James Buchanan: Die Gesellschaft im Verteilungskampf


Seminararbeit, 2006

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung in die Aufgabenstellung
Einleitung in die Thematik und den Aufbau der Hausarbeit.

2. Die Perspektive James Buchanans
2.1. Die Biographie von James Buchanan
2.2. Begriffsdefinition des Rent-Seeking
2.2.1. Der methodologische Individualismus
2.2.2. Der homo oeconomicus
2.2.3. Die Politik als Tausch
2.3. Wirkungszusammenhänge

3. Kritische Würdigung des Rentseeking auf Basis der Literatur
3.1. Der Ansatz der konstitutionellen Ökonomik – ein Paradigmenwechsel?
Bedeutet der Theorie – Ansatz von James Buchanan wissenschaftlichen Fortschritt und die Abkehr von bisherigen Erklärungsansätzen?
3.2. Die orthodoxe Position als Ausgangspunkt für die konstitutionelle Ökonomik
Geschichtlicher Zusammenhang der Entstehung der koventionellen Sicht der distributiven Gerechtigkeit.
3.3. Die Moral als notwendige externe Stütze der konstitutionellen Ökonomik?
Ist die Funktion der konstitutionellen Ökonomik nur mit Hilfe der Moral zu gewährleisten? Bedingt der theoretische Ansatz die Moral, oder entsteht das gesellschaftliche Gewissen aus dieser Theorie?

4. Ergebniszusammenfassung
Kurze Zusammenfassung der Aufgabenstellung, der daraus abgeleiteten Gedankenschritte sowie der gewonnen Ergebnisse.

5. Literaturverzeichnis

Erklärung des Verfassers

1. Einleitung in die Aufgabenstellung

Nach fast zwei Legislaturperioden unter einer sozialdemokratisch dominierten Regierungskoalition haben die Bürger der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2005 durch vorgezogene Bundestagswahlen eine neue Bundesregierung gewählt. Seit dieser Wahl versucht eine große Koalition, bestehend aus den beiden Volksparteien SPD und CDU die notwendigen Reformen für Deutschland umzusetzen. In der ersten Zeit fielen Vertreter beider Parteien zunächst mit zahlreichen Vorschlägen auf, wie diese Reformen auszusehen haben und mit welch einschneidenden Maßnahmen die Bürger rechnen müssten, um die Volkswirtschaft und die politische Vertretung des Landes „fit“ für die Zukunft zu machen. Als besonders einschneidende Maßnahme wurde zu Beginn der Regierungsarbeit der Abbau von Subventionen diskutiert, also der Abbau von Transferleistungen durch den Staat. Hier sei, so politische Vertreter, noch sehr viel Einsparpotential vorhanden und sehr viele ungerechtfertigte Hilfestellungen des Staates zu beseitigen. Nach fast einem Jahr Regierungsarbeit sind nun zahlreiche Reformen auf den Weg gebracht worden. Sucht man jedoch in diesen Reformen nach dem vorher groß angekündigten Subventionsabbau, wird man zumeist nicht fündig. Dabei war die Notwendigkeit von staatlichem Subventionsabbau von einer Mehrheit unterstützt worden.

Diese Hausarbeit will sich der Frage widmen, warum politische Maßnahmen nach außen derart lautstark gefordert werden, in der tatsächlichen Regierungsarbeit aber nicht umgesetzt werden. Sie will Gründe suchen, auf welcher Basis Politiker Entscheidungen treffen und welche Präferenzen sie dabei befolgen. Der im Jahre 1986 mit dem Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete Wirtschaftswissenschaftler James McGill Buchanan liefert mit der konstitutionellen Ökonomik einen Erklärungsansatz, der Ausgangspunkt und Basis dieser Ausarbeitung ist. Nach einer kurzen Vorstellung der Person James Buchanans in Kapitel 2.1. wird der Begriff des „Rent-Seeking“ aus der Arbeit des Wissenschaftlers (Kapitel 2.2.) definiert. Neben einer Begriffsdefinition sollen in Kapitel 2.3 die zentralen Argumente des „Rent-Seekings“ – der „methodologische Individualismus“ (Kapitel 2.3.1.), der „homo oeconomicus“ (2.3.2.) sowie der Punkt „Politik als Tausch“ (2.3.3.) - beleuchtet werden. Diese Punkte sind Basis der Theorie James Buchanans, um die Handlungsstrukturen in der politischen Arbeit zu analysieren. Jeder Punkt für sich genommen liefert Einblicke in die Thematik und soll schließlich in Kapitel 2.4. hinsichtlich seiner Wirkungen zusammengefügt werden.

Kapitel Drei soll das Rent-Seeking und die Theorie von James Buchanan kritisch beleuchten. In der Literatur ist die Arbeit von James Buchanan in vielen Schriften analysiert und hinsichtlich ihrer Durchsetzbarkeit überprüft worden. In Abschnitt 3.1. steht die Frage im Vordergrund, inwieweit der Ansatz James Buchanans ein Paradigmenwechsel für die Wissenschaft bedeutet, in Abschnitt 3.2. wird die orthodoxe Position der distributiven Gerechtigkeit als Ansatzpunkt für die Theorie Buchanans analysiert. Von einer Grundform der Verteilungsgerechtigkeit werden hier theoretische Modelle anderer Formen der Verteilung entwickelt, immer jedoch steht die Aufgabe einer Suche nach möglichst gerechter Verteilung von Gütern im Vordergrund. Vor der Zusammenfassung der Ergebnisse in Kapitel 4. wird in dieser Ausarbeitung noch auf einen Aspekt eingegangen, der die Theorie James Buchanans hinterfragt. In Kapitel 3.3. steht die Frage im Vordergrund, inwieweit eine externe Stütze, hier in Form der Moral, für das Funktionieren der konstitutionellen Ökonomik notwendig ist. Zunächst beginnt diese Ausarbeitung im Folgenden mit Kapitel 2, der Perspektive James Buchanans.

2. Die Perspektive James Buchanans

James Buchanans Entwurf einer politischen Ökonomie, also der effizienten Arbeit der Politik, die den Bedürfnissen einer Mehrheit der Bürger Rechnung trägt, betrachtet Buchanan selbst als eine Weiterentwicklung und Ausarbeitung der Arbeiten von Johan Gustav Knut Wicksell. Wicksell wurde am 20. Dezember 1851 in Stockholm geboren. 1869 begann er ein Studium der Mathematik an der Universität Uppsala, das er bereits nach zwei, statt der sonst üblichen vier Jahre abschließen konnte. Wicksell war gegenüber der Marxschen Theorie stets kritisch eingestellt. Dies ist die Einstellung, die Buchanan bereits in einem frühen Stadium seiner wissenschaftlichen Arbeit ebenfalls einnahm. Wicksell wurde wegen seines Mathematikstudiums Unkenntnis über die für Bevölkerungsfragen relevanten wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhänge vorgeworfen, was ihn veranlasste, ein systematisches Studium der Volkswirtschaftslehre zu beginnen. In politischen und sozialen Fragen galt Knut Wicksell als Radikaler, hingegen in Fragen der Wirtschaftswissenschaften als Konservativer. Äußerst unzufrieden war Wicksell mit dem schwedischen Steuersystem, weshalb er sich fortan überwiegend mit finanzwissenschaftlichen Fragen beschäftigte. 1895 promovierte er an der Universität Lund mit seiner Arbeit „Zur Lehre von der Steuerinzidenz“, die Teil einer 1896 erscheinenden Untersuchung zum Steuerwesen Schwedens ist. Mit seiner Arbeit „Über ein neues Prinzip der gerechten Besteuerung“ ist die Entwicklung der Finanzwissenschaft in entscheidender Weise beeinflusst worden und hat auch James Buchanan als Ausgangspunkt für seine Arbeit gedient.1

In seiner Nobel-Lesung vom 08. Dezember 1986 beschreibt James Buchanan, in welcher Weise ihm die Ausarbeitungen Knut Wicksells zu seiner Arbeit inspiriert haben. Buchanan fand 1948 eine bislang unbekannte und unübersetzte Schrift Knut Wicksells mit dem Titel „Finanztheoretische Untersuchungen“, deren Ansätze mit den Ideen Buchanans übereinstimmten. Buchanan wollte zunächst diese Arbeit einem breiten Publikum zugänglich machen und übersetzte und publizierte sie. Kernbotschaft der Aussagen von Knut Wicksell war eine Anweisung an die damaligen Ökonomen, den Politikern keine weiteren Ratschläge zu erteilen, die ihnen und ihrer Arbeit nur schmeicheln. Wicksells Ziel war die Fokussierung auf den äußeren Rahmen, in dem politische Entscheidungen getroffen werden. Buchanan verfolgte einen ähnlichen Ansatz und entwarf zunächst ein Modell des Staates und der Politik, bevor er die Auswirkungen politischer Maßnahmen analysierte. Er studierte die „Verfassung der Wirtschaftspolitik“, um herauszufinden, welchen Regeln und Zwängen politisch handelnde Menschen ausgesetzt sind. Wie Wicksell wollte Buchanan mehr normativ als wissenschaftlich an die Sache herangehen, um die Beziehung zwischen Staat und den Menschen zu analysieren. Auf der Basis einer vollständigen Analyse des Rahmens wollte er dann gezielt Ratschläge zu Veränderungen geben können. Schon Knut Wicksell benannte in seiner 1896 erschienenen Schrift zum Steuerwesen Schwedens die drei zentralen Elemente, die auch Buchanan als Fundament seiner Theorie bezeichnet: Den „methodologischen Individualismus“, den „homo oeconomicus“ und den Begriff der „Politik als Tausch“.2 Auf diese drei Begriffe wird in den Kapiteln 2.2.1. – 2.2.3. explizit eingegangen werden.

2.1. Die Biographie von James Buchanan

James McGill Buchanan wurde am 03. Oktober 1919 in Murfreesboro, Tennessee, USA geboren. Seine Universitätskarriere begann mit einem B.A.-Studium am Middle Tennessee State College, wo er 1940 seinen Abschluss erwarb. Den Master - Abschluss absolvierte er 1941 an der University of Tennessee und 1948 promovierte er an der University of Chicago. Am 05. Oktober 1945 heiratete er Anne Bakke Buchanan, die Ehe blieb jedoch kinderlos. Sein beruflicher Werdegang begann 1956 an der University of Virginia, wo er bis 1968 beschäftigt war. 1968 erfolgte der Wechsel an die University of California, ehe er 1969 an das Virginia Politechnic Institute wechselte. Seit 1989 ist James McGill Buchanan General Direktor des Center for Study of Public Choice und der Harris University und lehrt an der George Mason University in Fairfax, Virginia.

Zahlreiche Auszeichnungen prägen die Arbeit von James Buchanan. 1982 wurde er zum Ehrendoktor der Universität Gießen ernannt, 1983 Ehrenmitglied der American Economic Association. 1984 sprach man ihm die Ehrendoktorwürde der Universität in Zürich zu und er gewann die Auszeichnung „Frank Seidman Distinguished Award in Political Economy“. Die Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeit gipfelte 1986 mit der Verleihung des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften.3

2.2. Begriffsdefinition des Rent-Seeking

Um den Begriff „Rent-Seeking“ definieren zu können, sind einige Herleitungen notwendig. James Buchanan entwickelt seine Theorie zur Erklärung politischer Zusammenhänge. Politisch tätige Gruppen sind wie auch Gruppen mit anderen gemeinsamen Interessen Zusammenschlüsse von Menschen. Dabei ist entscheidend zu wissen, warum sich Menschen zu Gruppen zusammenschließen. Der Mensch gilt eigentlich als ein Individualist, der versucht, ökonomisch zu handeln und seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Es kann dennoch vorkommen, dass die individuellen Ziele des Einzelnen in einem Zusammenschluss mit mehreren Menschen einfacher zu erreichen ist. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, aber auch politische Parteien können als Beispiele für einen solchen Zusammenschluss gelten. Solche Gruppen kommen immer dann zustande, wenn der Nutzen einer solchen Mitgliedschaft größer ist, als die Kosten der Mitgliedschaft. Die Gruppenmitglieder handeln trotz ihres Zusammenschlusses noch eigennutzmaximierend. Buchanan übertrug diese Theorie auch auf die Politiker, worauf im Folgenden dieses Kapitels noch näher eingegangen werden soll.4

[...]


1 vgl. Hagemann, Prof. Dr. Harald, „Knut Wicksell – moderner Ökonom und Sozialradikaler“.

2 vgl. H.C. Rechtenwald, „Die Nobelpreisträger der ökonomischen Wissenschaft“, Band 2

3 vgl. H.C. Rechtenwald, S. 929

4 vgl. Buchanan, James, “Toward a Theory of the Rent-Seeking Society” sowie

Eekhoff, Prof. Dr. Johann, „Rent-Seeking und Rent-Creating“, Köln

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
James Buchanan: Die Gesellschaft im Verteilungskampf
Hochschule
Universität Trier  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Der Aufstieg und Fall von Nationen – ökonomische Erklärungsansätze auf dem Prüfstand
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V63749
ISBN (eBook)
9783638567190
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
James, Buchanan, Gesellschaft, Verteilungskampf, PbSf, Grundstudium, Aufstieg, Fall, Nationen
Arbeit zitieren
Martin Voßwinkel (Autor), 2006, James Buchanan: Die Gesellschaft im Verteilungskampf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63749

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