spitzenpositionen leistungsrecht besetzt werden können und inwieweit individuelle Leistungen sowie Bildungssysteme als Auswahlkriterien dienen.

  • Etymologische und soziologische Abgrenzung des Begriffs "Elite"
  • Vergleich staatlicher Elitenförderung (Frankreich) versus privater Modelle (USA)
  • Analyse des deutschen Systems im Kontext fehlender spezialisierter Elitehochschulen
  • Untersuchung von Leistungskriterien in Bildung und Berufsrekrutierung
  • Evaluation der Rolle von Habitus und sozialen Kompetenzen neben formalen Qualifikationen

Auszug aus dem Buch

3.1 FRANKREICH

Neben den normalen staatlichen Universitäten, die in der Regel stark überlaufen und unterfinanziert sind (Wasner 2004: 155), gibt es in Frankreich eine ganze Vielzahl von speziellen Elitehochschulen, den so genannten Grandes Écoles. Die Finanzierung der Grandes Écoles ist unterschiedlich. Eine große Anzahl ist diversen staatlichen Ministerien unterstellt, andere werden von privaten oder öffentlich-rechtlichen Trägern finanziert (DAAD 2006). Von den insgesamt ca. 2,2 Millionen Studenten in Frankreich studieren nur etwa 100.000 an einer der Grandes Écoles (Hartmann 2004: 110). Die mit Abstand wichtigsten dieser Hochschulen für die französische Elitenförderung und -rekrutierung in den Bereichen Politik, Verwaltung und Wirtschaft sind die École Polytechnique, die Hautes Études Commerciales (HEC) und die École Nationale d’Administration (ENA) (Hartmann 2004: 110).

Die verschiedenen Hochschulen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ausbildungsrichtungen, haben aber die Gemeinsamkeit, dass zur Aufnahme zwingend eine Aufnahmeprüfung (Concours) erfolgreich absolviert werden muss. Die Aufgabe der 1945 gegründete öffentlich-rechtlichen ENA besteht in der Ausbildung hoher Beamter für diverse Laufbahnen (Staatsrat, Rechnungshof, Generalinspektionen, Verwaltungsrichter) (ENA 2006: 2). Nach dem Jahresbericht der ENA bewarben sich im Jahr 2004 1.259 Personen für das Auswahlverfahren. Nach den Aufnahmeprüfungen an der ENA angenommen wurden davon 7,2% (ENA 2005: 7). Prinzipiell können sich drei Personengruppen für das Auswahlverfahren bei der ENA bewerben (ENA 2006: 2): Das externe Auswahlverfahren ist offen für Studenten, die nicht älter als 28 Jahre sind und einen Diplomhochschulabschluss nachweisen können. Hier können sich neben den französischen Studenten nach einer Verordnung aus dem Jahre 2004 nun auch alle entsprechenden Staatsbürger der europäischen Gemeinschaft bewerben. Das interne Auswahlverfahren ist offen für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes, die nicht älter als 40 Jahre sind und mindestens vier Dienstjahre nachweisen können. Das dritte und letzte Auswahlverfahren ist offen für Personen, die ebenfalls nicht älter als 40 Jahre sind und dabei mindestens acht Jahre Berufserfahrung außerhalb des Verwaltungsbereiches nachweisen können oder mindestens acht Jahre Mitglied einer gewählten Versammlung einer Gebietskörperschaft waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen Elitenförderung und Chancengleichheit ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der institutionellen Möglichkeiten für eine leistungsrechte Besetzung von Spitzenpositionen.

2. Die Auserlesenen - Verständnis vom Begriff Elite: Dieses Kapitel definiert den Begriff "Elite" etymologisch sowie soziologisch und führt den Begriff der "Leistungselite" als zentralen Maßstab der Arbeit ein.

3. Elitenförderung und Elitenrekrutierung: Das Hauptkapitel analysiert die Rekrutierungsmechanismen und Bildungssysteme in Frankreich, den USA und Deutschland unter Berücksichtigung von Ausbildungswegen und Auswahlkriterien.

3.1. Frankreich: Frankreich zeichnet sich durch ein staatlich geprägtes System mit spezialisierten Elitehochschulen (Grandes Écoles) aus, die durch strenge Auswahlprüfungen hochqualifizierte Führungskräfte rekrutieren.

3.2. USA: Das US-amerikanische Modell ist überwiegend privat organisiert, wobei renommierte Universitäten der Ivy League eine Schlüsselrolle spielen, jedoch oft durch sozioökonomische Faktoren beeinflusst werden.

3.3. Deutschland: Deutschland verfügt über keine spezialisierten Elitebildungseinrichtungen, stattdessen dominieren staatliche Universitäten und parteiinterne Rekrutierungswege ("Ochsentour").

4. Schlussbetrachtungen: Das Fazit stellt das staatliche französische Modell dem privaten US-Modell gegenüber und diskutiert die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen, mehrstufigen Elitenförderung.

5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und Fachpublikationen aufgeführt, die zur Analyse der verschiedenen nationalen Elitenrekrutierungssysteme herangezogen wurden.

Schlüsselwörter

Elitenförderung, Elitenrekrutierung, Leistungselite, Bildungssystem, Frankreich, USA, Deutschland, Grandes Écoles, Ivy League, Chancengleichheit, Spitzenpositionen, Politikwissenschaft, Sozialkompetenz, Habitus, Leistungsprinzip

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Mechanismen und institutionellen Strukturen der Elitenförderung und -rekrutierung in den modernen Industrienationen Frankreich, USA und Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Definition von Leistungseliten, den Vergleich nationaler Bildungssysteme sowie die Auswirkungen dieser Systeme auf den Zugang zu Führungspositionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwieweit staatliche oder private Institutionen eine leistungsgerechte Elitenrekrutierung ermöglichen und wie dabei objektive Qualifikationskriterien mit anderen Faktoren interagieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Analyse der nationalen Bildungssysteme und Rekrutierungswege unter Rückgriff auf politikwissenschaftliche und soziologische Fachliteratur durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Elitehochschulen in Frankreich, die Rolle privater Universitäten in den USA sowie die parteipolitisch geprägten Karrieremuster in Deutschland.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Elitenförderung, Leistungselite, Grandes Écoles, Ivy League, Chancengleichheit und Rekrutierungswege.

Warum spielt der "Habitus" in der französischen Elitenrekrutierung eine Rolle?

Die Arbeit weist darauf hin, dass neben fachlichen Leistungen auch ein spezifischer Habitus, der in "besseren Kreisen" vermittelt wird, als wichtiges Auswahlkriterium für den Zugang zu den Grandes Écoles fungiert.

Welche Rolle spielt die Finanzierung für das US-amerikanische System?

Da die Top-Universitäten in den USA überwiegend privat finanziert sind, entstehen ökonomische Sachzwänge, die den Einfluss formaler Leistungsnachweise zugunsten sozialer oder finanzieller Faktoren verschieben können.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Elitenförderung und Elitenrekrutierung
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Eliten in der BRD
Grade
1,7
Author
Tilo Siewert (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V63694
ISBN (eBook)
9783638566797
ISBN (Book)
9783656599272
Language
German
Tags
Elitenförderung Elitenrekrutierung Eliten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tilo Siewert (Author), 2006, Elitenförderung und Elitenrekrutierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63694
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint