Mit der vorliegenden Hausarbeit möchte ich den aktuellen Stand der Forschung zum Verhältnis der Protestierer zum Fernsehen zusammenfassen. Der zeitli-che Rahmen orientiert sich dabei an der Regierungszeit der großen Koalition vom 01.12.1966 bis zum 28.09.1969, da die Protestbewegung in diesem Zeitraum den größten Einfluss auf das öffentliche Leben in der Bundesrepublik Deutschland hatte. Allerdings wird diese zeitliche Eingrenzung stellenweise durchbrochen, da entschei-dende, aber nicht zwangsläufig spektakuläre Ereignisse bereits lange vorher passierten, deren Auswirkungen aber nicht sofort ersichtlich waren.3
Den Auftakt dieser Arbeit bereitet eine Übersicht der Ziele der Studentenbewegung sowie eine knappe Zusammenfassung der Ereignisse im Untersuchungszeitraum (Kapitel 2). Vor einer detaillierten Betrachtung der Fernsehberichterstattung folgt eine Zusammenfassung der strukturellen Bedingungen des Fernsehens zwischen 1960 und 1970 sowie zum Mediennutzungsverhalten (Kapitel 3). Danach soll eine Verbindung zwischen den Protestierern und dem Fernsehen erstellt werden (Kapitel 4), bei der es um die einzelnen Aspekte der Berichterstattung, ihrer Intensität und den dafür relevanten Gründen geht. Für die Einordnung der Berichterstattung und der Reaktionen möchte ich auf zwei Theorien aus der Kommunikationswissenschaft zurückgreifen: der Nachrichtenwerttheorie und dem Hostile-Media-Effect.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen zur 68er-Protestbewegung
2.1 Ziele
2.2 Ablauf
2.3 Kulturtheorien
3 Fernsehen in den sechziger Jahren
3.1 Struktur
3.2 Programmausbau
3.3 Die Entdeckung der politischen Berichterstattung
3.4 Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
3.5 Stellung des Fernsehens in der Gesellschaft
4 Die 68er-Proteste als Medienereignis
4.1 Vom Ereignis zur Nachricht
4.1.1 Nachrichtenwerte
4.1.2 Weitere Einflussfaktoren
4.2 Die Studentenproteste im Medienfokus
4.3 Aktion und Person als Medienereignis
4.4 Konkurrierende Medien: Fernsehen und Buch
4.5 Darstellung und Wirkung der Proteste im Fernsehen
4.6 Erklärungsvarianten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der 68er-Protestbewegung und dem Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es, die Hypothese zu hinterfragen, ob es sich bei der 68er-Bewegung um eine „TV-Bewegung“ handelte, indem das Zusammenspiel von studentischen Protestaktionen und der damaligen Fernsehberichterstattung analysiert wird.
- Analyse der 68er-Protestbewegung und ihrer Ziele.
- Strukturelle Untersuchung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der 1960er Jahre.
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Protestformen und Nachrichtenwerten.
- Diskussion über das Ausgewogenheitsprinzip und die mediale Darstellung.
- Anwendung kommunikationswissenschaftlicher Theorien wie der Nachrichtenwerttheorie und des Hostile-Media-Effects.
Auszug aus dem Buch
4.3 Aktion und Person als Medienereignis
Die Taten der Subversiven Aktion mögen die Spitze der Provokation darstellen, doch an ihr wird das Verhältnis der Protestierer zum Fernsehen am deutlichsten. Die Macher der Subversiven Aktion wussten um das öffentliche Interesse an ihren Handlungen, ihre fantasievollen Aktionen besaßen einen hohen Nachrichtenwert, der sich aus den Faktorendimensionen Dynamik, Nähe und Valenz speiste. Verständlich, dass die Journalisten eher über eine spektakuläre Aktion berichteten, denn über Kapitalismuskritik oder andere abstrakt-theoretische Anliegen der Protestierer. Doch brachte ihnen dieses Vorgehen den Vorwurf der Krawallberichterstattung ein. Verständlich vor dem Hintergrund der gerade entstehenden politischen Fernsehmagazine, die bei ihrer audiovisuellen Berichterstattung verschiedene Sinne der Zuschauer ansprachen und damit eine neue Dimension der Nachrichtenvermittlung gegenüber tradierten Medien wie dem Rundfunk oder der Tagespresse eröffneten.
Die Provokation fand nicht um ihrer selbst willen statt, es ging um die Schaffung von Öffentlichkeit, um die Verbreitung des kritischen Gedankengutes. „Die Schwachstelle des Systems waren die Massenmedien, die zwar grundsätzlich die herrschende Meinung transportierten, sich aber noch viel mehr von ihrer Sensationsgier leiten ließen. Als die Studenten das erkannt hatten, erfanden sie mit enormer Phantasie immer wieder spektakuläre Aktionen, die begierig aufgegriffen wurden“ (Uesseler 1998:17).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob die 68er-Bewegung primär durch das Fernsehen ermöglicht wurde und erläutert den Forschungsstand.
2 Grundlagen zur 68er-Protestbewegung: Dieses Kapitel beschreibt die Ziele, den zeitlichen Ablauf sowie die theoretischen Fundamente der 68er-Bewegung.
3 Fernsehen in den sechziger Jahren: Es erfolgt eine Analyse der Strukturen, der Programmentwicklung und der gesellschaftlichen Stellung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in dieser Dekade.
4 Die 68er-Proteste als Medienereignis: Das Hauptkapitel untersucht die Berichterstattung über Proteste unter Anwendung nachrichtenwissenschaftlicher Faktoren und theoretischer Modelle.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Hypothese der „TV-Bewegung“ kritisch vor dem Hintergrund der vorliegenden Datenlage.
Schlüsselwörter
68er-Bewegung, Fernsehen, Studentenproteste, APO, Medienereignis, Nachrichtenwerttheorie, Hostile-Media-Effect, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Provokation, Medienwirkung, politische Berichterstattung, 1960er Jahre, TV-Generation, Studentenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen der 68er-Protestbewegung und dem Fernsehen als damals aufsteigendem Leitmedium in der Bundesrepublik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Protestbewegung selbst, die Strukturen des damaligen Fernsehrundfunks sowie die Mechanismen, wie Ereignisse zu medialen Nachrichten werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung der Aussage, die 68er-Bewegung sei eine „TV-Bewegung“ gewesen, und die Untersuchung des Vorwurfs der parteilichen Fernsehberichterstattung.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Anwendung kommunikationswissenschaftlicher Theorien, insbesondere der Nachrichtenwerttheorie und des Hostile-Media-Effects.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den strukturellen Bedingungen des Fernsehens der 60er Jahre und der detaillierten Analyse der Berichterstattung über die Studentenproteste als Medienereignis.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die APO, Nachrichtenwerte, die Struktur des Rundfunks und das Ausgewogenheitsprinzip.
Welche Rolle spielte die „Subversive Aktion“ bei der medialen Wahrnehmung?
Die Subversive Aktion nutzte fantasievolle und provokante Methoden, um bewusst Aufmerksamkeit zu erregen, wodurch sie einen hohen Nachrichtenwert generierte.
Wie erklärt die Arbeit die Kritik an der Fernsehberichterstattung durch beide Konfliktseiten?
Die Arbeit zieht den „Hostile-Media-Effect“ heran, der besagt, dass Anhänger entgegengesetzter Positionen neutrale Berichte oft als feindselig interpretieren.
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- Michael Ludwig (Author), 2006, Eine TV-Generation? Die 68er-Bewegung und das Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63709